Neigungen

29 02 2016

„Wir haben das auch lange nicht wahrhaben wollen, aber jetzt müssen wir den Tatsachen doch mal ins Auge blicken. Der Ministerpräsident hat, sagen wir mal, so eine, ich würde es so ausdrücken, also nicht falsch verstehen, er hat da eine gewisse Neigung. Nach rechts nämlich.

Nein, nicht falsch verstehen – das ist doch völlig normal, das kommt in jeder Familie vor. Also hier in Sachsen. Gucken Sie mal auf eine Landkarte, wo finden Sie dann Dresden? Richtig, rechts. Ganz weit rechts. Ganz weit unten. Da ist es ganz klar, dass wir auch eine landestypische Landespolitik betreiben müssen, wie der Bürger das will. Das wird auf Dauer schon sehr schwierig, weil die meisten Bürger sind ja bei der Geschichte Sachsens im tausendjährigen… nein, falsch: bei der tausendjährigen Geschichte Sachsens waren die alle dabei. Sagen die wenigstens. Da kann man für eine Politik der Zukunft und solche Sachen nicht mehr so viel Zeit aufwenden, verstehen Sie? Man muss sich eben mit der Vergangenheit beschäftigen. Und davon hat ja Sachsen nun wirklich eine Menge zu bieten. Also ich kenne ja auch sehr viele, die von gestern sind – manche sogar von vorgestern.

Er hat ja momentan auch diese Doppelbelastung zu stemmen, die eine Hälfte der Zeit muss er Sachsen als Ministerpräsident ignorieren, und die andere Hälfte ist ihm als Bundesratspräsident egal. Wenn Sie da immer mit so einer Neigung durch die Gegend laufen, das kann schon schief gehen, wenn man so schief geht. Überhaupt die Überforderung, man sieht es dem Mann ja an. Sachsen hat jetzt 2,9 Prozent Ausländer – da sieht man doch schon, Multikulti ist völlig gescheitert, das kann gar nicht funktionieren. Wie soll das denn funktionieren, wenn wir nicht mal drei Prozent haben? Soll jetzt jeder Sachse sich einen Ausländer suchen, den er persönlich tolerieren darf? in Teilzeit, damit die anderen da auch mal ran dürfen? Ich bitte Sie – diese Migranten unterstützen doch die Schieflage, sonst wären es ja viel mehr und wir könnten die irgendwie integrieren. Die wollen ja gar nicht! Da ist der Mann natürlich wieder abgeknickt, so in der Hüfte, das sah richtig schmerzhaft aus, und dann hat er gesagt, Multikulti geht nicht in Sachsen. Und er hat das nicht als Ministerpräsident gesagt, sondern als Bundesratspräsident. Da sehen Sie mal, wie er sich inzwischen mit der Vergangenheit identifiziert, er hat ja nicht mal mehr Zeit für ein bisschen Verantwortung!

Er hat manchmal so Ausfälle. So wie neulich in der Landtagskantine, da hat ihm einer den Putzeimer direkt in der Weg gestellt und der Ministerpräsident wäre fast darüber gestolpert. Da war er natürlich sehr erbost und hat gesagt, das sind keine Menschen, höchstens Küchenhilfen. Er liebt ja alle, er liebt ja alle Menschen, und wenn das keine sind, weil von denen keiner Menschenwürde hat, dann muss er die auch nicht antasten. Die gehören dann eben nicht zu Sachsen. Nicht mehr sein Problem, verstehen Sie?

Jetzt kommen natürlich die ganzen Kritiker an und meinen, fünfundzwanzig Jahre CDU, da könnte die Politik sich mal mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen, aber mal ehrlich: das würde doch kein Politiker tun. Das macht man nicht. Wer als Angehöriger einer Minderheit die Solidarität der deutschen Patrioten erwartet, der muss unser Wertesystem anerkennen. Und das gilt nicht nur für die Leute, die in Sachsen nicht CDU wählen. Wenn Sie sich unseren Wertekanon angucken wollen, der ist gar nicht so verstaubt, der ist sogar höchst lebendig. Den können Sie jeden Montag in Dresden begutachten, wie lebendig der noch ist. Und wenn da etwaige Minderheiten zu uns kommen, aus Erfurt beispielsweise, mit denen gibt es eben einen Konsens über unserer Werte.

Wissen Sie, das nimmt den Mann ja auch mit. Der hatte davon überhaupt keine Ahnung, weil er montags immer im Ausland ist oder liest oder Termine hat. Oder sich mit der Vergangenheit beschäftigt. Der Ministerpräsident wäre um ein Haar total schockiert gewesen. Dann ist er wieder ein bisschen nach rechts gekippt, aber da stand dann schon ein Stuhl, und dann ging’s wieder. Ein Mitarbeiter hat ihm erzählt, dass das gar nicht so viele tausend Sachsen sind und dass die ab Dienstag auch wieder weg sind, und seitdem macht er sich gar keine Sorgen mehr. Wenn man schon keine Ahnung hat, ist das vielleicht auch das Beste.

Denn wenn Sie sich die anderen ansehen, die immer gegen Rechte demonstrieren oder mit diesen Ausländern zu tun haben, die sind ja nicht nur nicht mit diesen Ausländern vertraut, weil ja Multikulti nicht geht, sondern die sind auch, und das kommt noch erschwerend hinzu! Außerdem sind das so linke Demokratiefeinde, weil wenn Sie nicht einer demokratischen Widerstandsbewegung angehören, die in Wahrheit rechtsgerichtet ist, was bleibt denn da noch übrig? also hier in Sachsen? Es sind ja inzwischen schon Bürgermeister im Kanzleramt gewesen und haben gesagt, sie halten diese ständige Überforderung nicht mehr aus, die Überfremdung, sie müssten Unsummen zahlen für die islamischen Einwanderer, ihre Gemeinden seien längst pleite und sie hätten keinen Platz mehr, und dabei ist bei denen nicht ein einziger Asylant und war nie einer uns soll auch nie einer hin. Ja, Sie sagen jetzt, das sind alles verlogene, realitätsfremde Arschlöcher – die sind genauso wie der Ministerpräsident! Da sieht man doch, der Mann wirkt! Welcher Politiker kann das denn heute noch von sich sagen? Wir haben zwei Promille islamischer Invasoren im Freistaatsgebiet. Meinen Sie, wir hätten wir das ohne Tillich besser hingekriegt?“

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