Argent provocateur

24 08 2016

„Haben Sie die Arbeitsproben mitgebracht? Danke, ich schaue da gleich mal rein. ‚Gleichschaltung der BRD GmbH durch die Volksverräterin Merkel im Auftrag des Juden‘ – sagen Sie mal, woher wissen Sie das eigentlich?

Natürlich ist das ernst gemeint, wir als völkisch gesinnter Verlag mit dem Anspruch auf Mut zur einzig wahren Wahrheit müssen doch sehen, ob wir es mit vertrauenswürdigen Mitarbeitern zu tun haben. Jeder andere hätte da formuliert: ‚im Auftrag der Juden‘, Sie schreiben: ‚des Juden‘. Sie haben also wirklich begriffen, wer die Geschicke des deutschen Volkes lenkt, oder? Ah, der deutschen Rasse – Sie sind ein Hardliner, hatte ich mir doch gedacht! Großartig, das hatten wir in der Redaktion schon lange gesucht. Einen, der nicht nachfragt und sehr kritisch an Kritik rangeht, und der dazu noch unsere Sprache spricht. Klar und kompakt, so muss das sein, verstehen Sie?

Nein, das sind natürlich nur Gerüchte. Wir sind schon mal in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, als Rechtsradikale ist das ja auch kein Wunder, höhö, aber dass es hier Maulwürfe geben sollte, das kann ich Ihnen so nicht bestätigen. Sie meinen jetzt, es gäbe Denunzianten, die der völkischen Bewegung Schaden zufügen wollten, oder? so vereinzelte Personen, die durch Geheimnisverrat der nationalen Sache schaden wollten, so dass der Herr Wiebels vom Bundesamt für Verfassungsschutz… – Ich kenne keinen Herrn Wiebels, und ich weiß auch gar nicht, dass der beim Verfassungsschutz, das müssen Sie in den falschen Hals… –

Also wir sind jetzt nicht direkt eine Außenstelle des BND, wissen Sie – mit denen haben wir nur einmal im Monat zu tun, dann sagen die uns Bescheid, dass alles in Ordnung ist. Aber mit dem Bundesamt, das kann schon mal vorkommen, dass die sich an uns wenden. Einmal, zweimal. Nein, pro Stunde. Für einen eigenen Schreibtisch haben wir hier in der Redaktion keinen Platz, da will der Elsässer seinen Kühlschrank stehen haben, aber zur informellen Mitarbeit sind wir dann natürlich gerne bereit. Mensch, das ist doch prima! für Journalisten neuen Typs kann es doch gar nichts Besseres geben als direkt an der Wurzel zu recherchieren, also im radikalen Bereich – das ist wirklich investigativ, und wenn Sie es langfristig überleben, dann sind Sie mit uns auf der Seite der Guten! Siegerjustiz, verstehen Sie? das ist doch für einen völkisch denkenden Menschen wie Sie geradezu… –

Ach so, Sie meinen das ernst? Konnte ich doch nicht wissen. Da wären Sie hier ja echt ein Exot. Ein rassefremdes Element, höhö, aber so schlimm ist das auch wieder nicht. Wir haben da so unsere Mittel und Wege, um neue Kollegen zu integrieren. Als identitäre Maßnahme, wenn Sie so wollen. Man muss ja wissen, wer Freund ist und wer Feind.

Diese Gerüchte mit dem Bachmann, die werden Sie doch nicht glauben, oder? Schauen Sie, die anderen müssen nur einmal mit der Lügenpresse reden und Neuwahlen fordern, und wir rufen zum Militärputsch auf, zur Ermordung der Kanzlerin, und was passiert uns? Geldstrafen. Glauben Sie nicht, dass der Bachmann von uns gekauft worden wäre. Oder dass wir ihn gekauft hätten. Wir sind in einem Boot, und da geht man eben nicht unter. Man muss sich nur mit den herrschenden Verhältnissen zu arrangieren wissen.

Meine Güte, warum wohl? es gibt doch ein ganz klares Motiv. Wir nehmen eben gerne, und es ist keine uninteressante Aufgabe, wenn Sie verstehen. Argent provocateur. Da zieht man schon mal einen ganzen Verlag hoch zur Tarnung, mit Zeitschriften und Vortragsreisen und Eva Herman, da ist man ab einem gewissen Kontostand komplett schmerzfrei.

Unser Verleger hat schon versucht, den Lesern zu erklären, dass der Islam doch zu Deutschland gehört. Wenn die Rothschilds ihm dafür eine neue Rolex spendieren, warum denn nicht? Man hat doch auch sein Sendungsbewusstsein, und das ist ja nicht aus dem Nichts gekommen. Meistens war’s Hunger, bei manchen auch Doofheit, aber meist Hunger, und da überlegt man nicht, für wen man welchen Mist schreibt. Ist doch so, oder?

Unsere Facebook-Seite wurde im staatlichen Auftrag gelöscht – jetzt hier mal bitte keine Kritik, das ist offizielle Verschwörungstheorie – und wir haben nach einer Rechtsberatung eingesehen, dass wir die Regierung nicht mehr nach Artikel 20 in die Gaskammer schicken dürfen, die der Jude erfunden hat, weil es sie nie gegeben hat. Alles ganz koscher. Der Attentäter von München war ein Arier, da legen wir als Reinrassige schon Wert darauf, aber wir haben uns dann irgendwann aus der Argumentation herausgehalten, weil unsere Auftraggeber da keinen Schlamassel haben wollten. Echt jetzt, Jebsen, die Wissensmanufaktur, Ulfkotte, Gauland, Höcke, was meinen Sie, was wir dieser Mischpoke für einen Zaster verabreichen. Aber es wirkt!

Also würden Sie jetzt das Ressort Flüchtlinge und Umvolkungspolitik übernehmen? Sie sind der richtige Mann dafür, das sehe ich doch. Noch nicht ganz gereift im Sinne unserer Mission, aber doch immer auf dem rechten Weg. Würden Sie eventuell für die nationale Sache zum Islam konvertieren? Beschneidung und Syrien und den ganzen Scheiß? es gäbe da noch eine Position als Frontreporter. Nennen Sie uns einfach Ihren Preis.“

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