Stresstest

8 08 2016

„Wir müssten jetzt erstmal sehen, ob wir die Posten alle besetzt haben.“ „Wieso denn die…“ „Also Nahles: check!, Schwesig: check!, Gabriel…“ „Wieso denn die Posten in der Bundesregierung besetzt?“ „Wo denn sonst? Gegenvorschläge?“ „Es sagt doch nichts aus über die richtige Politik aus oder über unseren Wahlerfolg, wenn wir bloß nachschauen, ob wir ein paar Ministerposten in der Bundesregierung besetzt haben.“ „Aber so läuft das doch.“ „Läuft was?“ „Der Stresstest.“

„Ein Stresstest für Parteien? wer hat sich denn den Blödsinn ausgedacht?“ „Das ist kein Blödsinn, wir müssen doch rechtzeitig vor den Wahlen wissen, wie wir abschneiden.“ „Also erstens gibt es dafür Wahlumfragen…“ „Die sagen doch nichts aus, bei der Wahl entscheiden sich die Leute ganz anders!“ „… und zweitens ist es bis noch über ein Jahr hin bis zur Bundestagswahl.“ „Und wenn die Kanzlerin jetzt plötzlich zurücktritt? dann stehen wir da und überlegen uns erstmal, was wir machen sollen?“ „Das wäre ein Fortschritt, wenn das in der SPD passierte.“ „Also alle machen jetzt Stresstest, da müssen wir als Partei auch mal nach Sicherheit gucken.“ „Für den Wähler?“ „Nach unserer. Wenn die Bänker Stresstest machen, geht’s denen ja auch nicht um die Kunden.“

„Und was genau wollen Sie jetzt rausfinden?“ „Die Chancen unserer Partei.“ „Sie rechnen sich für die SPD Chancen aus!?“ „Der Scholz hat es doch gesagt, wir könnten theoretisch sogar die Wahl gewinnen.“ „Theoretisch könnten auch kleine grüne Männchen auf der Erde landen.“ „Das mag wohl sein, aber das sehe ich nicht als Chance für die SPD.“ „Also Sie wissen auch nicht, was Sie als Chance werten sollen.“ „Wir könnten mit unserem Spitzenpersonal, mit Maas, Nahles und…“ „Ach du liebes Bisschen, das bezeichnen Sie als Chance? das sind unkalkulierbare Risiken!“ „Die wir aber als Chancen ansehen.“ „Das können Sie doch…“ „Also zumindest rein theoretisch.“

„Nein, jetzt mal Klartext. Sie gehen doch gar nicht auf die Risiken ein.“ „Risiken, Risiken! der Wähler will nicht immer nur von Risiken hören, der will auch mal eine positive Perspektive.“ „Und deshalb blenden Sie alles aus, was die Partei seit Jahren falsch macht.“ „Jetzt regen Sie sich doch nicht gleich künstlich auf, das machen die Banken auch nicht anders.“ „Wieso?“ „Glauben Sie denn, dass die vorher keine Risikoanalyse machen?“ „Eben.“ „Aber sie ignorieren die dann beim Test, und der Kunde ist froh über ein gutes Ergebnis.“ „Warum messen Sie nicht gleich den Dieselausstoß der SPD?“ „Wieso sollten wir denn den…“ „Weil das Ergebnis selbst bei katastrophalen Ergebnissen zu keinerlei Konsequenzen führt.“

„Sie immer mit Ihrer Schwarzseherei!“ „Lieber schwarz sehen als gar nichts.“ „Was soll das denn nun schon wieder bedeuten?“ „Ihr Stresstest ist in der Vergangenheit konzipiert für die Risiken der Vergangenheit, und Sie wollen den für die Zukunft anwenden.“ „Ja sicher, das macht man doch so?“ „Wer macht das so?“ „Die Banken, und was die machen, das ist immer richtig. Die werden am Ende immer gerettet, und dann geht’s ihnen wieder gut, und dann machen sie weiter wie bisher. Das kann doch so verkehrt nicht sein?“ „Sie wollen mir doch jetzt nicht erklären, dass Sie die Banken als Vorbild betrachten?“ „Immerhin sind die viel zu groß zum Scheitern. Und was meinen Sie, warum wir damals den Gabriel zum Vorsitzenden gewählt haben?“

„Aber der Markt ist inzwischen viel weiter, da hilft so ein Stresstest auch nicht mehr.“ „Da muss man dann eben auf die Flexibilität der Gesellschaft vertrauen können. Wir sollten bereit sein, auch alte Lösungen für neue Probleme zu akzeptieren.“ „Hallo, ich rede hier von der Politik!?“ „Ja und? ich doch auch.“ „Und deshalb bringen Sie jetzt alte Patentrezepte wie Nationalismus wieder ins Spiel?“ „Wir machen das ja nicht nur im eigenen Interesse, der Wähler kann hier auch mal seine Stressresistenz unter Beweis stellen.“ „Na schauen Sie mal, man wirft doch den Banken immer vor, dass sie nur aus eigenem Interesse handeln. Wir sind viel weiter und beteiligen den Wähler an unseren Entscheidungen.“ „Im basisdemokratischen Sinn?“ „Nein, aber wir stellen sicher, dass wir die Scheiße nicht alleine ausbaden müssen.“

„Also ist Ihnen klar, dass Sie in genau dieselbe Klemme wieder geraten werden, in die Sie schon einmal geraten sind?“ „Wir haben das schon einmal überlebt, da müssen wir uns diesmal keinen Stress mehr machen.“ „Und Sie ignorieren weiterhin alle Stimmen aus dem Inneren, die Sie vor den lange verschleppten Gefahren warnen?“ „Ach, Sarrazin – wir wissen selbst, dass er ein Rassist ist, aber wenn seine Anhänger gleich NPD wählen, dann wissen wir doch auch, wir sind frei von Nazis in unserer Wählerschaft. Weniger Stress!“ „Und dass die SPD niemals genug Eigenleistung für eine Regierung hinbekäme?“ „Wir vertrauen auf die…“ „Und dass es blühender Unsinn ist, die blamablen Ergebnisse der Gegenwart mit einer utopischen Steigerung in der Zukunft zu entschuldigen?“ „Unsere Hoffnung ruht in der…“ „Dann haben Sie recht. Es ist ein bedeutungsloser Test. Sie machen alles richtig.“ „Ja, aber wir kommen Sie plötzlich darauf?“ „Sie sind eben eine völlig bedeutungslose Partei.“

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