Identitäre Bewegung

2 12 2015

„Und Sie arbeiten wirklich nach…“ „Nehmen Sie doch erst mal Platz.“ „Danke, vielen Dank. Wir haben schon so viel von Ihnen gehört, da haben wir uns natürlich gefragt, ob Sie, ich meine als Profi, und wir sind ja nun…“ „Sie müssen gar keine Sorge haben, wir arbeiten ohne Ansehen der Person. Unsere ideelle Hilfe für Verschwörungstheorien ist auch für den Durchschnittsverdiener durchaus finanzierbar.“

„Wir sind ja noch recht neu auf diesem Gebiet, da wollten wir uns erstmal umhören, was man da so nimmt.“ „Wie gesagt, Sie werden bestens bedient. Natürlich könnten wir Ihnen auch ein älteres Modell anpassen, aber Sie mögen doch sicher eine neue und originelle Variante, oder?“ „Hmja.“ „Ich wusste, Sie sind für geistige Höhenflüge offen. Gut so, das mit den Chemtrails und Impfungen nimmt ja heutzutage jeder.“ „Das kommt auch von Ihnen?“ „Sagen wir mal so: ich habe nicht mein ganzes Leben lang selbstständig gearbeitet.“ „Oh!“ „Und daher würde ich Ihnen auch empfehlen, eine neue und ganz originäre Theorie zu verwenden, denn nur so bleiben Sie auch dauerhaft interessant.“ „Wenn Sie das so sagen…“ „Aber klar, nur raus mit den Wünschen!“

„Also wir sind ja nun ein Traditionsverein, der bald sein Jubiläum feiert.“ „Was machen Sie denn?“ „Kegeln. Wir sind nämlich der Kegelklub Saxonia 0/88, und da…“ „Ich würde mal annehmen, dass diese 88 ein…“ „Bitte, 0/88.“ „War klar, bei 88 ist immer eine Null vorweg.“ „Und wir würden jetzt gerne für die Zukunft mal eine neue Vergangenheit haben. Oder auch umgekehrt – die anderen haben mir das da so aufgeschrieben.“ „Aha, ich verstehe. Ihnen fehlt ein Gründungsmythos.“ „Nein, wir haben ja die Kneipe von Erwin noch, wo wir jeden Freitag…“ „Schon gut.“

„Und wir wollten jetzt mal etwas Identitäres für den…“ „Sie meinen sich etwas Identitätsstiftendes, aber ist ja auch egal.“ „Genau, und da wir uns da auch gar nicht auskennen, mit Politik und so, da wollte ich vorher mal bei Ihnen nachfragen. Man muss ja dann etwas sagen, wenn die Presse kommt. Oder die Polizei.“ „Wen fürchten Sie denn mehr?“ „Die Presse. Bei der Polizei muss man ja nichts sagen, und die Presse darf man wenigstens anspucken.“ „Stimmt, umgekehrt ist das schon viel schwerer.“ „Genau, das sagt Erwin auch immer. Und darum wollten wir auch ein Motto für den Klub, wenn wir an die Öffentlichkeit gehen.“ „Warum denn?“ „Ich weiß nicht, die anderen sagen das. Ich bin ja kein Nazi, aber…“ „Also etwas Rechtsradikales. Sagen Sie das doch gleich.“

„Also wir sind hier schon ein ganz traditioneller Klub, aber seitdem der Hubert seinen zweiten Schlaganfall hatte und die Anni um ist, Doppelkorn, da ist das bei uns gar nicht mehr so gemütlich.“ „Was hat sich denn seither bei Ihnen verändert?“ „Den Schreibwarenladen macht so einer aus dem Ausland.“ „Na, das ist doch schon mal ein guter Anhaltspunkt.“ „Nee, der Schömmke kommt doch aus Freital.“ „Wussten Sie eigentlich, dass in Sachsen jeder fünfhundertste Einwohner Moslem ist?“ „Oh!“ „Sie können das ja mal hochrechnen, wie lange es noch dauert, bis die hier die ganzen Kegelklubs übernommen haben.“

„Aber das mit dem Schömmke glaube ich nicht, der ist doch immer…“ „Und von Homöopathie haben Sie auch schon mal gehört?“ „Haben die so kleine Kügelchen?“ „Genau, und das verträgt sich doch nicht mit einem Kegelverein.“ „Aber der ist auf dem Feuerwehrball gewesen und hat uns einen neuen Schlauch gespendet.“ „Und der wurde auch seitdem nicht eingesetzt?“ „Nein, warum?“ „Das sollte Ihnen doch jetzt zu denken geben.“ „Oh!“

„Dann halten wir mal fest: dieser Schömmke ist der Vorbote einer gesteuerten Umvolkung, und er hat schon versucht, Ihre Gemeinde durch gemeine Brummtöne zu…“ „Bitte?“ „Hat er ein Autoradio?“ „Ja, aber…“ „Na also. Sie hatten in den letzten Jahren Schlafstörungen?“ „Ab und zu bin ich…“ „Da haben wir’s! er zerstört die Gesundheit der ganzen Gemeinde, und wenn Sie dann endlich tot sind, reißt er sich die Häuser und die Grundstücke von Ihren Erben unter den Nagel!“ „Das glaube ich einfach nicht, der ist…“ „Gut, dann so: die Kornkreise in Deutschland, wissen Sie, wie die entstehen?“ „Nein, aber…“ „Dann wissen Sie es jetzt. Und so werden Sie auch enden, wenn Sie sich nicht vor den radioaktiven Elektromagnetstrahlen in Sicherheit begeben.“ „Ich wusste doch, dass da etwas nicht stimmt!“ „Sehen Sie? Ihr Kegelklub kann jetzt ganz offiziell vor einer Kriegswaffe warnen, die es ohne Sie gar nicht ins öffentliche Bewusstsein geschafft hätte.“ „Krass!“ „Danken Sie nicht mir, ich gebe nur Ihre Gedanken wieder.“

„Müssen wir uns dann jetzt umbenennen?“ „Nein, aber Sie müssten sich schon überlegen, ob Sie auch weiterhin mit der Lokalpresse sprechen.“ „Die wollten neulich mal eine Reporterin schicken, damit wir in den…“ „Und die hat Ihnen gesagt, dass sie Ihre Erkenntnisse über Schömmke und seine Bevölkerungsexperimente auf die Titelseite bringt?“ „Ich weiß nicht.“ „Dann überlegen Sie mal, warum sie das nicht tut.“ „Das ist ja…“ „Sie müssen sich nicht bedanken, ich mache das ja gerne für Sie. Wir haben schließlich gemeinsame Traditionen, nicht wahr?“

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