Oh, wie schön ist Panama

6 04 2016

„Also ich würde das jetzt ja noch nicht gleich als Parallelgesellschaft…“ „Sie zahlen also mehrere Millionen an Einkommensteuer?“ „Moment, das verdiene ich ja nicht mal im…“ „Und das ist Ihre Rechtfertigung, über das internationale Steuerrecht zu urteilen?“ „Sie sagen es: international: Sie sind doch auch nicht mehr als irgendein Deutscher.“

„Sie auch nicht.“ „Stimmt. Ist mir in diesem Zusammenhang allerdings herzlich egal.“ „Sie sind immer noch von diesem Tröpfeleffekt überzeugt, dass die Einkommen der Reichen sich irgendwann in den Löhnen der Armen widerspiegeln?“ „Nö.“ „Ach, und warum nicht?“ „Die haben ja kaum noch Einkommen, der größte Teil besteht inzwischen aus Sozialleistungen, da müssen wir doch die Gewinne der Wirtschaft nicht mutwillig antasten.“

„Dann hätte sich ja unsere Diskussion schnell und umfassend erledigt.“ „Bitte, ich habe gar nichts gegen einen Meinungsaustausch, lassen Sie sich nicht entmutigen!“ „Von den gegenwärtigen Steuern oder von dem, was als Lebensstandard der Mittelschicht davon übrigbleibt?“ „Wissen Sie, wir beschäftigen uns mit dem deutschen Volk.“ „Aha.“ „Randgruppen sind bei uns eher nicht so relevant. Da müssten Sie doch mal mit den staatlichen Verwaltungsbeamten sprechen.“ „Ab wann gilt man bei Ihnen als Volk?“ „Wenn Sie deutlich mehr Privatmaschinen als Tagesfreizeit haben. Man fährt ja auch nicht jeden Tag dasselbe Auto.“

„Wir werden die Daumenschrauben anziehen.“ „Ach Gott.“ „Sehr erschrocken hört sich das nicht an.“ „Wie kommen Sie nur darauf.“ „Nur so eine Idee.“ „Sie müssen nicht um Entschuldigung bitten, Sie haben ja recht.“ „Ach Gott.“ „Wissen Sie, diese Ankündigungen, dass die Regierungen irgendwann mit den Steuergesetzen ernst machen – jeder noch so gute Witz hat ein Verfallsdatum.“ „Was macht Sie so sicher, dass wir Sie nicht genau jetzt aufs Kreuz legen und dann drannageln werden, um ein Exempel an Ihnen zu statuieren?“ „Alte Freunde, genauer: unsere alten Freunde. Nicht Ihr Niveau.“ „Wollen Sie internationale Konflikte riskieren für ein paar Milliarden?“ „Wollen Sie internationale Konflikte riskieren für ein paar Milliarden?“

„Ihre Parallelgesellschaften zerstören unsere Staaten.“ „Sehr gut, das ist auch in unserem Sinne. Nationalstaaten sind nur dann zu etwas gut, wenn man den geistig behinderten Bodensatz gegen einen anderen hetzen kann. Sie sind da eindeutig besser im Training.“ „Ich meinte eigentlich eher unsere rechtsstaatliche und demokratische Grundordnung.“ „Ich auch.“ „Aber…“ „Gucken Sie mal: unsere Rüstung diente doch schon immer dem Frieden, da müssen Sie doch wohl anerkennen, dass wir auch mit unseren Finanzoperationen einen Plan verfolgen, der Sie als Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft als Partner miteinbezieht?“

„Sie sollten vielleicht darüber nachdenken, ob Sie Ihre fiskalische Gesetzgebung nicht an die Gegebenheiten der sozialen Wirklichkeit…“ „Da pflichte ich Ihnen sofort bei, das ist heutzutage auch absolut notwendig.“ „Wenn wir…“ „Ich bin ganz bei Ihnen, wir müssen die Einkommen mehr besteuern, sonst haben die Arbeiter und die paar restlichen Angestellten nicht das Gefühl, dass sie noch staatstragend tätig sind.“ „Aber…“ „Sie müssen sich nicht entschuldigen, ich habe Ihre Perspektive durchaus verinnerlicht. Wir hatten auch ein paar Jahre Zeit, uns an den gesellschaftlichen Umschwung im alten Europa zu gewöhnen.“ „Ich meine doch, Sie sollten…“ „Ganz recht, jetzt geht es um Kürzungen im Sozialhaushalt, um die durch Steuerhunterziehung verursachten Kosten wieder aufzufangen.“ „Sie verstehen das…“ „Das ist nicht nur fiskalisch und in Ihrem Sinne als Regierung des neueren Typs eine genau richtige Entscheidung, es hilft auch, soziale Unruhen zu vermeiden.“ „Soziale was!?“ „Man kann doch erben – hören Sie, Erben ist ein ganz hartes Geschäft, da muss man teilweise neue Aktien übernehmen, mit denen man nie zu tun gehabt hat – und muss nicht gleich am Bettelstab enden, weil man plötzlich so viel dafür zahlen muss, oder?“ „Das ist doch…“ „Oder schauen Sie sich mal so einen durchschnittlichen Vermögenden an, wenn der auf einen Arbeitslosen trifft.“ „Falls er je…“ „Sehen Sie? viel zu wenig Fantasie. Wenn der so einen Schmarotzer vor sich hat, müssen wir die Leistungsträger auch noch mit niederen Instinkten wie Neid aus dem Land treiben?“

„Vielleicht schaffen wir auch noch die Steuern ganz ab und die Strafverfolgung von Steuerbetrug?“ „Gute Idee, ich hätte gar nicht gedacht, dass das von Ihnen käme.“ „Und dann sind wir glücklich darüber, dass wir ein paar Kriminelle im Land haben, die wenigstens neue Autos und Luxusuhren kaufen?“ „Da müssen Sie mal ran. Ich zahle doch nicht denselben Steuersatz wie Arbeitslose für ihr Toastbrot.“ „Aber Autobahnen dürfen es schon noch sein, oder?“ „Bis zum Flughafen, ja. Die kleinen Strecken kriegt man mit dem Heli hin.“

„Wissen Sie, was Gabriel gesagt hat? dass das organisierte Kriminalität sei.“ „Ach.“ „Und dass man da härter vorgehen müsse.“ „Oh.“ „Er fordert, dass spürbare Konsequenzen gezogen werden.“ „Das beruhigt mich.“ „Wie jetzt?“ „Doch, das beruhigt mich. Solange dieser Spaßvogel Konsequenzen fordert, weil er immer noch nicht gemerkt hat, dass er in der Regierung sitzt, müssen wir nichts fürchten.“

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