Nachtgesang

2 07 2017

für Heinrich Heine

Es träumte mir neulich zu nächtlicher Stunde,
dass Deutschland die Dummen verlachte.
Ich wähnte mich seltsam mit ihnen im Bunde,
da ich nicht sofort auch erwachte.
Sie kreischten so lauthals von größter Gefahr,
da raufte sich mancher trotz Kahlschlag sein Haar –
man hielt sich für wacker und herzensrein brav.
Ach…
  ach und wehe…
    schlafe nun, schlaf…

Man hörte die Klugen beim Rümpfen der Nasen,
die Dummen beim Greinen und Weinen,
und während die Klugen dozierten und lasen,
will Dumm sich mit Dümmer vereinen.
Sie hielten sich mit einem Male für stark,
sie stießen beständig und traten den Quark,
der wurde wohl breiter, wie’s immer sich traf.
Ach…
  ach und wehe…
    schlafe nun, schlaf…

Schon zischten die Klügsten, da sank es zur Linken –
sie waren entbrannt und zerstritten.
Man trat aufeinander, ich sah manche hinken,
das Weltkind sitzt staunend inmitten.
Die Lumpen jedoch, deren Boshaftigkeit
hielt aus und ward kräftiger zu aller Zeit.
Dies, Deutschland, geschieht Dir wohl recht, dummes Schaf.
Ach…
  ach und wehe…
    …

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