Schwippschwapp

12 05 2016

„Also sollte die CDU nicht nach rechts rücken?“ „Auf keinen Fall. Es gibt zwar gewisse Momente, die eine Übernahme politischer Positionen auch rechtfertigen, aber dies hier sehe ich anders.“ „Weil die Wähler ihre CDU eher im demokratischen Spektrum verorten?“ „Ach was. Die wählen nur lieber gleich das Original.“

„Aber es manche politischen Positionen sind ja auch verhandelbar.“ „Das ist richtig, wir haben ja kein Gesetz, das diese Positionen festschreibt.“ „Deshalb kann auch die CDU sich wie die SPD positionieren?“ „Sie haben halt entdeckt, dass die Wähler gleich das Original wählen.“ „Also die SPD?“ „Nein, die Partei, die noch am ehesten sozialdemokratisch aussieht.“ „Dann müsste doch die SPD…“ „Ich habe mich da wohl leider falsch ausgedrückt: es geht nicht um das Aussehen. Das hat die SPD ja noch.“ „Es geht in der Politik auch um Inhalte?“ „Die älteren Herrschaften werden das noch kennen, aber: ja.“ „Donnerwetter! dann hat die CDU die SPD wegen ihrer Inhalte kopiert? Das hieße ja, dass sie die bessere Politik macht!“ „Ja, aber nur inhaltlich.“ „Moment, eben hatten Sie nur gesagt, dass die…“ „Vergessen Sie nicht, dass es in der Politik so gut wie nie um Inhalte geht.“

„Wenn man jetzt den Rechtsruck der SPD…“ „Ich würde das nicht als Rechtsruck bezeichnen, eher als Tendenz zur Mitte.“ „Jetzt reden Sie schon wie die Sozialdemokraten.“ „Wie wer, bitte!?“ „Ich meine die SPD.“ „Meine Güte, dann sagen Sie das doch!“ „Pardon, ist nur so eine Gewohnheit. Aber wie gesagt, wenn diese Tendenz der SPD hin zu den Positionen der CDU…“ „Der alten CDU, wohlgemerkt. Das ist schon ein Unterschied.“ „Weil die alte CDU da war, wo jetzt die AfD ist?“ „Das ist die ganz, ganz, ganz alte CDU. Das war damals, als die meisten noch nicht mitgekriegt hatten, dass es die SS nicht mehr gibt.“ „Dann eben so eine mittelalte.“ „So ungefähr. Kurz nach Kohl, Schäuble war schon weg, aber Merkel hatte noch nicht richtig angefangen.“ „Gut. Wenn man den Schwenk der SPD auf diese historische Stufe der CDU bewerten sollte, war das denn nicht auch eine Übernahme politischer Positionen?“ „Das mag sein, aber es war nicht dem Verdrängungswettbewerb geschuldet.“ „Sie meinen, dass Gabriel…“ „Doch, der schon. Gucken Sie sich den Mann doch mal an!“ „Nein, ich meine das ja in Hinblick auf die politischen Positionen.“ „Ich auch.“ „Also war es eine Metamorphose?“ „Sagen Sie es doch, wies es ist: die Partei wollte auch mal an die Kohle. Da muss man sich ein Stück weit auch verändern.“

„Die Union rückt also nach links.“ „Wer hat Ihnen denn den Mist eingetrichtert!?“ „Aber die CDU hat doch…“ „Erstens war das kein Linksruck, weil sie die Position der SPD eingenommen haben, und die war ja seit Jahren schon nicht mehr links, sondern im Übergangsbereich zur Mitte.“ „Also liberal?“ „Nein, weil die Liberalen ja auch nicht mehr liberal, sondern… ach egal, auf jeden Fall war die CDU eher an sozialdemokratischen Positionen interessiert, und zweitens ist es die CSU nicht und war es auch nie.“ „Aber die sind doch schon im Namen sozial?“ „Hugenberg hat auch gesagt, sozial ist, was Arbeit schafft.“ „Ich dachte immer, das sei Müntefering gewesen?“ „Hatte ich Ihnen nicht gesagt, dass die SPD nicht links war?“

„Die CSU hat doch aber auch immer wieder rechte Tendenzen aufgegriffen.“ „Aber nie als Teil der Union. Wenigstens hat die CDU darauf immer großen Wert gelegt.“ „Bis auf Koch.“ „Das war nie die CDU. Das waren einzelne Vermächtnisse. Oder man kann vielleicht sagen, er hatte seine Gründe, die Partei vielleicht ein bisschen klarer in eine Richtung zu definieren, um sie an die Bedürfnisse der Wähler anzupassen.“ „Aber da wählen die doch immer das Original?“ „Wenn man damit dem Wähler das Gefühl gibt, dass man es mit der Ausrichtung der politischen Richtung ernst meint, dann ist eine solche Tendenz durchaus sinnvoll. Natürlich nur unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.“ „Und wenn die SPD jetzt zum Beispiel wieder verstärkt in Richtung Linke…“ „Jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich!“

„Und die Grünen, haben die sich jetzt an die CDU angenähert?“ „Die CDU aber auch an die Grünen.“ „Wobei es dann wichtig ist, wer hat sich da an welche Position…“ „Ernsthaft: ist es Ihnen wichtig, ob in einem Schwippschwapp mehr Schwipp oder mehr Schwapp ist?“ „Wenn die Grünen sich jetzt an die CDU angenähert hat, die aber ihrerseits eine sozialdemokratischere SPD sind, als es die SPD je war, dann ist doch dieses Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz eigentlich eine Art Rot-Grün?“ „Aus dem aber auch ganz schnell ein Grün-Rot werden kann, wie Sie wissen.“ „Weil die Grünen sich jetzt so ändern wie die CDU?“ „Nö, die haben ja mit der SPD schon Grün-Rot gemacht und wussten, wie sie einen konservativen Partner aushalten.“ „Also die CDU?“ „Das sind die Sozialdemokraten, die sie statt der SPD zwecks Annäherung rechts überholen. Wegen dieser Verdrängung nämlich, die soll da nicht stattfinden.“ „Und dann sind die Grünen die neue CDU, die jetzt die neue SPD ist.“ „So in etwa.“ „Und wenn jetzt die CSU vom Original verdrängt wird…“ „… hat die AfD rechts von sich keinen Platz mehr.“ „Das ist gut. Da bin ich ja beruhigt.“ „Wieso?“ „Na, wenn das so ist, warum sollte ich dann noch zur Wahl gehen?“

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