Aliens

12 07 2017

„Diese Dinger kann man doch verbieten?“ „Wie soll das denn gehen?“ „Wenn der Minister gegen die vorgehen will, werden wir das auch genau so umsetzen. Wir sind ein SPD-geführtes Ministerium, wir wissen, was wir tun. Algorithmen sind unser Feind.“

„Sie wissen auch genau, was Sie da tun?“ „Bis jetzt hat uns noch keiner gesagt, dass das nicht mit der Verfassung zu vereinbaren ist, deshalb haben wir uns mit den Fragen inhaltlich noch nicht befasst.“ „Und wenn Ihnen einer gesagt hätte, dass das verfassungswidrig ist?“ „Dann hätten wir es erst recht nicht getan. Wir hätten dem Minister beibringen müssen, was eine Verfassung ist.“ „Hätte Sie das überfordert?“ „Nein, aber ihn.“

„Also weiß er nicht, was Algorithmen sind?“ „Irgendwas Digitales, nehme ich an.“ „Nehmen Sie an?“ „Wir nehmen an, dass er das annimmt.“ „Er nimmt das also an?“ „Er nimmt bis auf Vernunft alles an.“ „Und wenn jetzt jemand ein Gesetz…“ „Das muss dann aber digital sein.“ „Weil er weiß, was Gesetze sind?“ „Er nimmt an, nein: wir nehmen an, dass er annimmt, dass er weiß, was digital ist.“ „Daher hält er Algorithmen für digital?“ „Oder für eine Art Gesetze.“ „Und wir sollen dann annehmen, dass wir damit zurechtkommen?“ „Das nehme ich an.“

„Hat dem Minister überhaupt schon mal jemand erklärt, was Algorithmen sind?“ „Nehme ich an.“ „Das ist doch…“ „Ich nehme aber auch an, dass er es nicht kapiert hat.“ „Weil er mit seiner digitalen Antidiskriminierung nicht kapiert hat, was digital ist?“ „Er hat nicht kapiert, was Diskriminierung ist. Deshalb muss er nun digital dagegen sein.“ „Diese Antidiskriminierung funktioniert doch bisher auch nicht.“ „Deshalb braucht er ein Gesetz, das in diesem Interwebnetz auch cybermäßig nicht klappt, dann kann er Online-Surfen auf der Datenautobahn auch… nee, ich komm noch mal rein.“

„Egal, bisher kann jeder Finanzdienstleister mit einem Algorithmus ausrechnen, wem er einen Kredit gibt und wem nicht.“ „Das ist ja auch ganz im Sinne der Wirtschaft, sagt die SPD – geht es der Finanzwirtschaft gut, dann geht es den Konzernen gut, und wenn die nicht zu viele Leute entlassen, dann können wir den Superreichen neue Geschenke machen, und dann geht es der SPD gut, und wenn bis dahin kein Krieg ausbricht, ist alles gut.“ „Ja, aber: Algorithmen sind nicht illegal.“ „Aber dieses Interonline, das ist nicht in den Griff zu kriegen. Wir haben es mit den Zugangssperren probiert, aber die Steuern, die Facebook hinterzieht – verstehen Sie mich nicht falsch, aber wenn der Minister morgens aufwacht und tot ist, dann waren es nicht die Aliens. Das waren die Algorithmen.“ „Wir müssen wirklich Angst haben vor denen.“ „Wem sagen Sie das!“

„Wenn Sie so viel Angst vor den…“ „Ach was, das sind nur ein paar Zahlen, davor hat man doch keine Angst.“ „Ich meine, Sie müssen doch Angst haben vor den Anwendern. Die Bürger, die die Sachen ins Netz reinschreiben.“ „Das haben Sie nicht richtig verstanden. Wir wollen doch die Bürger gerade schützen vor denen, die… also ich meine…“ „Sie wollen sich schützen, dass Bürger ins Netz reinschreiben, was an den Algorithmen vorbeiläuft?“ „Nein, aber wir müssen das besser koordinieren.“ „Was?“ „Dass die Algorithmen auch das ausfiltern, was wir nicht haben wollen.“ „Also geht es um Zensur?“ „Das ist Ihre Meinung!“ „Die habe ich, weil wir noch keine Zensur haben.“ „Aber Zensur wäre, wenn wir Algorithmen verbieten würden, etwas zu zeigen, was wir als Minister, nein: der Minister als Regierung, die Teil einer Bundesregierung, die der Wirtschaft…“ „Hä?“ „… die Teil der Bundesregierung…“ „Was genau wollen Sie mir gerade sagen?“ „Jedenfalls würden wir als Regierung nicht etwas zeigen wollen, was wir als Regierung… nee, auch nicht…“ „Sie verlangen als Ministerium, dass die Algorithmen das nicht zeigen, was Ihrer Ansicht nicht gezeigt werden sollte.“ „Ich will dem nicht widersprechen, würde aus juristischen Gründen auch nicht sofort zustimmen.“ „Schon klar.“ „Man weiß nicht genau, ob diese Aussagen nicht schon durch die digitale Antidiskriminierung verboten sind.“ „Dann darf man online nicht dasselbe behaupten wie im Internet?“ „Ich weiß nicht, aber wenn Sie offline irgendwas sagen, beispielsweise in Hamburg, ich weiß nicht, ob das momentan überhaupt noch so sinnvoll ist.“ „Dann müsste man also den Algorithmen beibringen, dass sie bestimmte diskriminierende Aussagen nicht treffen.“ „Geht das denn?“ „Die sind im Gegensatz zum Minister vermutlich lernfähig.“ „Das ist gut, aber da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Wenn Sie sich nicht abweichend verhalten, sollten Sie keine Nachteile fürchten.“ „Müsste sich dann nicht der Minister auch Sorgen machen?“ „Weil er sich abweichend verhält?“ „Auch das. Ich meine aber eher, weil er so gar nicht lernfähig ist.“ „Das heißt, er wäre eine Art Sicherheitslücke?“ „Er ist ja für die Algorithmen nicht berechenbar.“ „Das ist in der Tat schwierig. Wir müssten als SPD-geführtes Ministerium den Minister auswechseln, weil wir immer alles das verbieten, was wir nicht verstehen.“ „Und das würden Sie mit welcher Lücke begründen?“ „Innere Sicherheit. Der Mann ist dümmer, als die Polizei erlaubt.“

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