Destruktionstechnisch

20 04 2016

„Wir müssen jetzt alle sehr, sehr gut auf Sigmar aufpassen.“ „Damit er nicht ganz so frustriert ist?“ „Quatsch. Vielleicht bietet er uns seinen Rücktritt an, und aus Versehen kriegt es keiner mit.“

„Wir sind uns da wohl einig: der Mann muss weg.“ „Ist doch gar nicht mehr so lange.“ „Noch anderthalb Jahre. Und wir sind schon unter zwanzig Prozent.“ „Und wenn wir den Namen verkaufen?“ „Den nimmt keiner mehr. Nicht einmal ironisch.“ „Hm. Ja, dann muss Gabriel wohl weg.“ „Die Deutsche Bahn hat doch bisher…“ „Nee, die sind doof, aber so doof auch wieder nicht.“ „Tja.“

„Wir könnten vielleicht mit einer anderen Partei fusionieren.“ „Sie haben an die Linken gedacht?“ „Ach was, dann müssten wir am Ende noch soziale Politik machen. Oder sogar sozialdemokratische.“ „Stimmt, das geht nicht.“ „Oder sozialistische.“ „Ich will das nicht hören.“ „Oder…“ „Ich will das nicht mehr hören, klar!?“ „Dann könnten wir uns doch mit der CSU verständigen.“ „Weil Gabriel auch die AfD rechts überholen will?“ „Weil die auch Erfahrung als Steigbügelhalter der CDU haben und bis heute nicht aus einer Regierung geflogen sind, ganz egal, was sie da gerade anstellen.“ „Aber eigentlich sind wir doch schon eine Art erweitertes Stimmreservoir für die CDU.“ „Das sieht dann aber besser aus, wenn die Union gleich die Mehrheit hat und nicht mehr mit so einer unsicheren Partei wie uns koalieren muss.“ „Auch wieder wahr.“

„Wenn wir mit der FDP fusionieren?“ „Als sozialneoliberaler Kleinkoalitionsbausatz?“ „Das Soziale kann man notfalls irgendwann abschmelzen und sich auf die neoliberale Linie konzentrieren.“ „Wozu brauchen wir dann die FDP?“ „Die können uns vielleicht ein paar Tipps geben, wie das mit der Auferstehung von den Toten klappt. Sie haben ja so etwas schon hinter sich.“ „Aber die sind ihre Vorsitzenden irgendwie immer losgeworden.“ „Die haben eben ein noch entspannteres Verhältnis zum Kündigungsschutz als wir.“ „Oder wir werden auch so, wenn wir auf die fünf Prozent zugehen.“

„Könnten wir ihn nicht irgendwie abschieben?“ „Nach Ägypten? die nehmen mittlerweile auch nicht mehr jeden.“ „Mist, und ich dachte schon…“ „Nordkorea?“ „Importieren die Waffen?“ „Die bauen selbst.“ „Schade.“

„Und wenn wir es wie einen Unfall aussehen lassen?“ „Entschuldigung, wonach sah denn die SPD in den letzten zehn Jahren sonst aus?“ „Nein, ich meine die Wahlergebnisse.“ „Ich auch.“ „Dann wäre es doch ganz einfach, wenn wir ihn die Partei an die Wand fahren ließen, und dann ist er weg.“ „Wir auch.“ „Stimmt. Das heißt, Sie. Ich habe ja noch einen Posten im Aufsichtsrat.“ „Warum wundert mich das jetzt nicht?“ „Eigentlich müssten wir doch nur darauf warten, bis die Partei ihren Vorsitzenden zerlegt.“ „Naja, andersherum wird das auch kaum noch möglich sein.“ „Nein, ich meine das auch eher so destruktionstechnisch.“ „Destruktionstechnisch?“ „Bisher hat die SPD alles unterstützt, was sie eigentlich zerstören wollte.“ „Den Neoliberalismus, sinnlose Deregulierungen, Freihandelsabkommen, Sozialabbau, stimmt.“ „Und irgendwann haben die Sachen dann angefangen, die SPD zu zerstören.“ „Und das funktioniert jetzt doch andersherum?“ „Bestimmt. Also hoffentlich, ich meine: es kann nicht ganz ausgeschlossen werden.“

„Die Leute wählen uns doch auch deshalb nicht mehr, weil wir keine Antworten mehr haben.“ „Kein Wunder, haben Sie etwa eine Antwort auf Sigmar Gabriel?“ „Es gäbe da schon Antworten, aber dann haben Sie hinterher nie wieder eine Frage.“ „Gibt es da nicht irgendwas in Brüssel, wo wir den endlagern könnten?“ „Damit er uns da als Kommissar auf den Senkel geht?“ „Wir könnten ihn da doch als Freihandelsknalltüte einschleusen.“ „Dann wird dieses TTIP nie etwas.“ „Na bitte, ist der Alte ja tatsächlich noch zu etwas nutze.“ „Win-Win? ich glaube das erst, wenn ich es sehe.“

„Wir könnten das auch gesamtgesellschaftlich betrachten.“ „Wollen Sie mir jetzt eine Therapie aufdrängen?“ „Nein, aber schauen Sie mal: es gibt in näherer Zukunft immer weniger Geringverdiener, und die stellen ja für uns das größte Problem dar.“ „Sie reden jetzt wieder die Wahlergebnisse?“ „Auch, aber da wäre ja noch das mit den Renten. Die Leute wachsen ja nicht einfach so nach.“ „Aha, dann verfestigt sich also jetzt ein Trend, und dann sind die Wähler langfristig weg…“ „Das ist ein ganz natürlicher Vorgang. Irgendwie organisch.“ „Und wenn die SPD dann irgendwann nicht mehr da ist, ist auch Gabriel weg.“ „Logisch. Es sei denn, er verhungert vorher.“ „An seiner Rente wird’s dann ja wohl nicht liegen.“

„Mal ganz am Rande, wer verwaltet denn dann den Nachlass?“ „Schmidt ist nicht mehr da, oder?“ „Ich fürchte, er ist momentan nicht zu sprechen.“ „Die Wirtschaft?“ „Als die Wirtschaft das letzte Mal der SPD helfen wollte, weil die SPD der Wirtschaft geholfen hat, fing die große Scheiße an.“ „Verstehe. Und sonst?“ „Ich habe keine Ahnung, was man noch machen könnte. Eine richtig große Sache mit einer Persönlichkeit, so ein symbolischer Akt, dass es mit der Sozialdemokratie wieder aufwärts geht?“ „Schröder?“ „Mensch, genial! das wird der Renner!“ „Sie meinen, dass wir bei der nächsten Bundestagswahl mit Schröder ernsthafte Chancen auf den…“ „Wer redet denn von der Wahl – wir stellen Schröder an die Wand! live im Vorabendprogramm! Meinen Sie ernsthaft, danach redet noch einer von Sigmar Gabriel!?“

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