Ausschaltquote

15 10 2015

„Dann nennen wir den ganzen Bockmist halt Goldmillion, ist mir doch wumpe. Oder fällt Ihnen für so eine Quizshow irgendwas ein, das noch nicht da war? Eben. Oder meinetwegen die Supermillion. Geschenkt. Wie jetzt, Supergoldmillion? Mir auch egal, das Ding ist sowieso nur ein Format unter vielen.

Und das andere Quiz, also dieses… – Kinder? hatte ich jetzt so noch nicht auf dem Schirm, das war nur das unglaubliche Promi-Quiz, das muss ja alles heute ‚unglaublich‘ heißen, und wer das einmal gesehen hat, der weiß auch, das ist eine unglaubliche Frechheit, und dann das Medizinzeugs mit dem Typen, der sich für einen Arzt hält, oder dieses, na! Ist ja auch egal, jedenfalls sind die Fragen bescheuert und zum Schluss kriegt einer die Kohle, und dann ruft er den Publikumsjoker an oder hat einen Freischuss oder muss den Koffer gegen die Ziege im Plastikbeutel eintauschen, und dann schießt er auf die Goldmillion, und dann kommt der Typ im Glitzeranzug und alle haben irgendwas gewonnen. Kommen Sie noch mit? Dachte ich mir, aber wenn die Gebührenzahler es auch nicht mehr kapieren, war’s schnell genug.

Keine Ahnung, vielleicht zehn Prozent. Oder zwanzig. Aber mehr als vierzig Prozent stehen nicht auf diese Retro-Sachen. Wir können ja jetzt nicht Rosenthal exhumieren, das ist Ihnen doch klar, oder Fuchsberger, das müssen wir halt mit dem Personal machen, das noch unter uns herumläuft. Dann muss der Pilawa eben hochspringen. Oder Lanz oder so. Und ab und zu mal eine Musical-Nummer, okay? Die Quote für den Blauen Bock war doch immer traumhaft. Wer die Quizrunde verliert, muss singen, dann gibt es Einspieler, die kann man vorproduzieren, der Joker macht den Kommentar, und wir lassen das als Klosterserie oder so mit Krimianteilen in der Karibik spielen. Goldmillion unter Palmen oder so, oder Die volkstümliche Goldmillion unter Palmen, okay? Wusste ich doch, mit Ihnen kann man reden.

Das ist ja auch alles gut und schön, aber glauben Sie nicht, dass Sie ein bisschen übertreiben? Mir war zwar bewusst, dass Wolfgang Bosbach und Hans-Werner Sinn bei Ihnen unter Vertrag stehen, aber dann werden Sie die beiden halt auch mal in unserer Spielshow unterbringen. Die können gerne in der Pause hochkotzen, warum Deutschland ohne Mindestlohn den Endsieg nachholen würde, aber sie müssen schon auch bei unserem heiteren Bällewerfen mitmachen. Spiel ohne Grenzen. Wenn sie gegen rumänische Straßenkinder abstinken, wird das möglicherweise sogar ganz lustig.

Dann machen wir nach jeder Frage eine kurze Talkrunde, per Zuschauertelefon wird entschieden, wer sich mit der Saalwette zum Affen machen darf, und dann kriegt der Sieger ein Nachwuchstalent, das in der zweiten Hälfte der Sendung gegen die anderen antritt. Vielleicht könnte man die auch noch spektakuläre Kriminalfälle vortanzen lassen, was meinen Sie? Akte Goldmillion… ungelöst. Oder so.

Ich meine, wir sollen das mal etwas entspannter sehen. Die Ausschaltquote in den öffentlich-rechtlichen Sendern ist auf Rekordniveau, da muss man schon gegensteuern. Aber Sie sehen ja selbst, es ist so viel Programm, der Integrationswille wird da auf eine harte Probe gestellt.

Klassische Unterhaltungsshow? Meinetwegen, wir haben Ein Kessel Buntes auf Band, das können wir in Dauerschleife senden. Könnten wir. Muss man ja nicht. Aber zwei Stunden Trallala, das kriegen wir immer hin. Als Rahmenprogramm für den Quizteil, und dann machen wir eine Art Erzählepisode, Traumschiff mit ein paar Familienserienelementen, zwei Arztserien als Aufhänger, und dann gehen die Hauptdarsteller nach der Szene in die Raterunde, müssen danach mit dem Publikumsjoker tanzen und dann ab in den Container für drei Tage. Mit Kochshow. Muss ja auch familientauglich sein.

Also mal ein Vorschlag zur Güte: Sie holen uns ein paar richtig tolle Prominente, dann fallen Til Schweiger und Alice Schwarzer nicht so auf, und dann machen wir in der Vorrunde eine politische Diskussion, dann ist der große Verbrauchercheck, welche Quizshow die beste in den letzten drei Tagen war, und dann startet der Hauptteil, wo sie alle tanzen, nee – ’tschuldigung, das war erst in der zweiten Hauptrunde vor dem Sportteil, und dann kommt die Buchkritik, die muss der vorletzte aus dem Wissenstest für Grundschüler vorlesen, und dann haben wir den musikalischen Stargast, aber der tanzt nicht, und der spielt auch nicht mit im Kriminalfall. Vielleicht im Verbrauchercheck, aber nicht im Kriminalfall.

Naja, das wär’s für den Anfang. Sie können ja noch ein paar Ideen einbringen, wenn Ihnen etwas einfällt – das mit Guido Knopp können Sie sich übrigens abschminken, Hitler ist weiter bei N24 – und ansonsten buchen wir schon mal die Werbung. Dann müssen Sie nur noch die Kandidaten holen, die Sendeplätze sind vergeben. So sechs Stunden am Tag, würde ich sagen. Damit man die sozial Benachteiligten drankriegt, machen wir das ab sechs bis Mitternacht, und die Wiederholung dann von mittags bis sechs. Dann muss man auch nur eine Sendung abschalten, wenn man keine Lust mehr hat.

Ach, hier: Tatort – meinen Sie, das hat noch Sinn?“

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