Christlich-abendländisch begrenzt

15 09 2016

„Sein Reich komme. Kennen Sie? kennen Sie? Ja, das werden Sie in Zukunft kennen müssen, wenn Sie in Bayern Grenzen überschreiten. Seehofer macht’s vor. So einfach ist das nämlich mit der Integration, wenn man sie gar nicht erst macht.

Oder wenn man keinen reinlässt. Dann bleibt Deutschland auch Deutschland, und wir brauchen gar kein Einwanderungsgesetz mehr. Das wollten wir die ganze Zeit haben, das war absolut nötig, weil wir sonst nicht Deutschland sind, aber jetzt ist Wahlkampf, da brauchen wir das gar nicht. Aber ein Einwanderungsbegrenzungsgesetz, das brauchen wir jetzt. Weil wir da aus unserer Erfahrung einige gute Sachen einbringen können. Wenn alle total beschränkt sind, so wie bei uns in der CSU, dann ist die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit gleich viel einfacher.

Es ist wegen der Integration, ja? deshalb sollen Zuwanderer aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis natürlich Vorrang haben, damit wir gar nicht erst integrieren müssen. Wir Bayern sind ein zutiefst christliches Volk, da nehmen wir doch nicht jede dumme Negerfratze aus dem Kral auf. Die machen hier sogar noch den anständigen Deutschen die Pfarrei streitig, und dann beschwert man sich einmal als dominierende Partei im Freistaat, und die Bevölkerung ist so aufgehetzt, dass sie sich auf die Seite von Recht und Gesetz stellt, statt gesundes Volksempfinden walten zu lassen. Sie müssen auch mal genau lesen: christlich-abendländisch. Dass Sie in Afrika von einem Kulturkreis gar nicht anfangen müssen, das ist ja wohl klar, aber abendländisch? seit wann ist denn das da Abendland? Ob Sie nun getauft sind oder nicht, meinetwegen können Sie sogar getauft sein, aber steht irgendwo in der Bibel, dass die ganzen Bimbos in den Freistaat kommen sollen?

Uns ist ja klar, dass das einen Gewissenskonflikt nach sich ziehen wird, aber den werden Sie nun mal aushalten müssen. Seehofer kriegen Sie auch nicht medikamentös weg. Natürlich werden irgendwo auch Menschen verfolgt, die sich zum Christentum bekennen – im Regelfall ist das sogar der Grund für ihre Verfolgung, da haben Sie recht – aber das kann doch nicht unser Problem sein. Bayern ist schon ein sehr reiches Land, und wir bekennen uns ganz klar zu unseren christlichen Wurzeln, aber man muss da doch auch abwägen. Bevorzugung von Christen ja, aber nur im Rahmen begrenzender Gesetze.

Wir haben da sehr wohl von den Taliban gelernt und vom Islamischen Staat. Wenn man Religion so weit instrumentalisieren kann, dass sie sämtlichen eigenen Moralvorstellungen zuwiderläuft, dann hat man eigentlich alles richtig gemacht. Ein Beispiel? können Sie gerne haben, wir nehmen das mit den verfolgten Christen. Sie kommen jetzt, sagen wir mal, aus Nigeria, und da gehören Sie schon seit der Geburt dem Christentum an. Da sind die Islamisten unterwegs und wollen die Scharia einführen, wenn Sie eine Frau sind, dürfen Sie nur in der Burka auf die Straße, oder auch gar nicht, und Ihre Kirche ist schon niedergebrannt worden, Ihren Eltern hat man totgeschlagen und Ihre Nachbarn wurden bei einer christlichen Taufzeremonie niedergemetzelt. Alles nicht schön, aber jetzt kommen Sie ausgerechnet zu uns und erwarten, dass wir jeden auf Kosten des Steuerzahlers durchfüttern?

Das war vor dem Wahlkampf. Da konnten wir noch in Ruhe sachorientierten Populismus betreiben und mussten uns nicht darauf konzentrieren, die Bundesregierung zu boykottieren. Wenn Sie als Teil der christlichen Bevölkerungsgruppe in Nigeria verfolgt werden, dann ist uns das scheißegal. Sie werden dann nicht individuell verfolgt, vermutlich schleppen Sie uns auch noch Ebola ein, und dann dürfen wir Sie an der Grenze zurückschicken. Das ist doch mal eine gemeinsame Lösung, was?

Das ist noch keine Herrschaft des Unrechts, das ist Staatsnotwehr. Weil diese sogenannten Christen, die uns hier überfluten wollen, die leben doch eine vollkommen andere Version des Christentums. Das ist nicht unser Glaube. Feindesliebe – wollen Sie mit der Bibel die Aktienkurse, Arbeitsplätze wollte ich sagen, Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie zerstören? Barmherzigkeit, Herrschaftszeiten! am Ende kommen Sie mir hier noch mit Gnade oder mit der Bergpredigt? Oder mit dem Grundgesetz? Dann lernen Sie uns aber mal kennen!

Unsere Bereitschaft zur Integration ist da ganz einfach überfordert, wir können nicht Christen aus einem ganz anderen Kulturkreis aufnehmen. Die sind so vollkommen anders. Jetzt stellen Sie sich mal einen Altkatholiken vor, einen Bulgarisch-Orthodoxen und einen Mennoniten, und die sollen eine Stunde lang übers Abendmahl reden. Da sind Sie doch froh, wenn keine offenen Knochenbrüche passieren. Da ist es doch mit den Arabern einfacher, da gibt’s einen Islam, der ist böse, und Schluss.

Doch, wir müssen das alles so organisieren, dass es rechtsstaatlich aussieht. Also dass es Ansprüchen ausreicht, die man an einen Rechtsstaat stellen können würde. Deshalb machen wir das mit einer strengen Einzelfallprüfung, da kann man hinterher sagen, der hat seine Chance bekommen, wenn er sie nicht nutzt, dann ist das nicht unser Problem. Wir machen das direkt an der Grenze, der potenzielle Scheinasylant kriegt eine ordentliche Schweinshaxe vorgesetzt, dann hat er einen Integrationsversuch, und dann sehen wir schon. Verweigerung? aus religiösen Gründen? Mir fällt da auch nur einer ein, aber warum fragen Sie? Wir haben das doch alles von den Kollegen in der AfD planen lassen?“

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2 responses

15 09 2016
rheinsberg

Der lezte Satz fasst es gut zusammen. Danke.

15 09 2016
bee

Ich hätte ihn als Aphorismus für sich selbst sprechen lassen sollen.

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