Der Feind in meinem Land

29 09 2016

„Die kriegen aber auch alles reingesteckt, hinten und vorne!“ „Was denn?“ „Möbel, Fernseher, alles eben. Das kann sich unsereins gar nicht leisten.“ „Sagt wer?“ „Karsunke. Der wohnt doch an der Straße, wo die Laster jeden Tag so durchfahren. Der weiß das ganz genau, der Karsunke.“

„Wieso wollen Sie jetzt eigentlich neue Möbel? Gefallen Ihnen Ihre eigenen nicht mehr?“ „Es geht doch nicht darum, dass ich neue Möbel will.“ „Weil Sie sich die nicht leisten können.“ „Ich kann mir wohl neue Möbel leisten, Sie!“ „Dann kaufen Sie sich doch neue Möbel.“ „Will ich aber nicht!“ „Oder einen Fernseher.“ „Brauche ich nicht, wir gucken doch gar nicht so viel. Das Programm ist ja nur noch Mist.“ „Wenn Sie erstmal neue Möbel haben, dann haben Sie vielleicht auch wieder Spaß am Fernsehen.“ „Aber wenn ich doch gar keine will, wozu soll ich mir dann neue Möbel kaufen?“ „Und die anderen?“ „Ich will keine neuen Möbel, ich will auch, dass die anderen sie keine kriegen!“ „Und keine Fernseher?“ „Was hat denn damit zu tun?“ „Wenn das Programm so schlecht ist, dann kann man den Leuten doch ruhig mal Fernseher schenken. Das ärgert die vielleicht sogar.“ „Ja, schenken – das ist es! Schenken, immer nur schenken!“ „Und das ärgert Sie?“ „Schenkt mir vielleicht einer einen Fernseher?“ „Aber eben haben Sie doch noch gesagt, dass Sie gar keinen haben wollen.“

„Es geht eben darum, dass diese Ausländer alles umsonst kriegen, die Möbel, die Fernseher, und dann diese Klamotten.“ „Klamotten?“ „Karsunke sagt, die tragen alle diese irrsinnig teuren Sachen aus Amerika.“ „Möglicherweise handelt es sich auch um Kleiderspenden.“ „Jedenfalls haben die nicht so herumzulaufen!“ „Warum denn nicht, die Hauptsache ist doch: sauber und ordentlich.“ „Aber die doch nicht!“ „Als Ihre Tochter neulich mit diesen zerlöcherten Hosen angekommen ist, da wollten Sie sie auf die Straße werfen.“ „So läuft man ja auch nicht herum.“ „Und bei Ausländern, die saubere Kleidung tragen, fangen Sie dann auch gleich an zu meckern?“ „Es geht hier nicht um saubere Kleidung, das sind keine Deutschen! Die haben nicht in diesen Klamotten herumzulaufen!“ „Wären Ihnen Lumpen vielleicht lieber?“ „Die sollen hier gar nicht auf die Straße!“ „Also wenn die gar nicht auf die Straße sollen, dann kann es Ihnen doch völlig schnurz sein, was die für Kleider tragen.“ „Der Ausländer an sich hat nämlich anders herumzulaufen als der Deutsche, sonst kann man die nicht mehr von den Deutschen unterscheiden.“ „Ich dachte immer, die Ausländer hätten sich hier zu integrieren, anstatt in Parallelgesellschaften zu leben.“ „Das auch, aber das hat doch mit Kleidung nichts zu tun!“ „Ja, das finde ich auch.“ „Sagt Karsunke auch.“ „Dann muss es wohl stimmen.“

„Aber das Schlimmste ist das mit der Arbeit.“ „Warum?“ „Karsunke sagt, die kriegen alle sofort Arbeit, das ist doch eine Schweinerei!“ „Dann wissen Sie jetzt immerhin, woher die das Geld für die teure amerikanische Kleidung haben.“ „Wieso das Geld?“ „Die werden Geld verdienen mit ihrer Arbeit, oder ist der Gedanke für Sie so abwegig?“ „Nein, aber Sie kapieren es nicht.“ „Was kapiere ich nicht?“ „Dass diese Ausländer uns die Arbeitsplätze wegnehmen, das ist doch der Punkt!“ „Und davon kaufen die sich Fernseher.“ „Wieso das denn?“ „Wenn jemand Geld hat, kann er sich doch auch einen Fernseher kaufen.“ „Ja, theoretisch schon.“ „Oder glauben Sie, wenn einer sein ganzes Geld für amerikanische Kleidung ausgibt, dass ihm dann jemand einen Fernseher schenkt?“ „Wer denn?“ „Oder vielleicht neue Möbel?“ „Wieso denn Möbel, die verdienen doch so viel, wie unsereiner gar nicht hat, und dann kaufen die uns die Fernseher weg.“ „Und wenn ein Deutscher arbeitet und sich von seinem Geld den Fernseher kauft, den Sie sich nicht leisten können?“ „Das ist dann Marktwirtschaft. Da werden Sie mit Ihren linken Spinnereien nichts ändern, und das ist auch gut so.“

„Hat denn Karsunke auch schon ausgerechnet, was das kosten würde, wenn man alle Ausländer rausschmeißen würde?“ „Was ist das denn für eine blöde Frage?“ „Die meisten von den Karsunkes erzählen doch auch, dass die alle gar nicht arbeiten und uns nur auf der Tasche liegen wollen.“ „Die gibt es ja auch noch, da hat Karsunke recht.“ „Und die nehmen den Deutschen dann die Arbeit weg.“ „Unsinn, die wollen doch gar nicht arbeiten.“ „Und deshalb kaufen sie den Deutschen auch nicht die Fernseher weg.“ „Was erzählen Sie denn da für einen Unfug, das eine hat doch mit dem anderen überhaupt nichts zu tun!“ „Das ist richtig.“ „Warum fangen Sie dann überhaupt damit an?“ „Ich?“ „Ja, Sie! Das entbehrt doch jeder Logik!“ „Was haben Sie denn jetzt vor?“ „Gegen die Ausländer? Ich weiß es nicht, aber irgendwas muss man doch tun.“ „Warum denn gegen die?“ „Wollen Sie sich auch noch für die einsetzen? Das ist doch krank!“ „Und das, was Sie vorhaben, ist es nicht?“ „Ich mache doch gar nichts.“ „Sie haben auch gar keinen Grund dazu.“ „Wie kommen Sie denn auf den Unsinn?“ „Sehen Sie hier einen Ausländer?“ „Aber da an der Straße, da fahren jeden Tag die Laster durch!“ „Weil das Karsunke sagt.“ „Das lassen wir uns nicht mehr gefallen! Wir werden uns wehren!“ „Aha.“ „Diese verdammten Radaubrüder haben in Deutschland nichts verloren!“ „Ach?“ „Karsunke fährt am Wochenende und hat noch zwei Plätze frei. Kommen Sie doch mit nach Hoyerswerda.“

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