Waffenbrüder

10 05 2016

„So, und jetzt machen wir das ein fünftes Mal: Sie stellen sich jetzt in zwei Reihen auf und – Ruhe im Glied! und knöpfen Sie gefälligst die Hose zu, ich habe Ihnen das vorhin schon mal gesagt! In Reihe! Hände an die – Mund halten, meine Güte, das ist doch nicht so schwer! So, und jetzt nehmen Sie da hinten auch mal die Hände aus den Taschen, das ist doch kein Parteitag der KPdSU hier! Schnauze jetzt im Glied! Willkommen bei der Polizei!

Wir sind hier angetreten, schwerwiegende Fehler der politischen Führung in den vergangenen Jahren zu korrigieren. Ja, das dürfen Sie sagen, das ist Ihre freie Meinung, aber ich meine jetzt eher die Personalstärke der Polizei. Wir haben eine Reihe nicht bearbeiteter Haftbefehle in den Dienststuben liegen, teilweise sind auch rechtskräftig verurteilte Straftäter abgängig, weil Fahndungsmaßnahmen nicht eingeleitet werden können, wir schieben eine Menge Überstunden. Aber jetzt wird ja alles besser. Jetzt sind ja Sie hier.

Erwarten Sie nichts, der Job ist natürlich mies bezahlt. Dafür sind die Uniformen auch scheiße, die Wagen können Sie vergessen, und dass Sie rund um die Uhr Dienst schieben, daran werden Sie sich gewöhnen. Aber dafür dürfen Sie beispielsweise eine Dienstwaffe tragen. Und einen Schlagstock. Sollten Sie bisher im Leben nicht besonders viel geleistet haben, und ich sehe, auf die meisten hier trifft das zu, sonst wären Sie ja nicht alle hier, dann bricht jetzt eine neue Zeit an.

Die Dienstvorschrift ist klar, Sie haben die deutsche Bevölkerung vor Straftaten zu schützen. Reden Sie hier nicht immer dazwischen, wenn Sie eine Frage haben, dann zeigen Sie gefälligst auf. Ja, auch Nationalisten und völkisch gesonnene Bürger werden von uns geschützt. Zum Beispiel vor dem überzogen harten Zugriff des Verfassungsschutzes oder anderer linker Gutmenschen, die der Ansicht sind, sie müssten ihre Nase in Angelegenheiten stecken, die sie nichts angehen, nur weil sie zum Beispiel Staatsanwälte sind oder Abgeordnete. Die Polizei sorgt für Ruhe und Ordnung, und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Bitte passen Sie auf Ihre Dienstwaffen ganz besonders sorgfältig auf, diese Dinger sind teurer als Sie denken. Das werden diejenigen von Ihnen wissen, die sich schon mal auf dem Schwarzmarkt eine besorgt haben. Natürlich sind die robust, also kaputtgehen tun die nicht alle paar Tage, aber so eine Pistole bedarf doch einer gewissen Pflege, Ölen, Putzen, gegebenenfalls Abrieb aus dem Lauf entfernen, Fingerabdrücke abwischen – wie gesagt, ein paar von Ihnen sind ja damit vertraut. So wie die Braut des Soldaten das Gewehr ist, so haben Sie sich bitte gegenüber der Dienstwaffe zu verhalten, klar? Benutzen Sie diese bitte nur, wenn Sie sich über die Konsequenzen absolut im Klaren sind. Beschädigungen? Sie melden sich damit in der Dienststelle, die werden Sie bei einem technischen Problem oder dem Ausfall der Waffe sowie bei Fragen betreffs der Munition an die Waffenkammer weiterleiten. Nein, das ist mir bisher noch nicht begegnet, und ich bin jetzt schon recht lange in der Polizistenausbildung. Ich kann mir das auch gar nicht vorstellen, wie das passieren kann, da hat doch der Polizist immer mindestens ein Auge drauf, nicht wahr? Ja, weiß ich nicht, was dann passiert. Ich schätze mal, Sie schreiben eine Verlustanzeige und bekommen dann eine neue Waffe ausgehändigt.

Seien Sie also nicht zu leichtsinnig, nur weil Sie jetzt berechtigt sind, eine Schusswaffe zu führen. Im Kontakt zu land- oder kulturfremden Elementen kann das schnell gefährlich werden. Also jetzt nicht unbedingt für Sie, sonst bräuchten Sie ja keine Waffe. Aber denken Sie auch an dienstrechtliche Konsequenzen, die automatisch auf jeden Schuss folgen, den Sie abgeben. Das kostet uns dann wertvolle Arbeitszeit, disziplinarische Maßnahmen, die bis zu ihrer Einstellung viele Stunden sinnlosen Schreibkram mit sich bringen, dann muss auch das Strafverfahren gegen das Opfer geführt werden – behalten Sie das immer im Hinterkopf. Sie dürfen niemals, ich betone: niemals davon ausgehen, dass sich der Einsatz der Schusswaffe unter den Teppich kehren lässt. Das müssen Sie mittragen, wenn Sie sich dazu entschließen, Deutschland zu verteidigen. Kein Beruf hat eben nur Vorteile.

Achten Sie bitte auf eine gut funktionierende Kameradschaft. Im Einsatz hat es sich immer bewährt, wenn die Polizeitruppen sich nicht nur als Kollegen betrachten, sondern auch vom richtigen Kameradschaftsgeist getragen werden. Ich sehe, dass hier ein Dutzend Bürgerwehren geschlossen in die Polizei eingetreten sind – das werten wir als gutes Zeichen, weil bereits die richtige Einstellung mitgebracht wird.

Selbstverständlich werden Sie vorwiegend im Streifendienst eingesetzt, für den Innendienst fehlen Ihnen ja die Qualifikationen. Aber nehmen Sie es locker, da sind Sie den ganzen Tag oder die ganze Nacht an der frischen Luft, oder wenn’s sein muss auch mal ein ganzes Wochenende, und das macht Ihnen doch nichts aus, oder? Sehen Sie, das wusste ich. Ihr erster Einsatz ist dann in der Nähe der nächsten Flüchtlingsunterkunft. Den Weg kennen Sie ja, den müssen wir Ihnen nicht mehr erklären. Da haben Sie in den nächsten vier Wochen genug zu tun – wenn nicht, dann schreiten Sie selbst zur Tat. Wir wollen ja alle, dass Ihr Arbeitsplatz auch langfristig sicher ist. Gut, noch Fragen bis hierher?“

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