Geprüfte Sicherheit

23 01 2017

„Naja, alle wegsperren geht auch nicht.“ „Wieso denn nicht?“ „Irgendwas mit Grundgesetz oder so.“ „Moment!“ „Können Sie vergessen. Das schlachtet die Opposition aus.“ „Wieso?“ „Wir sind eben im Wahlkampf.“

„Überlegen Sie mal, gerade im Wahlkampf kann man den Leuten doch den letzten Mist auftischen.“ „Kann man, aber darf man das auch?“ „Sollte man nicht?“ „Also ich würde…“ „Wir müssen das eher lösungsorientiert diskutieren.“ „Wie soll denn das gehen?“ „Er meint wahrscheinlich, dass wir für die Probleme…“ „Welche Probleme?“ „Wenn wir im Wahlkampf zugeben, dass es Probleme gibt, dann können wir uns den ganzen Wahlkampf schenken.“ „Eigentlich auch eine gute Idee.“ „Moment!“ „Dass wir für die Probleme der Zukunft, wollte ich sagen, dass wir da Lösungen haben.“ „Wie soll das denn gehen?“ „Der Wähler fühlt sich da bestimmt nicht so sicher.“ „Es ist halt Wahlkampf, da muss man dem Wähler auch ein bisschen Angst machen.“ „Sie haben mal Versicherungen verkauft, oder?“ „Merkt man das immer noch?“ „Wahrscheinlich denkt er, der Wähler würde den Zusammenhang zwischen Problem und Lösung sofort erkennen.“ „Tut er doch auch.“ „Wieso?“ „Wenn nicht, wäre er ja Politiker.“

„Also wenn wir alle Asylanten…“ „Sie meinen damit doch nicht die Asylberechtigten?“ „Wo ist da der Unterschied? und zu wem?“ „Die Bewerber, die könnte man doch alle in eine zentrale Sammelstelle in…“ „Das hört sich so nach Müll an.“ „Würde aber mindestens zehn Prozentpunkte von den Nazis bringen.“ „Moment!“ „Na gut, zwei. Anderthalb.“ „Wozu wollen Sie die sammeln?“ „Wenn man jetzt alle Asylbewerber…“ „Was machen Sie mit den Flüchtlingen?“ „Das versteht der Wähler doch gar nicht. Für den sind das alles islamistische Mörder.“ „Das meinen Sie nicht ernst.“ „Natürlich nicht, aber es ist Wahlkampf.“ „Also wenn wir alle von denen in, ich sage jetzt mal: Stuttgart internieren, dann ist die Sache doch klar.“ „Eigentlich…“ „Können Sie vergessen. Das schlachtet die Opposition aus.“ „Wieso?“ „Irgendwas mit Grundgesetz oder so.“ „Dabei hätte es Vorteile, weil wir keine so hohe Verbrechensrate mehr im Rest der Bundesrepublik haben, weil es da weniger von diesen dummen Arschlöchern gibt.“ „Moment!“ „Wie reden Sie denn über Kriegsflüchtlinge?“ „Ich meinte Nazis, die deren Heime anzünden.“ „Ach so.“ „Aber das ist doch eigentlich ganz okay.“ „Logistisch macht das total Sinn.“ „Und wenn es nicht klappt, können wir immer noch sagen: die Landesregierung von Baden-Württemberg hat Mist gebaut, wir sind nicht daran schuld.“

„Könnten wir den Vorschlag mit exterritorialen Asylzentren vielleicht aufgreifen?“ „Wie kommen Sie denn jetzt darauf?“ „Naja, wenn wir die Dinger in Afrika aufbauen, dann können wir als deutscher Staat doch definitiv nichts mehr falsch machen.“

„Und wenn wir jetzt einfach bloß sagen: liebe Bürgerinnen, liebe Bürger, wir tun was?“ „Was denn?“ „Naja, man kann doch nicht alles gleich den Betroffenen verraten, sonst wissen die doch, wie die Geheimdienste ermitteln.“ „Mit anderen Worten, ein Teil unserer Methoden würden die Bevölkerung verunsichern.“ „Ja, aber legal gemeint.“ „Wenn es legal ist, wer sollte sich denn verunsichert fühlen?“ „Die Bürger.“ „Moment!“ „Wieso sollten Bürger sich verunsichert fühlen von der Legalität?“ „Naja, überlegen Sie mal: bei Ihnen wird eingebrochen, dann sagt Ihnen die Polizei, tut uns leid, wir haben den Täter, aber wir können ihn nicht ins Gefängnis stecken, weil das Recht nun mal so ist.“ „Und das verunsichert die Bürger?“ „Zumindest die, die als Betroffene brutale Strafmaßnahmen nicht generell ablehnen würden.“

„Passkontrolle für Neger.“ „Nafris.“ „Moment!“ „Also Ausländer.“ „Und ausländisches Aussehen als Gefährdungsgrund.“ „Dann müsste man schon den Verdacht, ausländisch auszusehen, als…“ „Können Sie vergessen. Das schlachtet die Opposition aus.“ „Wieso?“ „Wir sind eben im Wahlkampf.“ „Und das Grundgesetz?“ „Käme auf den Zeitpunkt an, vielleicht haben die Rechten da schon wieder auf uns aufgeholt.“ „Aber wir müssen doch irgendein Konzept entwickeln können, das mittelfristig für nachweisbare Fahndungserfolge sorgt, sonst glaubt uns der Bürger nicht mehr, dass wir die Lage noch überblicken.“ „Obergrenze?“ „Es kommen doch immer weniger, die Debatte ist völlig umsonst.“ „Außerdem ist da noch was mit dem Grundgesetz.“ „Wieso?“ „Das gilt für alle Parteien.“ „Aber doch nur außerhalb des Wahlkampfes, oder?“

„Haben wir die Kostenfrage schon in Betracht gezogen?“ „Ja.“ „Tolle Antwort.“ „Moment!“ „Wir haben das schon durchgerechnet, und nein, es darf nicht mehr kosten als bisher.“ „Wir haben da aus dem letzten Brainstorming noch so einen Plan in der Schublade.“ „Das mit dem Personal?“ „Nee, das schmeißen Sie mal lieber ganz schnell weg.“ „Aber das ist doch genau der…“ „Bevor Sie jetzt mit der verfassungskonformen Lösung aller Probleme um die Ecke kommen: nein.“ „Die Wähler sind aber der Ansicht, dass das genau die…“ „Wenn mich die Ansicht des Wählers interessiert, spucke ich Nüsse in seinen Käfig, klar!?“ „Was erlauben Sie sich!“ „Haben wir da Probleme mit dem Innenminister?“ „Der ist auf mehr Ebenen überfordert, als er es intellektuell mitkriegen könnte.“ „Super. Gut, dann schreiben Sie mal: Punkt vier, wir werden dieses Land durch die Ausweitung der Videoüberwachung nach Möglichkeit noch viel sicherer machen. Damit Deutschland Deutschland bleibt.“

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