Wanderer, kommst Du nach

14 10 2015

„Und diese Transitzonen kommen?“ „Absolut. “ „Und was soll das dann bitte im Endeffekt bringen?“ „Das war ja nicht die Frage.“ „Deshalb stelle ich sie ja. Was soll dieser ganze Aufwand denn in Zukunft bringen? Welche Veränderungen haben wir für die Flüchtlinge, welche Veränderungen haben wir für den Staat? Und mit welchen Veränderungen hat die Bevölkerung zu rechnen?“ „Ja, sehr schön formuliert. Wir werden und bei Gelegenheit mal ein paar Gedanken darüber machen.“

„Das können Sie vergessen. Ich will jetzt wissen, was diese Transitzonen bringen, und vor allem will ich wissen, was dieser ganze Mist soll.“ „Die ganze Wahrheit?“ „Natürlich!“ „Gut, dann werde ich Ihnen das mal… – Wirklich die ganze Wahrheit!?“ „Hören Sie mal, ich habe ein Recht, das zu erfahren.“ „Na sicher, aber damit Sie das verstehen, müssen Sie schon die ganze Wahrheit kennen.“ „Man versteht das Verfahren also nicht, wenn man es nicht schon verstanden hat?“ „So funktioniert Politik nun mal.“

„Sie bauen dort Lager, die…“ „Bitte! Lager, das hört sich so nach Dunkeldeutschland an.“ „Aufnahmelager sind auch Lager.“ „Willkommenscamps.“ „Sie sehen das als Teil der Willkommenskultur für Flüchtlinge?“ „Man muss ja irgendwo anfangen.“ „Und Sie bauen dort wieder Grenzkontrollen auf?“ „Das gehört zur Installation, sonst machen die La… machen die Camps ja auch keinen Sinn.“ „Und Sie wissen auch, dass die Kontrollen nicht mit EU-Recht vereinbar sind?“ „Wenigstens nicht nach zwei Jahren, aber bis dahin hat sich das alles hier wohl erledigt.“ „Erledigt?“ „Ein Nebeneffekt der Lager ist schließlich der, dass keiner rein will. Daher wird der Flüchtlingsansturm so weit sinken, dass wir diese Zeltstädte gar nicht mehr brauchen.“

„Und welchen Eindruck machen diese Lager auf die Deutschen?“ „Da sehen Sie mal, wie komplex das Thema inzwischen geworden ist.“ „Und die sozialpsychologischen Implikationen? Haben Sie das auch schon mal bedacht?“ „Sie meinen, dass es da vor allem junge Männer gibt, die nicht wissen, wie sie ihre traumatischen Fluchterlebnisse verarbeiten sollen? die Angst um ihre Familien haben und Angst vor der Zukunft?“ „Sie werden in kürzester Zeit Aggressionen produzieren und ein Epizentrum der Gewalt in den Lagern haben.“ „Und da sehen Sie, wie wir an die Heimatbevölkerung denken.“ „Wieso denken Sie dabei an die Deutschen?“ „Es ist doch genau das, was sie erwarten von den Einwanderern: kaum sind die in Deutschland, fangen sie auch schon Randale an. Das wird enorm zur Akzeptanz beitragen.“ „Akzeptanz?“ „Man muss doch auch seine eigenen Vorurteile annehmen, wie sonst kann man eine positive nationale Identität entwickeln?“

„Übrigens ist doch diese Bezeichnung schon mal ein Hohn.“ „Ach?“ „Wenn da Transit draufsteht, dann erwartet der normale Mensch…“ „Und das ist schon der Denkfehler.“ „… dass es sich um ein Durchreisegebiet handelt, wie damals in der DDR.“ „Na, Ihre Ostalgie in allen Ehren, aber…“ „Jedenfalls ist das eine Zone, die nur zur Durchreise betreten wird. Da rein, da raus.“ „Und das möglichst schnell und unterbrechungsfrei.“ „Wenn Sie dann noch Transitlager aufstellen, wird es doch erst recht unglaubwürdig.“ „Wieso, da kann man auch auf der einen Seite rein und auf der anderen Seite wieder raus.“ „Das ist doch aber gerade nicht der Sinn der Sache! Die Flüchtlinge sollen doch in erster Linie wieder raus!“ „Schauen Sie, deshalb ist es doch auch gut, dass wir die Dinger nicht als Aufnahmezentren geplant haben. Was hätte das für einen Eindruck gemacht – vor allem in der Heimatbevölkerung?“

„Mich erinnert das Ganze irgendwie doch an eine dialektische Version der Mauer.“ „Jetzt werden Sie doch nicht gleich melodramatisch.“ „Wegen der Mauer.“ „Nein, aber ich verstehe nicht, was daran dialektisch sein sollte.“ „Die Mauer wurde laut Staatsapparat der DDR nicht gebaut, weil ihre Bürger sonst geflohen wären, sondern als Schutzwall gegen die vielen Faschisten im Westen.“ „Man muss immerhin zugeben, es gab im Westen tatsächlich den einen oder anderen.“ „Lenken Sie nicht ab. Sie bauen die Transitzonen auch nicht zur verbesserten Aufnahme der Flüchtlinge, sondern als Demonstration der Ausländerfeindlichkeit für den deutschen Stammtisch.“ „Gut, dann lassen Sie mich das erklären. Ich bin kein Nazi…“ „Aber?“ „Kein aber, wir verfolgen hier nur eine gewisse Strategie.“ „Und welche?“ „Ich würde sie als Strategie der vergifteten Geschenke bezeichnen.“ „Wem schenken Sie was, und wozu?“ „Wollte nicht die CSU unbedingt eine Autobahnmaut? nur für die ganzen bösen Ausländer, die unsere Straßen und Brücken kaputt machen?“ „Das ist doch etwas völlig anderes, das kann man gar nicht vergleichen. Oder meinen Sie, das ist die Blaupause für dieses Transitzeugs?“ „Ach was. Wollte der Seehofer nicht auch unbedingt sein Betreuungsgeld?“ „Aber er hat es doch gekriegt.“ „Die Autobahnmaut auch.“ „Aber das ist doch hirnverbrannter Schwachsinn, das muss man doch nur einmal real umsetzen, um zu sehen, dass das ein vollkommen unsinniges…“ „Ich sehe, Sie haben das Prinzip verstanden. So funktioniert Politik nun mal – mit der CSU.“


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