Geisterstunde

10 04 2016

für Kurt Tucholsky

Er ist ein Mann der Wissenschaft,
Herr Huppke weiß Bescheid.
Er forscht nach einer fernen Kraft,
wohl schon seit langer Zeit,
seitdem er Einstein zweifelnd las –
der Mann hat doch nicht recht!
Nur, dass Herr Huppke oft vergaß,
worin, bekommt ihm schlecht.
Schon zweifelt man: ist sein Verstand
in eine Theorie verrannt,
die hinten nicht und vorn nicht passt?
Die Welt ist Huppke längst verhasst.
  Es stoßen sich an manchem Meister
    kleine Geister,
      kleine Geister.

Es denkt sich Schmitz: das Ding an sich,
das ich im Dasein fand,
verstehe doch an sich nur ich
und nicht, zum Beispiel, Kant.
Da plötzlich sieht er, es erscheint
von jenseits, wo er denkt –
so war das aber nicht gemeint!
Da hat er sich verrenkt.
Voll Zorn zerreißt er sein Pamphlet,
in dem zwar nicht viel Kluges steht,
das aber Jahr für Jahr ihm gab
Beschäftigung und Ruh und Lab.
  Wer liest denn diesen Scheibenkleister?
    Kleine Geister.
      Kleine Geister.

Da turnt auf der Gerechtigkeit
ein dicker Mann herum.
Die Welt in ihrer Schlechtigkeit
beklagt er mit Gebrumm.
Zwar glaubt ihm keiner, aber das
ficht ihn schon nicht mehr an.
Er wäscht und macht sich doch nicht nass –
er tut halt, was er kann.
Ja, Gabriel, das kommt zu spät.
Man weiß doch, wie das weitergeht.
Erst tönt er wie der Weihnachtsmann,
besinnt sich eines Bessren dann,
auf Redlichkeit, man ahnt es, scheißt er –
    kleine Geister.
      Kleine Geister.

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