Zahltag

12 06 2017

„So, und dann kopieren Sie mal die Seiten drei bis fünf, eigentlich reicht Seite drei, also die obere Hälfte, da steht alles drin. Richtig, das ist unser Rentenkonzept, wobei: Konzept ist das eigentlich keins. Die Nahles hat ja mitgearbeitet.

Ach was. Die muss sich um ihre Rente keine Sorgen machen, die hat ja nie gearbeitet. Das ist ja einer der signifikanten Unterschiede zur restlichen sozialdemokratischen Politik, aber das werden Sie noch merken. Die Seite acht können Sie auch mit aufnehmen, da stehen dann die Prozentsätze drin. Nein, keine Zinsen. Die Prozentsätze. Bei Zinsen kommt ja noch etwas dazu.

Die Betriebsrente heißt ja Betriebsrente, weil wir uns dort um den Betrieb kümmern. Sonst wäre es ja die staatliche Rente, um die kümmert sich der Staat nicht. Wir brauchen nämlich eine neue Solidargemeinschaft, und wo soll die mit einer sozialdemokratischen, sozialistisch orientierten Politik anders entstehen als im Betrieb? Hier ist die Keimzelle der Zukunft, wenn Sie mal nicht mehr arbeiten sollten, aus welchen Gründen auch immer, und hier setzen wir an, wenn wir als Partei der Wirtschaftsfreundlichkeit eine Partnerschaft mit den Arbeitern anregen. Oder nein, nehmen Sie das mal wieder raus, mit den Angestellten. Leitende Angestellte, wenn Sie es genau wissen wollen, um die kleinen Leute kümmert sich ja die CDU.

Die Prozentsätze sollten Sie schon kennen. Das sind die, die wir Ihnen von der Rente wieder, wie soll ich sagen, es ist ja eine staatlich organisierte Betriebsrente, die muss über einen Ausgleich, weil Sie dann nämlich nicht mehr so viel verdienen – das steht alles im Konzept, haben Sie das etwa nicht gelesen? Jetzt enttäuschen Sie mich aber, am Ende halten Sie sich noch für die Nahles. Nein, Sie müssen das Konzept verstehen. Wir nehmen Ihnen einen Teil der Einkünfte, wir sind ja schließlich der Staat, der darf das, im Gegensatz zur Wirtschaft, die dürfen das auch, und dann zahlen Sie das ein in einen Topf, der wie die anderen Steuereinnahmen erstmal behandelt wird wie die Gelder, die man zum Beispiel für die Beamtenpensionen oder das, was auch nicht im Konzept steht. Wenn wir das nur verzinsen würden, das verstehen Sie schon selbst, das bringt ja zur Zeit nichts, und die Zinsen werden in Zukunft bestimmt nicht besser, deshalb nehmen wir uns davon gewisse Prozente. Als Staat. Die wir Ihnen aber später so ähnlich wieder auszahlen, das heißt: nicht ganz. Also weniger. Also gar nicht.

Jetzt regen Sie sich nicht auf, dass das der Staat macht, das ist doch nichts Neues für Sie. Regen Sie sich lieber mal darüber auf, dass das die Wirtschaft zulässt! Die lassen das zu, und dann sagen die auch noch, wir, die Politik, wir hätten die gezwungen zu diesem Wahnsinn! Da zieht man Ihnen erst das sauer verdiente Geld aus der Tasche, da macht die Wirtschaft natürlich fleißig mit, dann verschwindet das in dunklen Kanälen – interessiert sich die Wirtschaft etwa dafür? hat man schon mal gelesen, dass sich die Wirtschaft bei der Nahles beschwert, weil die einen bis ins letzte Detail ausgearbeiteten, perfiden Plan zur staatlichen Gewinnmaximierung vorgestellt hätte? Denken Sie mal darüber nach! – und dann kriegen Sie ganz viel davon zurück, also eher weniger, also fast, also fast gar nichts, also Sie zahlen nur ein, aber der Wirtschaft ist das egal. Die interessiert sich nicht für die Taschenspielertricks der Rentenberechnung, das können Sie mir glauben, und was ist mit Ihnen?

Nicht undankbar sein. Sie kriegen ein bisschen zurück, auch wenn das weniger ist als das, was Sie in die Betriebsrente einzahlen. Anders gefragt: wenn wir, der Staat, Ihnen einfach so etwas abziehen würden, sagen wir mal: das Rentenniveau einfach so senken, nur mal theoretisch gedacht, und Sie würden trotzdem nichts zurückkriegen, wäre Ihnen das lieber?

Im Prinzip ist es mir egal, wie Sie’s darstellen, wir haben im Anhang auch schöne rote Kurven. Die hier ist sogar mit Blau im Hintergrund, sehr hübsch. Müssen Sie mal sehen, was Sie verwenden. Stellen Sie das gerne als zukunftsorientiertes Modell für die Sicherheit der Bürger dar. Darum geht es uns ja letztlich: Sicherheit. Gut, nicht für Sie, aber die Nahles kann ja auch nicht an jeden denken. Sie müssen im Grunde nur unser gesamtgesellschaftlich orientiertes Vorbild auf die Rente übertragen, und das kennen Sie von Arbeit und Autobahnen: wenn die SPD ein Problem hat, privatisiert sie es.

Weil wir eben lieber mit der Privatwirtschaft arbeiten, verstehen Sie? diese staatlichen Konzerne, dass man die immer fordert, das kann man mal im Wahlkampf machen, aber in der Realpolitik ist das doch nicht vernünftig. Man kann doch nicht immer nur Geld umschichten, ohne dass daran einer noch etwas verdient – sonst haben Sie die Opposition am Hals, die redet dann wieder von Umverteilung, und da hört ja der Spaß auf. Also für uns. Für Sie schon da, wo Sie einen Arbeitgeber suchen, der überhaupt eine Betriebsrente zahlt. Und da sind wieder Sie gefragt, Solidargemeinschaft und so. Wenn einer Sie ausschließlich mit staatlicher Rente abspeisen will, was ja sein gutes Recht ist, dann arbeiten Sie einfach nicht für den. Vorausgesetzt, Sie können sich das leisten.

So, und jetzt heften Sie das hier oben einmal zusammen, noch ein Tipp aus der Praxis: die Kohle unter der Matratze bunkern bringt nichts, wir haben extra Einbrecherbanden ins Land geholt. Das ist Ihre Tour für heute. Sie machen das schon, und wenn’s mal beschissen läuft, denken Sie immer daran, wie viele Riesterrenten Sie den Vollidioten beim letzten Mal angedreht haben. Toi-toi-toi!“

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