Aber

27 08 2015

„Ziept ein bisschen, ist aber wieder zu entfernen, das Unangenehme: das Aufbringen tut scheiße weh, und das seht nicht auf der Packung. Die meisten zucken derart herum, dass dieses Ganzkörpertattoo total schief ist, verbeulte Hakenkreuze, quasi rechtwinklige – haha, rechtwinklig, ja? – SS-Runen und so Zeug halt. Absolut panne. Was das Pack so trägt.

Es reicht ja heute längst nicht mehr, dem kleinen Faschisten von nebenan eine Hakenkreuzarmbinde zu verticken und Original-Wehrmachtsstiefel Made in Taiwan, die sind auch etwas anspruchsvoller geworden. Bio-Seife aus rassereinen deutschen Schäferhunden, mit Unbedenklichkeitszertifikat, das muss schon sein. Und wehe, Sie haben da noch einen polnischen Aufdruck auf der Verpackung. Da können Sie aber einpacken. Auf der Stelle.

Neuester Schrei sind diese in Lizenz gefertigten Faltkartons, wenn Sie mal etwas verschicken wollen. Gute deutsche Ware, naturbrauner Karton, an den Rändern selbstverständlich scharf, damit auch genügend deutsches Blut für den Sieg fließt, lässt als Triumph des Willens sogar falten, und dann können Sie Ihren Mist an die Front senden. Nennt sich Pack-Set und wird sogar von führenden Sozialdemokraten empfohlen.

Das hier? das Standard-Set für den kleinen Nazi, natürlich auch mit einer Rolle Pack-Band. Haha, Pack-Band, ja? Sehen Sie, kann man sogar abschneiden, und da haben Sie das gute alte Fahrtenmesser, das nur der Jungscharführer sonst hätte aushändigen dürfen. So Zeugs halt.

Die meisten sind ja keine Nazis, aber. Der sogenannte Aber-Glaube. Daran erkennen wir unsere Zielgruppe, dass sie eigentlich mit ihren Überzeugungen gar nichts zu tun haben will. Klingt kompliziert? Die BILD verkauft sich damit seit Jahrzehnten ganz gut. Soll man das kritisch sehen, wenn man damit Umsatz machen kann?

Ja, Klamotten haben wir auch. Diese praktische Freizeithose wird gerne genommen, Fleece in altgrau, der Ton hält schon mal die eine oder andere Kundgebung des gesunden Volksempfindens aus. Kordelzug, falls Sie zwischendurch das eine oder andere Bierchen zu sich nehmen. Und wenn es zu viel war, haben Sie innen diesen formschönen Beutel. Das Modell Pre-Pissed lief in den letzten Jahren schon nicht mehr, eigentlich können Sie das seit Hoyerswerda schon nicht mehr tragen. Den Beutel nehmen Sie einfach hier raus, so, und dann können Sie ihn ausleeren. Wenn Ihnen im ÖPNV mal Kopftuchmädchen über den Weg laufen.

Diese Baseballkappe mit Scheuklappen lief eher nicht so. Aber wahrscheinlich haben wir hier auch zu viel nachgedacht. Das passt nicht ganz zu unseren Kunden, habe ich das Gefühl.

Merchandising wird in den kommenden Wochen natürlich das ganz große Thema sein, auch für die Herbstkollektion. Wir entwerfen hier gerade neue Designs für Oberbekleidung, wenn Sie mal schauen möchten: Heidenau 2015 – Ich war dabei! Sollte der Knaller werden. Oder hier: Freital University Fight Club. Kann man mal machen.

Ein bisschen übers Internet, aber den größten Teil unserer Geschäfte generieren wir immer noch über Sammelbestellungen. Wir schicken unsere Vertriebler – haha, Vertrieb, ja? – direkt zu den Ausländerunterkünften, da trifft man immer eine Menge national besorgter Kunden. Und wenn die etwas sehen, wollen sie es natürlich auch sofort anfassen. So sind die halt. Aber für uns ist das gut, denn das garantiert uns eine natürlich wachsende Kundenstruktur. Die meisten sind ja seit PEGIDA dabei, und da lernt man dann die Bedürfnisse seiner Konsumenten schon ganz gut kennen.

So leicht ist das auch nicht immer. Dieses Augenbrauen-Set, Lizenzprodukt von Kathrin Oertel, das war der größte Flop. Das kriegen Sie heute nicht mal mehr als kostenlose Beigabe weg. Wir setzen daher eher auf alternative Modelle der Kundenbindung. Hier hätten wir beispielsweise ein Gutscheinheft für die regionale Wirtschaft – Sie ahnen gar nicht, wo man seine Kooperationspartner überall findet – mit Bildungsgutscheinen. Gut, für die meisten von denen stellt der Besuch im Dönerladen ja schon ein Bildungserlebnis dar.

Und wir gehen ins Erlebnismarketing. Keine so leichte Sache, aber das Internet hilft uns. Wenn Sie mal schauen möchten, die App haben wir jetzt neu im Programm: neue Ausländerheime als Hot Spots – haha, Hot Spots, ja? – und Sie können direkt hinfahren, so quasi als Showcase, da sehen Sie dann unser Sortiment in Aktion und ordern gleich vor Ort. Ist doch großartig, oder? Wenn ich mir das so ansehe, großes Kundeninteresse, wachsender Kundenstamm, ein maßgeschneidertes Sortiment, ordentliche Gewinnspanne, immer in den Medien mit kostenloser Werbung, als nachhaltig kann man das, was wir tun, ja auch irgendwie bezeichnen – mich beschleicht manchmal so der Gedanke, diese ganze Ausländerflut, die hier nach Deutschland kommt, ist die am Ende vielleicht doch ein Gewinn für uns?“

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