Volkssturm

18 08 2015

„Aber natürlich wären wir sehr froh, wenn wir Sie gewinnen könnten. Es geht ja um die gute Sache, es geht um die – verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, ich sage das nur so – um eine nationale… das hat den Ausschlag gegeben? Dann würde ich mich sehr freuen, Sie als Mitarbeiter wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Wann haben Sie denn den Dienst quittiert? Achtundneunzig? Dann sind Sie ja mit den aktuellen politischen Strömungen bestens vertraut, und der Wiedereinstieg ist für Sie… – Wie, Sie sind achtundneunzig? Na, das erleichtert die Sache ja ungemein.

Wir bräuchten da nämlich Ihre Unterstützung. Der Fachkräftemangel, nicht wahr? und Sie haben ja Ihre Verwaltungstätigkeit zu einer Zeit erlernt, als wir noch nicht so viele Rechtshindernisse hatten. Also nicht, dass Sie die SPD und ihre Beteiligung an der Regierung für eine große Hürde halten sollten. Wir legen Ihnen da keine Steine in den Weg, Herr Regierungsrat a. D.

Die Sache ist ja die, Herr Regierungsrat – es gibt zu viele Asylanten, und da müssen wir im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung… Ich sage ja, die gibt uns den Rahmen vor. Innerhalb dieser Grenzen dürfen Sie frei entscheiden, es sei denn, unsere wirtschaftlichen Rahmenrichtlinien sind im Weg. Dann sollten wir noch einmal Rücksprache halten, ob wir uns gegebenenfalls, und ich kann da nur aus Erfahrung sprechen, aber wenn ich mir die Planung unserer Rüstungskonzerne ansehe, sollten wir einigermaßen rechtssicher unsere Aufgaben erledigen können. Unsere Aufgaben, Herr Regierungsrat. Die Aufgaben, nicht die Antragsteller.

Als Volkssturm, Herr Regierungsrat. Weil wir ja zur Verteidigung der Außengrenzen… – Die Mittel sind eben relativ schnell erschöpft. Man kann nicht alles gleichzeitig retten, Banken, Grundgesetz, Energiekonzerne, da muss man Prioritäten setzen. Könnte sein, dass wir Sie mit Ihrem Fachwissen in eine Außenstelle des Reichs in… des Bundes, wollte ich sagen, wir sind ja eine Bundesbehörde, in eine Außenstelle an der Bundesgrenze versetzen, und Sie bearbeiten da die Aufnahmeanträge, die Widersprüche, die Klagen, wissen Sie, wir sind da gerne rational. Die deutsche Verwaltung hat seit damals nichts an Effektivität eingebüßt. Die Hauptsache ist ja, dass die Zahlen stimmen. Ihre Enkeltochter arbeitet bei der Bundesagentur für Arbeit? Na, das ist ein Zufall! da wissen Sie ja noch viel besser, wovon ich spreche!

Nebenbei kümmern wir uns auch im die organisierte Kriminalität, aber bitte seien Sie da ein bisschen vorsichtig. Das Innenministerium gibt montags heraus, was wir als kriminell betrachten. Jeden Montag. Mal kann das der sogenannte Grundrechtsbetrug sein – das ist schon recht komplexe Materie, aber der Innenminister arbeitet halt auf diesem Niveau – und mal reicht dann die falsche Herkunft. Das sagt Ihnen etwas? Ja, das sagt mir dann auch etwas.

Wir hätten ja auch lieber junge Mitarbeiter eingestellt, und wir hätten auch gerne neue Mitarbeiter ausgebildet, aber stellen Sie sich das mal praktisch vor im Apparat. Also nicht im öffentlichen Dienst, sondern in der Partei. Die wollen zwei, drei Legislaturperioden länger am Hebel bleiben, und dann kann es ja gut sein, dass die Regierungsparteien eben schnell noch ein paar Gesetze so schneidern, dass wir einen unbeschränkten Zuzug von Asylbewerbern nach Deutschland haben. Einerseits garantiert uns das die Bundestagsmehrheit, weil wir dann sagen können, dass wir natürlich die ganzen Flüchtlinge wieder rausschmeißen müssen, und dann haben wir auch die Rechtfertigung für die vielen zusätzlichen Stellen, aber dann werden es noch viel mehr Asylanträge, und dann reden die Leute am Stammtisch natürlich noch viel mehr, dass wir nichts tun… – Wannseekonferenz? Ich nehme das mal so auf, Herr Regierungsrat. Ich werde das erstmal an die Ausschüsse weiterleiten. Falls da irgendwann Interesse bestehen sollte.

Sie haben ein Lager organisiert? Das ist ja auch sehr hübsch, Herr Regierungsrat, aber das würde doch hier zu weit gehen. Ach so, Sie wollten eins von den Zeltlagern verwalten. Nein, das schaffen wir schon. Wenigstens in dem Maß, in dem es bis jetzt erforderlich ist. Wenn wir da Ihre Hilfe brauchen könnten, würden wir uns noch einmal bei Ihnen melden. Nein, auch nicht gewinnorientiert, Herr Regierungsrat. Wir haben das Konzept schon im Griff.

Das heißt, wir könnten uns auf Sie verlassen? Sehr gut! Dienstbeginn wäre dann ab nächsten Ersten um acht Uhr. Sie haben ein Schreibtisch im Bezirksamt, und dann schauen wir mal, wie Sie mit dem Aufgabengebiet zurechtkommen. Wenn nicht, Sie sind ja ein deutscher Beamter. Was soll Ihnen da schon groß passieren? Was Sie mitbringen sollten, informieren Sie sich doch bitte aktuell an der politischen Lage der Flüchtlingsbewegung. Wir sind gehalten, uns zeitnah mit dem Geschehen auseinanderzusetzen, damit wir auf die wirren Ideen der Bundespolitik reagieren können. Falls mal mehr oder weniger kommen oder mehr von denen, oder zu viel von denen, von denen eigentlich für die eine oder andere Partei gar keine mehr… –

Ach, sagen Sie mal, kennen Sie eigentlich jemanden bei der Feuerwehr?“

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