Truppenbild mit Dame

15 05 2017

„Meine Güte, was erwarten denn Sie jetzt? dass wir Helene Fischer singen? Beim Nachtmarsch? Jetzt kommen Sie mal runter, das wird ja echt langsam paranoid hier! Nur weil sich da ein paar Rentner in der Tür geirrt haben, schaffen wir gleich das ganze Truppenliederbuch ab? Geht’s noch!?

Gut, wir wollen jetzt nicht unkooperativ sein, Sie machen auch nur Ihren Job, und wenn Sie die Verteidigungsministerin schickt, bleibt uns nichts anderes übrig, als Ihnen – da können Sie nicht rein, da ist abgeschlossen, also eigentlich müsste da jetzt abgeschlossen sein, das ist nur, gut, dann gehen Sie halt rein. Ist ja offen.

Die Flecken waren da immer schon, wir fanden das damals ganz dekorativ, schließlich kann man in einem Dienstgebäude der Bundeswehr nicht immer die Waffen, wenigstens nicht alle, und nicht jede Nacht, und die Schränke wären dann auch im Obergeschoss gewesen, und da haben wir sie dann an die Wand gehängt. Das ist natürlich gedeckt vom Traditionserlass, gucken Sie sich die Tapete mal genau an, die ist seit 1970 oder noch früher, gut, dann tapezieren wir das eben über. Das kann ja so schwer nicht sein. Jedenfalls haben wir hier alle Hakenkreuze zum Zielschießen schon mal durch – ach, nichts. Da waren ein paar Antifaschisten am Werk. Haben wir natürlich gleich entlassen, weil linke Extremisten, das geht ja gar nicht.

Es ist aber in den letzten Jahren schon sehr viel pazifistischer geworden. Wenn Sie zum Beispiel die aktuellen Uniformen, und dann das Mobiliar, die Beleuchtungskörper, wir heizen ja auch ökologisch verantwortlich mit nachhaltigen Rohstoffen, und wenn Sie mal hier die neuen Bodenbeläge – ja, das ist ein Waffenschrank. Aufmachen? Ach, was soll da schon groß drin sein. Wahrscheinlich Socken, oder vielleicht hat ein Rekrut auch Katzenbilder, die sind bei uns ja immer total beliebt, kennen Sie das, wo so ein Kätzchen mit einem Teddybären im… Kennen Sie also. Ja, die kann man aufmachen, aber man kann die auch zulassen, diese Schränke, die schließen bombenfest, wenn jetzt der Russe kommt, dann sind die absolut… –

Das ist nicht von der Wehrmacht, wir warten nur auf den Austausch gegen moderne Gewehre! Diese Sturmgewehre, die sind doch praktisch wertlos, wenn man einen Schuss bei Raumtemperatur oder vielleicht zwei abgeben will oder eventuell auch muss – keine verdächtigen und gefährlichen Gegenstände, das denken Sie nur, zumindest sind die nicht gefährlich für den Feind, und verdächtig schon gleich gar nicht. Die kennt man in Polen schon etwas länger.

Das ist nur unser Stockwerksignal, wenn es in der Messe Kekse gibt. Wir fanden das mit dem Panzerlied irgendwie passend, und da haben wir die Melodie eben – ja, das kann man jederzeit ersetzen. Das wird den Weltfrieden garantiert fördern, wenn wir hier historisch orientiert kultursensibel für die Inhalte unserer Kommunikationsinstrumente die – ich stelle das mal eben ab, Sie haben Recht, das hört sich scheiße an. Und dieser Ausschnitt aus der Sportpalastrede passt auch nicht so wirklich zum Weckdienst, das fällt mir jetzt auch erst auf.

Internet? Haben wir hier gar nicht. Schauen Sie, da wird man nur auf die schiefe Bahn gebracht, die vielen Bombenbauanleitungen von Anarchisten und anderen linken Spinnern, Abschusslisten, man kann froh sein, dass es noch einen Maifeiertag ohne Tote gibt, und offene Boykotthetze gegen den Staat und seine Organe. Das finde ich regelrecht skandalös. Ihnen ist hoffentlich klar, dass wir uns hier in einer wichtigen Schutzposition – Schutz, nicht Schuss, Sie müssen auch mal genau hinhören – für die Sicherheit des Staates nämlich, die hier in ganz besonderem, ich möchte sogar sagen: das ist auf gut Deutsch wirklich kriegsentscheidend, was wir hier machen.

Unsere Ahnengalerie. Rommel, Keitel, Jodl, Niebel, aber wir haben ja unter jedes Bild schon geschrieben, das sind böse Nazis, mit denen wollen wir nichts mehr zu tun haben. Nach Niebel zum Beispiel werden wir garantiert keine Kaserne benennen.

Das geht dann natürlich noch mal extra. Wenn hier Waffen gefunden werden, das lässt sich nie so ganz vermeiden, aber bei Munition, da verstehen wir keinen Spaß. Das wird den Tätern, und wir betrachten Angehörige der Bundeswehr immer als solchige, immer vorausgesetzt, es sind auch welche, dann wird das denen in voller Höhe vom Sold abgezogen. Da habe ich Rückendeckung von der Bundesverteidigungsministerin, die ihrerseits noch kein vollstes Vertrauen genießt, also zivil nicht als hirntot gilt, und da sind wir auch ganz hart. Da wird nicht zurückgewichen. Wir haben schon alle Schiffe vorläufig aus dem Verkehr gezogen, damit hier keiner meutert. Die Helikopter, das war eher so ein technisches Ding, da hatten wir auch keine mehr von der Wehrmacht im Hangar, aber wir haben alles gegeben. Sie werden hier keine Burka mehr finden, keinen bedauerlichen Einzelfall, wir haben nicht mal mehr Haselnussschokolade am Kiosk – was wollen Sie denn noch? Politische Säuberungen? Wir dienen Deutschland, aber von Demokratie war hier nie die Rede!“

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