Der Trümmerfrau

31 05 2017

„Das könnten wir möglicherweise noch in dieser Legislaturperiode schaffen, haben Sie gerade mal die Daten da? Ja, das schaffen wir nicht mehr, wie versprochen. Das ist aber nicht unsere Schuld, das liegt an der Bundesregierung.

Nein, wir sind nicht die Bundesregierung. Die SPD ist nur daran beteiligt. Das ist wie Beihilfe, nur straffrei. Wenn wir jetzt beispielsweise die Ehe für alle verschleppen, dann ist das eindeutig ein Versagen der Bundesregierung, an der natürlich die Bundesfamilienministerin, ich meine, die ist zwar inhaltlich unbeteiligt, aber der Justizminister, also wie war die Frage noch? Warum sich die Union in der Frage, obwohl seit so vielen Jahren schon eine dringende Notwendigkeit besteht, und das haben Sie auch schon gemerkt? Da müssen Sie sich nur mal das Handeln unserer Kabinettskollegen vor Augen führen, die ziehen wenigstens an einem Strang. Wo hat man das denn heute noch, selbst in der Bundesregierung?

Aber in der nächsten Regierung wird das dann alles besser, da macht Martin Schulz ja alles alleine. Klar macht der das alles, haben Sie schon mal gesehen, was das momentan für ein Vollzugsdefizit auf ministerieller Ebene gibt? Seien Sie ehrlich, bis auf das Wirtschaftsministerium hat sich doch keiner im Dieselskandal bewegt, oder habe ich da etwas übersehen? Die haben sich bewegt. Seitwärts. Ganz langsam. Und dann waren die standhaft, wie nur ein sozialdemokratischer Minister standhaft sein kann, ich sage Ihnen – da hätten Sie auf einen Kniefall aber lange warten können. Ein Sozialdemokrat macht das nicht. Schon gar nicht, wenn er hinterher fast hätte Kanzlerkandidat hätte werden können wollen dürfen müssen.

Wir werden uns dann ja auch ganz entschieden gegen die rechtspopulistischen Tendenzen in dieser demokratischen Kultur abgrenzen, das ist nämlich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung und der Tendenzen der Situation, in der wir uns befinden, eine absolut notwendige Erforderlichkeit, derer wir uns nicht verschließen, weil wir die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger, die schließlich auch vorhanden sind – die Sorgen, also die Bürger auch, aber hier geht es vorrangig um die Sorgen, nicht nur im Wahlkampf, da auch, aber man kann nicht das eine vom anderen trennen, doch, kann man wohl, da haben Sie recht, aber das machen dann die Rechtspopulisten, und das werden wir mit der entschiedensten Entschiedenheit bekämpfen, die wir dem Pack, jawohl: Pack, das ist der richtige Ausdruck dafür, und das werden wir auch so in Zukunft umsetzen. Man muss auch Mut zu den unangenehmen Wahrheiten haben, das darf man in der SPD sagen. Den Sarrazin haben wir bis heute ja auch nicht einfach rausgeschmissen, weil wir nämlich eine Volkspartei sind, verstehen Sie?

Das macht aber der Martin Schulz als Kanzler alles viel besser. Der wird das als der, wie sagt man: Trümmerfrau, der äääh… Trümmerfrau der SPD wird er das wieder hinkriegen, vor allem mit den Schulen, da werden wir jetzt die Bildungssituation in der ganzen Bundesrepublik… –

Wir müssen nur noch gucken, dass wir das mit der Solidarrente, das ist ja auch ein Kernthema der Sozialdemokraten, die inzwischen nämlich in der Union sitzen, und daher haben wir in dieser Bundesregierung erfolgreich sozialdemokratische Themen bis ganz nach oben gebracht, teilweise bis ganz knapp vor die Entscheidung, dann haben wir in der nächsten Legislaturperiode ganz bestimmt eine Gelegenheit, die Altersarmut mit neuen Ideen gegen die Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt, die wir ja gerne mit bekämpft hätten, aber wenn man schon mal einen Vizekanzler hat, der gleichzeitig Wirtschaftsminister ist, muss man natürlich auch an andere Bestandteile des deutschen Volkes denken. So funktioniert halt Demokratie, und wir werden ja nicht nur von der sozialen Hängematte gewählt.

Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir die Integrität des Sozialstaats mit den Hartz-Gesetzen jetzt reformieren, wir sind ja seit über zehn Jahren nicht mehr dazu gekommen. Das waren damals die Grünen, die hatten eine Koalition mit so einem Typen, ich weiß gar nicht mehr, wie der hieß, aber das konnten wir seitdem nicht mehr korrigieren, und dann war auch noch die FDP an der Macht, zum Glück hat die nichts getan, aber glauben Sie, die hätten Solidarität gefordert? Gerechtigkeit? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Mindestlohn? Oder eine Mietpreisbremse? Da war die Union auch dagegen, weil die nichts gebracht hat, aber das ist doch schon mal besser als die Autobahnmaut. Die bringt nichts, kostet aber den Steuerzahler bares Geld. Da sind wir doch sehr viel sozialer.

Das mit den Schulklos würden wir gerne in den Bundestagswahlkampf einbringen, aber Martin Schulz war dagegen. Immerhin ist das Landessache, dann müssen Sie sehen, dass wir bis vor Kurzem noch die Mehrheit der Länder mitregiert haben, und in den Kommunen sind wir auch sehr stark mit den Bürgermeistern vertreten und den Landräten, und deshalb macht Martin Schulz das viel klüger als die Unionskandidaten und will sich komplett raushalten aus der Sache. Jedenfalls bis zur Bundestagswahl. Vielleicht kriegen wir das ja hinterher irgendwie noch hin, ich habe da keine Ahnung. Man könnte natürlich das mit der Rückkehr aus der Teilzeit noch jetzt auf den Weg bringen, aber wenn ich mir die Union so ansehe, ich würde sagen: nein.

So eine Vereinfachung des Steuersystems, das hat auch noch keiner vorgeschlagen, oder?“





Rechtsum

30 05 2017

„… die Entnazifizierung der Truppe zur Chefsache erklärt habe. Von der Leyen werde ab sofort konsequent für eine Armee ohne rechtes…“

„… Kasernen umbenannt werden müssten, wenn sie nicht an das neue Leitbild der Bundeswehr…“

„… beispielsweise schon in der Grundausbildung darauf hinweisen wolle, dass das Deutsche Reich nicht mehr…“

„… halte das militärische Umfeld für sehr anfällig. Die Bundesverteidigungsministerin setze jetzt darauf, dass jeweils montags und mittwochs in einem Stuhlkreis die Einstellung der einzelnen Soldatinnen und Soldaten ausführlich und unter besonderer Berücksichtigung der Achtsamkeit…“

„… Hakenkreuze in den Schaft eines Sturmgewehrs eingeritzt hätten. Nach Ansicht des Bundesministeriums könne Beschäftigungstherapie ein lohnenswerter Ansatz zur Schonung des Materials eine wesentliche…“

„… da Es braust unser Panzer im Sturmwind dahin zwar historisch wie wehrtechnisch nicht als Liedmaterial einer parlamentarischen Armee…“

„… andererseits auch weiterhin Rekruten mit schweren Bildungsdefiziten aufnehmen wolle. Bei quasi analphabetischen Soldaten sei die Gefahr erheblich geringer, dass sie durch rechtsradikale Schriften in eine nicht vorhersehbare…“

„… über eine neue Uniformfarbe nachgedacht werden müsse. So könne ein pinkfarbener Flecktarn viel zur Entspannung der…“

„… sich aber Wap-bap ba-da-di-da-da schon aus artikulatorischen Erwägungen nur für eine nüchterne…“

„… eine kostenfreie Kinderbetreuung auch bei Auslandseinsätzen keine Frage der Finanzierung sein dürfe. In einem behüteten Umfeld sei die familiäre Unterstützung ein maßgeblicher Faktor für die…“

„… sprächen mehrere ranghohe Offiziere im Zusammenhang mit den politischen Säuberungen in der Truppe bereits von einer Entrechtung des…“

„… setze von der Leyen bei ihrer Aufgabe auf den kameradschaftlichen Zusammenhalt in der Armee, um in einer gemeinsamen Anstrengung die letzten Reste einer undemokratischen Gesinnung aus dem…“

„… beschlossen habe, dass das Kommando Rechtsum ab sofort nicht mehr im…“

„… sei die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland von der gesamten Truppe mit allen Mitteln zu verteidigen, notfalls auch gegen Flüchtlinge, Linksfaschisten, Fatima Merkel und die …“

„… bekanntlich Vegetarier gewesen sei. Ein zwingend vorgeschriebener vegetarischer Tag in der Mannschaftsverpflegung müsse daher aus Gründen der politischen Korrektheit ab sofort…“

„… ein gemeinsam vollzogenes luftgestütztes Abmunitionieren nicht nur den Unteroffizieren das Rückzählen erspare, sondern auch die unerlaubte Weitergabe zur Anlage widerrechtlicher Depots im landschaftlich belassenen Bereich außerhalb der…“

„… inhumane Folterrituale umgehend abstellen wolle. So sei das Anhören mehrstündiger Monologe aus Mein Kampf für die Rekruten ein mit der Menschenwürde nicht zu…“

„… der Waldorf-Pädagogik zwar nicht generell ablehnend gegenüberstehe, sie aber wegen ihrer Nähe zur Rassenlehre nur für die höheren Dienstgrade…“

„… den Horizont der Soldaten erweitern sollten. Ein verpflichtender Besuch in İncirlik sei geeignet, das Wissen der Armeeangehörigen um diktatorische Systeme auch über den Nationalsozialismus hinaus zu…“

„… strikt abgelehnt worden sei. Das Heeresmusikkorps Ulm werde Ein bisschen Frieden nicht einmal auf Wunsch eines scheidenden Bundespräsidenten…“

„… zu überlegen, ob der Truppe eine demokratische Gesinnung nicht auch befohlen werden könne. Dies sei ein einfaches Verfahren, bei dem man Verweigerer schnell und ohne weitere Prüfung…“

„… nicht ausschließen könne, dass Nazi-Devotionalien nur als Schulungsmaterial in die Kaserne gekommen seien, um der Truppe zur Anschauung und zum Wiedererkennung in strittigen Fällen von…“

„… die Umbenennung in Kurt-Tucholsky-Kaserne für gänzlich falsch halte. Der aus Deutschland geflohene jüdische Staatsfeind und Hetzer hatte seinerzeit die Soldaten kollektiv als…“

„… müsse es bei einer weiterhin stabilen Westintegration erlaubt sein, zur Klärung der nationalen Identität die Russen als Feindbild des…“





Natürliche Intelligenz

29 05 2017

Es sah aus wie ein ganz normales Radio, nur eben mit viel mehr Knöpfen, Schaltern, Reglern und Anzeigen. „Hier beispielsweise stellen Sie das Niveau ein“, erklärte Doktor Wässerlein. Sie schob einen der Regler langsam hoch, worauf der Ton sich deutlich veränderte. „Ich verstehe“, sagte ich, „das ist der Schieber für die Lautstärke.“ „Nein.“ Sie zog den Regler wieder herunter. „Für das Niveau.“

Der Schaltplan war schon kompliziert genug. Immerhin meinte ich, das Gerät begriffen zu haben. „Sie regeln die Lautstärke herunter, wenn bestimmte Themen kommen?“ Der Eindruck, sie litte unter einem leichten Schmerz, zeigte mir recht deutlich, dass ich wenig kapiert hatte von dem Apparat. „Wir haben es hier mit einer grenzgenauen semantischen Filterfunktion zu tun“, präzisierte sie. „Dabei haben wir unterschiedliche Themen, das stimmt.“ Die bunten Knöpfe zeigten Außen- und Innenpolitik an, Terrorismus, das Sportinterview und vieles mehr. Wie auf einem Mischpult ließen sich diese Kanäle auf- und abschalten, so dass ein eingespeistes Signal bearbeitet werden konnte. „Zur Prüfung verfügen wir über ein umfangreiches Korpus von mehr als fünfhundert Stunden Radiomaterial, Kommentare, Moderationen, jede Menge Talkshows sowie Politikergerede.“ Sie schaltete den ersten Kanal ein; das vertraute Gefasel drang über den Kopfhörer in meine Ohren.

Doktor Wässerlein hatte einen Drehknopf ins Auge gefasst. Sie bewegte ihn langsam im Uhrzeigersinn. „Jetzt passen sie mal auf.“ Die Politikerinterviews in meiner Hörmuschel setzten wieder ein. „Wir sind wie auch unsere politischen Partner dem Votum des Wählers, dem wir an dieser Stelle nochmals… Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Entwicklung sich in den… In dieser Hinsicht muss sich etwas ändern, und wir werden alle dafür Sorge trage, dass sich etwas ändern wird, das habe ich auch der Bundeskanzlerin…“ Plötzlich brach der Ton weg. „Herausgeschnitten?“ Sie ignorierte meine Frage. „Gefiltert.“ Langsam drehte sie den Knopf bis zum Anschlag. Wunderbare Stille. „Das Gerät überlagert die Schallwellen mit ihrem Gegenteil. Dadurch werden sie gelöscht.“ Das klang logisch.

Auf dem Plan war das Phrasenumkehrmodul deutlich gekennzeichnet. „Wir haben hier noch jede Menge anderer Bauteile“, erläuterte Wässerlein. „Passen Sie auf.“ Eine Welle wirtschaftspolitischen Geschwafels spülte durch den Kopfhörer, die dann von Reden zur inneren Sicherheit abgelöst wurde und in ein längeres Statement zum Arbeitsmarkt mündete. „Achtung!“ Schon brach sich der Ton wieder, hier und da verschluckte sich ein Minister an der eigenen Zunge, das Gefasel bröckelte, am Ende herrschte wieder Schweigen. „Wir blenden kontextabhängig sämtliche fremdenfeindlichen Aussagen auf, die in solchen Zusammenhängen benutzt werden, wenn es gerade keine vernünftigen Argumente gibt.“ Jetzt erst fiel mir auf, dass der Arbeitsmarkt-Beitrag größtenteils auf zwei Behauptungen basierte: die vielen Ausländer, die nur zu uns kommen, um sich in der sozialen Hängematte auszuruhen, nehmen uns die Arbeit weg. „Sie nutzen dafür sicherlich künstliche Intelligenz?“ Doktor Wässerlein schüttelte abermals den Kopf. „Wir nutzen natürliche Intelligenz“, erläuterte sie mit mildem Lächeln. „Damit filtert man die künstliche Dummheit der Rede aus, schon vergessen?“

Die Anlage ließ manche Spielerei zu. Der Stuss- und Unfugfilter verwandelte das Gespräch mit einem Spieler unmittelbar nach dem Pokalendspiel in ein angenehm säuselndes Hintergrundrauschen, die Wiederholungseliminierung beendete eine Talksendung über Steuersenkungen nach weniger als einer halben Minute, da inhaltlich jetzt nichts Neues mehr kommen konnte. „Durchaus reizvoll“, bekannte ich. „Aber muss ich dann nicht immerzu an den Knöpfen drehen, während ich das Radio eingeschaltet habe?“ Sie regelte ein bisschen rauf und runter. „Das Gerät wird einfach vorher auf Ihr Profil programmiert, und dann lassen Sie es einfach laufen.“ Sie zeigte mir die Knöpfe, mit denen man schnell die wichtigsten Filter kombinieren konnte. „Nichts aus den USA, keine Lügen, keine Aussagen von geistig zurückgebliebenen Arschlöchern.“ Ich würde von jetzt ab wieder gefahrlos Nachrichten hören können.

„Meinen Sie denn, dass es einen Markt für diese Apparate gibt?“ Ich setzte den Kopfhörer ab und legte ihn auf den kleinen Beistelltisch. „Natürlich. Sonst würden wir sie gar nicht erst entwickelt haben.“ Doktor Wässerlein legte den Hauptschalter um, schob die Regler in die Ausgangsposition und klappte den Deckel über die Metallkiste, in der sich alles befand. „Aber das ist ja erst ein Prototyp, der noch verbessert werden muss. Vor allem werden wir das Gerät kleiner machen. Sehr klein.“ Sie zeigte mir das Bild von einem Knopf, den man ins Ohr hineinsteckte wie eine Hörhilfe. „Steuern können Sie das dann über eine App.“ „Und das wird dann tatsächlich gekauft?“ Doktor Wässerlein nickte. „Stellen Sie sich das mal vor: Wahlkampfreden von Politikern, Gehaltsverhandlungen mit dem Chef, und nichts als Ruhe!“





Verluthert

28 05 2017

Ein Paradebeispiel für die kognitive Verzerrung durch mediale Verbreitung wird groß gefeiert. Denn was weiß man schon von der Reformation, die der bekannte Antisemit und Zwangsneurotiker neben seinen abartigen Gewaltfantasien im Kopf hatte – eine gründliche gesellschaftliche Neuordnung zu einem Modell, das jeden Fortschritt brutal bekämpft und Speichelleckertum zur Kunstform erklärt. Geblieben sind ein paar genehme Traktate. So passt auch ins Bild, dass die EKD eine Rassistin zum Kirchentag einlädt und ihre plumpen Lügen ohne Kommentar weiterverbreitet. Warten wir ab, wie lange der Priesterverein diesmal braucht, um sein Image als Speerspitze des christlichen Widerstandes aus dem Sammelalbum zu holen. Vielleicht haben wir unterdessen schon den einen oder anderen Reichsbischof am Start. Weitere Anzeichen, wie verlottert bzw. -luthert der Haufen inzwischen ist, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • schwerter zu flurschäden: Man macht das heute mit Panzern.
  • schädelvollprothese: Erkennbar am oben angeleimten Hamster.
  • wiederaufbau des sozialismus: Nichts verhindert dies effektiver als die SPD.
  • königreich groß deutschland: Wenn Hamster aus sind, nehmen Sie eine Ratte.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXLIV)

27 05 2017

Es wundern Gerlinde in Gaas,
die abends im Garten noch las,
die Maiblumendüfte,
wie feucht sind die Lüfte –
es quaken die Frösche im Gras.

Sieht Genrich, der Spieß aus Arutsch,
die Hosen, so sind sie nun futsch.
Nur noch kurze Beine,
der Rest auf der Leine.
Jetzt wird’s erstmal nichts mit dem Putsch.

Es züchtet Hans in Oberdrosen
recht haltbare Sorten von Rosen,
die zwar auch verblühen,
doch scheut er nicht Mühen.
Er bietet sie an – auch in Dosen.

Dass Nixon macht in Kabarnet
beim Laufen den Rückstand oft wett,
bringt manche Sekunden.
Man hat rausgefunden,
er geht schon mit Schuhen ins Bett.

Es pflegte sich Joschi in Welten
im Frühling partout zu erkälten.
Die Ärzte, die stutzten,
was sie auch benutzten.
Er musste im März immer zelten.

Boughera verkauft in Boughouf
Skulpturen, die er auch erschuf.
Die waren aus Käse.
Das bringt kaum Erlöse,
doch hat keiner diesen Beruf.

Der Loisl, der schoss sich in Tadten
recht wunderlich Tiere zum Braten.
Die Gäste vertrauten
ihm nicht, was sie kauten.
Sie mussten es immer erraten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXIV): Krieg am Arbeitsplatz

26 05 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wahrscheinlich hatte es seinen Ursprung in der Stammesgesellschaft. Der große Mammutspieß musste gerade geführt werden und erforderte daher zwei Kräfte, Nggr und seinen Schwager. Jeder wollte einmal nach vorne. Damit fing das Elend an. In der Zeit, die die beiden Grützbirnen mit ihren sinnlosen Grundsatzdiskussionen verplemperten, hätte ein schlagkräftiges Duo aus wirtschaftlichen Interessen, zur Arbeitsplatzsicherung und zur Festigung des regionalen Absatzmarktes drei Arten auf dem Kontinent vollständig ausrotten können. Im Alleingang. Ohne Betriebsrat, Management und Mitarbeiterschulungen. Wie durch ein Wunder ist in diesen Jahren keiner von ihnen in den Staub der Steppe planiert worden, weil ihr dusseliges Gezänk jedes Mammut schon von Weitem in die Flucht geschlagen hat. Heute sind sie Anlagenmechaniker, Großhandelskaufleute oder Lohnbuchhalter, auf jeden Fall irgendetwas mit Bürostühlen, von denen der eine neuer und der andere bequemer ist, oder in einer Werkstatt, bei der eine Maschine näher am Fenster steht als die andere. Sie hätten genug Zeit für nobelpreistaugliche Erfindungen gehabt. Aber eben auch für einen Krieg am Arbeitsplatz.

In Phasen der ökonomischen Unsicherheit, in der Rezession oder größeren Umbrüchen, ist der beste Frühindikator das Betriebsklima. Hier und da ahnt man verdeckt getragene Schuss-, Hieb-, Stich- oder Massenvernichtungswaffen, die Kollegin hat ihr formschönes Halstuch nicht nur zum Tragen, der eine oder andere sägt aus Gewohnheit alles an, was nicht an der Decke verschraubt ist. Keiner soll dem Kapital nachsagen, es unterdrücke die Kreativität seiner Subjekte. Was allein in Schreibstuben und Warenlagern an schöpferischer Zerstörung entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht – und dabei möglichst viele kognitiv suboptimierte Knalltüten mit in den Orkus reißt, weil nur dies Platz schafft für eine Auferstehung aus hausgemachten Ruinen. Der Hominide, jene Talentdetonation am Rande der Zweckmäßigkeit, hat dafür Maßstäbe ersonnen, die für Generationen reichen, um sich und vor allem anderen den Tag zu versauen. Darf Uga an den Kaffeevollautomaten? Warum parkt Rrt seine Karre auf demselben Platz wie der Chef? Und wer bezahlt den ganzen Schmodder? Das sind die relevanten Fragen, hinter denen die Einfuhrzölle für Kakao aus Kasachstan zurücktreten müssen.

Der Beruf ersetzt in wesentlichen Teilen bereits heute die archaische Sippenstruktur. Der Treffpunkt am Wasserloch wurde elektrifiziert, kein Busch rollt mehr den Korridor entlang, aber die Aufteilung der Bude in Abteilungen, Referate, Standorte, gerne auch die intern zurechtgeschwiemelte Konkurrenz der Instanzen Ein- und Verkauf, wahlweise: Werk A und Werk B, alles bildet die Stammesgesellschaft so idealtypisch wie praktisch verwertbar ab. Wenn hier etwas wächst, dann sicher nicht an sich selbst.

Der Jäger trifft schmerzhaft auf den Sammler; der Kampfduzer stolpert jäh auf fortgeschrittene Schreibtischvermüllung, Holunderlimonadeflaschen im Gegenwert eines vergoldeten Flugzeugträgers, gut erhaltene Kalender aus der Zeit, als Nofretete noch Zähne hatte, und eine Teebeutelsammlung auf Weltniveau. Der Klassiker, die private Zufuhr von Nahrung im einsehbaren Nahbereich, wird flexibel von Elementen der psychologischen Kampfführung unterstützt, zu denen strategisches Lüften, heimlich verstellte Heizungsventile und Jalousien zählen. Kein Mitarbeiter, der in der Adventszeit durch Aufreißen eines Doppelfensters witterungsbedingte Schäden an einem Gesteck mit Kerzen verursacht, hat Anrecht auf Kranzschleifen bei der anderntags stattfindenden Gedenkfeier, so will es das Gesetz. Eher duldet der gemeine Vertriebssachbearbeiter, dass ihm der Hausmeister die Rosinen aus der Bio-Nussmischung wegkaut. In dieser Liga spielt nur das billige Parfüm, das der Juniorchef zielsicher vor dem Auftritt vor den Schreibkräften ausdieselt.

Honigtöpfe wie der Gemeinschaftskühlschrank hätten die großen Religionskonflikte des Planeten nicht besser anzetteln können, eine angebrochene Packung reicht für epische Schlachten, in denen die Hälfte der Seelen hinein in die finstere Nacht des Todes marschiert. Der schreiende Controller tut sein Bestes, um eine ganze Etage konstant auf Adrenalin zu halten. Ein einzelnes, hastig vernuscheltes Mahlzeit reicht dann, die Kernschmelze einzuleiten. Keine Weihnachtsfeier mit russischem Pinselreiniger als Longdrink kriegt diese nachhaltig verheerende Wirkung hin, Betriebsversammlungen vor der Werksschließung sind weit abgeschlagen. Man hasst, was man am besten kennt, denn erst hier wird die chronische Abneigung effektiv. Wie ganze Völkerscharen sich selbst hassen, den kollektiven Untergang durch implodierende Diktaturen ohne Zögern selbst organisieren, so manövrieren sich Unternehmen in einen aufreibenden, qualvoll sich selbst am Laufen haltenden Partisanenkampf gegen die eigene Existenz. Immerhin, jeder Depp kann dabei zu einiger Größe kommen. Das ist doch schon genug Fortschritt für die Menschheit.





Irrwisch

25 05 2017

„… sehr hart daran arbeiten werde, ein Wahlprogramm vorzustellen, das die Inhalte einer neuen sozialdemokratischen Politik für die…“

„… die Inhalte der Agenda 2010 ausnahmslos auf den Prüfstand stellen wolle. Da die Generalsekretärin angekündigt habe, dass daraus keinerlei inhaltliche Änderung der Parteiarbeit resultieren werde, habe das Präsidium mit einer unverhohlenen…“

„… vor allem die soziale Gerechtigkeit als dominantes Thema ausmache, das die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land umtreibe und in ihren existenziellen Sorgen und Nöten angreife. Schulz sehe dies bereits bei der Union in ausreichendem Maß bearbeitet und wolle daher seinen Wahlkampf auf einen ganz anderen…“

„… die letzten Landtagswahlen möglicherweise nur verloren habe, weil sich die Partei zu sehr auf bundespolitische Themen fokussiert habe. Die SPD wolle stattdessen im Bundestagswahlkampf ihre Position ganz auf die hart arbeitenden…“

„… 76 Prozent geantwortet hätten, sie könnten die Sozialdemokraten derzeit nicht mit sozialer Gerechtigkeit in Verbindung bringen. Der Kanzler der Kandidaten habe dies zum Anlass genommen, einen neuen Aufbruch zu verkünden; eine überwältigende Mehrheit der Wähler sei der Meinung, man könne der SPD auch Themen zutrauen, die nichts mit ihren klassischen…“

„… eine Mitgliederbefragung ansetzen wolle, um festzustellen, welche Themen sich nicht für die bundespolitische…“

„… stehe die Partei nicht unter Druck. Sie könne sich im Gegensatz zu anderen Parteien auf noch nicht abgearbeitete Programmpunkte aus dem späten 19. Jahrhundert beziehen und genieße daher unter den politischen Mitbewerbern eine große…“

„… sich die SPD dagegen entschieden habe, die Inhalte ihres Programms vor der Wahl bekannt zu geben, um nicht von anderen Parteien inhaltlich…“

„… wolle Schwesig die Familienförderung der Sozialdemokratie nicht aus den Augen verlieren. Schon jetzt, so die designierte Arbeitsministerin, werde ein Großteil der Familien großzügig gefördert, auch wenn der Hartz-IV-Bezug immer noch eine große Last für die steuerfinanzierte…“

„… die Reaktionsgeschwindigkeit der SPD nur wegen des Parteialters so gering sei. Man rechne frühestens um die Weihnachtszeit mit einem…“

„… immerhin Projekte wie ‚Ehe für alle‘, ‚Mietpreisbremse‘ oder ‚Rückkehr zur Vollbeschäftigung‘ im Sinne der Koalition…“

„… tatsächlich ein Programm existiere. Es sei zwar noch von keinem gelesen worden, führende Mitglieder der Sozialdemokraten seien sich jedoch sicher, dass wenigstens ein Exemplar des…“

„… mit der Wahlankündigung auch politische Kritiker integrieren wolle. Zunächst habe die SPD den Wunsch, ihre potenziellen Regierungspartner aus dem turbokapitalistischen Lager durch ein entgegenkommendes…“

„… erste Beobachter das Manuskript als Irrwisch bezeichnet hätten. Die Parteizentrale sei sich sicher, dass die Erfolge der Bundestagswahlen unter Steinmeier, Steinbrück und…“

„… die rostrote Mappe mit der Aufschrift 2017 in einer Sitzung des Koalitionsausschusses unter dem Tisch weitergereicht worden sei. Oppermann habe dieses weder dementieren noch…“

„… das Kernprogramm ganz auf den Kandidaten Schulz zugeschnitten werde. Die SPD habe sich diese Aussage verbeten, man werde nicht mit derart inhaltsleeren…“

„… wieder aus dem Willy-Brandt-Haus abgerückt seien. Das Räumkommando habe in der Zentrale nicht den erhofften sozialen Sprengstoff in Form einer…“

„… auf 35-Stunden-Woche, Mindestlohn und Frauenwahlrecht beschränken wolle. Alle anderen Errungenschaften der sozialdemokratischen Arbeit befänden sich auf dem Prüfstand und müssten sich einer klaren…“

„… ein Rentenkonzept in der Programmvorlage vorkämen. Nach Aussage des regierungsnahen Flügels seien weder ein Konzept noch die Beschäftigung mit Renten in der…“

„… man auch die Annexion Lummerlands oder die Einführung von Hammer und Sichel als neues Bundeswappen versprechen könne. Da Oppermann mit einer Koalition unter Unionsführung rechne, sei ein Wahlprogramm so überflüssig wie eine…“

„… seien Bundestagsthemen eher eine Gefahr, im politischen Tagesgeschäft abgewertet zu werden. Schulz wolle daher bis zum Herbst noch ca. zehn Milliarden Wählerinnen und Wähler kennenlernen, um sich damit proportional zum…“

„… sich der Markenkern der Sozialdemokraten vor allem in deren sozialpolitischer Reichweite zeige. So zeige die parteiinterne Hoffnung, dass die Deutschen wieder hart arbeiten müssten, um überhaupt einen…“





Demokratisierungshelfer

24 05 2017

„Also kriegt man die nicht ab Werk?“ „Haben wir denn da Herstellerhaftung?“ „Die Musels packen das doch sowieso nicht.“ „Wäre aber preiswerter.“ „Je mehr es die Steuerzahler kostet, desto mehr sind die empört!“ „Das kostet doch nichts.“ „Das ist ja das Empörende!“

„Deutschland schafft sich ab!“ „Immer mehr Flüchtlinge…“ „… den Deutschen!“ „… integrieren sich und finden…“ „Sieg Heil!“ „… Arbeit.“ „Krieg geil!“ „Das sind apokalyptische Zustände! Wenn man davon ausgeht, dass wir bis ’39 ein völkisches Interesse daran bekunden konnten, die Polacken aus dem Reich zu bomben, dann können wir diese Zustände nicht dulden!“ „Am Ende ist das noch, und die wollen alle Deutsche werden!“ „Das können die vergessen, zu viele Neger!“ „Sind denn die Polen nicht alle rot?“ „Poggenburg!“ „Ja, ich mein doch bloß.“ „Wir müssen wieder viel mehr den Brennpunkt…“ „Das ist wieder Aufforderung zu Straftaten.“ „Dann sollte man vielleicht eher die sozialverträgliche Schnellentfernung von Heimen für volksfremde Parasitärexistenzen fordern?“ „Ja, das klingt verfassungskonform.“ „Nein, jetzt hören Sie mir doch mal zu!“ „Zensur!“ „Lügenpresse! Lügenpresse!“ „Was habt Ihr denn geraucht, der gehört doch zur Partei?“ „Egal, der hat eine eigene Meinung! Lügenpresse! Lügenpresse!“

„Wenn jetzt die USA sich für eine etwa andere Konstellation einkaufen…“ „Heißt das nicht, die engagieren sich für Friedensverhandlungen?“ „Guter Witz!“ „Jedenfalls sieht das ganz einfach aus.“ „Die Flossen auf eine Nachttischlampe legen und mich fotografieren lassen, das kriege ich auch noch hin.“ „Aber wenn der einen Deal mit den Islamikern macht, ist der Islam nicht politisch tot?“ „Warum machen wir dann keinen Deal mit den Islamikern?“ „Weil wir dann politisch tot wären.“ „Sind wir doch jetzt schon.“ „Das kann man so nicht sagen.“ „Das ist doch schon wieder typisch Lügenpresse!“

„Unser Problem ist doch, dass die Menschen sich nicht mehr für die wirklichen Probleme interessieren.“ „Also für die drängend Probleme wie Bildung, Infrastruktur und…“ „Unsere Probleme.“ „Ist denn Bildung unser Problem?“ „Ja, aber nicht so.“ „Unser Problem ist, dass das nicht unser Problem ist.“ „Deshalb interessieren sich die Menschen auch nicht dafür.“ „Alles Volksverräter! Lügenpresse!“ „Und unser Problem ist dann was?“ „Dass sich die Leute nicht für unsere Probleme interessieren.“ „Dabei haben wir doch aber welche!“ „Das interessiert nur die Leute nicht.“ „Und wenn wir unsere Probleme zu den Problemen der Leute machen?“ „Ja, wir könnten sagen, dass wir mehr Geld brauchen.“ „Poggenburg!“ „Ich hab nichts gesagt.“ „Genau das ist doch das Problem.“

„Wir bräuchten zum Beispiel mehr Polizei.“ „Also bei dem, was wir vorhaben, kann ich mir eher weniger Polizei vorstellen.“ „Das ist doch jetzt schon ein Problem.“ „Es wird überall eingebrochen, und was macht die Polizei?“ „Die haben doch neulich erst so eine Bande ausgehoben.“ „Das waren aber alles Ausländer!“ „Abschieben! alle abschieben!“ „Die waren doch schon im Ausland.“ „Dann eben noch mal abschieben!“ „Lügenpresse!“ „Können wir denn jetzt behaupten, dass die Polizei nichts tut?“ „Das Problem ist doch eher, dass die Polizei mit diesen fremdländischen Tätern aufräumt und uns die Themen für den Wahlkampf stiehlt.“ „Dann bräuchten wir weniger Polizei?“ „Und wo kriegen wir die her?“ „Mann, denken Sie doch mal nach!“ „’tschuldigung.“

„Der Bedarf an Demokratisierungshelfern ist ungebrochen.“ „Was!?“ „Demokratisierungshelfer. Sie nennen die nur nicht so.“ „Wer soll das denn bitte sein?“ „Lügenpresse!“ „Das sind fremdvölkische Kostgänger, die die derzeitige kommunistische Regierung ins Land holt.“ „Also alle abschieben?“ „Nee, er will doch noch mehr von denen, oder?“ „Volksverräter! Volksverräter!“ „Wieso Demokratisierungshelfer?“ „Je mehr von denen ins Land kommen, desto mehr werden wir gewählt.“ „Wir soll das denn funktionieren?“ „Ohne die wären wir schon vor zwei Jahren nicht mehr da.“ „Und das würde der Demokratie dienen.“ „Nein, die dienen der Demokratisierung, weil wir die Partei sind, die die Demokrate bringt.“ „Das habe ich jetzt nicht verstanden.“ „Lügenpresse!“ „Jetzt hören Sie doch mal mit diesem dämlichen Gebrüll auf!“ „Volksverräter!“ „Das liegt alles an diesen Altparteien, die machen einen linkslinken Wahlkampf, und das ist unfair!“ „Die bieten Lösungen an!“ „Könnten wir mit unseren Problemen nicht mal bei denen…“ „Poggenburg!“ „War nur so eine Idee.“ „Wir könnten auch die Regierung übernehmen, dann bombardieren wir irgendwas, und dann kommen Flüchtlingen, dann haben wir wieder ein Thema für den Wahlkampf, und dann werden wir in den Bundestag…“ „Haben Sie das jetzt genau durchdacht?“ „Müsste klappen.“ „Also mir leuchtet das ein.“ „Okay, dann machen wir das so. Hauptsache, es sieht demokratisch aus.“





Recht auf Arbeit

23 05 2017

„… ein Recht auf Arbeit als Grundrecht in der Verfassung verankern wolle. Der Bundestag habe diesen Vorstoß als nicht…“

„… bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erscheine. Die SPD sehe daher keine Chance, dies auch in Deutschland zu…“

„… jedem Deutschen das Recht auf Arbeit zugestehe. Eine freie Berufswahl sei dagegen mit den verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Agenda 2010 nicht mehr zu…“

„… sich die Bundesregierung vehement gegen die Einschätzung wehre, sie habe bisher auch nur eine einzige verfassungswidrige…“

„… anders konstruiert werden müsse. Zwar gebe es ein Recht auf Arbeit, die Bürger müssten aber, wenn sie dieses Grundrecht nicht wahrnehmen wollten, sofort mit Sanktionen dazu…“

„… führe ein Recht auf Arbeit dazu, dass alle Menschen dasselbe Recht auf eine selbstbestimmte Erwerbstätigkeit bekämen. Lindner habe diese von sozialistischen Parasiten inszenierte Neiddebatte als schlimmsten Angriff auf die Menschenwürde seit der Einziehung des NSDAP-Vermögens im…“

„… zunehmend wahrgenommen werde, obwohl es nicht den eigentlichen Absichten entspreche. Der Gesetzgeber könne gegen das Recht, ohne einer Gewerkschaft anzugehören, in Deutschland…“

„… ende die Einführung eines derartigen Rechts nur damit, dass niemand mehr arbeiten wolle. Nahles fordere daher ein bedingungsloses Recht auf Leistungsbereitschaft, das nicht in der…“

„… in der DDR auch praktiziert worden sei. Dort habe man unqualifizierte Arbeitskräfte im Politbüro des…“

„… nicht die Mindestkörpergröße von Beamten im Polizeidienst berühre, die für den…“

„… die Hälfte in Finanzdienstleistungen sowie in der allgemeinen Verwaltung tätig sei. Für diese Beruf gelte höchstens das Recht auf Beschäftigung, was im Gegensatz zum…“

„… sich ein Recht auf Arbeit bereits in der staatlichen Finanzierung der Arbeitslosigkeit verwirkliche. Da es kein Recht auf Arbeit geben könne, wolle Nahles auch die Arbeitslosigkeit nicht mehr staatlich…“

„… die Bundesvereinigung Ehemaliger Deutscher Schreibmaschinenmechaniker sich entschieden für eine verfassungskonforme…“

„… staatsrechtlich nicht möglich sei. Sobald alle Bürger ein Recht auf Arbeit besäßen, hätten die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit kein derartiges Recht mehr, was sich wiederum als…“

„… man auf der anderen Seite Politiker mit einer Arbeitspflicht belegen könne. Dies sei jedoch nicht als allgemeine…“

„… die FDP nur dann einer verfassungsrechtlich bindenden Regelung zustimmen würden, wenn es ein Recht auf Erbschaft, Steuerhinterziehung und betriebswirtschaftlichen…“

„… es einen anhaltenden Fachkräftemangel im Postkutschenbau gebe, der durch das Recht auf Arbeit sofort…“

„… ad hoc im Grundgesetz verankern könne. Im Gegenzug sei ein Recht auf Lohn natürlich kein verfassungsrelevanter…“

„… zustimmen würde. Lindner halte eine Aufnahme ins Grundgesetz für sinnvoll, wenn im Gegensatz das aus der DDR-Justiz bekannte asoziale Verhalten wieder im…“

„… eine Arbeitsrechtsschutzversicherung vorschlage, die zur Hälfte von den Arbeitnehmern finanziert werden solle. Sie schütze zwar Bürger ohne Arbeit nicht vor der Willkür der JobCenter, sei jedoch ein guter Weg, mehr sozialdemokratische Politik in die…“

„… nicht direkt mit den Freidemokraten in Verbindung gebracht habe. Asoziales Verhalten sei zwar Wesenskern der Partei, beziehe sich aber weder auf den Arbeitsmarkt noch…“

„… nur Deutschen einräumen könne. Da das Grundgesetz nach Ansicht der Christsozialen ohnehin nur für Staatsbürger gelte, könne man mit einer Obergrenze das Recht bis zur letzten Patrone…“

„… dass kein Recht auf Vollbeschäftigung gelte. Man könne die geleisteten Arbeitsstunden daher proportional auf die verfügbare Bevölkerung umschlagen und von einem bereits vollumfänglich gültigen…“

„… für alle gelte. Von Storch wolle das Kinderrecht auf Arbeit vorerst allerdings nur für rassefremde Invasoren und…“

„… gebe es nun offiziell keine Arbeitslosen mehr, da die Bezeichnungen arbeitslos und erwerbslos in der Statistik als Synonyme geführt würden. Damit sei das Recht auf Arbeit nun endlich auch auf verfassungsrechtlicher Ebene…“





Zielalter

22 05 2017

„Die Rüben sind von, warten Sie mal, gestern war Donnerstag? nee, dann sind die doch schon älter. Aber Hauptsache weich. Dann brauchen die nicht so lange zu kochen, einmal durchpürieren, und schon haben wir eine wunderbare Suppe für gut drei Tage. Besser als diese Frischware, ich verstehe das auch nicht, können diese Leute denn nicht lesen? Wer soll denn die kauen?

Das ist der Unterschied zwischen den Tafeln und unserem Selbsthilfeprogramm: wir wollen die Leute nicht einfach nur satt kriegen. Wir geben ihnen etwas mit, das ihre individuelle Lebensperspektive vollkommen ersetzt. Wenn die dann irgendwann in der Altersarmut angekommen sind, dann haben sie gut und gerne fünf bis zehn Jahre Training hinter sich. Dann sitzen die Prozesse und das Leben wird relativ schön – relativ im Vergleich beispielsweise zum Tod, man kann ja alles mit allem vergleichen, wenn man will. Gucken Sie sich das ruhig mal an, wir arbeiten mit absolut realistischen Methoden, da bekommen Sie mal einen kleinen Eindruck, links bitte. So, hier.

Das ist eine Kleiderkammer, absolut realistisch nachgebaut, hatte ich Ihnen ja gesagt. Wir legen größten Wert darauf, dass Sie original abgelegte Kleidung aus bürgerlichen Haushalten bekommen, und zwar zu weit Dritteln in Beige und Grau, das da ist irgendwas dazwischen, und immer eine Größe zu groß. Da wächst man rein, oder eben auch nicht. Bedenken Sie den Vorteil, wenn Sie das Zielalter erreicht haben, haben Sie schon körperlich keine Chance mehr, in den Container zu kriechen. Da nehmen Sie, was Sie kriegen können. Außerdem kriegen Sie unter die Jacke zwei Pullover. Wir haben hier ja ganz gemütlich geheizt, die Halle wird nachts etwas klamm und ich kann meinem Personal die Kälte nicht zumuten, aber wenn Sie dann die Heizkosten nicht mehr werden bezahlen können, dann sind Sie glücklich über zwei Pullover. Und einen Schal. Und die Jacke. Und die Mütze. Man kann ja nicht immer nur draußen herumlaufen.

Natürlich muss man da anstehen. Guter Mann, wir sind hier in einem der reichsten Länder der Welt, wir können uns den Verwaltungsaufwand doch locker leisten. Ja, die Dame steht jetzt hier seit einer halben Stunde, die Jacke, die sie beantragt hat, die hängt auch schon abholbereit, die Mitarbeiterin wird jeden Augenblick da sein, um ihr zu sagen, dass die Papiere tatsächlich vollständig sind, und dann haben wir auch schon Dienstschluss, und dann darf die Dame gerne, warten Sie mal, gestern war Mittwoch? nee, dann erst übermorgen. Wir müssen den ganzen Administrationskram auch irgendwann erledigen, das macht sich nicht von alleine, und die paar Tage wird sie ja wohl auf ihre Jacke warten können. Es sei denn, sie erkältet sich. Dann kriegt die Jacke eben jemand anders.

Früher konnten die Rentner ihr Gemüse noch im Schrebergarten ziehen, und statt Fernsehen gab’s dann eben Kirchenchor. Aber die Gebühren, wenn man sich das mal anschaut, der soziale Kahlschlag, wo gibt es denn heute noch Kirchenchöre, das ist schon eine komische Sache – eigentlich gut, denn wo kriegen wir sonst unsere Geschäftsmodelle her? Man ist ja als Dienstleister immer nur so gut wie die Gesellschaft, die einen Bedarf entdeckt. Ganz einfaches betriebswirtschaftliches Denken. Wenn unten keine schwarze Zahl rauskommt, hat man etwas falsch gemacht. Aber wir wollen nicht immer nur von den Sozialversicherungen reden, hier geht’s ja noch weiter hinter der Tür. Vorsicht, Stufe!

So, und da hätten wir dann unsere neue Flaschensammelanlage. Sieht natürlich erstmal aus wie normale Mülleimer, die werden auch täglich mit Frischmüll beschickt, damit die Teilnehmer ein möglichst authentisches Geruchserlebnis haben, der haptische Reiz erfordert ja doch etwas Gewöhnung, und dann können unsere Teilnehmer hier die notwendigen Übungen machen. Das heißt, zunächst unterscheidet man die pfandpflichtigen von den nicht pfandpflichtigen Behältnissen, und wenn man dann die pfandpflichtigen rausgesucht hat, kann man sich eindecken. Dann muss man natürlich noch eine gewisse kombinatorische Schulung und die anschließenden Übungen durchlaufen – so eine Rucksackaufgabe, verstehen Sie? Manche Flaschen sind ja mehr wert, manche sind auch nicht in allen Automaten abzugeben, da braucht es eine genaue Planung, wie man seine Transportkapazitäten nutzt. Sie sehen, wir vermitteln hier durchaus höhere Bildung im Auftrage der sozialen Idee.

Also unser Konzept ist ja als Lizenzgeschäft zu verstehen, Sie dürfen gegen Schutzgebühr ein eigenes Lebenshilfe-Lager betreiben. Funktioniert so ähnlich wie Bewerbungstraining oder Ein-Euro-Jobs, die Verwaltung beschickt sie regelmäßig mit der vereinbarten Teilnehmermenge, Sie kriegen die Kohle garantiert, und was Sie hier machen, gilt von vornherein als zertifiziert. Stempel drauf, danach fragt Sie niemand mehr, was Sie hier machen. Dreißig bis vierzig Leutchen schleusen Sie hier immer so durch, für den Nachschub legen Sie eine Warteliste an, dann sieht das für die Verwaltung automatisch nach erhöhter Nachfrage aus – so ist unter anderem der Fachkräftemangel entstanden, wenn Sie wissen, was ich meine – und ab da läuft das Business eigentlich auch schon von alleine. Ab und zu mal die Gebühren erhöhen, fertig. Das kriegt man auch ohne staatliche Hilfe hin, oder?“