Bipolar infiziert

29 03 2016

„Er will Schweinshaxe mit Spinat – kriegt er halt Schweinshaxe mit Spinat. Gut, bis er sie auf dem Tisch hat, entscheidet er sich sowieso noch dreimal um, aber das ist man ja von ihm schon gewohnt. Das muss wohl auch den Reiz der CSU ausmachen, dass Seehofer so überhaupt nicht weiß, was er da von sich gibt.

Sie sollten ihn mal hören, wenn er mit Merkel telefoniert. Er ist ganz lieb und nett, und dann droht er ihr plötzlich, dass er auch außerhalb von Bayern antritt. Wenn ich mir die AfD angucke, dann glaube ich, das ist auch schon passiert. Aber eine Sekunde später ist er schon wieder lammfromm und sagt ihr, dass sie für diese Regierung einfach unverzichtbar sei. Und wenn sie sich dann wieder einigermaßen beruhigt hat, poltert er auch schon wieder los. Sie müssten das mal erlebt haben. Rumpelstilzchen ist dagegen der Dalai Lama. Furchtbar.

Wir müssen seit Tagen ein Papier umarbeiten, weil da drinstehen soll, dass wir die Autobahnmaut gar nicht wegen der Fahrzeugüberwachung haben wollen, und als Clou muss dann irgendwo darin vorkommen, dass wir sie eigentlich nur wegen der Fahrzeugüberwachung überhaupt brauchen, weil sie ja keine Gewinne abwirft, von denen wir die Überwachung, die verfassungswidrig ist, bezahlen können. Das machen Sie maximal zwei Wochen lang mit, dann sind Sie arbeitsunfähig. Unsere Abteilung für Katastrophenkommunikation ist mittlerweile durch das Betreuungsgeld schon derart vorgeschädigt, die Leute haben Gegenteiltag. Aber durchgängig. Ich habe mittlerweile den Verdacht, das ist eine schwere Infektion mit irgendwas, das einen bipolar macht.

Momentan ist er gerade so weit, dass der die Kanzlerin auf offener Bühne erschießen lassen will, nachdem er sie zur alternativlosen Königin von Deutschland hat ausrufen lassen. Dieser Zickzack, ich frage mich manchmal, läuft da einer hinter ihm her und schießt auf den Seehofer? Man braucht für so ein Verhalten doch wenigstens eine rationale Erklärung, dann verkraftet man das besser. Wir sind ja heilfroh, dass wir das elende Theater mit den Stromleitungen endlich hinter uns gebracht haben. Erst beschließt er für Bayern eine Trasse mit Erdkabeln, die erheblich viel teurer wurden, weil Seehofer gesagt hat, dass er weniger Geld ausgeben will, dann kriegt er seine Anbindung, und dann will er doch lieber Gaskraftwerke, aber seinen Wunsch will er doch nur durchsetzen, wenn der Bund ihm zum Ausgleich noch mehr Geldverschwendung durchgehen lässt. Ernsthaft, unsere Anstaltsärztin hat schon ihr Büro von Bayreuth verlegen lassen in die Staatskanzlei. Manchmal frage ich mich auch, was das ist. Wie viel Bier braucht man, um so einen Schaden abzukriegen?

Das muss damals angefangen haben, als er in der Bundesregierung gesessen hat. Das war ja auch okay, damals, aber ich glaube, ihm hat danach keiner gesagt, dass er nicht mehr Bundesminister ist. Oder er hat diese fixe Idee mitgenommen, er sei immer noch der Ministerpräsident vom Freistaat Deutschland. Irgendein Höhenflug auf selbst produzierter Heißluft. Das Schlimmste ist ja, es wird inzwischen infektiös. Er ist es nicht mehr nur alleine, dieser Hohlkopf aus Hof hat sich angesteckt. Richtig, dieser Friedrich. Unser Bauerntrampel. Erst voll und ganz auf der Seite der Bundsregierung, dann will er die CDU am liebsten spalten. Erst will er die NSA-Affäre aufklären, dann kneift er in den USA den Schwanz ein. Erst beschließt er ein Zentralregister gegen Nazis – ach, Sie kennen das ja selbst.

Neulich hat sich die Abteilungsleiterin einen ziemlich derben Anpfiff abgeholt, weil sie ihn weisungsgemäß daran erinnert hat, dass er ja wegen der Obergrenzen vors Bundesverfassungsgericht ziehen wollte. Das Gezeter hätten Sie mal hören sollen. Dass man das nicht mit der Kanzlerin machen könne, außerdem seien die Christsozialen eine Regierungspartei, da dürfe man gar nicht solche unüberlegten Extratouren unternehmen, und was das für einen Eindruck hinterließe bei den nächsten Landtagswahlen, das bekäme ja alles auch die CDU ab – hier hat richtig die Wand gewackelt. Und eine halbe Stunde später noch mal, weil er sich beschwert hat, warum er den Schriftsatz für Karlsruhe immer noch nicht zum Unterzeichnen kriegt. An dem Tag wollte er übrigens Leberknödel mit Tomatenketchup.

Es ist ja eigentlich egal, was er alles ankündigt, er macht es sowieso nicht. Insofern müssten wir das eigentlich alle gut verkraften, aber dieses ständige Geschrei und Gepolter, das zermürbt natürlich. Und solange er nicht das Oktoberfest absagt, weil er meint, dass man den besoffenen Bayern den Anblick nüchterner, zurechnungsfähiger Flüchtlinge nicht mehr zumuten könne, solange wird sich auch keiner mehr über ihn aufregen. Er regt sich sowieso schon selbst genug auf, da würde das keinem mehr auffallen. Vielleicht hat er das eingeschleppt? Seine neuen politischen Freunde sagen auch immer, wenn man aus dem Südosten kommt, dann bringt man ganz gefährliche Krankheiten mit. Und wenn man sich den Typen anguckt, ich möchte gar nicht wissen, was der vorher angefasst hat. Also Orbán.

Ah, ich höre gerade, er ordert wieder seine goldene Kutsche. Dann holen wir schon mal das Auto. Und wenn Sie Haxe mit Spinat mögen, das dauert auch nicht mehr lang.“

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2 responses

29 03 2016
Alice Wunder

Hochprofessioneller Berufspolitiker hängt sein Fähnchen ausschließlich nach selbstproduzierter heißer Luft, nicht etwa nach dem Wind des Zufalls. Alles Kalkül.

29 03 2016
bee

Und Vollprofis produzieren derart Aufwind, damit segeln ganze Parteien bis zum Horizont

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