Transitzone

26 10 2015

„Das ist doch nicht Ihr Ernst!“ „Natürlich ist das mein Ernst. Deutschland muss sich außenpolitisch ganz anders positionieren, dann erlangen wir auch wieder unsere volle Souveränität.“ „Das sagen Sie ja nur, damit Ihnen die Rechten auf den Leim gehen, diese nationalbesoffenen Arschlöcher von PEGIDA und aus der AfD.“ „Die Neonazis sollen uns dafür hinterherlaufen, dass wir unseren Frieden mit dem Islamismus machen wollen? Ist das Ihr Ernst?“

„Man kann doch mit diesen Terroristen nicht verhandeln!“ „Wer spricht denn überhaupt von Verhandlungen? Wir machen denen ein Angebot, nicht mehr und nicht weniger. Außerdem ist das gut für unsere Wirtschaft.“ „Weil Sie den Islamischen Staat mit Waffen ausstatten.“ „Und die muss ja irgendjemand produzieren, nicht wahr?“ „Sie wollen also ernsthaft die islamistischen Terroristen direkt mit Waffen für den Bürgerkrieg ausstatten und dann zusehen, wie sie die arabische Welt in Schutt und Asche legen?“ „Die arabische Welt? Meine Güte, außer Übertreibungen haben Sie wohl nichts drauf.“ „Syrien, der Libanon, dann der Irak und dann…“ „Das ist erstens nicht die ganze arabische Welt, und zweitens werden wir uns schon mit ihnen einigen, dass sie Katar in Ruhe lassen. Wir schicken Niersbach hin, der macht das schon so, dass Beckenbauer nichts mitkriegt.“ „Das ist krank! Krank und menschenverachtend!“ „Richtig, das ist die exportorientierte Wirtschaftspolitik, für die man uns auch im Euroraum so schätzt.“
„Und ich bleibe dabei: Sie machen das bloß, damit Ihnen ein paar rechte Arschlöcher auf den Leim gehen.“ „Unter Umständen könnten Sie sogar recht haben, aber das ist nur ein Nebeneffekt.“ „Das ist nicht nur ein Nebeneffekt, wir werden mit einer signifikant geringeren Zahl an Kriegsflüchtlingen zu rechnen haben.“ „Eben, das ist ein durchaus hübscher Nebeneffekt. Die Islamisten haben ausreichend Waffen und Munition, wir liefern ihnen die logistischen Mittel für eine Grenzbefestigung, sie bauen sich, sagen wir mal: Transitzonen, und dann…“ „Sie werden Konzentrationslager bauen.“ „Aber mit deutschem Know-how. Wir können ja nicht so tun, als sei uns die politische Situation im Nahen Osten egal. Ein bisschen Engagement kann man von einem der reichsten Staaten der Welt schon erwarten, finden Sie nicht auch?“

„Mit anderen Worten, Sie befürworten ab jetzt eine Transitzone?“ „Welche meinen Sie genau?“ „Gibt es denn da mehrere?“ „Sie meinen sicherlich die aus Stacheldraht und unbeheizten Zelten, die der bayerischen Landesregierung vorschwebt.“ „Und Sie, welche meinen Sie?“ „Mir schwebt da gerade eine Art fließender Übergang vor zwischen Verfassungskonformität und Unrechtsstaat.“ „Und was ist daran bitte Transit?“ „Naja, es ist noch nicht direkt nationalsozialistisch, aber es hat schon die entsprechenden Anregungen aufgenommen. Die Grenzen sind fließend.“ „Das wird die deutsche Öffentlichkeit nicht tolerieren.“ „Aber natürlich wird sie das. Wir sind doch nicht so die CSU, die die Abschaffung der Demokratie als Allheilmittel fordert. Damit werden Sie aber keinen Blumentopf gewinnen.“ „Und was fordern Sie stattdessen?“ „Nichts. Wir sind ja die Regierung, wir brauchen nichts zu fordern, weil wir es machen können – und müssen. Ein Umstand, der in dieser Partei offenbar aus intellektuellen Gründen bisher zu schwierig war. Falls es sich nicht um ein Denkverbot handelt, aber das gibt ja es bei Verfassungsfeinden nicht.“ „Und damit wollen Sie gleichzeitig das Risiko eines nachhaltigen Rechtsrucks in der Gesellschaft abwenden?“ „Eine große Mehrheit ist doch immer noch bereit, die Parteien der Regierungskoalition zu unterstützen, da müssen Sie doch nicht gleich den Naziteufel an die Wand malen.“ „Aber die Leute erwarten, dass die Regierung Maßnahmen ergreift, wie sie die Rechten fordern!“ „Und deshalb geben wir den Rechten nach und bauen das hier sofort in ein Viertes Reich um? Meine Güte, da können wir Seehofer ja gleich zum Reichskanzler machen.“

„Wie stehen wir überhaupt da vor der Welt – erst warnen wir vor islamistischen Anschlägen, dann stützen wir die islamistischen Terroristen, und dann fällt uns je nach Wirtschaftslage plötzlich wieder ein, dass sie die Bösen sind.“ „Ja und?“ „Die kommen sich doch verarscht vor!“ „Ach was. Die Volksmudschaheddin, die Taliban und die Kurden kennen das doch.“ „Das waren aber nicht wir.“ „Bei den Kurden wäre ich mir da nicht so sicher, das kommt auf Erdoğan an. Aber bei den anderen haben Sie natürlich recht. Das waren unsere allerbesten Freunde aus Amerika.“

„Also dann: Grenzkontrollen, Transitlager, eine grundgesetzwidrige Flüchtlingsobergrenze…“ „… die uns das Bundesverfassungsgericht erst kippt, wenn es zu spät ist, dazu schnellere Abschiebung nach Afghanistan in den sicheren Tod, noch mehr sichere Herkunftsländer, und dann werden wir die Herzen der Wähler wieder gewinnen.“ „Aber das bringt doch alles nichts.“ „Richtig. Ändern wird sich nur etwas, wenn wir ab jetzt mit dem IS kooperieren, der hält uns schon den Ärger vom Hals.“ „Und was sollen dann diese ganzen innenpolitischen Maßnahmen, die nur das Grundgesetz immer weiter aushöhlen? Die sind doch total sinnlos!“ „Glauben Sie ernsthaft, dass das der durchschnittliche deutsche Wähler überhaupt kapiert?“

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