Eintopfsonntag

5 10 2017

„Weswegen ich mein Parteibuch zurückgebe? weil die Genossen seit zehn Jahren wissen, dass sie an der Scheiße schuld sind und sich genau diese Scheiße auch noch bunt reden. Da mache ich nicht mehr mit. Punkt!

Erinnern Sie sich noch an diesen Hinterbänkler, wie hieß denn der noch? Gabriel, sonst nie in Erscheinung getreten, aber da konnte er das Mantra der Partei runtersingen. Es gibt kein Freibier, man muss schon arbeiten oder in der Partei sein, dann gibt’s was umsonst, also nicht als Arbeiter, aber wenn man keinen Job hat: hinten anstellen. Da hat sich der Mann schlagartig so beliebt gemacht, ich glaube, aus dem ist doch noch irgendwas geworden, aber genau weiß ich es jetzt nicht. Die laden mich ja seit längerer Zeit nicht mehr ein, der Ortsverein soll links geworden sein, aber ich glaube es nicht.

Das war übrigens derselbe Gabriel, der dann im Wahlkampf plötzlich entdeckt hat, dass Schäuble mit seinem Sparzwang gar nicht an den kaputten Schulen schuld sein konnte, weil die gar nicht aus Bundesmitteln finanziert werden. Hätte man im Wahlkampf ungestraft sagten können, aber da war er ehrlich – dass die Bankenrettung nicht aus den Geldern der Arbeitslosenversicherung gespeist wird, hat er keinem verraten. Oder die Bankenrettung wird tatsächlich aus den Geldern der Arbeitslosenversicherung gespeist. Damit hätte er die besten Einschaltquoten aller Zeiten gekriegt, zumindest für die SPD.

Wir haben da eine Bundeszentrale für politische Bildung, die Adresse sollte man gelegentlich dem Maas mal schicken, aber der Rest der Partei scheint ganz froh, wenn sich keiner mehr dafür interessiert. Es gibt Bund, Länder und Gemeinden – damit wären Sie bei Jauch schon mal ganz weit vorne, wenn Sie den Unterschied erkennen würden – und die haben ihre jeweiligen Rechtskompetenzen in der Finanzierung. Die einen machen Bankenrettung, die anderen retten Flüchtlinge, wenn die EU sie nicht gerade auf Kosten des gemeinsamen Budgets im Mittelmeer hat absaufen lassen, und für die Arbeitslosen ist das von den Mitteln übrig, was die Bundesagentur nicht versehentlich für die eigenen Angestellten zur Jobrettung abzwackt. Das hätte man ganz klar kommunizieren können, aber das war der SPD vermutlich viel zu kompliziert, weil der Kern der Sache zu einfach zu begreifen war. Wie wollen Sie Politik machen, am Ende noch Bundespolitik und dann auch noch im Wahlkampf, wenn die Problematik ein normaler Mensch ohne geistige Einschränkung sofort verstehen kann?

Sie haben diesen ganzen Scheiß immerzu in einem Topf geschmissen, es war bei der SPD wie bei den anderen permanent Eintopfsonntag. Und jetzt erklären Sie mir mal, wie man in einem Ortsverein mit mehrheitlich bewegungsunfähigen Altsozen überhaupt Realpolitik machen soll, wenn die Belegschaft aus Sympathie mit der Konkurrenz schon anfängt, jede Meinung als Lügenpresse zu bezeichnen?

Dieses Wir-Gefühl, Nahles’ hochgerülpste Currywurst und Steinbrücks Fahrradkette, das war der springende Punkt. Wir haben das geschafft, weil der Wähler den Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft nicht kennt, und die Propaganda hat das ausgenutzt. Wir werden nicht mehr gewählt, weil man den Unterschied immer noch nicht in die Menge getragen hat. Wir haben jetzt kein Geld mehr für Kinder von Erwerbslosen, der Flüchtling lebt ja so komfortabel in der Sammelunterkunft und frisst uns die Butter vom Brot. Merken Sie was?

Mir geht’s ja gut, aber wenn ich sehe, dass mir der Ortsverein den sozialen Abstieg einredet, der in dieser globalisierten Arbeitswelt so gut wie jeden treffen könnte, dann müssen wir gar nicht lange verhandeln. An der Lage ist die SPD selbst schuld, und wer war noch mal die Partei, die andere für das Elend der eigenen Wählerschaft verantwortlich macht? Wenn man den Leuten jetzt schon erzählt, unsere Kinder werden nach über fünfundvierzig Berufsjahren auch eine Armutsrente bekommen, weil es uns so gut geht wie nie zuvor nach dem Ende des letzten offiziellen Krieges mit deutscher Beteiligung, dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn sie die wählen, die das erfunden haben.

Es gab mal den Glauben, dass man sich mit Leistung emporarbeiten konnte. Das sagen heute nur noch diese unrasierten Versager von der FDP, und die müssen sich dabei das Lachen verkneifen. Warum sollte man das den eigenen Leuten glauben, wenn sie seit zwanzig Jahren gegen die eigenen Wähler schießen? Wir haben die Mittel in der Hand und die politische Macht, das abzustellen, wenn wir nicht weiter wie bisher gegen die Mittelschicht arbeiten und alles, was darunter ist. Warum sollten wir das glauben, warum sollten wir das tun? Und wenn wir schon kapiert haben, dass wir seit ein paar Jahren gründlich angeschissen werden von einer Herde Bürokraten, denen es nur um die eigene Versorgung geht, warum wählen wir nicht gleich die, denen die Lüge ins Gesicht geschrieben steht? Weil wir dann mit unlauteren Mitteln gegen die antreten müssten, die mit unlauteren Mitteln gegen uns gekämpft haben, als wir sie noch mit unseren Mitgliedsbeiträgen durchgefüttert haben?

Weswegen ich mein Parteibuch zurückgebe? Die ganz Rechten rücken schon weiter nach rechts, die anderen werden früher oder später nachrücken. Vielleicht ist dann ja irgendwann wieder Platz für eine vernünftige sozialdemokratische Partei. Mal sehen, wie wir die dann nennen.“