Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXXXII): Die Zukunft der Arschlochkinder

3 06 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die nächste Steinzeit wird etwas leichter als die letzte; vielleicht werden wir mit den technischen Mitteln voraufgegangener Epochen, Flaschenzug und Kernfusion, etwas kompetenter umgehen, mit Sicherheit aber nicht mit den irgendwann einmal im Zivilisationsprozess erworbenen Fähigkeiten, die Gesellschaft als soziales Wesen zu begreifen und dementsprechend mitzugestalten. Die nächsten Höhlenbewohner werden elektrischen Strom haben, aber sie werden ihn als Waffe einsetzen, genau wie Wasser, Versicherungen und Fahrräder. Sie werden ein groteskes Bild abgeben, wie sie sich um die Reste einer funktionierenden Welt prügeln, und es wird nicht viele geben, die ihnen dabei zusehen. Die meisten von ihnen werden selbst mit Prügeln beschäftigt sein in der Zukunft der Arschlöcher.

Es sind die herangewachsenen Arschlochkinder, vor denen ihre Eltern zu warnen keine Zeit mehr haben. Sie haben sie ja selbst so konditioniert mit ihrem Vorgehen nach Degenerationenvertrag, der Steilvorlage für eine ordentliche Zombieapokalypse mit Hollywood-Potenzial. Was hier seine Gene in den nächstbesten Pool pinkelt, sorgt weder für die Haltung noch die Selbstbestimmung der folgenden Steuerzahler, und das, wo die Frucht ihrer Lenden doch kaum zu überbieten ist. Einerseits rauscht dem meinungslos Beknackten längst das Hirn vor dem Anblick der Übereltern, die im Nahbereich aller todsicher höchstbegabungsverdächtigen Sprösslinge herumhelikoptern. Sie stopfen ihre Bälger mit Motivationsmüll voll, denn das Kind darf keine Zurückweisung erfahren – niemals, sonst lernt es ja nicht, sich selbst zu entwickeln.

Andererseits torpedieren sich die Querkämmer nach Lust und Laune selbst, indem sie ihre Pädagogik nach den Methoden der angewandten Kriegswissenschaft ausrichten. Nach neoliberaler Religionslehre ist jeder zweite Platz eine Schande, ergo muss man die Kurzen zu verhaltensauffälligen High-Performern dressieren. Was Zuneigung nicht schafft, übernimmt Kollege Ritalin, die meisten Verziehungsberechtigten haben ja selbst genügend Intelligenzsenker geschluckt, um ihre Existenz mit der ständigen Arbeit an den Zwergen zu versöhnen. Nicht einmal den eigenen Stallgeruch darf sich der Nachwuchs aussuchen, wenn ihm die Erzieher Freunde und standesgemäßes Kameradenmaterial aus dem Katalog zusammenhauen – das korporative Kastendenken ist das beste Rezept für lange haltbares Sozialkompott.

Schon haben wir eine Kohorte schizoider Deppen, die sich planmäßig zu den Sackpfeifen entwickeln, die ihre Erzeuger noch nicht werden konnten. Die Kinder lernen weder Selbstständigkeit noch Verantwortung, ein Denkmuster, das in der ganzen Bildungslaufbahn wie ein Mantra auf ihnen lastet, wenn sie plötzlich feststellen, dass sie nicht jede Auseinandersetzung von Pappi werden führen lassen. In einfachen Fällen begreifen die Verstörten, dass sie Teil eines Experimentalaufbaus waren, ohne vorher gefragt worden zu sein. Aber es ist nicht jeder ein einfacher Fall.

Mit Bedacht wird jenes Individuum, das der Arbeitsmarkt und die politische Utopie fordern, bereits im Kükenstadium geschreddert – die beste Voraussetzung für eine Rotte oberflächlicher Arschlöcher, die nachhaltig an sich selbst scheitern. Mit drohendem Liebesentzug wurde der Proband auf die soziale Kälte vorbereitet, die er nun selbst verursacht. Jetzt lebt er aus, was ihm als Idee in die Kalotte gepfropft wurde, wenngleich nicht als seine eigene. Und so, wie die Alternativlosigkeit zum sozialpädagogischen Programm erklärt wurde, nach dem man bereits mit arbeitslosen oder behinderten Bürgern umspringt – wer nach der Beinamputation nicht freiwillig auf Dachdecker umschult, will ja gar nicht als produktives Mitglied der Gesellschaft dienen – schwiemelt sich das Sozialmaterial in die zu diesem Zweck in die Landschaft gehauene Form. Zu Verteidigung bleibt ihnen nicht viel außer einem standesgemäßen Dachschaden.

Die sorgfältig trainierte Verhaltensauffälligkeit wird zum Maß aller Dinge, kein Wunder in einer Gesellschaft, die das Subjekt zunehmend als Spielmaterial behandelt und nur noch als souverän handelnde Person respektiert, wenn sie sich mit Renitenz Gehör verschafft. Sie probieren sich in einem Rahmen aus, der dazu nicht gedacht war, weil sie nie einen Rahmen hatten, in dem sie Vernunft entwickeln konnten oder eine andere Anzeichen allgemeiner Bildung. Sie kompensieren es mit druckvoll vorgetragenem Selbstbewusstsein, an Egoquantität mangelt es ihnen jedenfalls nicht. Was kommt schon mehr dabei heraus als jene Art von Selbstverwirklichung, die unmittelbar in die Tiefen eines verrohten Bürgertums abgleitet. Die nächste Steinzeit wird einfacher, denn sie braucht keine Bedienungsanleitung, weil ihr Personal mit den Steinen instinktiv das Richtige tun wird. Sie werden sich damit gegenseitig beschmeißen. Was, über gewisse Umwege, auch wieder Raum lässt für Hoffnungen.

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