Sempf

7 11 2016

„Brandsätze haben Sie selber? Ich frage nur, falls die Bundespolizei Sie eventuell unterstützen muss. Wir haben uns so lange diese unqualifizierte Kritik von außen angehört, wenn wir hier in Bautzen mal etwas richtig machen können, und das ist ja bisher so gut wie nie der Fall gewesen, dann machen wir das mit der rechten Härte des brutalsten Staates. Nee, das war auch wieder nicht korrekt, oder?

Ich nehme das hier nur auf, wir haben ganz neutrale Formulare, und da können Sie dann Ihr politisches Anliegen formulieren und eventuell eine Kundgebung anmelden. Haben Sie sich denn schon entschieden, wofür Sie demonstrieren wollen? Ja, das ist jetzt schwierig – Juden gibt es in Bautzen in nicht ausreichender Menge, da würde ich schon eine Minderheitenmeinung annehmen, und die Feinde der völkischen Rasse ins Gas schicken, das klingt geistig behindert, Frauke Petry sagt das auch immer, und die ist da ja eine anerkannte Expertin, und das mit der völkischen Rasse hieße auch, dass die Nationalsozialisten, also Sie, und das mit der geistigen Behinderung, na egal, aber lassen Sie sich mit dem Formular gerne helfen. Das mit dem Lesen ist ja nicht so verbreitet in Ihrer Familie.

Ausländer ausrotten, wie stellen Sie sich das vor? Dass Sie Robaszkiewicz heißen, ist eine Art Grund, aber keine Entschuldigung. Das kriegen Sie außerdem beim Verwaltungsgericht nie durch, das kann ich Ihnen schon mal verraten. Und wie wollen Sie das praktisch machen? Grundgesetzkonform kriegt man das nicht hin, da bin ich jedenfalls schon mal skeptisch. Und im Eifer des Gefechts mobile Genickschussanlagen aufbauen, mein lieber Freund: das funktioniert vielleicht auf dem Parteitag, wenn die Storch oder die Höcke sich den Dreck aus dem Hirn rotzen, aber mit Polizeigenehmigung? Wir sind hier zwar in Sachsen, aber ohne ordentliche Einzelfallprüfung kriegen Sie das nicht durch. Bedenken Sie, wir leben hier in einem Rechtsstaat!

Also die fremdrassigen Mitbürger haben Sie durch ihre reine Anwesenheit in Ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Herrenrasse gestört. Ja, habe ich. Und wie genau ist das dann eskaliert? die Ausländer waren plötzlich noch ausländischer? Wie hat sich das denn im Einzelfall geäußert? Nach dem Ziehen der Schusswaffen haben sie sich nicht einem Kampf Mann gegen Mann gestellt, sondern vorsichtshalber haben sie die Flucht ergriffen? Das ist doch ein bisschen dünn. Vierzig zu eins? Und es waren – bitte keine obszönen Ausdrücke, es waren jedenfalls weibliche Personen, wie ich Ihren Worten entnehme – also nur Frauen, und Sie waren eindeutig in der Überzahl, dann ist das klar. Da kann ja ein Kampf Mann gegen Mann gar nicht stattfinden.

Ich weiß es nicht, mit Rechtsradikalismus kenne ich mich überhaupt nicht aus. Ich habe da zwar eine Menge sehr guter Freunde, wer das im Einzelnen ist, das tut hier auch gar nichts zur Sache, aber ich habe eben wirklich null Ahnung. Und da muss die Verwaltung den Willen des Volkes unterstützen, oder jedenfalls der Teile, die sich dafür halten.

Wurden denn Mitglieder Ihrer Initiative von der Polizei nach dem letzten Einsatz verhaftet? Na ein Glück, das wäre auch noch schöner gewesen. Der Justizvollzug ist gnadenlos, da reichen heutzutage ein bis drei Vorstrafen, eine Bewährungsfrist, und schon darf man seine nationale Identität, und das ist noch nicht einmal ein anerkanntes Mordmotiv. Da müsste die Bundespolitik mal was ändern, aber die hören ja immer nur auf die Linkspopulisten.

Haben Sie denn schon eine Route? Ich würde Ihnen vom Kornmarkt, da trifft sich ja ständig der ganze Abschaum, und die Asylanten sind auch da, Sie sollten dann immer nach Osten marschieren, ein paar legale Schusswaffen – haben Sie nicht? ich sagte doch, die Bundespolizei unterstützt Sie gerne – und dann immer in Richtung Friedhof. Das würde die ergebnisoffene Auseinandersetzung mit den Fremdrassigen enorm erleichtern, jedenfalls müsste der kommunale Entsorgungsdienst dann nicht die Reste durch die halbe Stadt karren. Denken Sie mal im Sinne der Allgemeinheit, falls Ihnen das keinen Hirntumor verursacht. Sie tun etwas für Ihr Volk. Für jemanden, der außer Dosenbier, Gonorrhoe und Reichskriegsflagge wenig Abendland mitgekriegt hat, wäre das mal ein patriotischer Akt.

Wir müssen eindeutig die Demonstration gegen etwaige undemokratische Proteste absichern. Das heißt für unsere Verwaltung im Umkehrschluss, dass wir jeglichen Protest als demokratiefeindliche Aktion behandeln, auch dann, wenn er von unserem Bürgermeister kommen sollte. Gut, das war jetzt rhetorisch konstruiert, der redet lieber direkt mit den Feinden der Demokratie, er mag es halt lieber, wenn man ihm nicht zuhört, dann muss er auch nicht so tun, als könnte er das bei anderen, aber im Ganzen ist er auch lieber auf der Seite der Feinde der Feinde der Demokratie. Passen Sie also sehr gut auf, was Sie in Ihr Formular schreiben.

Sie können auch Polizeikräfte anfordern, ja. Die stehen dann voll und ganz zu Ihrer Verfügung. Aber wir müssten das eben vorher wissen, weil Polizei in Bautzen immer nur da ist, wenn man vorher weiß, wo spontane Zusammenrottungen entstehen. Es kann auch sein, dass sich da ein paar demokratische Chaoten hinstellen, denen wollen wir natürlich auf keinen Fall das Feld überlassen, und wenn die sich nicht an Ihre Vorstellungen des vorher schriftlich niedergelegten Demonstrationszwecks halten, muss man die mit polizeilichen Mitteln daran erinnern, dass wir hier das Grundgesetz durchsetzen. Wissen Sie, das ist überhaupt unsere politische Linie: wir reden ja grundsätzlich mit jedem, aber noch lange nicht mit allen.“

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