Chronische Einschränkungen

21 08 2016

Die Berliner Bankrotterklärung der Innenminister hat wirklich das Zeug, Monty Python den Rang abzulaufen. Wenn ist das Nunstück git und Slotermeyer? Lorenz Reaktionär wird mit C geschrieben Caffier will die erzwungene Vollverschleierung der Frau jetzt aber mal ganz verfassungskonform da untersagen, wo der Islam sie für seine Ziele ausnutzt. Beispielsweise bei der Geschwindigkeitskontrolle. Bestimmt wird der Salafismus, der Frauen nicht nur den unbegleiteten Aufenthalt in der Öffentlichkeit verbietet, sondern erst recht das Führen eines Kraftfahrzeugs, für die auf Torf gezüchteten Gebiete der CDU eine große Ausnahme machen. Es reicht ja, wenn sich einer zur Traditionspflege den Frontallappen weich säuft. Alle weiteren Anzeichen, dass gewisse chronische Einschränkungen die integrative Kommunikation zu fördern geeignet sind, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • nasenbeinbruch witzbilder: Haben Sie welche von Ihnen selbst?
  • höcke bekloppt: Das wusste ich ja noch gar nicht.
  • de maizière absolut unfähig: Sie neigen zum Understatement.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCVI)

20 08 2016

Es ärgert sich Michał in Jauer.
Sein Milchlieferant ist ein Bauer,
die Preise sind prächtig,
nur schickt er bedächtig –
was ankommt, ist größtenteils sauer.

Weil Soja allein war in Schänibek,
sagt sie sich trotzdem: „Ach, ich geh nie weg.
Die hiesigen Männer
sind auch nicht den Renner,
ich weiß unterdes, das hat eh nie Zweck.“

Maria, die wuchs in jüngst in Heidchen
mitsamt dreier Schwestern zum Maidchen.
Die drei liebten Tanzen
und Extravaganzen,
sie selbst wollte ausschließlich Kleidchen.

Sankhani, der führt in Liwonde
ins Wasserrohr tief eine Sonde,
um zwei goldne Ketten
vorm Abfluss zu retten.
(Er macht das des öftern, der Blonde.)

Tadeusz erklärte in Entepöl:
„Dass ich hier im Haus seit der Rente nöl,
empört im Gebäude.
Ich tu es aus Freude,
weil ich damit meine Talente öl.“

Korede fragt in Ile-Ife
die Schwester, ob er mal schnell liefe.
Und ganz im Vertrauen
nach Post auszuschauen
ging er, denn es sind Liebesbriefe.

Wenn Marta, das Medium aus Gneist
beschwor einen wichtigen Geist,
ließ sie sich bezahlen
und rief unter Qualen
den Geist. Der war dann meist verreist.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXLI): Das Schützenfest

19 08 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Am Anfang war der Kampf. Der Hominide verteidigte sein Jagdrevier und das Weibchen, die Höhle und den Pelz, und hätte ein umsichtiger Zeitreisender aus dem späten 19. Jahrhundert den gerade erst an den aufrechten Gang gewöhnten Halbaffen Feuerwaffen nebst Munition in die Pfote gedrückt, die Evolution wäre ganz anders verlaufen, nämlich gar nicht mehr. Andere Lebewesen über die Wupper gehen lassen, das zeichnete das Ichgefühl des Brusttrommlers schon immer aus. Nur in der gottgleich empfundenen Macht, dem Bison wie dem Nachbarn ad libitum die Kerzen auszupusten, begriff sich der bräsige Brunstbruder. Allmählich überformte eine gemeinsame Kultur die Triebe, von der Höhlenzeichnung übers Halali bis zum gemeinsam praktizierten Rausch nebst kollektivem Nacherzählen des Erlebten. Mit der Erfindung von Krieg und Karriere erschloss sich die Hohlhupe neue Aggressionspotenziale, doch der Urgrund ist noch immer da. Jedes Jahr ist es wieder zu sehen, das mühsam als postquartär zu erkennende Gewese auf dem Schützenfest.

Die Kostümierung hat sich seit der Erfindung des Gamsbartes nur graduell verändert, noch immer ist die Hauptattraktion der gemeinsame Verzehr von im Großhandel besorgter Schlachttiere, die über dem Elektrogrill rituell als Brandopfer dargebracht werden, und der gemeinsame Rausch, da sich alle Eingeborenen des Weichbildes Alkoholika in den Verdauungskanal schütten. Die Tugendbolde sind größtenteils Flusenlutscher geworden, subalterne Buchhalter und Klempnergeselle, die Aggression nur noch in Anführungsstrichen kennen und sie statt sozialverträglicher Sublimierung zur Steigerung der globalisierten Konsumgesellschaft in einen bunten Strauß selbstquälerischer Symptome kanalisiert. Wie sonst ist es zu deuten, dass geistig gesunde Mitmenschen, größtenteils mit Schulabschluss und bürgerlicher Existenz, Familie und Kraftfahrzeugen ausgestattet, bis zu drei Tage in einem Festzelt ausharren, um sich das Verhalten prädiluvialer Dumpfbollen in grüner Filzhülle anzutun. Noch immer scheint die Gemeinschaft am besten zu funktionieren, wenn an einer Geschmacklosigkeit alle beteiligt sind, erst recht die, denen man es eigentlich gar nicht zutrauen würde.

Aber das Schießen. Schon packt der eine seine Wumme aus und ballert in die Umgebung, trifft aus Zufall den Landvogt nicht an der Marmel, sondern nur seinen Hut, und hat sich diverse Privilegien für ein Jahr gesichert: Steuernachlass, Heiratserlaubnis oder Straferlass nach ortsüblicher Verletzung der Zunftordnung. Auch hier wird nur das Recht des Stärkeren hübsch verbrämt, wer sich heute keine bessere Büchse mehr leisten kann, hat eben den besseren Anwalt, falls der Staat Steuerbetrüger in die öffentlich finanzierte Sitzgelegenheit schickt. Der Rest der Lodensäcke darf sich als antiquierte Bürgerwehr selbst vorführen, und auch im hohen Mittelalter waren die Hilfspolizisten nicht anders als heute sozial unterprivilegierte Knalltüten, deren Stolz sich mit ein bisschen Pulver und Blei stopfen ließ und viel Getöse verursachte.

Die ins Stammhirn abgetauchte Verteidigung des Reviers ahnt nur, wer die verschwiemelten Kommentkämpfe der Platzhirschlein sieht, wer zum Beispiel als Oberfahnenschwenker den seltsam schwankenden Gestalten voraustorkeln darf. Ganze Dörfer entzweien ihre aus tausendjähriger Inzucht geronnene Solidarität über der Frage, ob das aus vulgärtheologischem Symbolismus geschwiemelte Gehampel der Ehre der regionalen Bruderschaft Abbruch tut, und wahrlich, wer in seinem reinen Individualismus Bundesfahnenschwenkerordnung und völkisches Sendungsbewusstsein vermissen ließe, der wäre wirklich besser nie geboren. Es ist Abendland hier, das darf man wohl noch sagen.

Hin und wieder wird das Gepränge, sexuelle Belästigung angetrunkener Frauen, kooperatives Urinieren und Kampferbrechen hinter dem Festzelt, mit pseudoreligiösem Imitat vermanscht, damit ja die Tradition nicht verloren geht. Unter Anrufung amtlich beglaubigter Heiliger ballert die Truppe, als stünde der Einmarsch der Roten Armee unmittelbar bevor. Kein Wunder, dass fremdländische Leute, wiewohl bestens integriert, hier nicht mittun dürfen, denn wer nicht seit frühester Zeit zu den Stützen der Gesellschaft zählt – ein Milchgeschäft im mittleren Pleistozän macht auch in Sachsen bisweilen nur den Parvenü – braucht sich bei den unteren Zehntausend gar nicht erst anzubiedern. Hier im Urschlamm der Zivilisation zählen nur Blutsbande, und wer seine Neurose profilieren will, braucht nur die Flinte und Korn in korrekter Dosierung. Sich einmal im Jahr als klinisch hoffnungsloser Fall zu gebärden und ansonsten seine Frustration an anderen auszulassen, in Seppelhut und Kniestrumpf, das schafft großes Vertrauen in die Stabilität der Gemeinschaft. Fast so, als stünde der aufrechte Gang zur Disposition, wieder einmal. Nur die obligate Blasmusik hat sich seit der Anfangszeit des Menschen entwickelt. Was auch viel ist, aber kein Trost.





Heilpraktiker

18 08 2016

„Und Ihre Überweisung bräuchte ich dann bitte noch.“ Die Dame am Empfang lächelte freundlich, aber ich konnte ihr doch nicht helfen. „Ich habe einen Termin mit Herrn Flöterich“, erklärte ich, „und ich komme ein wenig früher.“ „Privatpatient“, strahlte sie. „Hätten Sie das doch gleich gesagt! Vorab ein Tässchen Kaffee?“ War es doch nur eine ganz normale Praxis wie so viele hierzulande?

Ich hatte meinen Mantel kaum an den Haken gehängt, da kam er auch schon. „Flöterich, ich bin der Heilpraktiker.“ Er verneigte sich leicht und fasste mich sogleich unter. „Sie werden sicher schon einige Dinge über unser Institut gehört haben, und ich kann Ihnen versichern: es ist alles falsch.“ „Sie scheinen Ihren Ruf recht genau zu kennen“, antwortete ich, kam mir dabei besonders bissig vor und hatte doch nicht mit seiner milde belustigten Reaktion gerechnet. „Wie gesagt“, gab er zurück, „die Leute denken immer, ich sei nur Heilpraktiker, weil ich es nie zu einem ordentlichen Medizinstudium gereicht hätte. Das ist aber falsch, und ich werde es Ihnen gerne zeigen.“ Damit lüpfte er die silberne Haube auf dem Anrichtewägelchen, unter der sich ein gebratenes Huhn mit mancherlei Gemüsen befand. Ein dienstbarer Geist klopfte an die Tür, öffnete sie und schob den Wagen hinein.

„Wie Sie sehen“, erläuterte Flöterich, „ist uns an einer individuelle Therapie gelegen. Die Dame bekommt die beste Behandlung, die sich wünschen kann.“ Die Patientin lag auf einem römischen Sofa, ein überdimensionales Lätzchen umgebunden, und genoss gerade einen leichten Zwischengang. Nun nahm sie sich das Brathuhn vor. „Sicher haben Sie bereits von vielen entschlackenden, entgiftenden Prozeduren gehört, Detox, Ausleitung, Heilfasten.“ Ich nickte. „Alles Humbug. Wir praktizieren kein Heilfasten, sondern Heilfressen.“ Der Pfleger legte Röstkartoffeln nach und goss üppig Sauce auf den Teller. „Sie sehen, die therapeutische Wirkung setzt umgehend ein.“

Am Ende des Ganges rollte bereits ein neuer Wagen an. Flöterich schloss leise die Tür hinter uns und blickte auf seine Liste. „Sie sind noch nicht überzeugt“, merkte er an, „aber das wird sich glech ändern. Kommen Sie mit.“ Und er öffnete die nächste Tür, hinter der sich eine Nasszelle verbarg. Ein junger Mann lag wie im Halbschlaf in einer Badewanne, dick bedeckt mit knisterndem Schaum. „Wasseranwendungen im Kurbetrieb werden Ihnen wohl geläufig sein“, sagte Flöterich. „Und hier wird nun also das Heilbaden betrieben. Unser Patient liegt bereits seit drei Stunden drin, und das Wasser wird gewissenhaft temperiert.“ Auf Zehenspitzen schlichen wir uns wieder hinaus.

„Warum bezeichnen Sie sich als Heilpraktiker?“ Er lächelte wieder sein mildes Lächeln. „Weil ich einer bin, im Gegensatz zu denen, die sich nur als solche bezeichnen. Wir arbeiten nicht theoretisch mit den Menschen, und ich kenne mich mit der Theorie auch nicht so aus. Deshalb mache ich mit den Patienten etwas Richtiges.“ Der nächste Wagen rollte schon an – es roch nach Schmalzgebackenem – und ich fasste mir ein Herz. „Schön und gut, aber haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht über die Nebenwirkungen dieser Therapie? Ihre Patienten sind glücklich, aber fett, und das soll gesund sein?“ Er wischte die Bemerkung mit einem raschen Armschwung beiseite. „Es gibt ja auch kein Medikament ohne Nebenwirkungen. Warum sollten wir dann den Menschen vorgaukeln, dass eine Heilbehandlung bei uns keine hat?“

In einem weiteren Raum war nichts zu sehen, nur ein leises Schnarchen ließ erahnen, was darin geschah. Auf dem Therapiebalkon saß ein älterer Herr mit einem großen Bücherstapel. „Wir kombinieren auch“, sagte Flöterich. „Natürlich nur da, wo es sich anbietet – Baden und Lesen sind leichter zu bewerkstelligen, Schlafen und Essen weniger leicht.“ Dann kamen wir in das Zimmer, das vollgestellt war mit Kleiderständern. Ein Mann rannte darin herum, häufte sich Hemden über den Arm, Schuhe, Krawatten. „Das werden Sie doch auch kennen?“ Doch ich verstand es nicht recht. „Heilshoppen.“ Heilshoppen? „Für manche ist es eine Strafe, aber manche genießen es und erleben es doch nie als wirklich genussvoll. Hier setzen wir an und entwickeln eine patientenorientierte Therapie. Das unterscheidet uns von anderen.“ Ich verstand es nicht gleich. „Ist das nicht alles dasselbe?“ Wieder lächelte Flöterich milde. „Anderen Heilpraktikern geht es vor allem um ihren Geldbeutel. Kommen Sie, ich zeige Ihnen noch etwas.“

Der Raum war komplett schallisoliert, man hörte das Gebrüll erst, als Flöterich die Tür geöffnet hatte. Der Mann schrie und schrie; offenbar war für ihn die zufällige Herkunft aus Deutschland sehr wichtig. Er brüllte, spuckte und stampfte mit den Füßen auf, wollte, dass Deutschland schön deutsch bleibt, und kündigte an, die Kanzlerin in der Zwangsjacke ins Gefängnis zu stecken. Da strauchelte er, ich hatte nicht gesehen, dass er an einem Gummiband hing, und fiel auf die Nase. Er musste sich empfindlich verletzt haben, denn er blutete und schrie weiter. Erst jetzt fiel mir die Frau auf, die an der gegenüberliegenden Wand in einem Sessel saß, eine Teetasse auf dem kleinen Tischchen neben sich, und amüsiert zusah. „Wir sind“, sagte Flöterich, „eben an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.“





Reif für die Insel

17 08 2016

„… nach dem Putschversuch auf einer Insel ausgesetzt werden sollten. Damit greife der Generalbundesanwalt einen Vorschlag auf, den Petry selbst als…“

„… kein Atoll gefunden habe, das eine geeignete Halle für AfD-Parteitage biete. Das Sondergericht habe darauf erklärt, der Partei stehe ohnedies keinerlei Wahlmöglichkeit zu, sie werde dort abgesetzt, wo zeitnah Platz und…“

„… könne Gauland nur auf Sylt standesgemäß residieren. Er habe bereits angekündigt, dass ihn Parkverbote für seine Limousine nicht…“

„… sich selbst immer wieder für eine rigorose Grenzkontrolle ausgesprochen hätten. Die Truppe sei nun dazu angehalten, beim Wiedereintritt ins Bundesgebiet ohne Anruf von der Schusswaffe Gebrauch zu…“

„… schärfsten Protest. Meuthen habe angekündigt, er werde nicht freiwillig auf dieselbe Insel wie…“

„… die ersten Transporte bereits in dieser Woche stattfänden. Die Bundesregierung habe ein Abkommen geschlossen, das die Besiedelung der Marianen mit den Flüchtlingen…“

„… dem Plan von Petry folgend Männer und Frauen trennen wolle, um die Männer vor den teils gewaltbereiten, sittlich verrohten…“

„… die ersten Personen auf Pagan angekommen seien. Die Inselbewohner seien vor der Unterkunft mit Steinen und Knüppeln auf den Transportbus…“

„… nicht als Verbannte, sondern als Besatzer aufspielten. Alle fünf baden-württembergischen Fraktionen hätten der Gründung des Judenfreien Gebiets Arisch-Agrigan beigewohnt und wollten nun eine…“

„… dass die Krawallmacher von der deutschen Regierung zu den üblichen Antifa-Stundensätzen herangeschafft worden seien, da die Insel sonst keine eigenen Bewohner…“

„… sich nicht um einen Fehler gehandelt habe. Höcke sei wegen seiner im Vier-Wochen-Abstand in Fistelstimme vorgetragenen Sehnsucht nach einer brutalen Männlichkeit auf der Fraueninsel als…“

„… könne Meuthen keinen Antisemitismus erkennen. Gedeon habe kurz zuvor mit sechs von sieben baden-württembergischen Fraktionen bestritten, dass der geplante Bau eines Konzentrationslagers auf der Insel im…“

„… andererseits auch Festerling nicht nur wegen ihrer nationalsozialistischen Haltung auf die Männerinsel verbracht worden sei. Sie habe sich geweigert, dort als Genderbeauftragter des…“

„… eine Residenz für die Parteiführung unbedingt nötig sei. Die von von Storch entworfene unterirdische Bunkeranlage müsse daher so schnell wie möglich…“

„… überstaatliche Mächte bisher die Annektion der Marianen verhindert hätten. Gedeon mache dafür vorwiegend die Jüdin Merkel verantwortlich, die zusammen mit den muslimischen Freimaurern, dem Papst und den Weisen von…“

„… auf einer Halbinsel errichten wolle. Der von Muhsal und Höcke auf der Kap Adolfi getauften Anhöhe gelegte Grundstein enthalte neben einer Karte Deutschlands in den Grenzen von 1942 und einer einbändigen Prachtausgabe von…“

„… werde die AfD im Exil keine weiteren Sonderparteitage veranstalten, um rechtzeitig einem Machtverlust…“

„… die Einreise verweigern wolle. Fraglich sei, ob die Bewohner mangels staatlicher Befugnis eine Grenzkontrolle ausüben dürften, um Bachmann zurück in den Pazifik zu schicken. Nur Gauland habe verlauten lassen, er würde ihn gerne in seiner Nachbarschaft als…“

„… das Storchennest mit starker Verzögerung gebaut werde, da die AfD nicht wie sonst mehrere Millionen Euro an Steuergeldern zur Verfügung habe, um ihre profilneurotischen…“

„… auch Wahlen skeptisch gegenüberstehe. Petry sei nach vergangenen parteiinternen Auseinandersetzungen der Ansicht, dass jede Wahl, bei der nur die AfD antrete, zwangsläufig nur durch vorsätzlichen Betrug und manipulative…“

„… noch nicht wisse, was Gedeon in seiner Reichspressemitteilung sagen werde, dass er es aber inhaltlich bereits jetzt ablehne. Er nehme ihn daher gegen jede Kritik in Schutz und stelle sich hinter seine Aussage. Andererseits wolle Meuthen dem…“

„… habe von Storch bei der Bauabnahme erklärt, die goldenen Wasserhähne und die Selbstschussanlage seien durch zufällig angeschwemmte Seekisten direkt im Fluchtstollen des…“

„… überflüssig sei, da jeder, der nicht die AfD wähle, als Volksverräter in die zwischenzeitlich fertiggestellten KZ-Anlage geschafft werden müsse. Höcke selbst wolle die undeutsche…“

„… eine Mauer zu errichten. Der drei Meter tiefe Graben um die Parteizentrale sei nur als Kunst am Bau mit seinen elektrisch geladenen…“

„… werfe Meuthen dem Systemparteienkartell vor, durch die Besiedelung mit Parteimitgliedern eine in der Menschheitsgeschichte einmalige Umvolkung zu betreiben, die zwangsläufig zum Niedergang der gesamten…“

„… in die Entscheidung gegen alle Feinde der Deutschheit gezwungen werde. Die Errettung des Volkes vor linksgrün-versifften Sozialisten, die schon Säuglinge in ihre jüdisch-pazifistische Agenda des Vernichtungshasses gegen die…“

„… zwar zu hundert Prozent Arbeitslosigkeit bestehe, die jedoch wegen der permanenten Beschäftigung der Parteimitglieder mit sich selbst bisher niemandem aufgefallen sei. Eine monatliche Zahlung doppelter Abgeordnetenbezüge sei, so Meuthen, unerlässlich, um die Bewohner vor dem drohenden Hungertod zu…“

„… allem Anschein nach im Marianengraben liege. Höckes Schlauchboot sei nach wochenlanger Suche führerlos treibend über dem…“





Thermodynamisch

16 08 2016

„Das dürfte reichen.“ Herr Breschke zog eine Rolle Dichtungsband nach der anderen aus der Tüte, sechs Stück insgesamt. Vermutlich würde es auch noch ausreichen, um die Küchentür von innen hermetisch zu versiegeln, damit beim Teekochen kein kostbarer Dampf nach außen dränge. „Für innen sollte es auf jeden Fall genügen, und dann müssen wir mal sehen.“ Ich winkte ab. „Sie glauben doch nicht, dass ich auf die klapprige Leiter steige, um Ihre Fenster im zweiten Stock von außen…?“ Er lächelte hilflos.

Im selben Moment bereute ich meine Aussage. Es zog, Frau Breschke hatte angesichts eines doch recht kühlen Sommers über Schlafstörungen geklagt, und vor meinem inneren Auge sah ich schon, wie der pensionierte Finanzbeamte sich an der Fassade hoch hangelte, um die Scheiben gegen einströmende Luft zu verkleben. „Eigentlich sind ein paar Grad weniger ja nicht verkehrt“, erklärte er mit nachdenklichem Blick, „aber sie fröstelt und friert, das kann ich mir nicht länger mit ansehen.“ Fest entschlossen riss er eine der Schachteln auf. „Messen Sie mal nach“, bat er. Ich hielt das Band gegen den Küchenfensterrahmen – wie zu erwarten war es deutlich zu lang. Ein Teppichmesser würde helfen. Wie gut, dass ich ahnte, wo Breschke es versehentlich hatte liegen lassen.

Auf dem Küchentisch befanden sich neueste Prospekte. „Ich habe meiner Frau noch nichts davon erzählt“, begann der Hausherr, „aber diese Heizlüfter sind gerade im Preis heruntergesetzt. Ob man sich mal einen anschaut?“ Die Geräte hatten alle stattliche Preise; ausgeglichen wurde dies von der Tatsache, dass sie alle auch einen stattlichen Elektrizitätsverbrauch haben würden. „Rechnen Sie sich das mal durch“, empfahl ich. „Bis Sie damit das ganze Haus warm haben, ohne zusätzlich die Heizung aufzudrehen, können Sie das Geld auch für einen Flug in die Karibik ausgeben.“ Er kniff die Augen zusammen und betrachtete die Lüfter, vor allem das Kleingedruckte. „Ob meine Tochter wohl so einen besorgen könnte“, murmelte er. „Vielleicht gibt es da etwas Billiges aus…“ „… der guten alten Sowjetunion“, ergänzte ich. „Oder aus Ägypten, in formschönem Hartplastik mit zwei Handgriffen und Bedienungsanleitung in handgemalten Hieroglyphen. Nein, das lassen Sie mal schön bleiben.“ Er atmete tief ein. „Am Ende fackeln Sie sich mit dem Ding noch das ganze Haus ab.“ Seine Augen weiteten sich vor Schreck. „Furchtbar“, stammelte er. „Und das darf einfach so verkauft werden in einem ganz normalen Prospekt!?“

Wir stiegen die Treppe empor, da sich das Schlafzimmer im Obergeschoss befand. „Unter Umständen ist auch der Teppich schuld“, mutmaßte Herr Breschke. Hatte er heimlich Eisschollen auf dem Estrich verteilt? „Die Kälte zieht ja durch die Decke, und wenn der Teppich von unten durch die kalte Luft, Sie verstehen, die Schicht zwischen den Dielenbrettern und dem Teppich ist ja nur sehr dünn, und dann steigt die warme Luft wieder nach unten.“ Ich runzelte erstaunt die Stirn. „Sie wollen doch nicht etwa deshalb gleich die ganze Etage mit Dichtungsband verkleben?“ Er schien für einen kurzen Augenblick zu überlegen. „Nein“, schüttelte er den Kopf, „nein – das wäre viel zu teuer. Aber vielleicht die Ritzen?“ Vielleicht hatte ich mich bisher auch nicht genügend mit Thermodynamik beschäftigt.

Das Bett stand nur einen halben Schritt entfernt vom Fenster. „Ich hatte schon überlegt, ob wir vor die Schlafzimmertür einen Zugluftdackel legen sollten, aber das ist das Problem mit dem Perser.“ Der dicke Bodenbelag reichte bis knapp an die Tür heran, während die Außenseite einen fingerbreiten Spalt offenließ. „Ich müsste diese Rolle von außen hinlegen, damit ich danach ins Schlafzimmer, aber wegen der Tür – ach, ich weiß es doch auch nicht!“ Herr Breschke war verzweifelt. Das Problem schien ihm wirklich langsam über den Kopf zu wachsen. Noch eine Nacht, das war klar, würde er seine Gattin nicht frieren lassen. „Hier unten“, erklärte er, „da müsste man vielleicht etwas anbringen. Direkt am Fenster ist es am kältesten, und wenn meine Frau ins Bett geht, haben wir auf ihrer Seite mindestens ein Grad weniger als dort drüben.“ Er wies auf die gegenüberliegende Wand, wo sich Stuhl und Herrendiener befanden. „Wir müssen das Problem wohl wissenschaftlich lösen“, befand er grimmig.

Horst Breschke schritt den Raum ab. Alles hatte den Anschein, als wolle er wegen eines geringen Temperaturunterschiedes die komplette Schlafzimmereinrichtung um hundertachtzig Grad drehen. „Es zieht hier immer so quer durch“, zeigte er, „am Abend lasse ich ja die Jalousien herunter, und dann ist es plötzlich so kühl.“ „Verständlich“, sagte ich knapp, langte nach dem Griff und schloss das Fenster. Er sah mich betreten an.

„Nehmen Sie noch ein Stück Apfelkuchen“, bot Frau Breschke an, „gleich koche ich auch noch mal frischen Tee.“ Sie schnitt ein gewaltiges Stück aus dem Backwerk. „Ich will nur Horst eben eine Tasse nach drüben bringen, damit er mit seinem steifen Nacken nicht vom Sofa hoch muss. Er stand ja so lange im Zug da oben.“





Schweigepflicht

15 08 2016

„Dann schlagen wir de Maizière doch einfach ein Gesetz vor, dass alle illegalen Sachen ab jetzt verboten sind, und fertig.“ „Noch alle Tassen im Schrank!?“ „Das ist so bescheuert…“ „Hören Sie, ich wollte nur…“ „… dass er auf den Gedanken schon selbst gekommen ist. Mehrmals.“

„Jedenfalls braucht ein Sicherheitskonzept auch Maßnahmen, die wirklich greifen.“ „Und da hatten Sie natürlich als erstes an die Burka gedacht?“ „Das wäre mal eine sinnvolle Maßnahme.“ „Eben, was meinen Sie, wie leicht man ein Gewehr unter eine Burka kriegt.“ „Oder eine Panzerfaust.“ „Das halte ich jetzt aber für übertrieben.“ „Das Gewehr?“ „Nein, das mit der Panzerfaust.“ „Sprengstoffgürtel wäre sowieso viel realistischer.“ „Macht doch keine Frau.“ „Wieso denn nicht?“ „Was soll denn eine Attentäterin mit 72 Jungfrauen?“ „Auch wahr.“ „Aber rein theoretisch könnte eine Frau mit Burka doch schon eine Terroristin sein.“ „Noch alle Tassen im Schrank!?“ „Dann haben wir eben das Problem, dass wir ohne Burka keine Terroristinnen mehr erkennen.“ „Und wenn sich eine als Nonne verkleidet?“ „Ist das verfassungsmäßig erlaubt?“

„Jedenfalls ist das ganze Konzept irgendwie noch nicht rund.“ „Das mit der Burka ist ja auch eher so eine Schnapsidee. Das lässt sich überhaupt nicht kontrollieren.“ „Kann man Frauen, die in der Burka erwischt werden, einfach ausziehen?“ „Noch alle Tassen im Schrank!?“ „Das könnten auch arabische Touristinnen sein.“ „Dann bräuchte man als Frau nur einen ausländischen Ausweis.“ „Gut Idee, dann ist das Burkaverbot wenigstens nicht so ausländerfeindlich, wie die Opposition behauptet.“ „Trotzdem, dann sind wir hier in Deutschland wieder frauenfeindlich, und das kommt gar nicht gut an.“ „Wir könnten das Gesetz so machen, dass die Frauen nur in Begleitung eines Mannes Burka tragen dürfen.“ „Ausländische Frauen.“ „Sehr gut, das ist die Lösung.“ „Und die ziehen sich dann in Begleitung des Mannes aus?“ „Klingt auch nicht so ganz verfassungskonform.“ „Aber bei Nonnen?“

„Überhaupt, das mit der Schweigepflicht.“ „Die bei den Nonnen? die heißt Beichtgeheimnis.“ „Das müsste man auch irgendwie abschaffen können.“ „Noch alle Tassen im Schrank!?“ „Mir ist nicht bekannt, dass Nonnen als Terroristinnen…“ „Jetzt hören Sie doch mit Ihren Spitzfindigkeiten auf! Es geht hier nicht um Nonnen, es geht ums Prinzip!“ „Ach so.“ „Und ich frage Sie, wo begegnet man denn einer Nonne im normalen Straßenbild?“ „Sie meinen außerhalb von Bayern?“ „Das ist nun mal das Problem, Sie können nicht gleichzeitig das Grundgesetz einhalten und für Sicherheit sorgen.“ „Das sagt de Maizière?“ „Nein, da hält er sich wohl an die Schweigepflicht.“

„Wir müssen doch den Tatsachen auch mal ins Auge blicken: die meisten Terroristen sind immer noch Männer.“ „Sie meinen, die SPD besteht hier bis zur Bundestagswahl auf eine Quotenregelung?“ „Schwesig kriegt auch das hin.“ „Noch alle Tassen im Schrank!?“ „Und was ist, wenn sich männliche Terroristen nun diskriminiert fühlen?“ „Dann kann es eher sein, dass sich Terroristinnen diskriminiert fühlen, weil man sie nicht verdächtigt.“ „Oder beim Gegenteil.“ „Wir müssten so ein Gesetz machen, das Bärte verbietet.“ „Natürlich bei Ausländern.“ „Und wenn man nun Terrorist ist und keinen Bart trägt?“ „Dann sind Sie Hipster.“ „Das ist doch das Gegenteil.“ „Weil die was im Bart verstecken?“ „Dann könnte doch zum Beispiel ein Hipster als Terrorist sich unter einer Burka verstecken und zur Tarnung mit einem Mann…“ „Sie arbeiten zu lange hier, machen Sie mal ein paar Monate Urlaub.“

„Hat denn jemand schon mal nachgedacht über Sympathiewerbung?“ „Für de Maizière?“ „Noch alle Tassen im Schrank!?“ „Nein, für Terrorismus.“ „Das sind diese TV-Spots im Vorabendprogramm, damit man nachts nicht immer raus muss, oder?“ „Oder das mit den Autoscheiben.“ „Nee, das ist Werbeterror.“ „Ganz sicher keine Terrorwerbung?“ „Jedenfalls macht es nicht sympathisch.“ „Dann könnte man ein Gesetz gegen Terrorwerbung in den Bundestag einbringen.“ „Erstmal müssten Sie bitte erklären, was Terrorwerbung ist.“ „Erst das Gesetz, dann können wir ja immer noch gucken, was wir damit bekämpfen.“ „Ich vergaß, wir arbeiten ja für de Maizière.“

„Sikhs könnte man doch auch irgendwie in eine Kartei aufnehmen.“ „Wegen der Bärte?“ „Die haben immer ein Messer im Turban.“ „Aber der ist doch erlaubt.“ „Weil das keine Islamisten sind.“ „Das heißt, wir müssten keine Hassprediger von denen ausweisen?“ „Was soll denn das jetzt schon wieder bedeuten?“ „Wir sollten uns doch mal über die ausländischen Hassprediger Gedanken machen. Die Ausweisung muss viel schneller erfolgen.“ „Und was machen wir mit diesen komischen Weihnachtsmännern da aus Köln?“ „Das sind doch Deutsche.“ „Denen könnte man ja nicht mal die doppelte Staatsbürgerschaft entziehen.“ „Klar, kann man alles.“ „Noch alle Tassen im Schrank!?“ „Die sind doch nebenher beim Islamistischen Staat, oder wie das heißt?“ „Das ist aber verfassungsmäßig…“ „Dann machen wir ein Hasspredigerregister, für Deutsche reicht das.“ „Guckt sowieso keine Sau rein.“ „Eben.“ „Und Moscheebau?“ „Kein Fass aufmachen, das reicht jetzt echt mal!“ „Und die Meldepflicht für depressive Iraner…“ „Deutsch-Iraner!“ „Meine Güte, das ist doch wieder ein…“ „Das kapiert er eh nicht.“ „Ich seh’s kommen.“ „Können Sie das noch mal eben rüberreichen?“ „Was?“ „Das vom Anfang. Das mit dem Verbot. Das ist bescheuert.“ „Ja, aber…“ „Oder glauben Sie etwa, man erwartet noch mehr von uns?“





Augustsonntag

14 08 2016

für Kurt Tucholsky

Dieweil wir alle sitzen
auf Stühlen im Spalier
und ganz vorzüglich schwitzen,
tönt draußen ein Klavier.

Die Sonne wandert müde,
sie hat ja nichts mehr vor.
Es klingt eine Etüde
von ferne an mein Ohr.

So lasse ich die andern
und denk mich leise fort,
mein Herz will weiterwandern
an einen andern Ort.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCV)

13 08 2016

Als Abdi zur Treibjagd in Eyl
erschien, gab’s nur Bogen und Pfeil.
Statt auf Elefanten
zu schießen, sie rannten.
Man traf einen am Hinterteil.

Duminda, der Händler in Kandy,
der ordert en gros. „Schaff heran die
verbilligten Waren,
sie kommen in Scharen
gelaufen, dann kauft jedermann sie!“

Bulle rechnet in Eldheere
als Bänker vor, was er vermehre,
sei Zins von den Zinsen,
und geht’s in die Binsen,
sind’s Schulden, und zwar ziemlich schwere.

Bineta, die hat in Fatick
im Kaufhaus fast alles im Blick.
Ein Tisch, der bewahrt dies,
auf dem steht groß „Gratis!“ –
kein Diebstahl, ein glänzender Trick.

Ayub bedient sich in Adale
an Feigen und Datteln. Die Schale
enthält nur das Beste
für wichtige Gäste –
er freut sich, dass er’s nicht bezahle.

Dass Taleb beim Fußball in Bor
beinahe die Schuhe verlor,
das lässt ihn nicht schwanken.
Vielmehr muss man danken,
er schoss ohne Hosen ein Tor.

Fadumo malt in Jamaame
oft Bilder für Kinoreklame.
Doch selten ist Wildes
Gepränge des Bildes,
am besten geht immer das Zahme.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXL): Das Böse

12 08 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Bis zum dreizehnten Nachkommen war mit Uga alles okay. Er hieb Nashörnern eine rein und den Nachbarn über die Rübe, wenn sie sich an seine Töchter wagten. Sogar Betriebsratsvorsitzender der Beerensammler wurde er, mehrfach einstimmig wiedergewählt. Aber irgendwann, es war ein kalter Winter gewesen mit vielen schauerlichen Märchen, da wollten sie nichts mehr von ihm wissen, nichts mehr von seinem Weib, schließlich auch nichts mehr von seinem gebärfähigen Nachwuchs. Die Alten murmelten es am Feuer, die Jüngeren hinter vorgehaltener Hand: das Böse hatte Besitz von der Sippe ergriffen. Man konnte nicht mehr mit ihnen verkehren, ohne gründlich infiziert zu werden.

Jahre zogen ins Land, der Mensch wurde doch noch klug – Kreuzzüge, Hexenjagd und das Dritte Reich waren ja schließlich irgendwann Geschichte und also nicht mehr relevant – und die Idee eines konkretisierten Verderbens wurde nun endlich vom Geist durchdrungen, den er übriggelassen hatte. Das Böse: wer durch Jahrhunderte abendländischen Klamauks durchschwiemelt an Pflanzenfresser mit Schwefelatem gewöhnt war – der panische Typ mit Hörnern und Hufen ist nach gängiger Physiologie nun mal Veganer, Darwin kann auch nichts dafür – sucht sich schnell eine Karnevalsfigur, um seine unheilvollen Seiten zu fassen zu kriegen. Denn darum geht es doch.

Mord, Neid und Gier, sie sind zunächst nur eine Fehlleistung der Impulskontrolle, wenn sie der dünne Glanzlack der Zivilisation nicht hat im Zaum halten können. Kaum bricht es aus dem Bekloppten heraus, wenn er im Finanzamt Dummklumpen mit der Motorsäge zu Blutsuppe verkärchert, attestiert die Psychoanalyse ihm schon Schuldunfähigkeit, da das Schlimmerhaftige Besitz ergriffen hat von ihm. Ist es denn die Norm, dem Formularhengst nicht das Nasenbein in den Schädel zu integrieren, sieht die anthropologische Konstante des Urmenschen es nicht viel eher als natürliche Reaktion auf blödes Gefasel mit vielfarbigen Faltblättern vor, die Art vor Schaden zu bewahren, indem sie derart Gewölle zu Feinstaub reibt? Wohnt also das Böse dem Ich inne, unveräußerlich als Es, das sich treiben lässt und sich erst einfangen lässt, wenn es fast schon zu spät ist?

Die Wahl, das Böse als solches zu deklarieren, fiel noch immer auf religiöse Kontrollsysteme, die in ihrem Absolutheitsanspruch auf Deutungshoheit noch nie versagt haben, wenngleich ihre Motive selten wahrhaftig waren. Sie selbst konnten schon mal nicht von der dunklen Seite der Macht sein, wie bekanntlich auch alle normal sind, die es für sich in Anspruch nehmen. Die Lösung liegt auf der Hand und wird mit Vorliebe als Abkehr vom Schlechten praktiziert, das ja böse sein muss, da es schlecht ist. Spaltet man es nun noch ab, presst es ins Korsett billiger Personifizierung, so hat man schnell die Unschuld zur Hand, vielseitig einsetzbar wie der Finger, mit dem man auf die anderen zeigt.

Schnell und chirurgisch präzise lassen sich auf einmal die Auswüchse der Neigung darstellen, das Sittengesetz zu brechen. Nur sind Killerspiele, Sex und Askese – alles ist hier richtig, vor allem aber auch das Gegenteil – hier nicht mehr Ausdruck der Bosheit, sondern zu ihrem Auslöser geworden. Das Böse banalisiert längst nicht mehr nur sich selbst, es hat die Beweislast umgekehrt. So ist aus der Möglichkeit der Schuld eine Waffe, aus dem Sittengesetz eine Anleitung zum Abschaffen des Menschen zu machen.

Und der Kampfbegriff wirkt. Längst hängt eine aus praktischer Vernunft gerottete Masse der Idee an, auch soziale, politische oder wirtschaftliche Normen zur Kontrolle der ständigen Reflexion zu gebrauchen. Die Etikettierung der anderen zum Bösen ist bewährt, enthebt endgültig der eigenen Rechtfertigung, die ja die Geschichte übernehmen wird, und spornt zum radikal Guten an. Nicht einmal mehr das populäre Konzept, sich für eine Seite entscheiden zu können, wie es die Religionen als letzten liberalen Hauch anbieten, ließe sich zur Norm umbiegen. Sobald sich eine einigermaßen verständliche Haltung durchgesetzt hat, das Böse zu erkennen und es als Feind des Guten durch die Notwendigkeit des Unmoralischen zu beseitigen, haben die Direktiven der säkularen Welt die Religion ersetzt, und das ganz ohne den liberalen Deckmantel.

Das Böse also zerstört die Welt, indem es die Norm nicht anerkennt, die es kategorisiert. Es wohnt dem Denken inne, bricht sich da Bahn, wo es nicht aufgehalten wird, und schürt die irrationale Vorstellung, man könne es verhindern, vermeiden, vertilgen. Genau hier beginnt eins der schauerlichen Märchen, mit denen man Kinder jeden Alters in Unsicherheit wiegt, nur um sie zur Verzweiflung zu treiben mit der schlechtesten aller Nachrichten: alles wird gut. Nur wann und wie, das kann ihnen keiner verraten. Wozu auch.