Erbe der Entrechteten

27 01 2016

„Ja, haben Sie denn nicht so etwas wie eine Rechtsabteilung? Wer macht das denn bei Ihnen, die Steinbach doch? Ach so, das konnte ich nicht wissen. Aber Sie müssen doch irgendeinen haben, der bei Ihnen so Ideologiekram macht, oder? So langsam wird es hier ja ungemütlich – hier bei uns in der SPD.

Der Kollege Oppermann hat es mir hier mal aufgeschrieben, der Zettel muss irgendwo noch herumfliegen. Sie treiben der AfD die Wähler zu. Es gibt da immer mehr rechte Spinner, die sich mit irgendwelchen Naziparolen profilieren wollen, und diese PEGIDA-Deppen sind auch ein Problem, und dann wollen sie alle Ausländer rauswerfen und… Nein, das liegt nicht am Rechtskurs der Union, im Gegenteil. Das liegt daran, dass Sie überhaupt keinen mehr haben. Also keinen Rechtskurs.

Früher konnte man bei der CDU noch gegen Ausländer unterschreiben! Kinder statt Inder! Das Boot war voll! Das ist doch unverantwortlich, was Frau Merkel anzettelt – demokratische Verhältnisse, und das in einer konservativen Volkspartei! Dass die Frau sich nicht schämt! Ich meine, wir sind in einer Regierungskoalition, aber das heißt doch noch lange nicht, dass wir auf den Koalitionspartner auch Rücksicht nehmen müssen. Sie müssen auf uns Rücksicht nehmen, so sieht’s ja wohl mal aus!

Die CDU ist nicht mehr rechts genug. Sie müssen zu unserer Position jetzt ein Gegengewicht bilden, sonst wandern noch mehr Wähler zu den Rechtspopulisten ab. Meine Güte, Sie sehen doch unser Dilemma! Erst waren wir nicht links, dann sollen wir nicht rechts sein – das hält doch auf Dauer keine Partei aus!

Wenn Sie jetzt, nur mal so als Vorschlag, dem Seehofer so kleine Aussetzer erlauben würden, immer mal wieder an der Verfassung vorbei, nur ein bisschen volksverhetzend, und dann… machen Sie schon? Das entzog sich bisher meiner Kenntnis. Aber das reicht doch nicht! Der treibt ja der AfD die Wähler in die Arme, weil er immerzu neue Ultimaten stellt, immer neue Forderungen, die nicht durchsetzbar sind, ständig neue Schnapsideen. Wir kommen da doch gar nicht mehr hinterher, verstehen Sie? Unser Parteivorsitzender, der Herr Gabriel, hat doch schon öffentlich gesagt, er wolle mit den besorgten Bürgern über ihre Ängste reden. Mehr Anerkennung kriegen Sie doch für diese Vollidioten nicht hin. Wenn Sie denen zuhören und Ihnen die Ohren zu bluten anfangen, das ist doch schon ein Ritterschlag, wenn Sie denen nicht sofort ins Gesicht brechen. Aber das kann der Mann doch nicht alleine leisten! das muss doch die Union auch mittragen!

Jetzt hören Sie mir auf mit Friedrich! der Mann gehört doch zum Problemkomplex Bayern dazu, das gilt doch nicht! Und bei Schäuble, das sind ja auch nur halbherzige Versuche. Nein, Sie müssen Frau Merkel sagen, dass die CDU einen ordentlichen Rechtsruck braucht, um unser Land vor den Nazis zu retten.

Wir hatten auch schon eine Demo angekündigt, um so eine Asylantenbude aufzumischen, aber dann hat uns die Frau Kraft wieder zurückgepfiffen. So geht das doch nicht weiter! Wie sollen wir denn da ein Image aufbauen? unter diesem Vorsitzenden? Wir waren mal die Rächer der Enterbten – jetzt will Gabriel bloß noch ans Erbe der Entrechteten!

Mensch, das hat doch früher so dufte geklappt! Wissen Sie noch, damals – Frau Merkel hat ja selbst gesagt, Multikulti sei gescheitert! komplett gescheitert sei das, das hat sie damals gesagt! Wenn sie heute noch mal so einen raushauen würde, das wäre ein Segen für diese Republik. Endlich wieder klare Verhältnisse!

Naja, alternativ könnten wir natürlich unsere Strategie segmentabhängig erweitern. Wenn wir zum Beispiel die Nahles mit dem Satz losschicken, der Islam gehöre historisch nicht zu Deutschland, das würde uns wichtige Marktanteile sichern. Auf der anderen Seite würde sich die Hälfte der Wähler fragen, wie die Alte so etwas ohne fremde Hilfe rauskriegt. Wir hatten vor, eine flüchtlingsbedingte Rentenkürzung ins Spiel zu bringen – da kam uns Schäuble mit seiner Benzingeschichte zuvor. Aber das sage ich Ihnen, das war halbherzig! Damit treiben Sie uns noch mehr in die Enge, und ich möchte nicht wissen, wie Gabriel reagiert, wenn er das nächste Mal solche Querschläger abkriegt.

Er hat sich doch in der Flüchtlingsfrage schon mit einem klaren Ja-aber darauf festgelegt, dass er noch nicht weiß, in welche Richtung er kippt. Wenn er jetzt nachlegen muss und eine Obergrenze fordert und dann noch dauerhafte Grenzschließung und einen Schießbefehl und Deutschland den Deutschen und Ausländer raus, also ich weiß ja nicht – würden Sie das als Koalitionspartner mittragen? Wenn wir da Geschlossenheit erreichen könnten, Gabriel würde sicher mit sich reden lassen, und vielleicht streichelt Frau Merkel auch mal wieder ein kleines Mädchen und freut sich dann mit ihr auf die Abschiebung und…

Also das wäre okay? Gut, das ist ja schon mal etwas. Dann sagt unser Vorsitzender auf dem nächsten Parteitag, dass Dresden schön deutsch bleiben soll, wir kriegen fünfzehn Prozent, und dann können wir den Fettsack absägen. Das sind doch endlich mal wieder Perspektiven für die SPD!“

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