Störkraft

7 07 2015

„Wir können Ihnen erstklassiges Material liefern, erstklassig! alles aus erster Hand! Sämtliche Leute absolut verfassungsfeindlich, damit kriegen Sie die NPD aber in Nullkommanix von der Platte geputzt! Absolut verfassungsfeindlich! Na logisch, wir von der Alternative können doch wohl unser Geschäftsmodell beurteilen.

Die meisten unserer Fachkräfte sind ja bei den Nationaldemokraten ausgebildet worden, da legen wir sehr viel wert auf deren Fachkompetenz. Also das Demokratische stört uns jetzt weniger, falls Sie das meinen – bis auf Erika Steinbach hält ja auch keiner die Nationalsozialisten für sozialistisch. Und nach der Klärung unserer programmatischen Ausrichtung haben wir nun sehr viele Mitglieder, die wir gewissermaßen als Blutzeugen der alten Nazipartei – hören Sie mir überhaupt zu? Ich sagte, der alten Nazipartei, wir betreiben hier doch keinen begleiteten Suizid!

Wie gesagt, die meisten unserer Führungskräfte – Ihre Hitlerwitze sparen Sie sich besser, wir sind nämlich irgendwann an der Macht, und dann werden Sie schon merken, was Ihnen solche Vergleiche bringen – sind gut sozialisiert worden, also national sozialisiert, wollte ich sagen, und da haben wir uns gedacht, wir würden jetzt gerne mal deren internes Fachwissen über die NPD an Sie weiterleiten. Den Pressemitteilungen entnehmen wir jedenfalls, dass Sie das Verbot dieser Partei noch ernst nehmen, korrigieren Sie mich bitte, wenn mich meine Kollegen nicht korrekt informiert haben sollten. Wenn wir diesen rechtsstaatlichen Vorgang, mit staatlichen Sachen kennen wir uns noch nicht so aus, aber mit rechts halt, wenn wir diesen rechtsstaatlichen Vorgang nun ein bisschen beschleunigen könnten im Sinne einer für alle positiven Wahrheitsfindung, könnten wir dann nicht auch zur einer gemeinsamen Lösung finden?

Sie müssen dann gar nicht mehr so viele V-Leute einsetzen, das heißt, Sie können natürlich noch V-Leute einsetzen. Die bringen Geld mit, oder? Ich frage für einen Mitgliederschwund. Und da treffen sich unsere Interessen. Sie wollen keine NPD mehr und Ihren Job nicht verlieren, und wir sind eben eine junge, aufstrebende Partei im Spektrum derer, die die Überlegenheit der deutschen Minderheit noch nicht unter dem Joch der Fremdrassen für ein bisschen kriegsfreie Koexistenz verleugnet haben. Das passt doch sehr gut zusammen, und da Sie sich ja offiziell immer noch der Verfassung unterwerfen, die die Siegermächte unserem Reich aufoktroyiert haben, könnte das ein recht reizvoller Kontrast werden.

Und bitte vernachlässigen Sie nicht diesen Flügel aus Linksradikalen, der gerade die Partei verlassen hat. Vermutlich wollen die gerade eine neue national sozialistische Partei aufbauen. Der Henkel, das war doch immer schon so ein Stalinist, wissen Sie doch, oder?

Aber Sie setzen doch auf Nachhaltigkeit. Ich meine, wozu gibt es denn den Verfassungsschutz? Um die Verfassung zu schützen ja wohl nicht. Sie machen sich einfach eine schöne Zeit mit dem, was Sie als radikal betrachten, gerne auch mal so, dass es Sie nicht weiter stört – nicht, dass ich Sie davon abhalten würde, bewahre! – aber wenn Sie schon zu anstrengungslosem Wohlstand kommen, warum dann so allein? Lassen Sie uns doch Ihren Weg begleiten. Wir sorgen schon für einen nachhaltigen Erfolg.

Uns tut es schon ganz gut, wenn wir den einen oder anderen Spinner aus den vorderen Reihen entsorgen. Nicht wegen der Gesinnung, glauben Sie das bloß nicht – Ideologie ist uns völlig egal, wir wollen eigentlich bloß gewählt werden. Aber wenn wir dann als parlamentarisch legitimierte Störkraft ein bisschen diese demokratischen Zustände aufmischen können, das ist doch ganz in Ihrem Interesse? Ab und zu ein Bauernopfer, Ihre sind Mitarbeiter sind ja meist auf einem Auge blöd, und dann haben Sie gute Schlagzeilen, und dann haben wir gute Schlagzeilen, und wenn dann wieder mal ein paar Neonazis enttarnt, von denen keiner wissen konnte, dass sie Mitglied in der NPD waren, und dann ist letztlich alles wieder gut.

Nein, ernsthaft – das mit dem NSU war schon ein Schock für Deutschland. Die Investoren, dann haben sicher auch viele muslimische Verbände überlegt, ob sie nicht noch mehr Terroristen nach Europa schicken sollen, und es ist doch auch lästig, denn sich unsere Volksgenossen für jede ungeplante Säuberungsaktion vor dem Staatsanwalt rechtfertigen muss, obwohl klarer Befehl vom Bundesinnenminister vorlag. Wir unterwandern den ganzen Verein doch sofort, ohne Spitzel, ohne freiwillige Helfer. Dann haben Sie keinen NSU mehr, sondern einen nationalsozialistischen Überbau. Und wenn Sie uns dann auch noch behilflich sein könnten, die, sagen wir ruhig mal, Menschen mit genetischen Defiziten von einer deutschen Familie fernzuhalten, dann haben wir schon mal eine vernünftige Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit. Deal?“

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