Mit beschränkter Haftung

8 06 2017

„Man könnte zum Beispiel Sponsoren anwerben.“ „Mathe mit Gummibärchen?“ „Wie kommen Sie auf Gummibärchen?“ „Die Frage sollte eher sein, wie kommt er auf Mathe?“ „Irgendwo muss man schließlich anfangen.“ „Aber doch nicht unbedingt bei Mathematik!“ „Sind Ihnen private Schulklos denn lieber?“

„Wir könnten es doch im ersten Schritt mit einer Teilprivatisierung versuchen.“ „Erstmal nur den Matheunterricht?“ „Erstmal nur die Schulklos.“ „Warum nicht den Mathematikunterricht?“ „Denken Sie doch mal nach, Kollege!“ „Weil man für die Toiletten viel einfacher Geld bekommt.“ „Und wenn man einfach den Mathematikunterricht kostenpflichtig machen würde?“ „Gute Idee.“ „Hm. Kann man.“ „Kann man?“ „Das ist gar nicht so schlecht, man könnte beispielsweise bestimmte Fächer kostenlos unterrichten und für andere Geld verlangen.“ „Sehr gut, dann bräuchten wir nur eine Schule und würden dann die einzelnen schulischen Ausbildungslaufbahnen durch finanziell gesteuerte Ausschlusskriterien definieren.“ „Und was haben wir jetzt?“ „Ach so.“ „Na, dann…“

„Diese öffentlich-privaten Partnerschaften, die stehen doch seit jeher in der öffentlichen Kritik.“ „Aber eben nicht in der privaten.“ „Stimmt auch wieder.“ „Es geht ja hier auch eher um funktionale Privatisierungen.“ „Ach so.“ „Na, dann…“ „Da sind wir ja noch mal davongekommen, oder?“ „Und was versteht man darunter?“ „Das weiß ich auch nicht.“ „Ach so.“ „Na, dann…“

„Nein, jetzt erklären Sie mal.“ „Also das ist wie eine Trennung.“ „Von öffentlichen und privaten Schulen?“ „Nein, wenn Sie sich scheiden lassen.“ „Dann kann ich doch trotzdem entscheiden, dass meine Kinder in eine private Schule gehen.“ „Ja, aber wer zahlt dafür?“ „Für die Schule?“ „Für die auch, aber eher für die Kinder.“ „Die sind doch eh privat.“ „Nicht alle.“ „Aber…“ „Nein, noch mal von vorne: Sie trennen sich, und dann sind Ihre Kinder…“ „Wo ist denn da jetzt das Funktionale?“ „… bei Ihrer Frau.“ „Ach so.“ „Na, dann…“ „Und Sie zahlen dafür.“ „Wofür?“ „Dass sie Ihre Kinder alle zwei Wochen einmal sehen.“ „Und für wen ist das jetzt ein Vorteil?“ „Für Sie natürlich. Sie dürfen sich immerhin an der Finanzierung Ihrer Kinder beteiligen. Das zeigt, dass Sie ein guter Vater sind.“

„Man kann das doch als Gesellschaft mit beschränkter Haftung aufziehen.“ „Genau!“ „Schließlich kann man von einem privaten Träger, der eigentlich nur für die Gewinne zuständig ist, nicht auch noch erwarten, dass er sich mit der Haftung abgibt.“ „Das sind ja auch staatliche Kompetenzen, gerade in Hinblick auf Schulen.“ „Außerdem, die Preisstabilität.“ „Die was, bitte!?“ „Preisstabilität. Sie können doch nicht erwarten, dass die Eltern jährlich mehr bezahlen für die Schulbildung ihrer Kinder.“ „Das wäre ja fast wie bei Steuerzahlern!“ „Geht gar nicht.“ „Eben!“ „Es könnte doch auch positive Effekte haben, wie wir das bei den Autobahnen erwarten.“ „Sehr richtig!“ „Die Preise für die Nutzung steigen kontinuierlich an, die Bürger können sich das Autofahren nicht mehr leisten, die Umweltbelastung sinkt, kein Feinstaub, weniger Unfalltote, alles paletti.“ „So macht man vernünftige Verkehrspolitik!“ „Wie sieht es aus bei verschmutzungsbedingten Krankheiten?“ „In Bezug auf die Schulen?“ „Für Dienstleistungen ist das gar nicht schlecht.“ „Sie meinen, wenn man das Gesundheitswesen eh privatisiert…“ „… dann kann man’s auch gleich in die Schulen integrieren.“ „Je nach Zuzahlung halt.“ „Logisch, das würde ja die natürliche Auslese unterstreichen, die bisher im Bildungssystem immer zu kurz kam.“

„Und wie sollte man das jetzt verfassungsmäßig machen?“ „Verstehe ich nicht.“ „Ist denn überhaupt wichtig?“ „Bleiben Sie doch mal auf dem Teppich.“ „Wir haben ja noch nicht die Justiz privatisiert.“ „Würde ich sowieso erst nach der Privatisierung der Gefängnisse in Angriff nehmen.“ „Wegen der Schulklos?“ „Er meint sicher Mathematik.“ „Ach so.“ „Na, dann…“

„Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft.“ „Wir könnten uns beispielweise einen Schulzweig leisten, der Evolution und Klimawandel beibringt.“ „Und einen, der darauf verzichtet.“ „Sehr gut, das stärkt die Meinungsvielfalt in der demokratischen Gesellschaft.“ „Wobei wir natürlich gewisse Minimalanforderungen haben sollten.“ „Wie sollten die denn sein?“ „Naja, minimal eben.“ „Das sollten wir wohl hinkriegen.“ „Andererseits haben wir in den Vereinigten Staaten schon 125 Millionen Analphabeten.“ „Das wird in Deutschland nicht passieren.“ „Woher wollen Sie das wissen?“ „Wir sind nur 82 Millionen.“ „Auf der anderen Seite, sind Sie sich ganz sicher, dass wir nicht irgendwann auch so einen Präsidenten bekommen?“ „Das werden wir nicht mehr erleben.“ „Stimmt auch wieder.“

„Aber ich muss Ihre Euphorie doch ein bisschen dämpfen.“ „Was soll da schon passieren?“ „Wir machen das halt zu einem Anlageprodukt.“ „Mit Derivaten.“ „Und Leerverkäufen.“ „Ungedeckt?“ „Logisch.“ „Super!“ „Die ganze Sache ist komplett durchgeplant…“ „Das wollten wir auch so gehofft haben.“ „Ist doch wohl das Minimalziel.“ „… von Alexander Dobrindt.“ „Bitte!?“ „Na, dann…“

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