Bambiland

10 12 2015

„Und, wie war Dein Tag?“ „Das willst Du doch gar nicht wissen.“ „Entschuldige mal, aber das ist doch eine billige Entschuldigung!“ „Ich wollte doch nur sagen, dass…“ „Ihr haltet mich hier wohl für blöd, aber da habt Ihr Euch…“ „Jetzt hör doch mal, das ist doch alles ein…“ „Alle drei, vier Tage dasselbe Theater, Ihr glaubt wohl, Ihr könnt Euch hier alles erlauben?“ „Beate, bitte!“

„Das ist doch wohl die Höhe! Ich sitze hier Tage und Wochen alleine zu Hause und warte, und Ihr habt nichts Besseres zu tun, als mir die Tankquittungen auf den Schreibtisch zu schmeißen und die Hosen auf die Waschmaschine. Überhaupt, wie kriege ich denn die ganzen Blutflecken wieder raus? Müsst Ihr Euch immer an der Tür vom Raststättenklo stoßen?“ „Beate, es ist da draußen eben gefährlich. Da ist es doch besser, es redet keiner mit Dir.“

„Und überhaupt, wo wir beim Thema…“ „Ja, ich weiß, aber wir müssen diese ganzen Belege nun mal sammeln und dann bei der Oberfinanzdirektion einreichen für die Einkommensteuer. Wir sind doch nicht die Reichsbürger!“ „Meine Fresse, jetzt hör mir doch mal einer zu! Ich kriege hier eine Quittung aus Köln, ‚Diverse Metalle: 128 Euro‘. Wollt Ihr mich verarschen!?“ „Das ist doch von nationalem Interesse, da muss man eben…“ „Ich bin doch nicht Euer Finanzministerium!“ „Naja, ’ne schwarze Null könntest Du schon spielen.“ „Frechheit!“

„Die Nachbarn haben sich auch schon wieder beschwert.“ „Diese negroiden Kulturbereicherer von gegenüber, was?“ „Nee, der Szczymanski aus dem Erdgeschoss. Es riecht nach Katzenpisse.“ „Dann soll der alte Sack halt nicht so viel koksen.“ „Es stinkt hier, klar!?“ „Aber…“ „Und was kommt jetzt als Entschuldigung? dass Du Dir hier täglich anderthalb Pullen Korn reinballerst, anstatt mal die Katzenklos zu leeren?“ „Wir haben zwei?“ „Was ist das für eine bescheuerte Antwort!?“ „Hör mal, ich versuche hier mühsam das Bild des unverschuldet in die Asozialität abgedrängten Volksgenossen zu kultivieren, aber…“ „Dann sauf doch wenigstens Prosecco, Du blöde Schlampe!“ „Dies volksfremde Zeug kommt mir nicht ins Haus!“ „Reiß Dich verdammt noch mal zusammen, oder soll ich Dir die Katzen wegnehmen?“ „Nein! Ich bin doch sonst so alleine.“

„Sag mal, wo sind eigentlich die beiden Wummen hin?“ „Die was?“ „Die Lochgeräte. Du weißt schon.“ „Ach die. Im Wohnzimmerschrank, unten bei den Blumenvasen. Aber nicht anrühren!“ „Wieso nicht?“ „Die sind aus Metall, und wenn man damit gegen die Vasen kommt, die sind doch auf Porzellan und…“ „Beate, lass es mich einfach so sagen: Du bist blöd.“ „Im Gegenteil, die sind auch aus Glas und teilweise…“ „Halt doch einfach mal die Fresse, ja?“

„Und hier, diese DVD.“ „Was ist denn damit?“ „Ich soll die an so einen Ötzfötz schicken.“ „Sollst Du das?“ „Ja.“ „Dann sollst Du das.“ „Aber…“ „Wer ist hier eigentlich die Frau im Haus?“ „Ich kann doch nicht alles alleine machen, der Uwe…“ „Ja?“ „Schielt die Alte, oder hat einer die Null gedrückt!?“ „Ich wollte doch nur…“ „Schnauze!“

„Beate, wir müssen das besser organisieren.“ „Da bin ich ja ganz bei Euch, Wir brauchen hier mehr Organisation.“ „Vor allem die…“ „… die finanziellen Belange, wir können doch nicht alle paar Monate mal eine Bareinzahlung von ein paar zehntausend Euro verzeichnen, und dann verdienst Du mit Deiner Vollzeitstelle höchstens…“ „Mist, das Telefon!“ „Warte – Nationalsozialistischer Untergrund, Zschäpe?“

„Bist Du eigentlich total bescheuert!?“ „Wieso denn, Ihr meldet Euch am Handy doch auch immer mit dem…“ „Aber Du bist doch kein Mitglied! Was, wenn das ein nicht eingeweihter Mitarbeiter vom Verfassungsschutz gewesen wäre?“ „Hör mal, uns findet doch keiner, haben die gesagt. Wir leben im Untergrund, haben die gesagt.“

„So, und jetzt könntest Du bitte mal unsere Klamotten in die…“ „Aber sicher doch – haben die Herren noch einen Sonderwunsch? Blaskapelle dazu?“ „Beate, es ist nicht so, wie Du denkst!“ „Seit drei Monaten versuche ich diese Flecke aus den Jeansjacken zu kriegen, Ihr seid doch nicht ganz frisch! War das wieder so eine Prügelei mit nichtarischem Menschenmüll?“ „Das war Mord.“ „Nee, klar – Ihr seid die tapferen Massenmörder gegen die Überfremdung Deutschlands. Ich bin ja so was von schockiert.“

„Sag mal, wollen wir nicht diesen Sommer mal ein paar Wochen Urlaub machen?“ „Müsst Ihr wieder irgendwo hin?“ „Quatsch, ich meine wirklich Urlaub.“ „Und wo? Schrebergarten?“ „Nee, jetzt wirklich. Wir könnten zum Beispiel ins Blaue und da in der Natur den…“ „Mit dem Zug? lass mal stecken.“ „Ich dachte, wir holen uns ein Wohnmobil. Da können wir alle…“ „Definitiv nicht, so wie ich Euch beide kenne, Ihr bringt Euch doch gegenseitig um.“ „Jetzt übertreib mal nicht.“ „Gar nicht, ich kenne Euch doch!“ „Und was war das letzte Woche, Du kannst nicht mehr ohne uns leben?“ „Können schon, aber von Wollen muss doch nicht gleich die Rede sein.“ „Also sag mal, das ist doch die …“ „Meine Güte, jetzt reißt Euch doch zusammen!“ „Aber…“ „Aber, aber – und am Ende will’s dann wieder keiner gewesen sein!“

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