Negerl

2 09 2015

„Schwarzer. Schwar-zer! Fein, und jetzt noch mal im ganzen Satz: Dies ist ein Schwarzer. Sehr gut, Herr Innenminister! Jetzt lesen wir uns noch mal die Presseerklärung durch, und dann spielen wir zusammen Interview, gell?

Ja, Sie lachen – aber an uns bleibt das regelmäßig hängen. Bei dem Terminkalender, bei der Häufung von Talkshows und Pressekonferenzen und Podiumsdiskussionen, da würden Ihnen auch die Ohren qualmen. Er hat ja schon früher was am Kopf gehabt, aber seitdem er damals mit dem Bagger umgekippt ist, Herrschaftszeiten! Schlimm!

Machen wir die Übung mit den christsozialen Vokabeln zur Sicherheit noch mal, Herr Minister: Arbeitslose. Ar-beits-lo-se! Fein, und jetzt im… Herr Minister, was habe ich Ihnen beigebracht? Das sind keine Schmarotzer, das sind Ar-beits-lo-se, und in der sozialen Hängematte liegt auch keiner, ja? Das ist mir jetzt völlig egal, das trainieren wir noch mal: Ar-beits-lo-se! Ar-beits-lo-se! Ich will das im ganzen Satz hören, und bitte: In Deutschland gibt es mehr Arbeitslose als Arbeitsplätze. Das ist jetzt im Moment egal, ob Sie diesen Satz irgendwann mal öffentlich äußern werden, vermutlich gleich nach der nächsten Landtagswahl und unmittelbar vor dem Ende Ihrer Karriere, Herr Minister, aber deshalb sprechen Sie den jetzt trotzdem noch mal nach: In Deutschland gibt es mehr Arbeitslose als Arbeitsplätze. Na also, geht doch!

Die meisten von uns hier haben einen sozialpädagogischen Hintergrund – wir kümmern uns gezielt bei den Integrationsmaßnahmen, die er braucht, um in einer bürgerlichen Gesellschaft Fuß zu fassen. Von der Herkunft her ist das ja eher so ein archaischer Volksstamm, der säuft und sich prügelt und von der Leiter fällt. Und dann kommen da auf einmal chinesische Investoren, sehen unser schönes Bayernland, und dann hören sie, wie einer aus der Regierung sie öffentlich als Schlitzaugen bezeichnet. Da wäre ich auch nicht begeistert.

Jetzt habe ich ihn wieder getriggert – aus, Herr Minister, aus! Das sind keine Schlitzaugen, das sind Chinesen. Chi-ne-sen! Und Ja-pa-ner! Ko-re-a-ner! Nein, das sind keine Schlitzaugen, das will ich ab sofort nicht mehr hören! Und die sehen auch nicht alle gleich aus! Zefix noch mal!

Gut, dass es keinen bayerischen Außenminister gibt, das würde er ja zu gerne auch noch machen. Aber allein diese lettische Wirtschaftsdelegation neulich – alle als Russkis angepöbelt, und dann hat er irgendwann nicht mehr die Kurve gekriegt, und dann hat er gebrüllt, diese Polackenschweine sollten mal sehen, und der nächste Krieg käme bestimmt, und so weiter. Wir haben die gerade noch so beruhigen können, weil sie ja wüssten, unter vier Promille ist der Mann nicht zurechnungsfähig, und darüber eigentlich auch nicht, aber das merkt meistens keiner mehr. Äußerste schwierig. Bevor die Delegationsleiterin fliehen konnte, hat er sie noch als Bolschewikenschlampe tituliert, aber das hat außer mir hoffentlich keiner gehört.

Inzwischen haben wir für ihn sogar ein Kriseninterventionsteam eingerichtet. Das ist auch Teil der Schadensbegrenzungskommission, aber die arbeiten halt noch spezifischer auf einzelne Anlässe hin. Neulich hatten wir zum Beispiel einen neuen Abteilungsleiter. Schon sehr speziell, würde ich sagen. Sein Sohn ist schwul, er selbst Protestant. Das ist jetzt für eine dörfliche Struktur mit sechs bis acht Jahrhunderten Inzucht, wo man Abtreibung in Tateinheit mit Verbrennung der Mutter ausdrücklich befürwortet, wenn die Leibesfrucht ein Mädchen und rothaarig zu werden droht, also für solche Verhältnisse ist das nicht ganz unproblematisch. Wir haben vierzehn Tage lang jede frei Minute mit ihm herumtherapiert, und das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen. Mit Tourette hat man sich zwar besser im Griff, aber wenn man jetzt mit Kügelchen aus Silberpapier auf ihn wirft, ist er schlagartig ruhig. Interessant, nicht wahr?

So, Herr Minister, dann haben wir hier noch die vorbereiteten Pressestatements, Sie können gerne mal gegenlesen. Roma, ja? Ich habe es Ihnen zur Vorsicht noch einmal unterstrichen. Ro-ma. Und jetzt reißen Sie sich bitte mal am Riemen, ich möchte nicht wieder so ein Theater haben wie neulich, als wir zum Botschafter mussten wegen der Sache mit den Kümmeltürken. Das lernen Sie jetzt Wort für Wort auswendig, und wenn wir damit fertig sind, kriegen Sie den nächsten Job vorgelegt.

Wir machen das ja auch gerne, wissen Sie, man möchte sich doch für sein Land einsetzen, und in diesen Tagen ist es um so wichtiger, dass wir die zwischenmenschlichen Konflikte gleich im Ansatz lösen und friedlich miteinander umgehen, um eine Verständigung auf Augenhöhe zu erreichen. Man kann ja ruhig unterschiedlicher Meinung sein, das gebe ich gerne zu, aber wir brauchen doch eine Gesprächsgrundlage, auf der wir alle vernünftig miteinander umgehen können, nicht wahr? Wenn wir eins aus unserer Geschichte gelernt haben sollten, dann doch wohl das. Die Einigkeit macht uns stark, und wenn man auf Geschlossenheit vertrauen kann, dann kann man sich auch den großen Herausforderungen der Zukunft stellen.

Nächste Woche muss er nach Berlin, zur Kanzlerin. Da steht’s Knopf auf Spitz. Wenn er da wieder mit den Saupreußen anfängt – nicht auszudenken!“

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2 responses

2 09 2015
lamiacucina

Und wenn Sie „Schwarzer“ dreimal hintereinander fehlerfrei aussprechen, gibts als Dessert „Mohr im Hemd“ aus dem Hotel Sacher. Das mag Ihnen den Tag versüssen, Herr Minister

3 09 2015
bee

Er kaut noch an seinem Balkanschnitzel.

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