Ganz unter uns

25 01 2016

„Nein!“ „Ich gebe Ihnen ja recht, aber…“ „Ich habe Nein gesagt, und dabei bleibt es!“ „Jetzt beruhigen Sie sich doch endlich, wir sind uns ja vollkommen einig in der Sache!“ „Damit können Sie mich nicht beeindrucken, wir lehnen jegliche Diskussion über dieses Thema kategorisch ab! Mit der AfD wollen wir nichts zu tun haben!“ „Wir ja auch nicht, und genau deshalb…“ „Hören Sie mir überhaupt zu!?“

„Lassen Sie uns das mal in Ruhe analysieren: keiner von uns beiden will, dass diese rechten Spinner einen Wahlerfolg erzielen.“ „Gut, und weiter?“ „Dazu müssen wir die Leute möglichst aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit entfernen.“ „Und wie wollen Sie das bitte machen?“ „Ganz demokratisch.“ „Wie soll das denn funktionieren? die mosern doch selbst schon herum, demokratisch hätte man sie teilnehmen lassen müssen an diesem TV-Duell.“ „Naja, rechtsstaatlich halt irgendwie.“ „Und das funktioniert?“ „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben. Dann können die uns nicht gefährlich werden.“

„Die sollen ja so frauenfeindlich sein.“ „Ich würde das nicht herausstreichen, wir haben auch eine Bundeskanzlerin. Und ihre Parteivorsitzende tritt ja auch als Frau auf.“ „Aber die Feministinnen haben schon gesagt, dass wir das…“ „Auf die dürfen wir nicht hören, sonst schaffen wir Präzedenzfälle.“ „Wegen Belästigung?“ „Kommt darauf an, ob Sie Nahles und die Herdprämie mit dazuzählen.“ „Oh!“ „Eben. Wir müssen schon eine wasserdichte Argumentation vorweisen, dann können wir auch unseren Standpunkt durchsetzen.“

„Die sind ja irgendwie immer schon gegen eine gemeinsame europäische Kultur gewesen.“ „Sie meinen, die waren gegen den Euro?“ „Auch das.“ „Aber das waren ja andere auch.“ „Aber die ganz besonders!“ „Ich fürchte, das wird nicht ganz reichen. Wir sind auch gegen den Euro, zumindest gegen die praktischen Konsequenzen, die die Sache so mit sich bringen kann.“ „Und das kann man nicht für eine Landtagswahl nutzen?“ „Weil da mit dem Euro bezahlt wird? Ich fürchte nicht.“

„Diese Deutschtümelei, das geht mir schon lange auf den Sack!“ „Sie könnten sich schon ein bisschen gewählter ausdrücken, aber in der Sache haben Sie schon recht.“ „Wenn der Höcke da sein schwarz-rot-goldenes Wichsläppchen auf den…“ „Im Gegensatz zu diesem Soziopathen könnten Sie doch die Form wahren, finden Sie nicht?“ „Was geht mich das an? Ich will diese Nazipropaganda nicht im öffentlichen Fernsehen haben!“ „Wir haben es auch der NPD durchgehen lassen.“ „Das war ja der Fehler – wenn die in der Wahlarena nicht wie die netten Faschos von nebenan gewirkt hätten, was meinen Sie, ob der Verfassungsschutz denen so viel Geld zugeschustert hätte!“ „Das war ja alles viel später, und wenn Sie mich fragen…“ „Ich frage Sie aber nicht, verstanden? Meine Antwort ist…“ „… dann wissen Sie auch, dass diese Partei sowieso am Rande der Legalität steht.“ „… immer noch: Nein! Und wo wir gerade am Rande der Legalität stehen: warum wird dann die AfD nicht verboten, die ist doch ebenfalls zur Hälfte illegal?“ „Haben wir etwa die Protagonisten von der Straße eingeladen, ihren rechtsradikalen Sums zum Besten zu geben?“ „Nein, da haben Sie recht. Das machen bisher immer nur die Talkshows.“

„Lassen Sie uns die Sache nüchtern betrachten. Es muss doch einen Weg geben, eine Partei damit zu disqualifizieren, dass sie sich nicht für die öffentliche Meinung ausspricht.“ „Das tun die Brüder doch als Populisten.“ „Ja, aber sie werden ja größtenteils von denen falsch verstanden, und das auch noch von Wählern, die von deren Politik gar nicht profitieren, sondern…“ „Ist Ihnen persönlich denn Populismus so fremd?“ „Meine Güte – es geht hier um komplett hirnrissigen Scheiß, der so fernab jeder Realität ist, dass man ihn einfach nicht…“ „Kann es sein, dass Sie gerade Ihre Aversion gegen die FDP ein bisschen zu sehr ausleben?“

„Nein, ich bin wirklich sehr besorgt um das Niveau dieser Diskussion.“ „Weil Sie sich darauf einlassen?“ „Quatsch, diese Populisten ziehen einen auf ihr Niveau herab und schlagen einen mit ihrer Erfahrung. Wollen Sie etwa die Hälfte der Redezeit damit verplempern, wirre Verschwörungstheorien von diesen Idioten zu widerlegen?“ „Also Sie erzählen den Wählern lieber, dass der Arbeitgeber den Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung zahlt?“ „Jetzt lenken Sie mal nicht ab.“ „Warum machen wir nicht einfach einen Faktencheck und entlarven diese Idioten?“ „Dann setzen sie diese Heulboje aus Mannheim…“ „Naidoo?“ „… ins Publikum, und wenn der über Chemtrails in der BRD GmbH redet, dann hör ihm jeder zu. Das kriegen wir nicht ausgebügelt.“ „Irreführung der Öffentlichkeit!“ „Ja, das ist leider nicht strafbar.“

„Sagen Sie mal, Sie hatten doch auch so ein dummes Arschloch in der Partei.“ „Ich kann mich nicht erinnern.“ „Klar, jeder hat das Buch vom Sarrazin, sogar mit Autogramm und Widmung, aber keiner hat’s gekauft. Vermutlich waren das alles Werbegeschenke.“ „Keine Ahnung, worauf Sie da wieder hinauswollen.“ „Der hat ja auch ständig erzählt: Kopftuchmädchen und Judengene, und…“ „Mann, Sie sind die Rettung! Heureka!“ „Moment mal, das ist doch…“ „Wenn Sie nicht in der falschen Partei wären, würde ich Sie glatt küssen!“ „Hat das Sie beim Koalieren je gestört?“ „Egal, jetzt haben wir die Bande – Deutschland!“ „Und?“ „Wir haben Landtagswahl, und die kommen uns mit bundespolitischem Müll! Die schmeißen wir raus! Kollege, dieser Landtagswahlkampf ist gerettet – möge der Bessere gewinnen!“

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