Inderstunde

2 11 2015

„Brauchen wir da jetzt einen eigenen Sender?“ „Nee, ich hatte das so verstanden, dass wir das ins bestehende Programm irgendwie reindrücken.“ „Logisch, ist ja auch Integrationsfernsehen.“ „Genau, reindrücken! sogar in den Staatsmedien werden diese Asylanten noch bessergestellt!“ „Jetzt machen Sie mal halblang. Das hat sich die CSU ausgedacht.“

„Scheuer möchte aber gleich einen ganz neuen Kanal.“ „Weiß der Mann eigentlich, was das kostet?“ „Ja, aber wenn die CSU rassistische Hetzpropaganda mit Steuern finanzieren kann, dann schauen die nicht so sehr aufs Geld.“ „Wieso denn Hetzpropaganda, es werden doch deutsche Werte vermittelt?“ „Leitkultur, Frau Kollegin. Es geht der CSU ausschließlich um Leitkultur.“ „Also die bayerische?“ „So hatte ich das verstanden, ja.“ „Gut, da ist für deutsche Werte natürlich nicht mehr viel Platz.“ „Wenn wir einen ganzen Sender haben mit Vollprogramm, dann kriegen wir bestimmt auch so eine Art Nische durchgedrückt.“ „Sie meinen so etwas wie die halbe Stunde Kultur, die man in den Öffentlich-Rechtlichen finanziert kriegt, weil sonst der Staatsvertrag nicht eingehalten wird?“ „Gute Idee, da könnte man dann nachmittags…“ „Nachts, Frau Kollegin. Frühestens ab zehn. Da können Sie dann etwas über Demokratie und Rechtsstaat erzählen.“ „Weil sonst die Werbeeinnahmen nicht stimmen?“ „Nee, weil dann keine Sau mehr einschaltet.“

„Vor allem müssen wir die Kinder gleich im Sinne einer pluralistischen Demokratie…“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!? das ist ein Vorhaben der CSU!“ „Man kann denen ja nicht erzählen, dass in Bayern nur der Alkoholpegel entscheidend für die gesellschaftliche Relevanz ist, oder?“ „Die sollen sich halt anpassen, diese Asylbetrüger!“ „Wieso Betrüger?“ „Weil sie nur Asyl wollen, aber sich nicht anpassen!“ „Woran denn?“ „Dass man in Deutschland eben kein Asyl beantragt!“ „Und wie wollen Sie das unbegleiteten Minderjährigen vermitteln? Die Sendung mit dem Raus?“ „Inderstunde.“ „Hähähä!“

„Darf man den Neubürgern…“ „Das sind noch keine und werden es auch hoffentlich nie sein.“ „Herr Kollege, das ist eine Integrationsmaßnahme und wir haben den Auftrag, den Asylbewerbern die Grundlagen unserer Gesellschaft zu vermitteln.“ „Also wenn Sie das so besser verstehen: deutsche Werte.“ „Eben, und ein ordentlicher Deutscher will keine fremdländischen Einwanderer in seiner Nachbarschaft haben.“ „Also nur Einwanderer, die er schon kennt?“ „Jetzt werden Sie mal nicht komisch, sonst…“ „Also noch mal zum Punkt, darf man den Integrationswilligen…“ „Die wollen doch alle gar nicht!“ „… politische Diskussionen über die aktuelle Lage zumuten?“ „Sie meinen, die Ausländerfeindlichkeit in Teilen der Opposition sei eher abschreckend?“ „Ich bezog mich eher auf die Ausländerfeindlichkeit in Teilen der Regierung, aber ansonsten gehe ich mit Ihnen konform.“ „Sehe ich nicht so kritisch, man müsste sie natürlich nur behutsam an die Materie heranführen. Nicht gleich eine Talkshow mit Rechtspopulisten, sonst glauben die, hier gäbe es nur eine Demokratiesimulation.“ „Das kennen die doch von zu Hause, da sehe ich weniger Probleme.“ „Aber wenn ich mir das so ansehe, allein die Nachrichten, also immerzu diese brennenden Häuser und alles!“ „Glauben Sie mir, das kennen die von zu Hause auch.“

„Aber kommen wir doch noch mal zur Idee von Herrn Scheuer, er möchte doch über rechtsstaatliche Prinzipien und Verfahrensweisen aufklären.“ „Da könnte man dann beispielsweise zeigen, wie man einen Bauantrag stellt oder Arbeitslosengeld beantragt.“ „Schaffen Sie auch noch Fehlanreize für diese Wirtschaftsschmarotzer! Da können Sie denen ja gleich auf Kanakisch beibringen, wie man einen Asylantrag stellt!“ „Also Ihren ersten Ansatz fand ich nicht schlecht, Frau Kollegin.“ „Das mit dem Arbeitslosengeld?“ „Nee, mit dem Bauantrag. Das hat bei mir bisher nie geklappt.“

„Ihnen ist klar, dass das Integrationsfernsehen nicht für die deutsche Bevölkerung gedacht war?“ „Sie meinen also, wenn ich das als Staatsbürger ansehe, nehme ich Leistungen in Anspruch, die gar nicht für mich gedacht sind?“ „Da ist es ja auch kein Wunder, dass sich jedes Islamistenschwein in der Nachbarschaft von Volksverrätern wie Ihnen sofort wohlfühlt!“ „Herr Kollege…“ „Sie züchten doch hier eine Generation heran, die Deutschland zerstören will!“ „Man könnte auch Info-Sendungen machen über die Artikel des Grundgesetzes.“ „Wobei wir da die aktuelle Politik raushalten wollten.“ „Vorratsdatenspeicherung und NSA?“ „Die Hartz-Gesetze und den Kampf der Regierung gegen die Gewerkschaften.“ „Und de Maizière?“ „Kommt gar nicht erst vor.“ „Also normales Leben in unserer deutschen Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der Sprach- und Kulturförderung sowie der sozialen und politischen Teilhabe an einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“ „Zehn Jahre, würde ich sagen.“ „Was das wieder kostet, aber für die Ausländer haben wir’s ja!“ „Wieso zehn Jahre?“ „Bei einem derart umfassend und anspruchsvoll ausgearbeiteten Programm würde ich sagen, wir setzen Leute wie ihn vor die Glotze und lassen ihn täglich zwölf bis sechzehn Stunden lang Integrationsfernsehen gucken. Nach zehn Jahren sollten die ersten Erfolge sich einstellen.“

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