Gottesteilchen

7 10 2015

„Und Sie wissen wirklich aus absolut sicherer Quelle, dass der Zug abgefahren ist?“ „Man hätte uns doch sonst schon informiert.“ „Und Seehofer hätte auch schon ganz andere Saiten aufgezogen.“ „Wieso Seehofer?“ „Der weiß doch immer alles besser.“ „Aber doch nicht das.“ „Ich weiß es doch auch nicht!“ „Na toll, und wie kriegen wir jetzt raus, ob Merkel im Rennen ist?“ „Abwarten. Diese Friedensnobelpreise sind manchmal echt tückisch.“

„Wieso soll die ihn eigentlich kriegen, die hat doch gar nichts gemacht?“ „Wahrscheinlich kriegt sie ihn, weil sie nie irgendwas gemacht hat.“ „Und alles irgendwie so vor sich hin gewurschtelt hat.“ „Also wie die EU?“ „Nee, eher wie Obama.“ „Falsch, der hat ihn gekriegt, weil er irgendwann mal etwas hätte machen können.“ „Vielleicht.“ „Vielleicht eben auch nicht.“ „Das sähe aber eher nach der CSU aus.“ „Absurd!“ „Dass die CSU den Friedensnobelpreis bekommt?“ „Dass die CSU mal etwas Sinnvolles machen würde.“

„Kann denn die Politik noch etwas tun?“ „Die Politik nicht, aber Merkel vielleicht.“ „Wo ist denn da der Unterschied?“ „Bis jetzt haben die Deutschen die Regierung inhaltlich nicht unbedingt mit Angela Merkel verbunden. Sie waren von der Politik enttäuscht und haben aus lauter Frust weiter die CDU gewählt.“ „Bis jetzt? und was ist dann ab jetzt?“ „Die Wähler bemerken einen Unterschied zwischen der Politik und Merkel, aber sie registrieren erstmals auch einen zwischen Merkel und der CDU.“ „Ah, und da spekulieren Sie jetzt auf den Friedensnobelpreis für die Kanzlerin, um ihr die Wiederwahl zu sichern.“ „Was denn sonst? Sie ist doch sonst als Wissenschaftlerin völlig unbekannt.“ „Wenigstens hat sie ihre Dissertation selbst geschrieben.“ „Woher wollen Sie denn das schon wieder wissen? Sind Sie in der CSU?“ „Die kam halt aus dem Ostblock, die hatten doch nichts.“

„Auf der anderen Seite, wenn wir mit dem Ding noch ein Jahr warten würden…“ „Noch mal eine Million Flüchtlinge?“ „Den Mathe-Nobelpreis haben Sie aber nicht gekriegt, Kollege.“ „Den gibt’s ja auch gar nicht.“ „Wozu denn ein Jahr warten?“ „Physik ist doch dieses Jahr schon durch, und das haben die mit dem Molekulardings gekriegt.“ „Neutrinos.“ „Sind doch auch Moleküle, oder?“ „Fragen Sie mich nicht, ich kenne mich mit Chemie überhaupt nicht aus.“ „Neutrinos sind keine Chemie, das sind Teilchen.“ „Elementarteilchen.“ „Aber Elemente sind doch immer chemisch?“ „Wahrscheinlich nicht in dieser Größenordnung.“ „Dann ist das eher so homöopathisch?“ „Irgendwie, ich habe da auch nicht aufgepasst.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Aber wir könnten doch der Kanzlerin jetzt auch mal ein bisschen unter die Arme greifen und sie für einen Physik-Nobelpreis vorschlagen.“ „Und der bringt im Vergleich zum Bundesverdienstkreuz genau was?“ „Sie wäre dann irgendwie belastbar qualifiziert.“ „Im Gegensatz zu von der Leyen?“ „Oder im Gegensatz zu Obama.“

„Und wenn wir Kohl… ich meine, das könnte man doch vielleicht irgendwie… Sie wissen schon.“ „Worauf wollen Sie hinaus?“ „Also der Friedensnobelpreis, der wird ja nicht posthum verliehen, nicht wahr?“ „Hä?“ „Wollen Sie damit andeuten, dass wir…“ „Dann wäre einer doch schon mal aus der Schusslinie.“ „Unerhört!“ „Aber jetzt warten Sie doch, wir könnten ihn auch sehr human…“ „Über so etwas wollen wir gar nicht erst diskutieren.“ „Und Sie dürfen auch nicht vergessen, dass die Union in Sachen Sterbehilfe äußerst zerstritten ist, damit würden wir Merkel nicht einmal einen Gefallen tun!“

„Man könnte das mit dem Papst verbinden.“ „Wird denn der Friedensnobelpreis nicht sowieso interkonfessionell vergeben?“ „Aber wegen dieser Moleküldinger.“ „Neutrinos.“ „Ja, meinetwegen.“ „Man kann doch dafür sorgen, dass die beiden jetzt ganz schnell irgendein Teilchen entdecken, das nicht nur Masse verursacht…“ „Ich dachte, das ist immer umgekehrt?“ „Das gilt nur in der klassischen Physik.“ „Also bis Adenauer?“ „… sondern auch eine quantenphysikalische Größe im… – Hören Sie mir eigentlich zu?“ „Sie wollen also dem Papst den Physikpreis verschaffen, damit die Kanzlerin den Friedensnobelpreis kriegt?“ „Irgendwas muss man doch tun.“ „Und dies Gottesmolekül…“ „Teilchen, verdammt noch mal! Gottesteilchen!“

„Eine kleine Chance würde ich doch noch sehen, obwohl…“ „Nämlich?“ „Es ist kompliziert.“ „Das wussten wir schon vorher.“ „Aber es ist echt nicht ganz einfach, und vielleicht finden das die USA auch nicht gut.“ „Pech für Obama, er hat doch auch den Friedensnobelpreis.“ „Und da steht in der Gebrauchsanweisung, dass internationale Konflikte verboten sind?“ „Cool!“ „Ach Quatsch!“ „Müssen wir denn in diesem einen Jahr noch die ganze Welt retten, oder kriegen wir das mit Merkels Gurkentruppe noch halbwegs auf die Reihe?“ „Sie könnte Snowden einladen.“ „Hä?“ „Einladen?“ „Freies Geleit?“ „Und diplomatischen Status. Inklusive verfassungsrechtlicher Implikationen, Sie verstehen?“ „Krass!“ „Das ist ja der Hammer!“ „Irre, das ist ein großartiger Plan! Das machen wir sofort!“ „Ach, war nur so eine Idee.“ „Nein, das ist wirklich fabelhaft! Die ganze Welt wird begeistert sein, wenn Angela Merkel das macht. Absolut begeistert!“ „Jawoll, das ist garantiert der Friedensnobelpreis!“ „Den hat sich die Kanzlerin dann auch verdient.“ „Sagen Sie mal, wer reden denn hier von der Merkel?“ „Wer soll den denn sonst kriegen?“ „Edward Snowden natürlich.“

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