Willkommenskultur

9 11 2015

„Bockwurst?“ „Was dagegen?“ „Nein, aber als Integrationsmaßnahme ist das doch total daneben.“ „Sie haben schneller kapiert, als ich gedacht hatte.“ „Super Idee!“ „Da werden sich die Araber noch mal sehr gründlich überlegen, ob sie wirklich in Deutschland bleiben wollen.“

„Sie wollen also den syrischen Flüchtlingen Bockwurst vorsetzen?“ „Jetzt drehen Sie mir hier nicht die Worte im Mund um, ja? Ich sagte: Bockwurst mit Kartoffelsalat. Das sind nationale Werte.“ „Die russischen Aussiedler haben sich auch nicht beschwert damals.“ „Und die hatten auch ihre Probleme mit der westlichen Gesellschaft.“ „Klar, die sind ja auch aus dem Osten.“ „Aber Sie können den Leuten doch kein Schweinefleisch…“ „Was passt uns denn da wieder nicht? Vielleicht lieber ein bisschen Salat aus Bio-Tofu?“ „Nee, die essen ja meistens nur Knoblauch.“ „Und Schafe.“ „Wie kommen Sie denn auf den Mist?“ „Immer, wenn ich mir bei dem Ötzfötz an der Ecke Döner hol, fragt er mich, ob ich mit Schaf will.“

„Jedenfalls wird da die zuständige Behörde sofort einschreiten.“ „Da ist ja nie einer zuständig.“ „Oder das Bundesamt.“ „Meinetwegen.“ „Sollen sie doch kommen!“ „Sie nehmen das einfach so hin?“ „Müssen wir, es trägt ja nicht zur Lösung bei, und wenn sich die Flüchtlinge hier erstmal selbst organisieren – also ich bin dann weg.“ „Aber wozu das alles?“ „Die sollen sich hier gar nicht erst wohlfühlen, je schneller sich das herumgesprochen hat, desto eher ist in Deutschland wieder Normalbetrieb.“ „Wobei ich ja immer noch der Ansicht bin, dass wir bei der Grenzschließung anfangen müssen.“ „Und Wachtürme!“ „Und mehr Bundespolizei und Internierungslager.“ „Und Sie glauben, dass das die Flüchtlinge aufhält?“ „Keine Ahnung.“ „Warum machen Sie es dann?“ „Wie gesagt, das mit der Willkommenskultur ist ein schwerer Fehler gewesen. Das darf uns auf gar keinen Fall noch mal passieren.“

„Und was de Maizière sagt?“ „Das gehört zum Plan.“ „Also dass er immer mal wieder fremdenfeindliche Töne spuckt?“ „Nee, ich hatte das so verstanden, dass die Flüchtlinge den Eindruck bekommen sollten, hier seien sie in einer Bananenrepublik gelandet, in der jeder Depp Minister werden könne.“ „Eher Minister bleiben.“ „Dann hieße das ja, dass die Bundesregierung in Wirklichkeit ein doppeltes Spiel spielt.“ „Ist Ihnen das auch schon aufgefallen?“ „Diese Zombies aus Dresden haben es immerhin kapiert, wenn auch nicht vollständig.“ „Ossis halt.“ „Sie meinen also, dass die Bundesregierung in Wahrheit auf Abschreckung setzt?“ „Korrekt.“ „Und dazu immer wieder neue untaugliche Maßnahmen durchführt?“ „Korrekt.“ „Aber wieso?“ „Weil es korrekt ist. Man kann doch nicht einfach so die ganze Verfassung abschaffen wegen ein paar Immigranten.“ „Wegen der rechtsstaatlichen Prinzipien, nehme ich an.“ „Nee, aber das bringt doch zu wenig. Wenn wir Arbeitslosen das Existenzminimum kürzen oder dieses Freihandelsabkommen durchdrücken, das verspricht wenigstens ordentliche Gewinne.“

„Oder hier: Verhaltensmaßregeln für Asylbewerber.“ „Sehr gut, das wird auch Zeit!“ „Und dass die Einwohner in den bayerischen Dörfern bei jedem Bierfest den Nachbarn in den Vorgarten scheißen, das ist dann in Ordnung?“ „Immerhin handelt es sich um deutsche Leitkultur, wenn da einer dem anderen in den Vorgarten macht. Der darf sich dann ja auch im nächsten Jahr revanchieren.“ „Und so lange sollen die gar nicht in Deutschland bleiben, diese Asylanten!“ „Außerdem stellen Sie sich das mal vor, hundert Einwohner werden genötigt, vor einem Asylantenheim ihre Notdurft zu verrichten. Das geht wirklich zu weit!“ „Gegenüber den Flüchtlingen?“ „Wen interessieren denn die Flüchtlinge? Die Einwohner kriegen doch den ganzen Gestank ab, der von diesen Asylbuden ausgeht!“ „Und das mobilisiert dann das gesunde Volksempfinden, das sich möglicherweise in eine thermodynamische Meinungsäußerung wandelt.“ „Sie meinen einen Brandanschlag?“ „Ja, und wir müssen Kriegsflüchtlinge vor solchen Übergriffen auch wirksam schützen. Deshalb schmeißt man sie am besten raus, bevor sie eine Brandgefahr für die umliegende Bevölkerung darstellen könnte.“

„Dann ist das, was der Philologenverband da von sich gibt, auch flüchtlingspolitisch motiviertes Störfeuer?“ „Nein. Das sind einfach nur ein paar Arschlöcher, die es nicht verkraften, dass der Doktor Goebbels sich seit siebzig Jahren nicht mehr für sie interessiert.“

„Und was haben Sie sonst noch so in petto?“ „Wir könnten Altmaier als Flüchtlingskoordinator einsetzen.“ „Also ernsthaft.“ „Aber der ist doch jetzt schon Flüchtlingskoordinator.“ „Aber nicht ernsthaft.“ „Oder haben Sie schon mal gesehen, dass der irgendwas koordiniert?“ „Der wurde nur nicht informiert vom Innenminister.“ „Das war eine konzertierte Aktion. Wenn die einen nicht wissen, ob die anderen etwas zu sagen haben, hören sie vorsichtshalber weg.“ „Verstehe. Bananenrepublik und so. Und wenn das alles nichts hilft? Wenn sich die Menschen nun nicht abschrecken lassen von diesem Getue? Wenn die einfach immer weiter aus dem Bürgerkrieg fliehen und vor der Grenze stehen und sich aufs Grundgesetz berufen und in Deutschland Schutz suchen?“ „Na, dann haben wie ja immer noch Seehofer.“ „Seehofer.“ „Genau. Als Bundeskanzler.“

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