Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLV): Die Mär von der linken Arroganz

2 12 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Zieht man im Kachelkabinett am Hebel, so hört man größtenteils Gurgeln, und fort sind die Reste des Stattgehabten. Irgendwo im Wohnzimmer derer, die sich schon für Bürger halten, weil sie Brechreiz beim Gedanken bekommen, einen Arbeiter im Vorgarten halten zu müssen, sprudeln dann braune Fontänen aus der Wand, zünftige Luftbefeuchtung für offenporige Parallelexistenzen. Schuld an der Misere, die unsere Gesellschaft endlich mal von Grund auf zerstört, sind doch nur diese arroganten Linken.

Was den Haufen borderlineintelligenter Brülläffchen, die seit Jahren in jeder TV-Kloake täglich rausrülpsen, dass man das, was sie ständig von sich geben, gar nicht sagen dürfe, nicht stört, ist ihre Lächerlichkeit. Was sie auch nicht stört, ist die peinliche Fehlzuschreibung, die sie ihrem eigenen Strabismus verdanken: da sie beharrlich nach rechts rücken, sind selbst Konservative für sie links und jede Meinung, die sie vertreten, per se Anstiftung zur öffentlichen Unruhe. Die enthemmte Kapitalismuskritik der angeblich linkslinken Linken erschöpft sich darin, prekäre Arbeitsplätze in den Industrieländern auszubreiten, statt sie nach Bangladesch zu verlagern. Man fühlt sich dann einfach besser, wenn man einmal im Jahr an die armen Schweine denkt, die nichts so nötig haben wie sozialdemokratisches Mitleid. Die Typen in Bangladesch, wohlgemerkt. Sie selbst sind keine Rechten. Nur weil sie Ich-bin-kein-Nazi-aber-Nazis sind, müssen sie doch noch nicht rechts sein. Der Ausländer, der Tausende abgreift und seinen Heimplatz total umsonst kriegt, in der sozialen Hängematte herumschmarotzt und gleichzeitig einem Produktionshelfer, mindestens promoviert in Hirnchirurgie und Teilchenphysik, den Job wegnimmt, will einfach als Realität geglaubt sein, und wer fest an ihn glaubt, ist kein Faschist. Er will vielleicht einfach nur mal wieder ein paar Neger in die Gaskammer schicken.

Nie käme der Brandstifter, der den öffentlichen Diskurs vorwiegend zur Publikation gefühlter Wahrheiten nutzt, sprich: zum Streuen hysterischer Lügengeschichten, nie käme er auf den Gedanken, er selbst sei für sein Geseier verantwortlich. Es sind immer die anderen, so auch hier. Es sind dieselben Ich-kann-kein-Nazi-sein-einige-meiner-besten-Freunde-sind-Ausländer, die erwerbslose Teutonen ins Arbeitslager schaffen wollen, weil ihnen ja die bösen Bimbos den Job weggenommen haben. Ein Wunder, dass sie daneben noch Zeit finden, die Deutschfeindlichkeit pigmentierter Invasoren als drohenden Untergang der christlichen Rasse zu beschluchzen. Es geht nicht um Verantwortung, es geht um die Deutungshoheit.

Die weiße Mittelschicht ist objektiv bedroht – es muss so sein, denn sobald sie sich bedroht fühlt, kann kein Zweifel daran bestehen. Sie sind auf dem besten Weg, eine Minderheit zu werden. Sie dürfen nicht mehr als einzige überall im Bus sitzen, die Frauen nehmen ihnen die Plätze im Aufsichtsrat (weil ja jeder Klempner früher oder später in einem DAX-Konzern aufwacht), Schwule dürfen heiraten, und wenn im Internet steht, dass die Regierung auf Befehl jüdisch versippter lesbischer schwarzer Behinderter die Ausrottung aller kaufmännischer Angestellter in der BRD GmbH betreibt, dann muss das stimmen. Und diese Volksverräter sind schuld. Denn jeder Akt, sich Rechte anzueignen, gilt als strafwürdige Grenzüberschreitung. Aus der Sicht des weißen Mannes haben die Bimbos auch bisher schon ganz gut gelebt, was wollen sie denn noch, als nicht jeden Tag aufs Maul zu kriegen? Das implizite Überlegenheitsgefühl derer, die sich aus wirren Versatzstücken ein Primatennarrativ zusammenschwiemeln, scheint sie jederzeit selbst zu berechtigen, das Gesetz nach Empfindlichkeit zu verbiegen. Die Königsdisziplin rechter Propaganda, die Holocaustleugnung, funktioniert ebenso über selektives Aufgreifen von Daten und Zuschreibung. Vermutlich reicht es schon, sich in ein Lager zu stellen und, wenn einem Hitler nicht über den Weg läuft, Geschichte zum Geflunker umzukrempeln.

Bestimmt ist es das Grundgesetz, die linke Sau. Oder die von Kommunisten erfundene Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Da kann man nur mit objektiver Vernunft kontern – die Rente steigt sicher, wenn man alle potenziellen Einzahler unschädlich macht. Man wird das wohl alles noch sagen dürfen – es sie denn, jemand anderes sagt es, aber das ist dann natürlich Zensur. Mindestens.

Woraus die schwere Geltungsneurose der soi-disant rechten Denker zusammengeknetet wird, das zeigen bereits läppische Kampfbegriffe wie Frühsexualisierung oder Umvolkung: progressive Paralyse einer analfixierten Jammerlappenrotte, die als Knirpse die Kita angekokelt haben, wenn sie nicht im Wetthüpfen gewinnen durften, neoliberal getriggert, nichts als ein paar ideologisch verwirrte Idioten, die anderen Ideologie vorwerfen. Eine Minderheit hält eine Mehrheit, die Minderheiten anerkennt, für eine Minderheit und deshalb sich selbst für die Mehrheit, ist aber genau dann wieder Minderheit, wenn sie aus Erbarmen mit sich selbst wieder in melodramatisches Gewimmer ausbricht. Kinder mit mangelnder Differenzierungsfähigkeit blieben früher sitzen. Kinder, die ihre eigenen Wunschvorstellungen für die Wirklichkeit hielten, kamen auch nicht weiter. Warum also schleppen wir diese Heulbojen mit durch, wo sie es an unserer Stelle doch nie mit ihresgleichen täten? Verachtung hat viele Gesichter.

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