Friedliche Expansion

31 01 2016

Es stehen, wie um es zu schützen,
vor jedem Hause Zipfelmützen
auf jenem bunten Wunderwerk,
dem treuen, braven Gartenzwerg.

Allein darin erschöpft sich nicht
sein Daseinszweck, denn jener Wicht
lebt nicht nur friedlich in der Mitte
der Heimat, vielmehr: jeder dritte

erobert ferner Länder Gärten.
Dort stehen sie mit Schippen, Bärten
und leben einen deutschen Traum:
ihr Volk ist nicht mehr ohne Raum.

Dahin hat uns der Zwerg geführt,
dass er beharrlich expandiert,
weil er auf dieser schönen Welt
herumsteht. Und die Klappe hält.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCLXXVII)

30 01 2016

Es ärgert Gaston sich in Croce
seit Tagen schon über den Boss,
so dass er sich kräftig
betrunken sehr heftig
zu kündigen endlich entschloss.

McGinn und Ó Domhnaill aus Clifden,
die standen im Dunst an den Triften,
dieweil es dort regnet,
und keiner begegnet
den Männern, die darum dort schifften.

Alphonse kaufte in Drefféac
zwei Hasen, verpackt gut im Sack.
Er war schlecht beraten,
man sah es am Braten:
ein falscher war’s, Hase aus Hack.

Segundo wärmt sich in El Carmen
beim Bäcker. Der Mann zeigt Erbarmen
bei frostigem Wetter.
Es schenkt ihm sein Retter
ein Brötchen, gar eins von den warmen.

Eugène schmolz im Topf in Soucelles
sich Zucker. Doch kein Karamell
wurd dieses im Grunde.
Er schmolz ganze Pfunde
abwechselnd zu schwarz und zu hell.

Panh kaufte sich in Kampong Cham
ein Grundstück. „Am besten, ich ramm
als erstes vier Pfosten,
die kaum etwas kosten,
hinein.“ Leider fand er nur Schlamm.

Der Christbaum von Yves in Bouère
war ihm zum Transport noch zu schwer.
Er blieb davor hocken.
Dann föhnt er ihn trocken.
Das freute auch die Feuerwehr.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXIX): Die Sehnsucht nach dem starken Mann

29 01 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Natürlich hat der Hominide mit der Evolution die eine oder andere Verhaltensweise kritisch überdacht. Man riecht einem Artgenossen nicht mehr im Schritt, die Gesichtserkennung hat sich in weiten Teilen der Bevölkerung durchgesetzt. Man prügelt sich wegen Meinungsverschiedenheiten nicht mehr, sondern setzt Schusswaffen ein, bei größeren Differenzen auch stehende Heere und Marschflugkörper. Staaten haben in vielfacher Hinsicht die prähistorischen Götzenbilder ersetzt, und jeder ist sich im Klaren darüber, dass die eigene Nation von Gott erwählt wurde, die anderen jedoch der letzte Mist sind, es sei denn, sie sind als Absatzmärkte interessant; in dem Fall kriecht man ihren Vertretern auch gerne wieder in den Schritt. Was bleibt, ist der Wunsch nach Unterwerfung.

Die Stammesgesellschaft verbindet idealtypisch zwei Existenzhilfen für Behämmerte: sie finden sich in einer festen Rangordnung, die ihnen keine geistige Leistung zum sozialen Aufstieg abverlangt, gleichzeitig erhebt ein Herkunftsmythos von Blut und Boden den absoluten Anspruch, die identitär funktionierende Herde gegenüber jeder anderen Sichtweise zu immunisieren. Nichts festigt diesen Herdentrieb besser als die Anerkennung des großen Häuptlings, nichts sichert des Häuptlings Macht besser ab als die autoritäre Persönlichkeit. Aus der Immunisierung folgt sogleich das Bewusstsein, gebenedeit zu sein unter den Dumpfklumpen auf dem Antlitz der Erde; die untertänige Haltung ist scheinbar der Garant, dass es so bleiben wird. Zwei Prinzipien schwiemeln sich zu unheiligen Allianz, die schon einzeln zivilisationsfeindlich sind.

Das Führerprinzip rettet die Rotte vor jeglicher Geschichte, auch und erst recht vor der, die sie erlebt. Seine Irrationalität gibt dem gewöhnlichen Deppen die Sicherheit, immer seine Erziehung über Bord kippen und sich dabei auf höhere Ziele berufen zu können. Was der Häuptling will, ist ja Befehl Gottes, so fügt sich der Kurzstreckendenker in reaktionäre Verhaltensmuster einer mehrfach gründlich gescheiterten Gesellschaft.

Andererseits tendiert der Bekloppte nach Kräften zur Regression, um eine Vergangenheit zu erleben, eine gute alte Zeit, die sich seine Ahnen vom Hals gewünscht haben. Sein Konservativismus muss reaktionär werden, immer reaktionärer, denn es soll alles so werden wie früher, noch früher, noch früher, wie kurz vor dem Urknall. Es gab noch klare Rollenbilder, die Weiber hielten die Schnauze, eine ordentlich definierte Minderheit durfte man bei schlechten Ernten oder außenpolitischem Desaster auf den Scheiterhaufen jagen, den Rest richtete der starke Mann, denn er hatte immer eine einfache Lösung für alle Probleme dieser Welt.

Denn der starke Mann, jene messianische Hohlmeise an der Spitze der Suppenkasper, ist sich stets eins mit den Schranzen an seinem Rocksaum. Er sondert populistische Nullstellen ab, denn er lebt von der Drohung, vom Getöse, vom Schwall, nicht aber von der Führung, die tatsächlich Veränderung bedeutet und damit eine reelle Gefahr darstellt für das Prinzip der Veränderungslosigkeit. Die Basis seiner Argumentation – und also seines Handelns – ist die Zerstörung, da Reflexion ihm als Schwäche erscheint. Der starke Mann tritt erstmal alles kaputt und fragt dann, wie er mit den Folgen fertig wird. Oder wie er seine Nachhut für den Schaden bluten lässt.

Je weniger der gemeine Depp in die intellektuelle Unterfütterung seiner zivilisatorischen Bemühungen investiert, desto eher wird er seinen kognitiven Bauschaum zum reaktionären Imperativ umfräsen. Warum sollte das Schaf, dessen Horizont sich mit Blöken erschöpft, plötzlich über die Herde hinauswachsen wollen? Solange die Überlieferung der Vorväter überhaupt einen Anführer vorgesehen hat, ist der ja schon gekommen, womit sich jede Notwendigkeit für eine differenzierte Betrachtung der Lebensumstände erübrigt. Initiationsriten, die mythisierende Gleichschaltung der Pubertierenden und die Überhöhung der Sozialstruktur zur Familie unter der Leitung der strafenden Vaterfigur tun ein Übriges, um die sektenähnliche Gehirnvollwäsche in den Kleinsten zu beginnen und ihre Ergebnisse später zu zementieren. Wozu aber?

Der Deutsche ist stets Opfer, verfolgt, erniedrigt und von der Welt falsch verstanden, und weil er nichts besser versteht als den Rollentausch, muss er zunächst einmal Täter werden. Nie ist er sich seiner Sache so sicher, als wenn er davon ausgehen kann, dass der starke Mann ihn führt, günstigerweise direkt in die Grütze, weil er dann nämlich nichts dafür gekonnt haben wird. Auch die Zivilisation, diese lästige Kosmetik aus einer Zeit, die zu weit ging, streift er dafür gerne ab – wissend, dass er ja aus tief empfundenem Hass gegen alles, was er als noch minderwertiger ansieht als sich selbst, den gesellschaftlichen Emporkömmling spielen müsste, der er aber mangels gesellschaftlicher Mobilität nie sein wird. Er braucht einen Führer, damit er sein Karma als Waschlappen ausleben kann. Der starke Mann bringt den Wesenskern des Bescheuerten zum Vorschein. Wer sagt’s denn.





Der Fluch der trinkenden Klasse

28 01 2016

„Gehen Sie nicht zu nah ran.“ Siebels machte eine Handbewegung, als kippe er sich etwas ins Gesicht. „Im Regelfall benutzen die Brüder ein Mundwasser mit therapeutischen Whiskyextrakten.“ Wir passierten die Schranke, der Pförtner tippte sich nur leicht an den Mützenschirm. So also sah es im Landesparlament aus.

Auch hier hatte Siebels, die graue Eminenz des deutschen Fernsehens, wieder plörrigen Automatenkaffee auftreiben können. Gelangweilt rührte er in seinem Becher. „Sie haben gleich die Gelegenheit, mit einem echten Rechtspopulisten über die Schönheiten des Raumordnungsverfahrens zu debattieren.“ Damit öffnete er ohne vorher anzuklopfen das Zimmer des Abgeordneten Dicks, der müde in seinem Sessel hing. Von seiner Gestalt ging etwas Fettiges aus, vermutlich hatte er schon seit Wochen nicht mehr gebadet. „Keine Ahnung“, murmelte die zerrüttete Gestalt. „Ist ja alles hier in diesen Dingern da.“ Er blickte auf den Kameramann und zeigte auf einen Stapel Papier, offensichtlich die Neufassung des noch nicht verabschiedeten Landesplanungsgesetzes. „Es geht um die Raumordnung im Untergrund“, erklärte Siebels, „und er hat vor der ersten Lesung schon drei von 273 Seiten geschafft.“ Dicks hatte bei der Zuteilung in diesen Ausschuss offenbar eher an die nationalsozialistischen Untergründe ganz anderer Länder gedacht als an die Toxizität der eigenen Böden – was aber für seine Partei durchaus eine lohnenswerte Überlegung gewesen wäre – und musste sich nun in die geologisch wie grammatisch komplexen Eigenarten des Gutachtens einarbeiten. „Er war mal Taxifahrer“, murmelte ich, „sagt mir wenigstens das Handbuch.“ „Abwarten“, gab Siebels wortkarg zurück.

Im benachbarten Raum hatte sich der Abgeordnete Lummermann, seines Zeichens Fraktionsführer, mit einem Stapel Handbücher ans Werk gemacht, die zweite Rede seiner parlamentarischen Laufbahn zu verfassen. „Das deutsche Wesen“, deklamierte Lummermann in die Kamera, „ist der Grund, woran die Welt verwest – nee, Moment mal…“ „Seine erste Rede war ja nicht so der Bringer“, erinnerte ich mich. „Wem sagen Sie das“, seufzte Siebels. „Einen richtig echten Studenten der Germanistik engagieren, eine von Fremdworten gespickte Suada zu verfassen, und dann am Pult eine Viertelstunde lang herumstammeln, weil man den Mist nicht aussprechen kann.“ Er rollte mit den Augen. Lummermann lief rot an. „Die haben mir nur nicht zugehört!“ Dabei hatte die Rede so ein ausgefeiltes Konzept: in wenigen Sätzen legte sie dar, dass schon in den nächsten zehntausend Jahren kein ordentlicher Deutscher mehr in diesem Regierungsbezirk leben würde, weil das Erbgut der Schwarzafrikaner den Verlust der Muttersprache begünstige. Vor diesem Hintergrund müsse die Finanzierung des regionalen Denkmalschutzes ganz anders bewertet werden. „Wir können doch unsere kulturell unwiederbringlichen Bauten nicht für diese ganzen Neger instand setzen“, ereiferte er sich. „Wo bleiben denn da die Deutschen?“

„Das wäre schon mal ein erster Eindruck“, knurrte Siebels, trank einen letzten Schluck aus dem Plastikbecher und warf ihn mit achtlosem Schwung in den nächsten Papierkorb. „Mir scheint, diese Patrioten haben sich ein vollkommen falsches Bild von der Arbeit in einem Parlament gemacht.“ Er nickte. „Dieser Labermann hatte eigentlich nur vor, ab und zu seine Volksreden von der Gefahr durch Horden fremder Völker zu schwingen. Er kann es zwar sowieso nicht, aber es offenbart ein profundes Missverständnis der Demokratie.“ Siebels steckte sich einen Zahnstocher in den Mund. „Dass die geistig nicht begüterten Helden sich am parlamentarischen Ausschusskram die Birne einrennen, ist doch geradezu putzig. Keiner hat ihnen vorher gesagt, dass Landespolitik ein Vollzeitjob ist, bei dem man in Akten ertrinkt.“

Dem Vernehmen nach hatte Lummermann bisher nur ein Faxgerät zu entwenden versucht, einen Bürostuhl und einige Bogen Postwertzeichen. Seine Kompromissfähigkeit wurde auf eine harte Probe gestellt, als er dem Antrag eines politischen Todfeindes zustimmen musste, weil er seinem eigenen aufs Haar entsprach. „Diese Leute entsprechen sehr genau ihrem prügelnden Klientel, sie sind faul, ungebildet, verlangen dafür aber eine vollständige Alimentierung ohne Gegenleistung, die sie anderen natürlich absprechen.“ Durch die Tür sah man noch, wie der Abgeordnete seinen Sermon wild gestikulierend probierte. „Arbeit“, sagte Siebels, „ist nun mal der Fluch der trinkenden Klasse. Aber wir müssen uns nicht fürchten vor diesen Knalltüten, einen nationalen Umsturz planen sie nicht. Sie wollen nur genauso an die Futtertröge wie die anderen Politiker, mit Pensionsanspruch und Dienstwagen.“ Ich war skeptisch. „Meinen Sie nicht, dass Sie übertreiben?“

Der Pförtner war sich sicher, dass der Abgeordnete Klöter seit seiner Einführung das Büro nicht ein einziges Mal betreten hatte. „Den Schlüssel“, zeigte er, „den haben wir ja noch hier, und eingerichtet ist das Zimmer auch noch nicht.“ Siebels zog sich noch einen Becher Kaffee. „Ein Glück – Deutschland ist gerettet.“





Erbe der Entrechteten

27 01 2016

„Ja, haben Sie denn nicht so etwas wie eine Rechtsabteilung? Wer macht das denn bei Ihnen, die Steinbach doch? Ach so, das konnte ich nicht wissen. Aber Sie müssen doch irgendeinen haben, der bei Ihnen so Ideologiekram macht, oder? So langsam wird es hier ja ungemütlich – hier bei uns in der SPD.

Der Kollege Oppermann hat es mir hier mal aufgeschrieben, der Zettel muss irgendwo noch herumfliegen. Sie treiben der AfD die Wähler zu. Es gibt da immer mehr rechte Spinner, die sich mit irgendwelchen Naziparolen profilieren wollen, und diese PEGIDA-Deppen sind auch ein Problem, und dann wollen sie alle Ausländer rauswerfen und… Nein, das liegt nicht am Rechtskurs der Union, im Gegenteil. Das liegt daran, dass Sie überhaupt keinen mehr haben. Also keinen Rechtskurs.

Früher konnte man bei der CDU noch gegen Ausländer unterschreiben! Kinder statt Inder! Das Boot war voll! Das ist doch unverantwortlich, was Frau Merkel anzettelt – demokratische Verhältnisse, und das in einer konservativen Volkspartei! Dass die Frau sich nicht schämt! Ich meine, wir sind in einer Regierungskoalition, aber das heißt doch noch lange nicht, dass wir auf den Koalitionspartner auch Rücksicht nehmen müssen. Sie müssen auf uns Rücksicht nehmen, so sieht’s ja wohl mal aus!

Die CDU ist nicht mehr rechts genug. Sie müssen zu unserer Position jetzt ein Gegengewicht bilden, sonst wandern noch mehr Wähler zu den Rechtspopulisten ab. Meine Güte, Sie sehen doch unser Dilemma! Erst waren wir nicht links, dann sollen wir nicht rechts sein – das hält doch auf Dauer keine Partei aus!

Wenn Sie jetzt, nur mal so als Vorschlag, dem Seehofer so kleine Aussetzer erlauben würden, immer mal wieder an der Verfassung vorbei, nur ein bisschen volksverhetzend, und dann… machen Sie schon? Das entzog sich bisher meiner Kenntnis. Aber das reicht doch nicht! Der treibt ja der AfD die Wähler in die Arme, weil er immerzu neue Ultimaten stellt, immer neue Forderungen, die nicht durchsetzbar sind, ständig neue Schnapsideen. Wir kommen da doch gar nicht mehr hinterher, verstehen Sie? Unser Parteivorsitzender, der Herr Gabriel, hat doch schon öffentlich gesagt, er wolle mit den besorgten Bürgern über ihre Ängste reden. Mehr Anerkennung kriegen Sie doch für diese Vollidioten nicht hin. Wenn Sie denen zuhören und Ihnen die Ohren zu bluten anfangen, das ist doch schon ein Ritterschlag, wenn Sie denen nicht sofort ins Gesicht brechen. Aber das kann der Mann doch nicht alleine leisten! das muss doch die Union auch mittragen!

Jetzt hören Sie mir auf mit Friedrich! der Mann gehört doch zum Problemkomplex Bayern dazu, das gilt doch nicht! Und bei Schäuble, das sind ja auch nur halbherzige Versuche. Nein, Sie müssen Frau Merkel sagen, dass die CDU einen ordentlichen Rechtsruck braucht, um unser Land vor den Nazis zu retten.

Wir hatten auch schon eine Demo angekündigt, um so eine Asylantenbude aufzumischen, aber dann hat uns die Frau Kraft wieder zurückgepfiffen. So geht das doch nicht weiter! Wie sollen wir denn da ein Image aufbauen? unter diesem Vorsitzenden? Wir waren mal die Rächer der Enterbten – jetzt will Gabriel bloß noch ans Erbe der Entrechteten!

Mensch, das hat doch früher so dufte geklappt! Wissen Sie noch, damals – Frau Merkel hat ja selbst gesagt, Multikulti sei gescheitert! komplett gescheitert sei das, das hat sie damals gesagt! Wenn sie heute noch mal so einen raushauen würde, das wäre ein Segen für diese Republik. Endlich wieder klare Verhältnisse!

Naja, alternativ könnten wir natürlich unsere Strategie segmentabhängig erweitern. Wenn wir zum Beispiel die Nahles mit dem Satz losschicken, der Islam gehöre historisch nicht zu Deutschland, das würde uns wichtige Marktanteile sichern. Auf der anderen Seite würde sich die Hälfte der Wähler fragen, wie die Alte so etwas ohne fremde Hilfe rauskriegt. Wir hatten vor, eine flüchtlingsbedingte Rentenkürzung ins Spiel zu bringen – da kam uns Schäuble mit seiner Benzingeschichte zuvor. Aber das sage ich Ihnen, das war halbherzig! Damit treiben Sie uns noch mehr in die Enge, und ich möchte nicht wissen, wie Gabriel reagiert, wenn er das nächste Mal solche Querschläger abkriegt.

Er hat sich doch in der Flüchtlingsfrage schon mit einem klaren Ja-aber darauf festgelegt, dass er noch nicht weiß, in welche Richtung er kippt. Wenn er jetzt nachlegen muss und eine Obergrenze fordert und dann noch dauerhafte Grenzschließung und einen Schießbefehl und Deutschland den Deutschen und Ausländer raus, also ich weiß ja nicht – würden Sie das als Koalitionspartner mittragen? Wenn wir da Geschlossenheit erreichen könnten, Gabriel würde sicher mit sich reden lassen, und vielleicht streichelt Frau Merkel auch mal wieder ein kleines Mädchen und freut sich dann mit ihr auf die Abschiebung und…

Also das wäre okay? Gut, das ist ja schon mal etwas. Dann sagt unser Vorsitzender auf dem nächsten Parteitag, dass Dresden schön deutsch bleiben soll, wir kriegen fünfzehn Prozent, und dann können wir den Fettsack absägen. Das sind doch endlich mal wieder Perspektiven für die SPD!“





Made in Bavaria

26 01 2016

„… und von den Mitgliedern eines Spezialeinsatzkommandos überwältigt worden sei. Der Bankräuber aus dem bayerischen Deggendorf habe bereits im vergangenen Jahr eine…“

„… scharfen Protest eingelegt habe. Es sei wohl im Sinne der Volksaufklärung, dass ab sofort die Herkunft mutmaßlicher Straftäter in den Medien stets genannt werden müsse, doch seien die Interessen des Freistaates Bayern als wesentlich höher zu…“

„… sich auch die Gemeinde Deggendorf mit Kritik geäußert habe. Die unter anderem von der CSU vorangetriebene Änderung des Presserechts sei nicht gedacht zu Rufschädigung von straffällig gewordenen Inländern, sondern ganz im Gegenteil für die…“

„… dass laut Presskodex in der Berichterstattung über Straftaten die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt werden solle, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug bestehe. Dies, so Söder, sei nicht hinnehmbar, da es sich bei den Bayern nicht um eine Minderheit handle, was jeder Einwohner des Freistaates…“

„… in einem weiteren Fall den auf frischer Tat ertappten Einbrecher als Münchener bezeichnet, obwohl dieser wohnhaft im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz und nur aus beruflichen Gründen in die…“

„… wolle sich die Staatskanzlei nicht auf einen Vergleich einlassen, da die Hauptstadt ohnehin schon durch eine stark ansteigende Zahl an Wohnungseinbrüchen im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehe. Es sei zudem besonders unangenehm, dass die Kriminellen aus dem eigenen…“

„… nicht beanstandet werden könne, wenn die Zeitung nur nenne, dass der Täter nachweislich aus Bayern stamme. Seehofer habe darauf eine Klage vor dem…“

„… dass auch eine deutsche Staatsbürgerin mit schwarzer Hautfarbe, wenn sie seit ihrer Geburt in Augsburg lebe, als Bayerin bezeichnet werden dürfe. Hasselfeldt werte dies als einen besonders schweren Fall von Missbrauch der Pressefreiheit, da diese Personengruppe ausdrücklich nicht als Täter vorgesehen sei, sondern ihre Rolle als…“

„… im Falle des mehrfachen Bankräubers in Erfahrung gebracht habe, dass dessen Vater im Jahr 1960 aus der DDR geflohen sei. Es sei also erwiesen, dass hier Brandenburg eine entscheidende Rolle bei der Kriminalisierung des…“

„… der Anwalt des Geschädigten habe nachweisen können, dass der Vater 1938 in Altötting geboren wurde und somit ebenfalls…“

„… im Oberbayerischen Volksblatt als ‚Polizistenmörder aus Fulda‘ bezeichnet worden sei. Seehofer habe die sofortige Schließung der hessisch-bayerischen…“

„… nicht geklärt, ob es sich überhaupt um eine Person aus Fulda handle. Am Tatort sei lediglich ein entsprechendes Kraftfahrzeug mit dem amtlichen Kennzeichen…“

„… der Geisterfahrer kurz vor Darmstadt von einer Polizeistreife gestoppt worden sei. Er habe keine Papiere mit sich geführt, sei jedoch stark alkoholisiert gewesen und habe in bayerischer Mundart die Beamten grob beleidigt, weshalb die Lokalpresse ihn als…“

„… noch untersucht werde. Da der mutmaßliche Mörder aller Wahrscheinlichkeit aus Gießen stamme, sei die Bezeichnung ‚Hessischer Cop-Killer‘ im Oberbayerischen Volksblatt juristisch eine ganz klare…“

„… es sich bei einem Tatverdächtigen mit dem Namen Franz-Xaver Gschwöllpointner ebenso um einen Norddeutschen…“

„… Augenzeugen ausgesagt hätten, der hessische Steuerberater habe den am Boden liegenden Polizeihauptmeister lediglich wiederbeleben wollen, sei jedoch um mehrere Minuten zu…“

„… mit dem Fahndungsfoto übereinstimme. Gschwöllpointner sei wegen mehrerer Trunkenheitsfahrten, davon eine mit Todesfolge, stets zur Fahndung ausgeschrieben worden, was ihn nicht daran gehindert habe, seit 1982 als CSU-Kreisvorsitzender von…“

„… bereits zuvor einen Herzinfarkt erlitten habe. Das Oberbayerische Volksblatt sei aus Gründen des Opferschutzes nur bereit, einen mutmaßlichen Ersthelfer unbekannter Herkunft…“

„… vorerst verzichten wolle. Fest stehe nur, so die Süddeutsche Zeitung, dass es sich um den Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern…“

„… seien überhaupt nur in Bayern akkreditierte Journalisten befugt, die Herkunft bayerischer Täter öffentlich preiszugeben, und auch dies nur in Medien, die ausschließlich in Bayern…“

„… der ehemalige Bundesverfassungsrichter für Seehofer ein Gutachten erstellt habe, aus dem klar hervorgehe, dass die Tatsache, die Erwähnung der bayerischen Herkunft könne Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren, auch im Pressekodex stehe. Da nun Minderheiten wie beispielsweise Migranten oder wunderbare Neger unter dem besonderen Schutz der Staatsregierung stünden, dürfe man sie nicht mit einer pauschalen Nennung von Bayern als Bayern in Bayern einem missbräuchlichen…“

„… historisch nicht zu Bayern gehöre. Das in Deggendorf sichergestellte Kirchenbuch weise die Ururgroßmutter des inzwischen rechtskräftigen Bankräubers als niederschlesischen Flüchtling aus, was zu verschweigen angesichts der aktuellen politischen Lage nicht länger…“





Ganz unter uns

25 01 2016

„Nein!“ „Ich gebe Ihnen ja recht, aber…“ „Ich habe Nein gesagt, und dabei bleibt es!“ „Jetzt beruhigen Sie sich doch endlich, wir sind uns ja vollkommen einig in der Sache!“ „Damit können Sie mich nicht beeindrucken, wir lehnen jegliche Diskussion über dieses Thema kategorisch ab! Mit der AfD wollen wir nichts zu tun haben!“ „Wir ja auch nicht, und genau deshalb…“ „Hören Sie mir überhaupt zu!?“

„Lassen Sie uns das mal in Ruhe analysieren: keiner von uns beiden will, dass diese rechten Spinner einen Wahlerfolg erzielen.“ „Gut, und weiter?“ „Dazu müssen wir die Leute möglichst aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit entfernen.“ „Und wie wollen Sie das bitte machen?“ „Ganz demokratisch.“ „Wie soll das denn funktionieren? die mosern doch selbst schon herum, demokratisch hätte man sie teilnehmen lassen müssen an diesem TV-Duell.“ „Naja, rechtsstaatlich halt irgendwie.“ „Und das funktioniert?“ „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben. Dann können die uns nicht gefährlich werden.“

„Die sollen ja so frauenfeindlich sein.“ „Ich würde das nicht herausstreichen, wir haben auch eine Bundeskanzlerin. Und ihre Parteivorsitzende tritt ja auch als Frau auf.“ „Aber die Feministinnen haben schon gesagt, dass wir das…“ „Auf die dürfen wir nicht hören, sonst schaffen wir Präzedenzfälle.“ „Wegen Belästigung?“ „Kommt darauf an, ob Sie Nahles und die Herdprämie mit dazuzählen.“ „Oh!“ „Eben. Wir müssen schon eine wasserdichte Argumentation vorweisen, dann können wir auch unseren Standpunkt durchsetzen.“

„Die sind ja irgendwie immer schon gegen eine gemeinsame europäische Kultur gewesen.“ „Sie meinen, die waren gegen den Euro?“ „Auch das.“ „Aber das waren ja andere auch.“ „Aber die ganz besonders!“ „Ich fürchte, das wird nicht ganz reichen. Wir sind auch gegen den Euro, zumindest gegen die praktischen Konsequenzen, die die Sache so mit sich bringen kann.“ „Und das kann man nicht für eine Landtagswahl nutzen?“ „Weil da mit dem Euro bezahlt wird? Ich fürchte nicht.“

„Diese Deutschtümelei, das geht mir schon lange auf den Sack!“ „Sie könnten sich schon ein bisschen gewählter ausdrücken, aber in der Sache haben Sie schon recht.“ „Wenn der Höcke da sein schwarz-rot-goldenes Wichsläppchen auf den…“ „Im Gegensatz zu diesem Soziopathen könnten Sie doch die Form wahren, finden Sie nicht?“ „Was geht mich das an? Ich will diese Nazipropaganda nicht im öffentlichen Fernsehen haben!“ „Wir haben es auch der NPD durchgehen lassen.“ „Das war ja der Fehler – wenn die in der Wahlarena nicht wie die netten Faschos von nebenan gewirkt hätten, was meinen Sie, ob der Verfassungsschutz denen so viel Geld zugeschustert hätte!“ „Das war ja alles viel später, und wenn Sie mich fragen…“ „Ich frage Sie aber nicht, verstanden? Meine Antwort ist…“ „… dann wissen Sie auch, dass diese Partei sowieso am Rande der Legalität steht.“ „… immer noch: Nein! Und wo wir gerade am Rande der Legalität stehen: warum wird dann die AfD nicht verboten, die ist doch ebenfalls zur Hälfte illegal?“ „Haben wir etwa die Protagonisten von der Straße eingeladen, ihren rechtsradikalen Sums zum Besten zu geben?“ „Nein, da haben Sie recht. Das machen bisher immer nur die Talkshows.“

„Lassen Sie uns die Sache nüchtern betrachten. Es muss doch einen Weg geben, eine Partei damit zu disqualifizieren, dass sie sich nicht für die öffentliche Meinung ausspricht.“ „Das tun die Brüder doch als Populisten.“ „Ja, aber sie werden ja größtenteils von denen falsch verstanden, und das auch noch von Wählern, die von deren Politik gar nicht profitieren, sondern…“ „Ist Ihnen persönlich denn Populismus so fremd?“ „Meine Güte – es geht hier um komplett hirnrissigen Scheiß, der so fernab jeder Realität ist, dass man ihn einfach nicht…“ „Kann es sein, dass Sie gerade Ihre Aversion gegen die FDP ein bisschen zu sehr ausleben?“

„Nein, ich bin wirklich sehr besorgt um das Niveau dieser Diskussion.“ „Weil Sie sich darauf einlassen?“ „Quatsch, diese Populisten ziehen einen auf ihr Niveau herab und schlagen einen mit ihrer Erfahrung. Wollen Sie etwa die Hälfte der Redezeit damit verplempern, wirre Verschwörungstheorien von diesen Idioten zu widerlegen?“ „Also Sie erzählen den Wählern lieber, dass der Arbeitgeber den Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung zahlt?“ „Jetzt lenken Sie mal nicht ab.“ „Warum machen wir nicht einfach einen Faktencheck und entlarven diese Idioten?“ „Dann setzen sie diese Heulboje aus Mannheim…“ „Naidoo?“ „… ins Publikum, und wenn der über Chemtrails in der BRD GmbH redet, dann hör ihm jeder zu. Das kriegen wir nicht ausgebügelt.“ „Irreführung der Öffentlichkeit!“ „Ja, das ist leider nicht strafbar.“

„Sagen Sie mal, Sie hatten doch auch so ein dummes Arschloch in der Partei.“ „Ich kann mich nicht erinnern.“ „Klar, jeder hat das Buch vom Sarrazin, sogar mit Autogramm und Widmung, aber keiner hat’s gekauft. Vermutlich waren das alles Werbegeschenke.“ „Keine Ahnung, worauf Sie da wieder hinauswollen.“ „Der hat ja auch ständig erzählt: Kopftuchmädchen und Judengene, und…“ „Mann, Sie sind die Rettung! Heureka!“ „Moment mal, das ist doch…“ „Wenn Sie nicht in der falschen Partei wären, würde ich Sie glatt küssen!“ „Hat das Sie beim Koalieren je gestört?“ „Egal, jetzt haben wir die Bande – Deutschland!“ „Und?“ „Wir haben Landtagswahl, und die kommen uns mit bundespolitischem Müll! Die schmeißen wir raus! Kollege, dieser Landtagswahlkampf ist gerettet – möge der Bessere gewinnen!“





Flieger, grüß mir die Tonne

24 01 2016

Doch, es gibt Tornados für den Lufteinsatz in Syrien. Deutsche Tornados. Für Aufklärungsflüge über Syrien. Sie funktionieren nur nicht, weil auf Grund eines Softwarefehlers das Display im Dunklen ein bisschen zu stark leuchtet, so dass die Piloten mit Nachtsichtbrille nicht fliegen können. Das kann vorkommen, in der Bundeswehr wundert das eh keinen mehr. Schließlich hat Ursula von der Leyen – die bisher noch in jedem Amt als Nulpe aufgefallen war – zuvor auch nur Schrott gekauft. Dieser Fehltritt hätte indes schon vermieden werden können, wäre mal einer Fachkraft eingefallen, dass es eine Luftraumkontrolle über Syrien derzeit gar nicht gibt, weshalb die Panne bereits seit längerer Zeit absehbar war. Vielleicht sollte man hier auf die allseits beliebten Marinehubschrauber ausweichen. Da sie nicht ständig über dem Meer fliegen müssen, werden sie auch nicht rostend vom Himmel fallen. Alle weiteren Anzeichen, dass in diesem Ressort offenbar künstliche Intelligenz gegen natürliche Dummheit verliert, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • schizoid und minderleister: Kann das sein, dass Sie den Höcke wirklich nicht mögen?
  • fleischwolf aluminium schädlich: Ich würde nicht mal Holz durchdrehen.
  • verwahrloste unterschicht: Jawoll, endlich wieder Dschungelcamp!




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCLXXVI)

23 01 2016

Verzweifelt sucht Beat in Au
den Schlüssel im Auto der Frau.
Bisher fand er immer
nur Geld, Bernsteinzimmer
und andres in diesem Verhau.

Safaja, die deckte in Brach
mit zwei Tonnen Ziegeln ihr Dach.
Die jüngeren Brüder,
von gestern noch müder,
die halfen ihr? dass ich nicht lach!

Franz stand der Bar, um in Benken
den Gästen stets gut nachzuschenken.
Das Maß an Getränken,
die er, statt zu schenken,
selbst trank, die gibt dabei zu denken.

Thipath, der war ständig in Pakse
mit seinem Motorrad auf Achse.
Per Laster von Stauseen
(und dabei im Stau stehn)
zur Stadt, das war gar nichts für Lachse.

Wenn Bella blickt in Arconciel
gen Himmel, dann geht es ganz schnell.
Kaum holt sie das Fernrohr,
das sie nutzt so gern, vor –
zu spät, langsam wird es schon hell.

Morteza in Qasr-e Schirin,
der pflegte sein Taxi zu ziehn.
„Bei den Honoraren
noch richtig zu fahren?
Da spare ich lieber Benzin!“

Der Hans und der Emil in Buckten,
die standen im Wäldchen und guckten,
bis sie plötzlich holpern
und beinahe stolpern,
weil just dort die Pferde Holz ruckten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXVIII): Hasskommentare

22 01 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es war kurz vor der Erfindung der Schrift. Uga hatte es gründlich satt, dass die Sippe jenseits der Felsspalte ihm immer die Erdhörnchen wegfraß – er war nicht schnell, hatte bei der Verteilung der Hirnmasse erstmal überlegt, wo man sich anstellt, und was seinen Lebensentwurf insgesamt betraf, praxistauglich konnte man den nur bedingt nennen. Wie gut, dass er sich mit Aggressionen auskannte. Er stellte sich auf den kleinen Vorsprung und urinierte dem Häuptling in den Kamin. Es änderte wenig an der Sache, nach einer kurzen Unterredung rückte die Gemeinschaft aus, schnappte sich Uga und drückte ihm die Reste des Gesichtsschädels in den Hinterkopf. Mit dem traditionellen Spieß von Erdhörnchen und Früchten beschloss man den Tag, und von der Botschaft: Hasskommentare sind laut, aber unnütz, da blieb nur der erste Teil.

Wenn überhaupt. Nicht allein durch die Erfindung der Schrift hat sich die vitale Äußerung der Steißtrommler verbreitet wie der Inhalt eines geplatzten Abwasserrohrs, Konsistenz und Gestank inklusive. Noch immer postiert sich zitternd vor Rachsucht der geistig dünn angerührte Modder der Gesellschaft am offenen Fenster und rülpst die zu Wortkotze geronnene Denkschwächelei in den desinteressierten Gegenwind. Das allein wäre noch nicht einmal der Erwähnung wert, fügte es sich nicht in ein harmonisches Gesamtbild.

Der durchschnittliche Bekloppte äußert sich innerhalb eines meist geschlossenen rechtsradikalen Weltbildes, aber ohne historische, politische oder sonst wie fundierte Kenntnisse. Das Movens seiner verbalen Überdruckentsorgung ist überwiegend ein Missverständnis, nämlich die Fehleinschätzung, irgendeine zurechnungsfähige Person würde sich für seine zusammengeschwiemelte Hirnkirmes interessieren. Dabei gibt der Lalllurch ein durchaus einheitliches Bild ab; die Verbalinjurie, das peinlich Drohen und Zetern, der Ausfluss aus einer der Öffnungen im Verdauungstrakt, die gerade zufällig nicht beschäftigt ist, alles das wird mit größter Liebe zum Detail auf niedrigstem Niveau gehalten, damit es auch ja alle kapieren, die ein kleines bisschen intelligenter sein mögen.

Fehlanzeige, es kapieren nicht einmal die, die noch bescheuerter sein mögen – temporäre Ausfälle übernimmt Kollege Alkohol immer gerne – und doch ist hier die hauptsächliche Zielgruppe zu finden, die den Müll im Kopf behält. Platz ist unter der Kalotte ja genug.

Das kraftvoll zusammengestammelte Geröll, Worthülsen, Modeausdrücke, die Modderschublade der politischen Propaganda, ist zunächst einmal nur verbaler Auswurf ohne erkennbare semiotische Existenzberechtigung. Das Geräusch einer Tüte Fauchschaben könnte sich zwar inhaltlich durchaus auf dieser Höhe halten, denn immerhin handelt es sich um zielgerichtete Kommunikation innerhalb eines genau abgesteckten sozialen Rahmens, doch darum geht es nicht. Der Hasskommentator gibt keine Meinung von sich, es handelt sich phänotypisch also nicht um eine argumentative Annäherung, sondern um das primatentypische Geplärr, in der irrigen Ansicht, andere – offenkundig weiter entwickelte – Arten brächen ihr lautstarkes Geheul vor allem dann hervor, wenn sie für eine richtige Prügelei zu schwach wären. Ein Irrtum, durchaus, aber das interessiert den lautstark Bescheuerten nicht einmal peripher. Er schreit hier, weil er woanders nie schreien kann.

Denn in der Kohlenstoffwelt, wo es Menschen gibt, größtenteils Vorgesetzte, Leute mit richtigen Berufen und belastbarem Wissen, dort traut er sich das niemals – nicht, weil er von den anderen niedergeschrien würde, er nässt sich nur schon beim Gedanken ein, vor drei anderen sabbernden Fettsäcken mit Körpergeruch und mittelmäßigem Förderschulabschluss zu stehen und vor lauter Gestammel ein kleines bisschen weinen zu müssen. Mammi kommt aber nicht, und damit fängt sein Problem an.

Der gemeine Hassposter ist ein besonders possierliches Exemplar überangepasster Versager, in deren Leben so gut wie alles schief gegangen ist, weil sie aus Angst, irgendwann einmal erwachsen zu werden, also werden zu müssen, einen epischen Selbsthass entwickelt haben, gleichzeitig aber zu feige sind, sich endlich eine Kugel in den Schädel zu jagen oder sich am Türgriff aufzuhängen. So müssen alle, die dieser evolutionär redundanten Zellverklumpungen nicht bedürfen, das Gepfeife aus dem Touretteventil ertragen, wenn mal wieder zu viel Luft auf die Ventrikel drückt. Das holt sich mit zittrigen Fingern und den Resten eines komplett verkackten Muttersprachunterrichts etwas in die Tastatur runter, eine soi-disant geistige Selbstverletzung, damit sie ihrer verschissenen Existenz überhaupt Herr werden.

Natürlich leidet das angesprochene Objekt, wenn derlei Deliriumsdelinquenten ihren Sums in die Gegend verteilen, doch mehr noch muss die Gesellschaft mit dem Output der Behämmerten fertig werden: ein Hasenhirn, das für seinen Verbalkäse strafverfolgt sein will, weckt zugleich die Begehrlichkeit, aller anderen Kommunikation auch zu überwachen. Dass sie damit mittelfristig ihr eigenes Grab ausheben, mag sein, ist hier aber nicht von Interesse; dass eine gesittete Debatte mit diesen Jodelbratzen nicht mehr vonnöten ist, braucht auch nicht betont zu werden. Vielmehr ist ihre eigene Dummheit der dialektisch anzuwendende Nachweis von gesteigerter Idiotie im Kreis der Deppen und Trolle. Was auf diesen Leim geht, ist Fliege und kann dementsprechend weg. Der Hasskommentar als Schibboleth der sozialen Distinktion ist nicht originell, aber wirksam. Und was kann man schon mehr von diesem Pack erwarten.