Cybermäßig

2 08 2016

„Und wie genau sollen wir jetzt dieses Darknet überwachen?“ „Keine Ahnung, ich weiß ja nicht mal, was das ist.“ „Hat man Ihnen das denn nicht erklärt?“ „Ja, aber ich habe dabei gemerkt, dass die auch nicht wussten, worüber sie da reden.“

„Man müsste ja quasi dieses Internet irgendwie mitlesen können.“ „Das geht aber angeblich nicht.“ „Sagt wer?“ „Leute, die davon etwas verstehen.“ „Woran merken Sie das?“ „Wenn die einem etwas erklären, verstehe ich es nicht, aber ich weiß, die wissen, worüber sie da reden.“ „Übel.“ „Und das Schlimmste ist: das ist eben so.“ „Was ist so?“ „Dass man das nicht kann.“ „Ist das nicht irgendwie gesetzlich zu bekämpfen?“ „Wenn Sie Naturgesetze bekämpfen können, dann ja.“ „Das heißt, wir sind nicht in der Lage, irgendwas zu ändern?“ „Nein.“ „Auch nicht so ein kleines bisschen?“ „Nein!“ „Und wenn wir das so auslegen, dass…“ „Es sind nun mal technische Sachen, die gehen nicht!“ „Was kann man denn da machen?“ „Überwachen.“

„Nützt das denn wenigstens irgendwas?“ „Sie müssen die Frage anders stellen.“ „Nämlich?“ „Schadet es etwas?“ „Und, schadet es?“ „Ja, aber nicht uns.“ „Also haben wir den Nutzen, dass nicht wir die sind, die keinen Nutzen davon haben.“ „Naja, es schadet uns schon auch.“ „Aber nicht nur uns?“ „Nein, aber…“ „Dann kann man es doch als notwendige Maßnahme verkaufen, die zwar nicht hilft, aber dafür allen gleichermaßen schadet und dabei keinen bevorzugt.“ „Doch.“ „Wie, doch?“ „Es werden ja manche bevorzugt, die von der Überwachung ausgenommen werden.“ „Aber denen schadet das nicht.“ „Stimmt auch wieder.“

„Man müsste irgendwie überwachen können, wie die Sachen aus dem Darknet geliefert werden.“ „Sie meinen Waffen?“ „Oder Drogen.“ „Gibt es da nicht so spezielle Briefkästen?“ „Müssten wir erst erfinden.“ „Also einen Briefkasten mit Internet.“ „WLAN würde vermutlich schon genügen.“ „Das heißt, wenn jemand die Waffe da reinlegt, wird an den Besteller automatisch ein Tweet gesendet?“ „Eine E-Mail ginge auch.“ „Und wir müssten nur noch das Internet…“ „Das ginge eben nicht.“ „Das heißt, die Briefkästen müssten uns die Nachricht direkt zuschicken?“ „Geht das?“ „Ich habe mal beim Bundesnachrichtendienst gefragt.“ „Und?“ „Die wussten auch nicht, wovon sie reden.“ „Dann können die das bestimmt.“ „Notfalls machen’s halt die Amerikaner.“

„Dann brauchen wir eine Art Frühwarnsystem.“ „Sie meinen, diese E-Mail soll eher bei uns ankommen als beim Käufer?“ „Das müsste doch technisch machbar sein.“ „Wenn wir den BND fragen, dann schlagen die sicher vor, man soll die Daten vorher noch zweimal um die Welt schicken.“ „Und die Amerikaner?“ „Die lassen die vermutlich irgendwie in einer ihrer Schubladen verschwinden und finden sie später zufällig wieder.“ „Wenn nicht die Russen vorher dran waren.“ „Kann man nicht die Bundeswehr auf die ansetzen?“ „Auf die Russen!?“ „Auf die E-Mails.“ „Ich weiß nicht, ob ein Bundeswehreinsatz im Darknet gegen die Verfassung verstößt.“ „Da müssten wir mal den Innenminister fragen.“ „Der weiß eh nie, worüber er gerade redet.“

„Jetzt mal nur rein theoretisch: wir haben eine Bundeswehr und eine Polizei.“ „Korrekt.“ „Wenn wir die Bundeswehr für rein zivile Aufgaben im Inneren einsetzen, beispielsweise Verkehrsregelung oder Auffahrunfälle…“ „Bei Demonstrationen?“ „… dann könnte die Polizei doch im Darknet gegen den Datenverkehr vorgehen.“ „Das ist ein ganz neuer Ansatz, aber ich bin mir sicher, dass der Bundesinnenminister das in Erwägung zieht.“ „Andererseits müsste man die Waren frühzeitig durch technische Maßnahmen identifizieren, damit man schnellen Zugriff einzelner Polizeieinheiten gewährleisten kann.“ „Also Sie wollen eine Waffe unterscheiden können von Drogen.“ „Wenn das in einem Paket ohne Absender ist, Sie kennen ja diese Pappkartons, da sind Sie total aufgeschmissen.“ „Man müsste virtuell in diese Pappkartons gucken können.“ „So richtig cybermäßig.“ „Wenn wir da einen Virenscanner verwenden, glauben Sie, wir bekommen etwas raus?“ „Wenn der Internet-Briefkasten überwacht wird und wir die E-Mail früher kriegen, könnten wir auch früher zugreifen.“ „Und den Inhalt vielleicht sogar löschen, bevor der Täter ihn abrufen will.“ „Dann haben wir nur ein Problem.“ „Das wäre?“ „Wir müssen dem Täter doch auch nachweisen, dass er Waffen bestellt hat, und dazu brauchen wir die Waffe.“ „Vielleicht kann man die erst herunterkopieren, und danach löscht man sie?“ „Geniale Idee. So machen wir das.“

„Wobei, so ganz zufrieden bin ich damit immer noch nicht.“ „Wenn Sie sich um die Technik sorgen, dafür haben wir doch dann den Nachrichtendienst.“ „Nein, es ist der Rechtsstaat.“ „Wieso, wir haben doch einen?“ „Das ist ja das Problem.“ „Wieso soll das ein Problem sein?“ „Jetzt stellen Sie sich mal vor, ich kaufe mir im Darknet eine Waffe.“ „Das würde Sie doch nie…“ „Unterbrechen Sie mich nicht! Ich kaufe mir eine Waffe, und die lasse ich dann an Ihren Briefkasten liefern.“ „Oh!“ „Das würde die Ermittlungsbehörden auf eine ganz und gar falsche Fährte führen.“ „Stimmt, aber ich glaube, das ließe sich ausschließen.“ „Sicher?“ „Absolut sicher. Bombensicher.“ „Und wie soll das funktionieren?“ „Sagt Ihnen De-Mail etwas?“

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