Versorgungsengpass

25 08 2016

05:01 – Schlaftrunken langt Rentner Olaf K. (79) nach dem Wecker. Versehentlich erwischt er die Radio-Taste und stellt die Frühnachrichten an. Bei der Meldung, dass die Bundesregierung der Bevölkerung zu Vorratseinkäufen für zehn Tage rät, ist er schlagartig wach. Schweißgebadet greift er nach seinem Hemd vom Vortag, schleicht sich aus dem Schlafzimmer und tastet sich die Treppe ins Erdgeschoss herunter. Dieser Tag wird der längste seines Lebens sein.

05:49 – Berufskraftfahrer Helmut S. (32) musste nach nur achtzehn Stunden kurz eingenickt sein. Als wieder er das Bewusstsein erlangt, behandelt ein Rettungssanitäter seine Kopfplatzwunde. Der Sattelschlepper liegt anmutig halb auf der Seite, halb auf dem Dach, jedenfalls dort, wo noch kurz zuvor die Leitplanke beide Fahrtrichtungen der Bundesautobahn getrennt hatte. Eine Vollsperrung wird sich nicht umgehen lassen.

05:56 – K. hat inzwischen den alten Autoanhänger aus der Garage geschafft. Eloxierter Chromstahl, Unterzüge, doppelt gesicherte Spannbeschläge, Zurrgalerie, Stützrad – nach dreißig Jahren ist vom Originalzustand nicht mehr viel übrig. Dafür soll das Ding heute eine dreiviertel Tonne Nutzlast in den Keller des Häuschens schaffen. Ungebremst.

06:12 – Ronald T. (45) hat lange auf diesen Tag gewartet. Die Scheidung ist endlich durch, noch vier Wochen Urlaub bis zur Kündigung, bevor er sich endlich selbstständig machen wird. Behutsam lenkt er das Wohnmobil rückwärts aus der Einfahrt. 1.900 Kilometer trennen ihn von Neapel, und er wird die Fahrt genießen. Heute, sagt sich T., beginnt sein neues Leben.

06:32 – Der Verkehrsfunk verlautbart die Vollsperrung der Autobahn. K. überlegt kurz und greift ins Handschuhfach. Die brüchige ADAC-Straßenkarte zeigt drei Umgehungsmöglichkeiten über angrenzende Landstraßen. Er überlegt nicht lang und nimmt die nächste Abzweigung zur Kreisstadt. K. wird alles geben. Noch mal, schwört er sich, kriegt ihn der verdammte Russe nicht.

06:39 – Gemütlich zockelt T. über die Landstraße, vorbei an sattgrünen Wiesen und schwer beladenen Obstbäumen. Das Autoradio spielt flotte Weisen. T. schaltet es ab, um die Morgenstimmung zu spüren.

07:01 – Die Straßenbrücke ist seit einer Woche wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt. Der Euro befindet sich nach den jüngsten italienischen Konjunkturdaten einmal mehr in höchster Gefahr. Der Goldpreis gibt nicht nach. Werner M. (56) hat endgültig die Nase voll. Er befolgt nun die Tipps dieser Website, die er letzte Nacht entdeckt hat. Im Keller ist genug Platz. Sollen die Ausländer doch kommen. M. wird zur neuen Herrenrasse gehören, die den Endsieg gegen alle Rassenschänder und Kulturzerstörer erringt.

07:05 – K. ist auf dem Kundenparkplatz vor dem Supikauf angekommen und schaltet den Motor aus. Mehrmals umrundet er Auto und Anhänger. Bis jetzt hat die aus Bestandteilen eines alten Maschendrahtzauns improvisierte Befestigung ihre maximale Zugfestigkeit nicht erreicht. Er zündet sich eine Zigarette an, wie sich nur Clint Eastwood eine Zigarette anzünden kann.

07:08 – Auch T. rollt in verhaltenem Tempo auf den Parkplatz. Er löscht das Licht, kurbelt die Fenster herunter und begibt sich ans Heck, um Kaffee zu kochen. Dann geht er noch einmal sorgfältig alle Posten auf seiner Proviantliste durch.

07:10 – Rumpelnd überquert der Handwagen den Parkplatz vor dem Supikauf. M. zieht das antiquierte Transportgerät im Schweiße seines Angesichts bis unmittelbar vor die Eingangstür. Keiner soll ihm diesmal seine Position streitig machen.

08:00 – Marktmitarbeiterin Britta L. (28) schlurft zur Eingangstür, betätigt den Schließmechanismus und aktiviert die Türautomatik. Während sie noch in kniender Stellung den Schlüssel abziehen will, wird sie von M.s Handwagen angerempelt. Ihr Hilfeschrei erlischt ungehört in einer Stellage mit Topfblumen, die sie nicht mehr vor den Eingang ziehen kann.

08:01 – Auch K. hat nun den Markt betreten. Er zieht zwei Einkaufswagen hinter sich her, während er einen weiteren mit den Füßen vorwärts schiebt. Nicht immer tut dieses dritte Gefährt, was es tun soll. Die Kollision mit einer Pyramide polnischer Beerenfrüchte in Zuckerlösung – Glasverpackung, Abtropfgewicht 360 Gramm – war so nicht geplant.

08:03 – Schon haben sich im großen Mittelgang die Kontrahenten gesichtet. M. ist mehrere Meter vor K. und legt trotz eines drohenden Achsschadens an Tempo zu. K. greift zu einer Kriegslist: im Vorbeigehen fegt er Gemüsekonserven mit dem Arm in einen der Einkaufswagen. Er wird die Zeit im Bunker ohne Vitaminverluste überstehen.

08:05 – Dosenfleisch, Fisch in Tomatensauce und Gulaschsuppe türmen sich bei M. auf dem Boden des Wägelchens. Geschicktes Stapeln dauert, aber keiner weiß, wann der Krieg ausbricht. Es wird für M. nur diese eine Chance geben.

08:08 – Vor dem Kühlregal kommt es erneut zur Konfrontation. K. greift wahllos Quark und saure Sahne, Erdbeerjoghurt und Halbfettmargarine, um im zweiten Wagen bedrohliche Lücken zu stopfen. Die Situation eskaliert, als M. eine ganze Palette Schmand heraushebt und auf eine Schicht Toastbrot stellen will.

08:09 – Beim Versuch, dem Navigationsgerät zu folgen und den Dreißigtonner durch die Schneidertwiete in der historischen Altstadt zu lenken, macht Kraftfahrer Heiko Z. (29) einen entscheidenden Fehler. Die Straße ist für den Verkehr mit Motorfahrzeugen freigegeben, hat jedoch nur die nötige Breite für einen Pkw. Mehrere Einzelhändler werden an diesem Tag nicht mehr mit Getränken beliefert.

08:11 – Die Marktmitarbeiter sind machtlos. Auch für den Endsieg hat der Führer große Opfer bringen müssen. K. täuscht in einem taktischen Manöver an, einen der drei Trolleys mit starkem Schub in die versammelte Menschenmenge zu schieben. Auf einen Zentner Mehl, je zwanzig Packungen Nudeln, Zucker, Backerbsen, Sushireis, Sultaninen und Götterspeise mit Waldmeistergeschmack wird er so kurz vor dem Ende wohl verzichten können.

08:14 – Der Rentner erweist sich dennoch nicht als das taktische Genie, als das er sich selbst sieht. Im Handstreich hat M. die ganze Getränkeabteilung eingenommen und die Tür hinter sich verriegelt.

08:15 – Das Marktpersonal benutzt den Fernsprecher im angrenzenden Lagerraum, um mit M. zu verhandeln. Dieser fordert umgehend große Mengen an stillem Mineralwasser in Polyethylenterephthalat-Sechsergebinden. Marktleiter Detlev O. (38) teilt M. mit, dass wetterbedingt Vorräte am Vorabend komplett ausverkauft worden sind. Eine Lieferung werde erst in den frühen Nachmittagsstunden erwartet.

08:17 – T. hat in Ruhe seinen Kaffee ausgetrunken. Er betritt den Supikauf mit einem Einkaufswagen, in den er Wurstaufschnitt, Käse sowie eine Dose Kondensmilch legt. Verwundert umfährt er die stark bläulich gefärbte Lache, die aufgrund einer leichten Neigung der Bodenplatte langsam, aber stetig in Richtung Fleischtheke rinnt.

08:20 – M. hat auch im Lagerraum kein Wasser gefunden. Er überschlägt kurz die Menge, die er an Biermischgetränken im vorderen Bereich des Rollwagens verlasten könnte, verwirft dann aber den Gedanken, da die Glasflaschen ein zu hohes Gewicht für die zulässige Achslast darstellen.

08:26 – Der Rückstau auf der beidseitig gesperrten Autobahn reicht in nördlicher Richtung dreißig Kilometer weit. Ein schwarzer Tag für Spediteure, denn die Fahrer nutzen den erzwungenen Stillstand oft für ein Nickerchen hinter dem Steuer. Tausende Fahrzeuge verstopfen die Verkehrswege. Die Ruhe ist majestätisch.

08:30 – Nach einer Spülbürste und einem Tütchen getrocknetem Oregano in Vorratsgröße will T. ein Paket gemahlenen Röstkaffee einkaufen. Irritiert stellt er fest, dass K. bäuchlings neben dem Regal liegt und über Kopf vakuumierte Kaffeeziegel in einen seiner Drahtwagen schmeißt. Er greift zu einem magenschonend veredelten Produkt mittlerer Preisklasse, als K. sich mit markerschütterndem Schrei auf ihn stürzt. Er verbeißt sich in T.s Oberarm.

08:36 – M. nutzt nun seinerseits das Telefon, um mit der Marktleitung zu kommunizieren. Seine Forderungen belaufen sich auf den sofortigen Rücktritt der gesamten Regierung der BRD GmbH, die Auslieferung der für das Flüchtlingschaos verantwortlichen Mitglieder der deutsch-jüdischen Weltverschwörung an die SS-Division Totenkopf, eine Walther P.38 mit hundert Milliarden Schuss Munition sowie fünfundvierzig Liter Wasser ohne Kohlensäure.

08:40 – Der erbitterte Kampf um ein Paket Kaffee wird weiterhin erbarmungslos geführt. K. erweist sich als zäher Gegner, der jedoch mit T.s Karriere als ehemaliger Landesjugendmeister im Jiu Jitsu nicht mithalten kann. Während K. mit Konserven wirft, weicht T. immer wieder gelenkig aus. Schließlich zertrümmert K. eine Flasche Karamellsirup an der Kante des Einkaufswagens und geht mit den scharfkantigen Waffe furchtlos auf den Rivalen los.

08:44 – Die nur spärlich im Markt vorhandenen anderen Kunden erledigen betont schnell ihre Einkäufe. Der Anblick der leeren Konservenregale lässt endlich die Stimmung kippen. Der aus Großolbersdorf zugezogene Ronny F. (49) erleidet ein spontanes Trauma und spricht Erzgebirgisch.

09:03 – Aus dem Einkaufszentrum Ost werden tumultartige Szenen gemeldet. Im dortigen MegaMarkt sind so gut wie keine Nährmittel mehr erhältlich. Um das letzte Päckchen Hartweizengrieß entbrennt ein blutiger Fight, in dem der Personenschützer Karim H. (30) von zwei 13-jährigen Mädchen krankenhausreif geprügelt wird.

09:05 – K. kommt wieder zu sich. Nachdem T. ihm die zersplitterte Flasche aus der Hand getreten und den Arm ausgekugelt hat, ist er mit seinem Kaffee zur Kasse gegangen. Er fühlt sich plötzlich gar nicht mehr gut. In seiner Hilflosigkeit wählt er die seit nunmehr acht Wochen nicht mehr gerauchte Sorte, zahlt, verlässt heftig zitternd den Supikauf und zündet sich unmittelbar vor der Tür eine Filterzigarette an. Dann bricht er in heftiges Schluchzen aus.

09:12 – Die Lage spitzt sich zu. Eine unglücklich formulierte Agenturmeldung, die von angeblichen Versorgungsengpässen im örtlichen Einzelhandel spricht, lässt die gut hundertsechzig Personen, die im MegaMarkt teils leere, teils zertrümmerte Regale vorfinden, schnell wieder in ihre Autos steigen. Die vom Umgehungsverkehr ohnehin verstopften Straßen lassen die Fanatisierten nur zäh vorankommen. Erste Fahrzeuge werden gesichtet, die Rad- und Fußwege nutzen.

09:15 – In der Supikauf-Getränkeabteilung eskaliert die Situation. K. hat unter Zuhilfenahme eines Besenstiels aus dem Haushaltswaren-Sortiment die Tür aufgehebelt und geht nun ohne Vorwarnung auf M. los. Das Personal verlässt schreiend den Raum. Die beiden Todfeinde stört das nicht. Für das, was jetzt geschieht, gibt es besser keine Zeugen.

09:22 – Es wird zusehends brutal. Die ersten haben ihre Autos quer zur Fahrtrichtung abgestellt und machen sich zu Fuß auf den Weg zum nahe gelegenen Shopping-Center Galeria 2000. Sozialkundelehrer Hubert G. (56) bricht aus, fährt in Schlangenlinien einem älteren Ehepaar hinterher, die sich beide mit einem Sprung in einen Hauseingang retten können, überrollt eine Verkehrsinsel und rammt frontal eine Litfaßsäule. Lediglich die Hupe bleibt intakt. Man hört sie gut einen halben Kilometer weit durch den stockenden Verkehr der Innenstadt.

09:30 – Die beiden Kämpen K. und M. beschließen eine vorübergehende Waffenruhe; tatsächlich sind sie nicht mehr in der Lage, sich gegen den anderen zur Wehr zu setzen. Wie vorübergehend jedoch der Friede ist, zeigt sich, als K. mit einem Wutschrei zwei der Einkaufswagen wieder in den Hauptgang des Supikauf hinausschiebt. M. ist paralysiert. Hastig verstaut er ein in Folie verschweißtes Sechserpack Apfelschorle und folgt dem Feind.

09:32 – Die Presseagenturen haben nicht mit den internationalen Reaktionen auf die Konsumkrise gerechnet. Die Tatsache, dass der Kreml ungerührt die Instabilität der westlichen Wirtschaft betont, führt zu einem massiven Einbruch des Euro. Fünf weitere Mitglieder lassen durchblicken, dass sie das Referendum zum Verlassen der EU bereits in der Schublade haben.

09:40 – Noch haben K. und M. ihre Lasten nicht in den Kassenbereich verfrachtet. Die rollenden Schwertransporte sind wegen ihrer Höhe nicht mehr unfallfrei zu manövrieren. Die Zuckerlösung hat sich in der Zwischenzeit zu einer klebrigen Haftschicht am Boden des Ladenlokals entwickelt, was das Vorankommen zusätzlich erschwert.

10:05 – Das Personal der Galeria 2000 hat sämtliche Zugangsmöglichkeiten von innen verrammelt und ist auf das Dach der Ladenpassage geflohen. Ihnen wurde mitgeteilt, dass ein Einsatz mit Rettungshubschraubern voraussichtlich noch am selben Tag erfolgen könne. Ihnen wurde nicht mitgeteilt, dass an zuständiger Stelle gerade über die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen eines Bundeswehreinsatzes im Innern beraten wird.

10:11 – Sie sind auf der Zielgeraden. Die über den harzigen Boden schlingernden Lasten sehen für die zwischen den Regalen verborgenen Mitarbeiter aus wie eine von Terry Gilliam in Superzeitlupe verfilmte Version von Ben Hur. Es geht unentschieden aus. Supikauf hat alle Kassen geschlossen. Die Kontrahenten scheren sich nicht darum, sie durchbrechen die Sperren und rumpeln auf den Kundenparkplatz.

10:29 – Vereinzelte Kunden sind in den MegaMarkt zurückgekehrt. Sie finden Obst und Gemüse nahezu unangetastet vor. Die Begeisterung wird empfindlich getrübt, als die Zahnarztgattin Kerstin Sch. (39) nach ausgiebigem Betasten der Rispentomaten feststellt, dass die Ware seit Stunden nicht kontrolliert und umgeschichtet wurde. Mehrere Hausfrauen bezweifeln, dass das Sortiment im MegaMarkt überhaupt für längere Zeit einlagerungsfähig ist.

11:14 – K. schlägt mit einer Dauerwurst auf das Dach seines Kleinwagens. Trotz erheblicher Kraft- und Stauanstrengungen – er erinnert sich, wie er in den Sommerferien 1990 seinen Enkel beim Tetris zweimal hintereinander fast geschlagen hat – lässt sich der Einkauf kaum auf Kofferraum und Hänger verteilen. Höhnisches Grinsen und lautstarke Pöbeleien sind für M. ein willkommenes Ventil, um seinen Sieg über den scheinbar Stärkeren zu feiern.

11:25 – Auch im MegaMarkt schlägt das Imperium zurück. Substitutin Tanja J. (26) legt die Dentistenfrau übers Knie. Markerschütternde Schmerzensschreie werden vom rhythmischen Klatschen der Einzelhandelskaufleute übertönt.

11:31 – Auf einer Autobahnraststätte sitzt nach einem Nervenzusammenbruch Kette rauchend der Wohnmobilfahrer T. und lässt sein bisheriges Leben an sich vorüberwehen. Er zieht sich gleich noch eine Schachtel. Diesmal ohne Filter.

11:36 – Das kratzende Geräusch, mit dem der Wagen von K. über den Kundenparkplatz vor dem Supikauf schleicht, wird nicht durch eine alternde Kupplung oder vom beschädigten Getriebe verursacht. Es ist der Unterboden, der über die Teerdecke schmirgelt.

12:09 – Die gemeinsame Anstrengung hat sich gelohnt: mit einem Kranwagen wurde der Sattelzug von der Autobahn gehievt. Die Geschwindigkeit wurde von der Polizei auf 60 Stundenkilometer festgesetzt, aber immerhin rollt der Verkehr wieder.

12:19 – Feldjäger sichern das Gelände um die Galeria 2000. Der Landesminister des Innern teilt mit, dass der Hubschraubereinsatz wegen eines akuten Anstiegs an Scheinasylanten nicht sofort erfolgen könne. Die Mitarbeiter seien jedoch durch die Lagerbestände für mehrere Tage in Sicherheit, solange sie nicht den Gebäudekomplex verlassen.

12:41 – Ausgerechnet hier auf der Autobahnbrücke, auf der Abkürzung zu seiner Wohnsiedlung, erleidet M.s Bollerwagen den finalen Achsbruch. Alles ist Feind, Verräter oder Bote des Verderbens. Der Getreue zweifelt an seiner Mission, schließlich fügt er sich in sein bitteres Schicksal. Hat nicht auch der Führer den Untergang der deutschen Rasse beschlossen, weil sie sich gegenüber den ostischen Untermenschen nicht hatten durchsetzen können? M. umkrallt das Brückengeländer. Einer muss sich für die Ehre des deutschen Volkes opfern.

12:42 – Ein sonores Röhren naht sich. Unter der Plane des Anhängers schwankt der Berg an Waren, den K. noch verstauen konnte. Schneckenlangsam kratzt der Wagen über den Asphalt. Da brennt bei M. die Sicherung durch. Er greift sich eine Dose Ananas aus seiner Fracht und schleudert sie gegen den Anhänger.

12:50 – Die Vollsperrung der Bundesautobahn ist diesmal langfristig. Das seltsame Gespann, das trotz seiner geringen Geschwindigkeit mit einer kaum zu begreifenden Wucht in die Mittelleitplanke geprallt ist, hat die Fahrbahn auf ihrer gesamten Breite aufgerissen. Sollte der Zug einen Lenker gehabt haben, so vermuten ihn die Einsatzkräfte tief unter dem Berg aus Weißblech, Kunststoff und Scherben. Mehrere Polizeibeamte nehmen eine verdächtige Person in Gewahrsam, die auf der Autobahnbrücke kniet und mit beiden Fäusten auf den Boden schlägt. Eine Unterbringung in der Psychiatrie scheint notwendig. So endet ein Vormittag in einer Kleinstadt, deren Bewohner einfach nur ein paar Besorgungen machen wollten, wie es ihnen die Bundesregierung vorgeschlagen hat.

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