Schwangerschaftsstreifen

17 09 2015

„Erstmal müssten wir natürlich schauen, ob sich Ihre Vorgaben nicht irgendwie durch die Belegschaft noch erfüllen lassen. Also zehn Prozent Abteilungsleiterinnen oder dreizehn bis fünfzehn Prozent mittleres Management, dreißig Prozent Angestellte in den qualifizierten Bürojobs, sechzig Prozent in den – Metallbranche? Armes Schwein. Da können Sie sich Ihre Quote natürlich ans Knie nageln. Ist halt so in der Industrie, und wenn Sie tausendmal ein börsennotierter Konzern sind unter der Aufsicht von der Bundesmutti.

Wir haben eine Frauenquote, die hat uns die blöde Schnepfe im Kriegsministerium eingebrockt, und wenn Sie die nicht einhalten, dann haben Sie ein Problem. Deutschland muss weiblicher werden – wenn Sie nicht mitmachen, dann schicken wir nämlich unsere große Schwester vorbei, klar!? Die Aufsichtsräte brauchen festgelegte Frauenanteile, sonst funktioniert unsere Gesellschaft nicht mehr. Wenigstens nicht so, wie sich das die Regierung ausgewürfelt hat.

Man muss ja gar keine Frauen im Aufsichtsrat haben. Das wäre doch auch total unrealistisch. Man macht das einfach wie mit dem Kohlendioxid. Abzahlen und gut. Das kriegen wir bestimmt irgendwie hin.

Kann sein, dass ich das nicht so richtig verstanden hatte, aber mit den Zahlungen kriegt man die Probleme irgendwie für seine Firma auch weg. Schadstoffe, Schwangerschaftsstreifen, oder hier: Behinderte im Betrieb, das ist ja fast so etwas wie Frauen. Also umgekehrt, meine ich. Wenn ich ein Gerüstbauunternehmen habe, wie soll ich dann gezwungen werden, Rollstuhlfahrer einzustellen. Dafür gibt es doch diesen Emissionshandel.

Sie müssen sich das als ausgleichendes System vorstellen. Wenn Sie keine Behinderten einstellen, dann zahlen Sie aus Solidarität eine Abgabe, die dem anderen Betrieb, der den Behinderten einstellt, ein Rollstuhlklo bezahlt. Also anteilig. Wenn das für so ein Rollstuhlklo reichen würde, dann könnte man das ja gleich selbst bauen, und dann würde man mindestens einen Behinderten einstellen können, oder gleich drei, hintereinander sogar, weil so ein Rollstuhlklo, das hält ja. Länger jedenfalls als ein Behinderter. Und mit dieser, nennen wir’s mal Solidaritätsabgabe, wobei das auch nicht so verkehrt ist, mit der Solidaritätsabgabe hat man ja die bestraft, die keine Ossis einstellen wollten, und was ist daraus geworden?

Man muss das doch auch mal gesellschaftlich orientiert weiterdenken. Es kann eben nicht jeder Betrieb einen Ossi einstellen oder eine Frau oder sonst irgendwie gehandicapte Menschen. Man kann auch nicht die ganzen Minderheiten immer in den Mittelpunkt stellen, irgendwo muss doch die Mehrheit auch mal bleiben, verstehen Sie? Und da müsste man eben so eine Art Bonussystem einführen. Meinetwegen eine allgemeine Abgabe, für Behinderte und Aufsichtsräte – Sie wollen mich wohl unbedingt falsch verstehen, wie!? – und für Ossis nur siebzig Prozent, die haben ja für alles noch Sondertarife, und wenn man einen Migranten einstellt, dann kriegt man Ermäßigung. Oder noch etwas raus. Und kann sich davon dann eine Damentoilette in der Vorstandsetage bauen. Jedenfalls ist das doch viel einfacher, als wenn Sie deshalb für jeden Einzelfall vor Gericht ziehen müssten. Wie viele Rollstuhlklos sind eine Frau wert? und kriegen Migranten mit Osthintergrund auch einen abgestuften Wert, wenn sie als transsexuelle Gewerkschaftsmitglieder vorher im Aufsichtsrat waren? Nicht mal Brüssel kriegt so einen Mist hin, und die haben für alles ein Gesetz!

Doch, das könnte sich durchaus rechnen. Überlegen Sie mal, Sie stellen jetzt im mittleren Management Frauen ein und dann auch noch welche im Aufsichtsrat, da würden Sie gemäß Vorgaben bei einer Erfüllung der Quote gut eine Million – ich rechne Ihnen das nachher gerne in Klos um, aber jetzt wollen wir erstmal die reinen Fakten rauskriegen – und mit jeder Frau natürlich noch mehr, ist ja klar. Abgesehen vom Werbeeffekt, das ist gar nicht zu unterschätzen. Dann hätten wir im Jahr ungefähr zehn Millionen, und die kann man in eine betriebsinterne Frauenförderung stecken, die gleicht die Schäden durch Frauen im Aufsichtsrat dann locker wieder aus. Da sind Betriebskita und Klo mit Wickeltisch und Stillgruppe und ein Frauenbeauftragter noch gar nicht eingerechnet. Und dann warten Sie mal auf die Zinsen, denn dann wollen natürlich die qualifizierten Frauen auch bei Ihnen anfangen, da sind wir jetzt schon bei dreißig Prozent Abteilungsleiterinnen, und der Aufsichtsrat ist so gut wie paritätisch besetzt, inzwischen auch mit Ossis, die Migrantenpauschale haben wir längst eingestrichen, der Frauenbeauftragte bezahlt sich quasi von selbst, und dann kommt die nächste Bundesregierung, CDU und CSU diesmal in absoluter Mehrheit, und die verlangen dann mehr Neger im mittleren Management, und Sie sind dann fein raus.

Vertrauen Sie mir, wir kriegen das hin. Eine gute Sozialauswahl ist keine Hexerei. Oder warten Sie, ich habe da eine Idee. Genau! Wir setzen von der Leyen in den Aufsichtsrat – und ganz Deutschland wird ein einziges Rollstuhlklo!“

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s