Obergrenze

3 03 2016

„Eigentlich haben Sie ja recht.“ „Natürlich haben wir recht. Wir machen ja die Gesetze.“ „Hahaha!“ „Sie verstehen einen guten Scherz, wie?“ „Haha, allerdings! Haaahahahahaha!“ „Wir sind nun mal die Regierung.“ „Und deswegen machen Sie die Gesetze? Haaahahaha, Sie sind mir ein Witzbold!“

„Wir können nun mal keine Rücksicht auf das Volk nehmen, wir haben schließlich unsere Vorgaben.“ „Sehe ich auch so.“ „Das organisierte Verbrechen darf niemals die Oberhand gewinnen.“ „Zumindest nicht, wenn wir nicht unsere Finger mit drin haben, was? was!?“ „Sie müssen sich gar nicht so aufspielen, wir kennen das Problem.“ „Das geht wieder gegen den Waffenhandel, wie?“ „Der stört uns nicht, aber wir wollen wenigstens an den Rüstungsgeschäften mitverdienen.“ „Na dann, uns kann das egal sein.“ „Weil Sie denken, dass wir Sie als Bank nicht kontrollieren.“ „Wir denken, dass Sie uns als Regierung kaum unser Auslandsgeschäft nachweisen können.“ „Hm, naja. Ja. Nein.“ „Und außerdem wissen wir, dass Sie uns nichts nachweisen können.“ „Aber es geht hier um viel wichtigere Ziele. Terrorismus und so.“ „Ah, verstehe. Das hat ja mit Waffenhandel auch nichts zu tun.“

„Deshalb müssen wir, das werden Sie sicher verstehen, diese Obergrenze einführen. Zum Schutz der inneren Sicherheit in Europa. Sonst kommt der Krieg auch zu uns.“ „Verstehe, Sie als Regierung wollen nicht, dass plötzlich die Macht in die falschen Hände gerät.“ „Auch, ja.“ „Und dass die Leute auf einmal denken: wir haben die nicht gewählt, damit sie das Gegenteil von dem tun, wofür wie sie gewählt haben.“ „Wie bitte?“ „Wo liegt denn bitte Ihre Obergrenze? eine Million?“ „Million? wieso Million, wir sprechen hier von fünftausend Euro.“ „Ach so.“ „Ja, wir müssen das genau kontrollieren.“ „Die Geldwäsche oder die Bürger?“ „Die… jetzt reden Sie doch nicht so einen Unsinn!“

„Wissen Sie eigentlich, dass das enorm viel Arbeit macht?“ „Was?“ „Bargeld.“ „Aha, ja. Nein. Aber ist das wichtig?“ „Weil wir uns dafür natürlich auch bezahlen lassen.“ „Das tun Sie doch auch für die gesetzeswidrigen Dispozinsen.“ „Das lassen Sie mal nicht Ihren Bankberater hören, der findet sicher auf die Schnelle einen Grund, warum Ihr Girokonto plötzlich richtig teuer wird.“ „Wir müssen aber das Bargeld ab einer gewissen Menge…“ „Wissen Sie eigentlich, was so ein Schnellfeuergewehr kostet? also mit Munition und Kiste und Versand, und dann muss natürlich auch der Zoll noch ein Auge zudrücken, und der Händler will leben, und Ihre Kollegen im Bundestag müssen im richtigen Moment unter einem Demenzanfall leiden.“ „Das darf man nicht so sehen, sondern vielmehr alles ganz abstrakt. Es geht ja gar nicht um das eine individuell verschobene Schnellfeuergewehr, es geht um die Signalwirkung, dass Geldwäsche ab jetzt illegal ist.“ „In dem Zusammenhang wollen Sie sicher auch gleich die Abgeordnetenbestechung unter Strafe stellen, oder?“ „Unsinn, kein Abgeordneter muss bestochen werden, damit er illegale Waffen in… also Waffen in illegale Krisengebiete… Waffen illegal in…“

„Und Sie finden jetzt diese Obergrenze von fünftausend Euro auch sinnvoll.“ „Nein, aber wir müssen doch jetzt den Wunsch des Gesetzgebers nach Terrorsicherheit…“ „Moment mal, Sie sind doch der Gesetzgeber?“ „Wir handeln aber nur im Auftrag der Zentralbanken.“ „Dann sind also die der Gesetzgeber? und Sie führen das nur aus?“ „Das ist doch jetzt egal, Sie dürfen das doch nicht immer so abstrakt betrachten, wir müssen hier ganz konkret gegen Gefahren vorgehen.“ „Und die gehen vom Geld aus?“ „Die gehen vom einzelnen Bürger aus, der…“ „Sie gehen also gegen den Bürger vor, da der für Sie eine Gefahr darstellt? oder doch für den Gesetzgeber?“ „Ich meine doch, dass…“ „Dann stellen also nicht Sie als Regierung eine Gefahr dar für die Zentralbanken? Ich frage ja nur mal.“

„Wir müssen doch für alles gewappnet sein. Am Ende reisen hier Flüchtlinge ein und finanzieren eine Terrorzelle mit zigtausend Euro, wenn wir nicht aufpassen.“ „Und Deutsche?“ „Die meisten haben doch gar nicht so viel Geld.“ „Also wird man über kurz oder lang diese Grenze sogar noch absenken müssen, nicht wahr?“ „Warum?“ „Stellen Sie sich mal vor, da tarnt sich einer als Arbeitsloser. Der hat doch nie fünftausend Euro.“ „Das nimmt doch keiner auf sich, zur Terrorfinanzierung aufs Jobcenter zu laufen.“ „Nein, da haben Sie recht. Selbstmordattentäter ja, aber Hartz IV?“ „Eben.“

„Wir müssten es uns freilich auch noch mal überlegen, ob wir einer Obergrenze zustimmen. Schließlich haben wir dann gar keinen Bargeldverkehr mehr.“ „Ist doch gut.“ „Und wir müssten uns eine Strategie ausdenken, wie wir den Kunden die negativen Zinsen auf ihre Guthaben verkaufen.“ „Brauchen Sie wieder eine Rettung? Sie müssen das nur sagen!“ „Und dann natürlich der Zugriff auf unsere Konten.“ „Von den Kunden? Sie gewähren Ihren Kunden doch sowieso Zugriff auf deren Geld.“ „Ich meinte eher Sie. Oder den Gesetzgeber. Oder die Regierung. Oder wer halt gerade ein Interesse hat.“ „So ist das doch gar nicht gedacht.“ „Oder das Sie eventuell einzelnen Kunden die Konten sperren.“ „Das können wir doch gar nicht.“ „Nicht mal bei Terroristen?“ „Nein. Ja, also vielleicht doch, aber…“ „Wir müssten Ihnen oder dem Gesetzgeber oder den Sicherheitsbehörden oder den Geheimdiensten…“ „Das ist doch kein Unterschied!“ „… Zugriff auf unsere Daten gewähren.“ „Das wollen wir doch gar nicht, außerdem ist das auch ungesetzlich.“ „Gut, wir könnten uns da arrangieren.“ „Ab wann?“ „Wenn Sie wollen, fragen wir für Sie beim Gesetzgeber nach, welcher Geheimdienst Ihnen das liefert.“ „Na also, geht doch.“ „Da wäre nur eine Kleinigkeit.“ „Ich verstehe nicht?“ „So?“ „Ach so, ja. Gut, wie viel?“ „Wie immer.“ „Sind Sie noch ganz dicht!?“ „Sie müssen ja nicht.“ „Okay, wie immer. Und Sie spenden dann einen Teil wieder zurück als Parteienfinanzierung.“ „Sage ich ja, wie immer.“ „Na, dann haben wir’s ja.“ „Nur noch eins, könnten Sie es vielleicht in kleinen Portionen bezahlen? so um die fünftausend Euro?“

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