Und tschüss

12 10 2016

„Du… was meinst Du, sollten wir es noch einmal versuchen?“ „Hä?“ „Ob wir es noch mal versuchen sollten.“ „Wir?“ „Ja.“ „Was denn?“ „Ja also, ob wir uns scheiden lassen.“

„Wieso willst Du Dich scheiden lassen!?“ „Es liegt nicht an Dir.“ „Was ist das für eine total beschissene Antwort! Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um sich…“ „Siehst Du?“ „Was?“ „Eben.“ „Was denn, verdammt?“ „Du hast Dich selbst im Auge.“ „Dazu bin ich ja schließlich ich.“ „Okay.“ „Und damit wir uns hier richtig verstehen, wenn Du dann angekrochen kommst und wieder zurück willst, dann…“ „Das ist mein Haus.“ „Ach, plötzlich ist das Dein Haus! Und die ganze Arbeit, wer macht die?“ „Ich.“ „Jaja, immer Antworten, die mit irgendwelchen Definitionen von Arbeit spielen, ich kann den Scheiß nicht mehr hören!“ „Wer hat damit angefangen?“ „Meine Güte, einer muss es doch tun!“ „Wer verdient das Geld?“ „Lenk jetzt nicht ab!“ „Die Arbeit wird von mir erledigt, Du bist für die Peinlichkeiten zuständig. Wer verdient hier das Geld?“ „Das lässt sich so gar nicht…“ „Wer schmeißt es zum Fenster raus?“ „Moment mal, das sind alles betriebsbedingte Kosten!“ „Erzähl das dem Scheidungsanwalt.“ „Aha, wir sind also schon auf alles vorbereitet!“ „Was man von Dir noch nie hat behaupten können.“

„Wir haben uns doch mal so gut verstanden.“ „Das ist richtig. Wir haben.“ „Eben.“ „Das ist eine Vergangenheitsform. Heute bin ich ja schon froh, wenn zwischen uns Funkstille herrscht.“ „Wieso das denn?“ „Ich muss mir Dein dummes Geschwätz nicht mehr anhören.“ „Ohne mich wüsstest Du doch gar nicht mehr, wie es in der Welt aussieht!“ „Darf ich das freundlicherweise zurückgeben?“ „Also bitte, das ist doch eine…“ „Es ist mittlerweile echt peinlich, sich mit Dir in der Öffentlichkeit blicken zu lassen.“ „Aber…“ „Die Leute denken, ich sei nicht mehr ganz dicht.“ „Das ist doch auch richtig so! man muss nach alles Seiten offen sein!“ „Nach allen Seiten, aha.“ „Ja, im Prinzip sollte man sich nicht verschließen.“ „Interessant.“ „Das heißt nicht, dass ich unsere Beziehung gering schätze, aber man muss ja auch mal schauen, wie anderswo…“ „Du nimmst also, was Du kriegst. So hatte ich das in Erinnerung.“

„Jetzt hör doch mal zu!“ „Ich weiß, was jetzt kommt.“ „Nein, wirklich – wir sollten mal ein ernsthaftes Gespräch miteinander führen.“ „Das ist ein Aprilscherz, richtig?“ „Warum?“ „Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich versucht habe, mit Dir ernsthafte Gespräche zu führen.“ „Das habe ich ja auch immer sehr…“ „Das hast Du bis auf einige wenige Mal nicht einmal bemerkt.“ „Siehst Du, es gab auch positive Augenblicke!“ „Und wenn Du es bemerkt hast, endete die Sache in Gebrüll, Getöse, unterirdischen Beleidigungen und der Drohung, die Koffer zu packen und auszuziehen.“ „Jetzt will ich Dir mal was sagen!“ „Ich bin gespannt.“ „Man kann sich, Partnerschaft hin oder her, man kann sich da nämlich auch nicht alles bieten lassen!“ „Ach.“ „Das scheint Dein Spatzenhirn zu überfordern, wie!?“ „Nur weiter so.“ „Wenn Du jetzt auch noch komisch werden willst, dann…“ „Ja?“ „Dann werde ich…“ „Ach was, tatsächlich!“ „Du wirst schon sehen, was Du davon hast!“

„Gut, dann noch mal ohne diesen emotional aufgeheizten Krempel.“ „Bitte.“ „Du nimmst Dir mit, was Du willst, und haust ab.“ „Wie ungemein großzügig! mir kommen ja gleich die Tränen!“ „Heb Dir Deine Schmierenkomödie für den Richter auf.“ „Und ich werde mir auch nehmen, was ich will, klar!?“ „Sicher. Du warst immer so, komplett irrational und gierig, und Du wirst Dich nicht so schnell ändern.“ „Irgendwann fandest Du mich mal attraktiv deswegen.“ „Irgendwann muss ich Dich mal für halbwegs vernünftig gehalten haben, und dann hast Du Dich in das Arschloch verwandelt, das Du heute bist.“ „Wir könnten so ein schönes Leben haben!“ „Du könntest so ein schönes Leben haben, wenn mein Haus Dir gehören würde.“ „Aber das ist…“ „Ich werde ein schönes Leben haben, sobald Du weg bist, weil dann dieses Haus immer noch mir gehört.“ „Wir waren ein super Team!“ „Ich habe gekocht, Du hast gefressen.“

„Dir ist schon klar, dass Dir das erhebliche Nachteile einbringen wird?“ „Erzähl das dem Richter.“ „Ich bin berühmt.“ „Du willst sicher nicht wissen, wofür.“ „Ohne mich wirst Du es schwer haben.“ „Das Leben ist nun mal so. Ich werde das durchstehen.“ „Du wirst ab sofort eine eigene Steuererklärung machen müssen.“ „Stimmt, Deine muss ich nicht mehr erledigen.“ „Du wirst das bereuen.“ „Können wir uns darauf einigen, dass Du Dir Deine Drohungen in eine Körperöffnung nach Wahl stopfst?“ „Ich…“ „Jede Einschüchterung, die man nicht durchsetzen kann, schwächt die eigene Position.“ „Uh, in welchem Rhetorikseminar haben wir das denn aufgeschnappt?“ „Schnauze jetzt!“

„Okay, Du hörst dann von meinem Anwalt.“ „Das sieht Dir ähnlich.“ „Wieso?“ „Nichts gemacht, aber Opferrolle.“ „Moment mal, ich…“ „Und ohne jegliche Sachkenntnis, wie Verwaltungsprozesse ablaufen. Hauptsache, wir haben genug Heißluft produziert.“ „Sag mal…“ „Was?“ „Ich weiß ja nicht, was Du denkst.“ „Das wusste ich schon vor dem Aufwachen.“ „Meinst Du nicht, wir sollten es noch einmal…“ „Träum weiter.“ „Aber was soll aus der Zukunft werden?“ „Dein Problem.“ „Wir waren doch fast immer an der Regierung!“ „Du vielleicht. Du bist der SPD-Parteivorstand, wir sind die Basis. Und jetzt raus hier!“

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