Feindberührung

8 05 2017

„Warum kann der Mann nicht Mario heißen!“ „Und das bringt uns was?“ „Gucken Sie sich doch mal diese ganze Kampagne an.“ „Ja, mache ich gerade. Und?“ „Super Martin, das klingt so… so…“ „Sozialdemokratisch?“

„Das können Sie doch komplett in die Tonne treten!“ „Also das hier finde ich schon ganz nett. Kaffeeklatsch mit Hilde und Erika, Eierlikör, auf Wunsch Canasta, das kann man im…“ „Das ist noch von Steinbrück.“ „Aber das hat Schulz locker drauf, bis auf den Eierlikör.“ „Der wird den Damen irgendwas von hart arbeitenden Menschen erzählen, dann ist Sense.“ „Und das hier von den Studenten, das kann man noch mal machen.“ „Das kann man nicht noch mal machen, das haben wir nämlich gar nicht gemacht damals.“ „Wegen Steinbrück?“ „Weil wir die SPD sind.“ „Und das hat nichts mit sozialer Gerechtigkeit zu tun?“ „Sagt Ihnen der Begriff ‚Studiengebühren‘ etwas?“

„Wir bräuchten eher die kleinen Dinge, in denen er sich lebensnah zeigt. Charismatisch, aber eben zum Anfassen.“ „Da ist eine Einladung von einem Frisiersalon aus Würselen.“ „Toll, da machen wir am besten so eine Art Rückkehr in die alte Heimat, er lässt sich einen Trockenschnitt verpassen und bekommt den genauso, wie er es haben will.“ „Der Kanzlerkandidat als Teufelskerl?“ „Voll der Held, der richtige Draufgänger!“ „Können Sie vergessen, die fragen doch bestimmt, ob die Sozialdemokraten überhaupt wissen, was Arbeiten zum Mindestlohn bedeutet.“ „Da könnte man doch ein Statement zur Lohnpolitik und zum…“ „Sind Sie noch ganz bei Trost!? der Mann bringt es fertig und sagt denen, wenn sie zweihundert Jahre lang für den Scheiß auf Arbeit sind, kriegen sie eine Rente auf dem Niveau der Grundsicherung.“ „Aber sie haben Arbeit. Das darf doch nicht einfach so unter den Tisch fallen.“

„Vielleicht könnte er das hier auch erzählen.“ „Zeigen Sie mal. Erwerbsloseninitiative? der ist ja richtig mutig!“ „Das war ein Scherz. Den Termin streichen wir ohne Rückfrage.“ „Aber wenn er hier eventuell eine politische Vision entwickelt? es steht doch im Raum, dass das Arbeitslosengeld etwas länger gezahlt wird.“ „Wenn es überhaupt gezahlt wird.“ „Und die grundsätzliche Bereitschaft, den Menschen bei der Weiterbildung…“ „Das ist jetzt schon möglich, die JobCenter behalten die Kohle nur lieber selbst.“ „Sie können doch Schulz nicht für die Ungerechtigkeit der Hartz-Gesetze zur Verantwortung ziehen.“ „Nicht? und was soll er denen dann empfehlen? Hart zu arbeiten, damit sie irgendwann wieder hart arbeiten können?“

„Gibt es irgendwo eine Flutvorhersage?“ „Was haben Sie denn für Ideen?“ „Vielleicht kann man den Mann irgendwo in den Oderbruch schicken, das hat Schröder damals auch die Wahl gerettet.“ „Der wird sich irgendwo auf dem Deich aufbauen und von den hart anpackenden Hilfskräften schwafeln, die die EU wieder vom Kopf auf die Füße stellen müssen.“ „Das ist doch schon mal etwas.“ „Und dann wird er erzählen, dass wir Steuergeld bei der Arbeit sehen.“ „Wenn man das mit dem vergleicht, was er bisher mit Steuergeldern gemacht hat, kann man das doch als großen Fortschritt betrachten.“

„Diesen Termin mit den alleinerziehenden Müttern…“ „Das macht sowieso besser die CDU. Auch im Wahlkampf.“

„Sollen wir mit dem jetzt Baumärkte eröffnen?“ „Das wäre mal ein tolles Signal für Bürgernähe. Martin Schulz erzählt aus seiner Zeit als kleiner Buchhändler, wie er in seiner Freizeit hart arbeitend im…“ „Lassen Sie es einfach.“ „Aber denken Sie doch mal nach, die Bürgernähe!“ „Die ist bei der SPD eine abwaschbare Außenhaut, vermutlich wird das Zeug bald in der Sprühdose verschickt. Nur in Situationen mit Feindberührung zu verwenden, kein Einsatz bei Arbeitgeberverbänden, verdünnt bei Gewerkschaften, ansonsten bleibt das im Schrank.“ „Haben wir vorher noch einen Kirchentag?“ „Damit er den grünen Trullas die Schleppe tragen kann?“ „Es wird doch irgendwo noch eine Industriemesse stattfinden.“ „Arbeitnehmerseitig fehlt ihm da die Fachkompetenz, arbeitgeberseitig das Parteibuch.“ „Und industriemäßig?“ „Hören Sie, der Mann ist in der SPD!“ „Pardon, man wird doch wohl mal eine Kleinigkeit übersehen dürfen?“

„Das könnte was sein.“ „Einen Tag als Redakteur bei BILD, naja.“ „Vielleicht könnte er sich da mal auf Inhalte konzentrieren.“ „Inhalte, naja.“ „Dann muss man ihm auch nicht immer Populismus vorwerfen, verstehen Sie?“ „Bei der BILD, naja.“ „Wenn er da jetzt noch den Leitartikel über mehr Qualifizierung für Arbeitnehmer…“ „Sie meinen die Abschussprämie für alternde Arbeitslose?“ „Was reden Sie denn da, der kann doch…“ „Machen Sie lieber irgendwas in der Fischräucherei, da pappt man ihm eine Plastikhaube über die Rübe und lässt ihn von Fangquoten schwafeln, keine Sau hört zu, aber anderthalb Lokalreportern schläft das Gesicht ein, also entsteht höchstens Sachschaden.“ „Aber…“ „Oder Kinder. Irgendwas mit Kindern. Meinetwegen eröffnen wir einen Spielplatz mit Rutsche auf dem Mittelstreifen der A1 an der Anschlussstelle Wermelskirchen.“ „Mit Feindberührung?“ „Solange Sie den Eierlikör aus dem Spiel lassen.“ „Mir egal.“ „Dann geben Sie durch: Lieber Genosse Schulz, nächster Wahlkampftermin steht. Solidarische Grüße: die Kampa. Noch was?“ „Gummistiefel. Schröder wäre nie ohne Gummistiefel aus dem Haus gegangen.“

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