Gnadenlos

30 11 2017

„Bei einer Kohleausstiegsaufhebungsquote oder so, da hätten wir diskutieren müssen, aber so!? Bazis, das wollen wir doch nicht. Das müssen wir aus der Schusslinie räumen. Sonst geht diese Regierung genau so den Bach runter wie alle anderen davor!

Wenn wir als Christsoziale schon andere Parteien neben uns in einer Koalition dulden, dann müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass wir die Zügel in der Hand behalten. Und da hat der Schmidt Christian alles richtig gemacht, verstehen Sie? Man kann nicht immer nachfragen, sonst ist es doch auch kein Alleingang mehr.

Also abgesprochen war es schon, nur mit Seehofer eben. Wir können nicht auch noch mit der SPD koordinieren, wo wir der Kanzlerin vors Knie treten. Das führt jetzt wirklich zu weit. Das läuft nicht mal als Sorge um Deutschland durch. Und das ist das Letzte, was wir gerade gebrauchen können.

Ein generelles Dieselfahrgebot außerhalb Bayerns, auf solche Ideen muss man erst mal kommen! Dafür braucht es die CSU! Wenn das die Sozen akzeptieren, dann sind sie einfach zu heiß gebadet, und wenn sie es nicht akzeptieren, dann läuft alles nach Plan. Wir brauchen hier eine Emser Depesche, sonst landen wir wieder in einer Konstellation, in der wir von Berlin aus regiert werden und nicht aus München. Das können wir uns nicht bieten lassen, damit wäre zumindest die nächste Landtagswahl vergeigt.

Das ist doch eine traumhafte Situation für den Schmidt Christian. Der hat eigentlich keine große Amtsbefugnis mehr, weil er seine politische Zukunft größtenteils hinter sich hat, fachlich hat er eh nichts zu melden, rausschmeißen kann man ihn nicht, es würde aber auch nichts bringen, weil der Schaden bereits entstanden ist, und jetzt warten alle gemeinsam, bis er vom Stuhl kippt. Also Seehofer ohne die Modelleisenbahn, wenn Sie so wollen. Und jetzt müssen Sie sich das mal praktisch vorstellen: der Schmidt Christian ist unsere absolute Allzweckwaffe. Mit dem kriegen Sie alles weg, was nach vernünftiger Regierungsarbeit aussieht. Und das ist derzeit eine Menge.

Den können Sie natürlich gegen das deutsche Reinheitsgebot einsetzen, aber jetzt stellen Sie sich mal vor, der fährt auf einmal dem Steinmeier in die Parade. Oder Gabriel, jedenfalls außenpolitisch. Also überall da, wo nicht Bayern ist, wir definieren die Außengrenze ja ein bisschen anders als der Rest des Landes. Jetzt stellen Sie sich mal vor, jemand wie der Schmidt Christian ruft bei der EU an und sagt zu denen: Buam, sagt er, seid‘s nicht bös, aber wir würden auch gerne raus. Bayxit oder so. Das ist nicht mit der Kanzlerin abgesprochen, welche Meinung sie da vertritt, dürfte auch klar sein, aber wenn das Vertrauen in die Bundesrepublik erst mal ordentlich angeknackt ist, was meinen Sie, was da in Brüssel passiert? Die werden sich alle auf den Bauch schmeißen vor dem Schmidt, in Wehklagen werden die ausbrechen, allesamt, und wenn sie uns dann richtig sauer sind, weil es nur Theaterdonner war, da wird Gabriel das ausbaden müssen, und wir sind fein raus.

Sie müssen ja wissen, der Mann ist eigentlich Experte für Außen- und Sicherheitspolitik. Der weiß, wie er sie aus dem Gleichgewicht bringt. Und das nutzen wir natürlich gnadenlos aus. Gnadenlos an die Macht – eigentlich ein Titel für einen guten Wahlkampfschlager, finden Sie nicht? Der ist so gut, damit könnte sogar der Söder Ministerpräsident werden. Dobrindt eher nicht, aber für Söder würde es reichen. Wahrscheinlich sogar für Aigner.

Im Verteidigungsministerium war der Schmidt Christian übrigens auch, und jetzt überlegen Sie sich mal, was man da theoretisch alles rausholen könnte. Diplomatische Verwicklungen, Irrungen und Wirrungen, und er ist als evangelischer Franke ins Kabinett gekommen. Der genießt derart viel Minderheitenschutz, den können Sie sogar auf Trump hetzen. Das ist immer ganz angenehm, wenn man sich die Leute zu verpflichten weiß. Man muss ihnen dann nicht immer alle Aufgaben diktieren, man gibt ihnen einmal kurz die Direktive, und dann drehen die Deppen durch. Wir haben den Schmidt dazu gebracht, die Grünen wegen des veganen Schnitzels anzupöbeln. Wahrscheinlich würde er auch in den Abendnachrichten erzählen, dass er sich nie die Füße wäscht, wenn man ihn nur deutlich genug an die Belange der Partei erinnert. Wir könnten ihn auch losschicken, dass er in der Öffentlichkeit behauptet, die SPD habe Lindner geschmiert, weil sie unbedingt in eine Koalition mit Merkel will. Dann kriegt er hinterher einen netten Aufsichtsratsposten oder wird in den Rundfunkrat entsorgt. Das muss ja auch nichts Schlechtes sein, wenn man so wie der Chef für die Landespolitik keine große Rolle mehr spielt.

Wie meinen Sie das, die SPD findet das klasse? weil eine geschäftsführende Regierung auf keinen Fall rechtlich bindende Entscheidungen für die Nachfolgerin trifft? Und die Sozen verlangen jetzt von der Kanzlerin, dass sie den Schmidt Christian kurz vor dem Ende noch zum Rücktritt drängt, was er aber nicht tun wird, weil er sonst ein Problem mit der Partei bekommt, und wenn sie es nicht tut, dann verlangen sie eine Kompensation von ihr? Am Ende noch auf Kosten der Christsozialen? Weil das den Preis nach oben treibt? Kann ich das mit den Grünen noch mal sehen!?“





Schule der Hausmeister

29 11 2017

„Aber nicht unter Merkel!“ „Was bleibt uns denn anderes übrig?“ „Wir sollten als die ältere Partei den Kanzler stellen, dann wird diese Koalition auch etwas!“ „Das meint der ernst!?“ „Das meint der ernst.“ „Ach du lieber Gott…“

„Meinen Sie nicht auch, dass Schulz direkt nach der Wahl ein bisschen zu impulsiv reagiert hat?“ „Großartig, nicht wahr?“ „Er hätte besser die Schnauze gehalten.“ „Das meint der doch nicht ernst!“ „Ich fürchte, doch.“ „Aber dann wären wir endgültig in der Versenkung verschwunden.“ „Wo, meinen Sie, sind wir jetzt?“ „Jedenfalls ist eine Regierungsbeteiligung in greifbarer Nähe.“ „Wenn Sie damit meinen, dass die Kanzlerin uns am Schlafittchen hat, könnten Sie durchaus recht haben.“ „Sie braucht uns eben, und als Partei der Staatsverantwortung…“ „Ihnen geht’s gut, ja?“ „Er spricht jetzt aber nicht von der SPD, oder?“ „Nicht von der, die ich kennen, und die kenne ich schon seit ein paar Jahren.“

„Wir dürfen uns den Gesprächen jetzt nicht verschließen.“ „Und dann?“ „Er meint, dann wird erstmal gesprochen.“ „Und dann?“ „Kann man ja mal sehen, ob man redet.“ „Die Parteiführung ist da eng beieinander.“ „Das kennt man, die liegen im Schwitzkasten.“ „Jedenfalls halten wir durchaus Kontakt zu Schulz, der könnte ja als Kanzler einer SPD-geführten Minderheitsregierung…“ „Also ich glaube nicht mehr, dass der das ernst meint.“ „Doch, warten Sie es nur ab.“ „Wir stellen den Bundeskanzler, obwohl die Union in der Mehrheit ist?“ „Deshalb ja Minderheitsregierung.“ „Das könnte sich stabilisierend auswirken.“ „Aber nur auf die Union.“

„Wir müssen erstmal sehen, ob wir uns auf die Dinge einigen können, die wir in einer Koalition durchsetzen wollen.“ „Hatten wir nicht etwas vor der Wahl gefordert?“ „Ja, aber das war nur fürs Wahlprogramm.“ „Ich nehme an, das meint der auch ernst?“ „Ja, aber nur programmatisch.“ „Das heißt, wir müssen darüber noch mal reden.“ „Also nach der Sondierung?“ „Brauchen wir die denn?“ „Parteiintern würde das schon Sinn machen.“ „Wer will denn intern? Wir müssen endlich wieder an die Regierung!“ „Und wo waren wir die letzten vier Jahre?“ „In der Minderheit.“

„Warum riskieren wir keine Neuwahlen?“ „Weil wir uns dann ein neues Programm ausdenken müssten.“ „Ist doch prima!“ „Das glauben aber auch nur Sie.“ „Stimmt, dann würden uns die Leute fragen, warum wir diese Forderungen nicht gleich hatten.“ „Weil eine Beteiligung an der Regierung damals nicht realistisch erschien.“ „Hätte man dann nicht noch mehr fordern können?“ „Sie meinen, rein programmatisch?“ „Dann könnten wir doch jetzt mit Maximalforderungen kommen.“ „Wieso das denn?“ „Weil jetzt die Beteiligung an der Regierung wieder realistisch ist.“

„Lassen Sie mal die Kirche im Dorf, wir werden sicher nicht alleine eine Regierung auf die Beine stellen können.“ „Gucken Sie sich doch die letzten Sondierungen an, in die Regierung kommt doch jeder.“ „Ja, aber nur als Hausmeister.“ „Für eine Arbeiterpartei ist das keine Schande.“ „Also jetzt nehme ich ihn nicht mehr ernst.“ „Gut, das mit der Arbeiterpartei war vielleicht nicht so gelungen.“ „Obwohl man programmatisch…“ „Gerade das ist doch der Pferdefuß: gegen die Merkel-Union hat man als Arbeiterpartei doch keine realistische Chance mehr.“ „Als Liberaler aber auch nicht.“ „Da haben wir ja noch mal Glück gehabt.“

„Und jetzt kommen Sie alle mal wieder runter, diese Führungsdebatte schadet uns doch langfristig nur.“ „Wieso langfristig?“ „Und wieso Führungsdebatte?“ „War denn Schulz nicht als Spitzenkandidat gesetzt?“ „Aber gegen Merkel.“ „Die hört ja dann auf, wenn Schulz kommt.“ „Müsste sich Schulz dann nicht selbst entsorgen?“ „Sie haben das mit dem Hausmeister irgendwie auch noch nicht ganz kapiert.“ „Einer muss es ja machen.“ „Die SPD ist sich vollständig ihrer Verantwortung in der momentan schwierigen Lage bewusst.“ „Sagt Schulz.“ „Wer nimmt das denn jetzt noch ernst!?“

„Dass wir mal als Anker der Stabilität und Verlässlichkeit für dieses Land durchgehen könnten, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.“ „Bei der Arbeiterpartei weiß man immerhin: die fallen um. Nur wohin, das ist die Frage.“ „Kommen Sie jetzt gleich mit einer Dolchstoßlegende um die Ecke?“ „Programmatisch?“ „Wie gesagt, wir sollten uns jetzt alle mal am Riemen reißen, sonst haben wir ein gewaltiges Problem, Neuwahlen hin oder her.“ „Ich weiß gar nicht, was Sie haben. Deutschland geht es doch gerade fantastisch! Die Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt läuft regelrecht heiß, die internationalen Entwicklungen, denken Sie nur an den Brexit, das bedeutet natürlich Wachstum, und dann der Euro, stabil wie nie, das sind gewaltige Synergieeffekte, die muss man erst mal nutzen, und dann unsere Vorreiterrolle in Europa, das bedeutet Stabilität, richtige Stabilität bedeutet das!“ „Genau. Und alles ohne Regierung.“





Schön

28 11 2017

„… nicht verboten seien. Dennoch müsse man die Werbung für Schönheitsoperationen weiterhin als strafbewehrte…“

„… mit drei Prozesstagen rechne. Das Amtsgericht Traunstein werfe dem Mediziner vor, auf seiner Internetseite Reklame für operative Korrekturen von Nasenflügeln, Ohrmuscheln und den…“

„… sich breiter Widerstand gegen das juristische Verfahren formiere. Mit Rücksicht auf die Gefühle der Leser wolle die Zeitung jedoch keine Berichterstattung vom…“

„… könne das Türschild eines kosmetischen Chirurgen möglicherweise dafür sorgen, dass sich Patientinnen in ihrer Körperwahrnehmung gestört fühlten und daraufhin die…“

„… zu keinen Zeugenaussagen gekommen sei, da die Personen sich damit selbst belastet hätten, auf die Information zu kosmetischen Eingriffen reagiert zu haben. Der Verlauf des ersten Verhandlungstages habe jedoch ergeben, dass die Staatsanwaltschaft die Zeuginnen selbst als kriminelle Vereinigung im Sinne eines…“

„… von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt würden. Bei einer straffreien Bewerbung medizinischer Leistungen könne es zu einer Unterdeckung kommen, was die Versorgung anderer Patienten auf empfindliche Weise im…“

„… sei der Titel eines Schönheitschirurgen nicht rechtlich geschützt, was zu erheblichen Schwierigkeiten mit Mitbewerbern und…“

„… ein erhebliches Risiko bergen würden. Der Prozentsatz der fehlerhaften Schönheitsoperationen könne die Öffentlichkeit zu einem sensibleren Umgang mit dem…“

„… überhaupt der Begriff der Schönheit sehr subjektiv sei, wie auch Schönheitschirurgen oft nur im Auftrag ihrer Kunden arbeiten würden. Dies könne gerade unter medizinischen Aspekten auf gar keinen…“

„… gezielt Beratungen von weiblichen Praxismitarbeiterinnen durchgeführt würden. Dies verstoße gegen die Gleichstellung und sei ein schweres sexistisches…“

„… sei ein Wirtschaftsunternehmen, das allein auf die Maximierung des Kapitals ausgerichtet sei, eine nicht mit der Verfassung zu vereinbarende…“

„… habe es in der Bibel keine kosmetische Chirurgie gegeben. Die Christsozialen seien daher der Ansicht, dass die strafrechtliche…“

„… biete eine Praxis in der Regel Finanzierungsmöglichkeiten an, die für die Betroffenen so einfach zu handhaben seien wie ein Baukredit. Dies führe zu Umsatzrückgang beispielweise in der Automobilbranche, was für den Wirtschaftsstandort absolut nicht zu…“

„… sich beispielsweise Männer selten bis nie zu einer Brustvergrößerung entschließen würden. Aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit müsse man den Anspruch der Versicherten nun ganz…“

„… oft für ihr Leben gezeichnet seien, wenn Teile ihres Gesichts nicht mehr dem Aussehen vor dem Eingriff entsprächen. Der erforderliche seelsorgerische Aufwand stehe jedoch in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu den…“

„… nicht möchte, dass über Schönheitsoperationen in der Öffentlichkeit diskutiert werde, als sei dies eine normale…“

„… Beratungszeiten oftmals auch in den Abendstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen angeboten würden. Dies unterstreiche den quasi-illegalen Charakter der…“

„… spiegele die Schönheitschirurgie einen der vorherrschenden gesellschaftlichen Trends zur Perfektionierung der eigenen Person dar, etwa um auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen zu haben. Dies müsse unter allen Umständen…“

„… die Medizin als Wirtschaftszweig weit unterhalb der Finanzdienstleistung stehe und daher keine Förderung durch die politischen…“

„… von den falschen sozialen Gruppen genutzt werde. Schichten, die eine Beratung über die medizinischen Leistungen nötig hätten, sollten ohnehin von ihnen ausgeschlossen werden, um nicht zur Popularisierung des …“

„… kein einheitliches Bild der Kirchen zu den Leistungen der Schönheitschirurgie gebe. Man müsse daher mit einer präventiven Ablehnung den jetzigen Status…“

„… auch bei weiblichen, vereinzelt auch bei männlichen Regierungsmitgliedern vorgekommen sei. Dennoch dürfe man nicht verallgemeinern, dass die Schönheitschirurgie ein von der Politik gefördertes und…“

„… das ein falsches Bild von einer westlichen Industrienation liefere. Wenn jede Person mit Migrationshintergrund glaube, in Deutschland sei plastische Chirurgie ganz normal und entspreche der leitkulturell verankerten Medizinethik, so locke dies unter Umständen viele Millionen von…“

„… keine Auswirkung, dass zahlreiche Eingriffe legal im Ausland durchgeführt würden. Es sei nicht im deutschen Interesse, unmoralisch erworbene Gelder in der…“

„… daran festhalte, dass eine kosmetische Operation ohne eine vorher erfolgte Beratung über die möglichen Folgen nicht als…“





Verfassungsrechtlich kritisch

27 11 2017

„Weshalb ist er jetzt ausgetreten?“ „Irgendwas mit den Juden.“ „Aber dafür treten die meisten doch gerade erst in die Partei ein?“ „Wie gesagt, es ist alles sehr kompliziert.“

„Aber Volksverhetzung und Rassismus sind in Ordnung?“ „Das dürfen Sie mich nicht fragen. Dafür ist er vermutlich in die Partei eingetreten.“ „Weil er schon immer eine rassistische Meinung vertreten hat?“ „Kann sein, aber ich schätze, er hat sich in der Partei erst radikalisiert.“ „Verstehe. Dann zieht diese Partei, die den Rassismus und eine tendenziell nationalsozialistische Einstellung gegenüber Minderheiten vertritt, also Kräfte an, die erst nach der Aufnahme in die Partei entdecken, dass die Partei rassistische und tendenziell nationalsozialistische Einstellungen gegenüber Minderheiten vertritt.“ „Richtig.“ „Aber was treibt diese Menschen dann in die Partei?“ „Ich tippe, dass sie größtenteils rassistische und tendenziell nationalsozialistische Einstellungen gegenüber Minderheiten haben. Da fällt die Wahl der Partei ja nicht unbedingt schwer.“

„Wenn man die Ausweisung von Muslimen aus Deutschland fordert und die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft von Muslimen, die immer nur die deutsche Staatsbürgerschaft hatten, dann ist das doch relativ eindeutig, oder?“ „Mit der Einstellung sind Sie in der Partei ja auch nicht alleine.“ „Dann verstehe ich nicht, warum man andere Politiker, die das als verfassungsfeindlich kritisieren, als Faschisten beschimpft.“ „Sie haben das Konzept der Partei nicht begriffen, oder?“ „Ich weiß jetzt nicht, worauf Sie hinauswollen.“ „Haben Sie schon mal eine Nazipartei gesehen, die sich selbst als Nazipartei bezeichnet, solange sie nicht an der Macht ist?“ „Gut, so gesehen haben Sie recht. Aber dann ist immer noch nicht geklärt, warum man dann in eine Partei geht, die so offensichtlich verfassungsfeindliche Positionen vertritt.“ „Sonst könnte man die anderen wohl nicht als Nazis beschimpfen.“ „Warum sollte man das überhaupt?“ „Ich bitte Sie – einer muss es doch machen. Oder wollen Sie in einem Land leben, in dem man gewisse Sachen nicht mehr sagen darf, weil sich der Staat mit Gesetzen gegen die freie Meinungsäußerung stemmt?“

„Dann verstehe ich ja noch viel weniger, warum er gerade wegen eines Holocaustleugners die Partei verlässt.“ „Naja, der vertritt offensichtlich eine verfassungsrechtlich kritische Einstellung.“ „Aber dann müsste er ihn doch gerade unterstützen, weil er eine Meinung äußert, die man ja überhaupt nicht mehr äußern darf, weil der Staat sich hier mit Gesetzen gegen die freie Meinungsäußerung in die Einstellung der Bürger einmischt.“ „Ich weiß es auch nicht, aber es hat da wohl einigen Krach in der Partei gegeben.“ „Sie meinen, weil er jetzt im Landtag von Baden-Württemberg Redeverbot hat?“ „Das ist eine sehr komplizierte Sache, er vertritt damit ja nicht mehr die Parteilinie.“ „Also eine tendenziell nationalsozialistische Einstellung gegenüber Minderheiten?“ „Die ihm jetzt auch als verfassungsrechtlich sehr kritische Position auffiel, nachdem ihm klar geworden war, dass er sie im anderen Zusammenhang durchaus hatte vertreten dürfen.“ „Dann haben die ihm das Rederecht entzogen, weil er sie als Nazis beschimpft hat?“ „Ja, auch. Aber sie bezeichnen ihn jetzt auch als Nazi, weil er anderer Meinung ist, und Nazis kann die Partei ja schlecht das Rederecht geben.“ „Weil er sonst Sachen sagen würde, die man ja gar nicht sagen darf, weil schließlich der Staat die freie Meinungsäußerung einschränkt.“ „Dann hält sich die Partei also für den Staat?“ „Noch nicht. Aber die ersten Ansätze sind durchaus zu erkennen.“

„Dass der Antisemitismus in der Partei immer noch von denen gedeckt wird, die ihn offiziell als nicht existent leugnen, verstehe ich aber auch nicht so ganz.“ „Das sind diese tendenziell…“ „Schon gut. Aber die Probleme, die der Partei daraus entstehen, die kann man doch lösen, wenn man den Antisemitismus einmal ganz klar ausschließt und alle Antisemiten gleich mit.“ „Dann würden Sie aber einen großen Teil der Mitglieder verlieren, denen sie damit ein Abweichen von der Parteilinie vorwerfen müssten.“ „Das kann doch nicht die Lösung sein!“ „Natürlich nicht. Stellen Sie sich mal vor, die Partei würde wesentliche Anteile ihrer Mitglieder als Nazis bezeichnen.“ „Das heißt doch dann im Umkehrschluss, dass sie selbst… nein, jetzt machen Sie mich wirr im Kopf!“ „Das darf man natürlich nicht sagen, und jetzt stellen Sie sich mal vor, wenn die Partei riskiert, dass ein Großteil der Mitglieder ihr die freie Meinungsäußerung verbieten wollen.“ „Aber umgekehrt ist das kein Problem, oder?“ „Natürlich nicht, man muss doch der Parteilinie folgen. Auch dann, wenn sie unter Umständen verfassungsfeindliche Positionen vertritt.“

„Und jetzt geht er zu einer anderen Partei?“ „Das hat er schon ausgeschlossen.“ „Ist dem zu trauen?“ „Mir fallen auf der anderen Seite auch nicht viele Parteien ein, die einen so offen verfassungsfeindlichen Politiker in ihre Reihen aufnehmen würde.“ „Und warum gibt er dann nicht sein Mandat zurück?“ „Sie haben das Konzept der Partei wirklich nicht begriffen, oder?“





Opferkult

26 11 2017

Die Braunen in Thüringen rufen zum Widerstand auf. Ohne jeden Beweis für seine Anschuldigung plärrt das Reichswaschweib Höcke, dass der linksextremistische Mainstream seine Kinder beobachtet und (schon sehr interessant, wenn ein Soziopath sofort weiß, was man aus denen alles herausbekäme) verhört hat. Sofort fordert der Verein um den Amtsrichter Maier die geistig minderbemittelten Mitläufer Spenden, wissend, dass jeder nicht gerechtfertigte Vorwurf einen greinenden Versager wie Höcke nichts kostete, würde nicht das Strafgericht ihm mit der stumpfen Seite der Axt ein unangenehmes Erlebnis bescheren. Die AfD darf sich gerne treu bleiben, wir wissen es zu schätzen. Mit erstunkenem Opferkult Geld eintreiben gehört ja zum Kerngeschäft. Alle weiteren Anzeichen, dass die Partei die Schande Deutschlands repräsentiert, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • schwarzsehen: Eher sehen die Grünen Rot.
  • jahresendfigur vollmilch: Gilt ernährungstechnisch immer noch nicht als Geflügel.
  • merkel seehofer: Machterhalt schließt sich nicht aus.
  • intelligenztest nazis afd: Die Besetzung dieser Partei erkennt man auch ohne Intelligenztest.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXX)

25 11 2017

Emilia verkaufte in Lenke
den Nachbarn die Weihnachtsgeschenke,
und da sie sie kannte
(und nebenbei brannte),
sind’s geistige Flaschengetränke.

Tesfaye pflegt sich in Nekemte,
noch während er kochte und schlemmte,
wobei er die Strähnen
(das muss man erwähnen)
mit fettigen Fingern meist kämmte.

Alojzy verzweifelt in Bergland,
da er dort wohl nirgends den Berg fand,
trotz jeder Bestrebung,
da jene Umgebung
recht klein war – fürwahr, gar ein Zwergland.

Galt stürzte getroffen in Derma
im Stadion. Dort rief er: „Hör ma,
was soll die Partie hier?
Man zielt auf das Knie mir,
bin ich italienischer Stürmer!?“

Es züchtete Klemens in Dullen
den Nackmull. Nebst zahlreichen Pullen
mit Milch und viel Öbsten
sind sie aus dem Gröbsten
und wachsen zu stattlichen Mullen.

Ebrima hält in Sutukung
die Schaufel mit Anmut und Schwung,
was stark kontrastierte,
was er mit sich führte,
denn er schaufelt Haufen von Dung.

Spielt Władysław auch in Gnewinke
Theater, so hasst er doch Schminke.
Nie soll man ihn sehen,
drauf wird er bestehen,
dass er für die Kunst so tief sinke.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXCIV): Der Kollaps der Leistungsgesellschaft

24 11 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was haben sie nicht alles versprochen. Wer sich eine Angel kauft, hat immer Fisch. Wer drei Fische fängt, muss nur drei Tage in der Woche raus aufs Meer, einen kann man noch verkaufen, und dann ist irgendwann ein Motorboot drin. Oder eine Angel für den Knalldeppen von nebenan, der bald als Teilzeitkraft Fische fängt. Zwei Motorboote, Fangflotte, Fischfabrik, Aktiengesellschaft. Die Fischmafia. Auswürfeln, wer Papst wird. Vielleicht der Knalldepp von nebenan. Sie haben uns nur nicht versprochen, dass die Aktienkurse immer steigen und immer Gewinne machen, Gewinne, Gewinne. Leistung, haben sie uns versprochen, müsse sich lohnen, wieder, weil sie vorher dafür gesorgt hatten, äußerst gründlich, dass sich Leistung eben nicht mehr lohnt, und das ist auch so geblieben. Dass sie sich nicht mehr lohnt. So wenig wie je zu zuvor. Es gibt nur noch Leistungslose, denen es so gut geht, dass sie die Leistungsträger als Leistungsverweigerer verhöhnen können, ohne zu riskieren, dass man ihren Gesichtsschädel in einem Arbeitsgang einebnet. Wenn etwas längst den Kollaps vollzogen hat, dann jedenfalls die Leistungsgesellschaft.

Diktaturen waren der westlichen Welt immer schon fremd, hier demokratisiert der Chef noch selbst. Nicht einmal die Diktatur des Proletariats vermochte sich Sympathien zu erkämpfen, von den sozialistischen Auswüchsen der ungewaschenen Neidhammel ganz zu schweigen. Was sich aber als angeblich frei aufspielte, der in Parolen vor sich hin dümpelnde Arbeits- und Sozialmarkt, hat nicht mehr viel mit dem eigentlichen Gedanken zu tun. Die Bäcker werden vertröstet mit einem Modell, das sie mit Krumen nährt, die vom Herrentisch fallen, windschief zurechtgeschwiemelt von den Herrenmenschen in ihren Herrensesseln, die die Vollbeschäftigung propagieren, zum Ausgleich mit dem halben Lohn, weil sich die abstrakte Wirtschaft sonst die vielen Arbeiter gar nicht leisten könnte. Man lässt die Alimentierung sinken durch Schleifen des Sozialstaats und träumt herbei, dass davon die Gehälter schon steigen werden. Aber es gibt ja auch Leute, die fest darauf vertrauen, dass Beten bei Vollmond Hirnschäden heilt.

Die Tellerwäscher werden keine Millionäre mehr, und das liegt daran, dass sie längst von der kapitalistischen Wirtschaft ausgespuckt worden sind, der sie sich angedient haben. Man macht ihnen rechtzeitig klar, dass ihre Ersparnisse längst aufgebraucht sein werden, wenn es der nächsten Generation einfällt, den Laden zu übernehmen – sie werden bemerken, dass die Gesellschaft auf ihre Leistungsbereitschaft, die ihnen angeblich Tag für Tag abverlangt wird, pfeift, denn es steht schon der nächste Tellerwäscher in der Tür, wenn dem alten die Puste ausgeht. Sie sind, auch in ihrer Motivation und ihrer Attitüde, ersetzbar geworden, Callcenter- und Krankenhausarbeiter, Pflegekulis, Müllwerker und der andere Dreck, auf den die Pickelfressen aus dem Vorstand so gerne süffisant herabschauen, wohl wissend, dass sie ihrem Nachwuchs diese Ferienjobs nie zumuteten, schon dann nicht, käme man da mit der Unterschicht in Kontakt. Bäh.

Die Schädelvollprothesen aus dem Thinktank, sie schießen in die weiche Masse, fordern vor allem Eigenverantwortung von denen, die sich am Boden der Entwicklung befinden – als hätte der gemeine Mann die Sorge, sich ein Depot mit Risikokapital zu verstopfen, den falschen Chablis zu besorgen oder die Metalliclackierung eine Spur zu weit ins Vulgäre zu wählen. Wo immer sich noch Leistung lohnt, hier jedenfalls nicht, und wenn, dann nicht für den, der sie zeigt. Dass sich das doppelbödige Versprechen, die Anstrengung möge dem selbstgefälligen Betrachter die Taschen blähen, nie bis an die Basis durchgearbeitet hat, spricht vor allem für die tapfer alles ignorierende Mitläuferschwadron, die gezielt Hirnlappen plättet und auf das Bessere hofft, weil sei selbst das Gute nicht zu schaffen vermag. Aus der Idee wird allerhand Getöse geboren, manches davon hat leider überlebt, einiges unter Uniformzwang. Wir haben es in Erinnerung.

Bomben wir die Gesellschaft platt, aus den Trümmern lässt sich bestimmt eine neue Welt basteln, und das auch unter Berücksichtigung der vorhandenen Mittel. Wir, der Souverän, müssen ja nur wollen, und da wir uns grundsätzlich nicht über den Weg trauen, weil nur wir weiterarbeiten würden nach dem Lottogewinn, nicht aber der Nachbar, genau deshalb setzen wir auf die falschen Anreize. Gäbe es Lohn, Rentenpunkte oder eine gute Sachprämie dafür, dem nächsten liberalen Torfschädel eins auf die Mütze zu geben, was wäre diese Nation wieder aktiv. So aber, wo man uns ins Leere laufen lässt, befinden wir uns in einem Hamsterrad, produktiv, aber nutzlos. Warum sollten wir es nicht einmal mit einer Revolution versuchen. Das hatten wir doch noch nicht.





Der Style der Partei

23 11 2017

„Was hat er da gesagt? neu denken?“ „Respekt, Lindner. Zwei Lügen in zwei Worten.“ „Na, dann ist er ja in der SPD goldrichtig.“

„Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst!?“ „Wieso denn nicht, der halt alles richtig gemacht. Die FDP ist wieder da, wo sie hingehört, und die notwendige Marginalisierung der Grünen findet nicht statt.“ „Aber ich verstehe nicht, wieso er jetzt in die SPD soll?“ „Mann, dieses Standing! Was, meinen Sie wohl, brauchen wir jetzt am meisten?“ „Dass die Perspektive, also auf das deutsche Volk, und dann die Partei, die Partei, die uns…“ „Eier! Eier, verdammt noch eins! Da geht doch noch was!“ „Sie können diese Splitterpartei ja wohl nicht mit einer politischen Kraft vergleichen, die Deutschland schon in historischen…“ „Kommen Sie mal runter, Mann. Geschichte ist out! Bedenken, hier, das muss alles neu, digital und so, und dann eine total andere Fokussierung auf den Style der Partei.“ „Wenn sich Schulz das Jackett ausgezogen hat, haben die immer alle gesagt: lass es doch lieber an.“ „Reden Sie doch keinen Mist, Mann – das muss jetzt anders, das muss jetzt alles ganz neu! Wir holen uns den Lindner, dann machen wir Große Koalition, und dann rocken wir den Laden!“

„Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass der Typ so gut wie keine Substanz hat?“ „Sicher, das ist doch der Clou.“ „Sie finden das gut, dass Lindner absolut nichts zu sagen hat außer seinen komplett ausgelutschen…“ „Naja, sind halt Botschaften wie alle anderen auch. Da drehen Sie nichts dran.“ „Man muss doch aber die Wähler überzeugen!“ „Haben wir doch! Der Wähler hat gewählt, der Bundestag hat sich eingerichtet in der trüben Brühe, was soll uns denn da noch passieren, außer dass wir nicht an der Regierung beteiligt sein sollten?“ „Und dann schicken Sie einfach so ein Rumpelstilzchen nach vorne und lassen den sagen: wenn Ihr nicht mit uns spielt, dann wollen wir auch nicht mehr?“ „Klingt stark verkürzt, es ist auch dem Ernst der Lage, in dem sich das Volk befindet, nicht wirklich angemessen, ja mehr noch: es verhöhnt nachgerade die Verfassung, um die sich große Männer wie der Präsident gerade sorgen. Also im Großen und Ganzen haben Sie schon recht.“

„Wir könnten die Fortsetzung einer Koalition mit der Kanzlerin doch ganz einfach auf dem…“ „Eben nicht!“ „Bitte!?“ „Eben nicht, Schulz hat doch sein dummes Maul aufgerissen und alles davon überzeugt, dass er nur unter einer anderen CDU-Führung weiter das Schoßhündchen geben würde. Wie scheiße ist das denn!?“ „Jetzt hören Sie aber mal auf, eine Koalition mit der CDU ohne Merkel ist doch so gut wie…“ „Eben! und Sie alter Theoretiker kommen mal von ihrer Zimmerpalme runter und in der Wirklichkeit an, ja?“ „Aber…“ „Wenn Schulz, oder wer auch immer der nächste sein wird, der da im Namen der starken Sozialdemokratie in Deutschland für eine neue Gerechtigkeit in der Sozialpolitik zu Kreuze kriecht und sich in den Enddarm einer parteiführenden Person rein arbeitet, wenn Schulz ganz am Anfang der Koalitionsverhandlungen gesagt hätte: jetzt passt mal auf, Ihr Volleulen, das ist mir doch wumpe, wer unter mir die Kanzlette gibt! Meinen Sie, die CDU hätte einmal aufgemuckt?“ „Das hätten die doch nie…“ „Wen hätten die denn schicken sollen? etwa Spahn, diese optisch in die Hose gegangene Hohlraumummantelung?“ „Ich weiß ja nicht, machen das die Grünen mit?“

„Wir bräuchten jetzt auch so einen atmenden Rahmen.“ „Damit sich die CSU am Ende bei uns bedankt?“ „Wieso denn nicht?“ „Hören Sie mal, diese Freizeitnazis, mit denen ist kein Staat zu machen!“ „Zwei von drei Merkel-Legislaturen haben wir immerhin durchgekriegt auf die Tour.“ „Man kann sich doch nicht immer beugen, wenn man alles unter dem Mantel des Sachzwangs…“ „Wieso denn nicht?“ „Weil das unserer politischen Glaubwürdigkeit schadet!“ „So einer wie Lindner geht breitbeinig auf diese bayerischen Dorfdeppen zu und erklärt ihnen, wo der Hammer hängt – und dann sind sie die besten Freunde, weil es ihm egal ist, ob sie ihn hassen, solange sie sich beim Gedanken an ihn in die Hosen machen.“ „Und dann?“ „Und dann hätte das Merkel erstmal ein größeres Problem, weil die Feinde meiner Feinde bekanntlich meine Freunde sind.“ „Also Merkel und die CDU wären dann unsere Feinde?“ „Nein, wir würden ihr nur klarmachen, dass wir die CSU noch von früher kennen, weil wir die bösen Jungs waren, die im Schulbus immer ganz hinten gesessen haben.“ „Oha!“ „Und genau deshalb brauchen wir jetzt den Lindner. Der hat Biss, der Mann – ich will nicht übertreiben, aber diese Ausstrahlung hatte wohl Schröder zuletzt.“ „Schmidt?“ „Was rauchen Sie denn für einen Dreck!?“ „Entschuldigung, ich wollte doch nur…“ „Sie wollen doch diesen Waschlappen für untenrum nicht mit einem Kanzler vergleichen, der den Namen auch verdient?“

„Und jetzt?“ „Gucken wir mal.“ „Wir können doch nicht warten, bis sich irgendeine Möglichkeit ergibt, diese Koalitionsverhandlungen mit der…“ „Zuhören war jetzt nicht Ihre Stärke? wer hat denn davon gesprochen, dass wir auf irgendwas warten? Wozu brauchen wir denn dann den Lindner, wenn wir zugucken, bis er zu uns kommt?“ „Wir hätten da ein Angebot.“ „Von wem?“ „Rot. Also Rot-Rot.“ „Hm.“ „Wagenknecht.“ „Geben Sie mir mal die Telefonnummer vom Konrad-Adenauer-Haus. Und gucken Sie mal, ob der Gabriel noch irgendwo unten in der Kantine herumschwirrt.“





Intellentz

22 11 2017

„… über einen Intelligenztest vor dem Parteieintritt nachdenke. Die Alternative für Deutschland habe in der Vergangenheit mehrfach schlechte Erfahrungen mit dem…“

„… vehement zurückgewiesen habe. Die bisher ausgebliebene Machtübernahme durch die AfD sei nicht auf mangelnde Intelligenz, sondern auf die Systemparteien, die Lügenpresse sowie die jüdischen…“

„… der Parteivorstand von der Initiative nichts wissen wolle. Weidel und Meuthen wollten dem Antrag nur dann zustimme, wenn ausschließlich Mitglieder unterhalb der Parteiführung sich im…“

„… Schwierigkeiten habe, das Verfahren direkt im Anschluss an die Werbeveranstaltungen durchzuführen. Viele der Besucher an Infoständen seien zu stark angetrunken, um sich dem…“

„… einem Test zugestimmt habe. Der Vorstand wolle dies allerdings nur dann zulassen, wenn zugleich auch alle bereits der Partei angehörenden Mitglieder sich einem…“

„… schon daran scheitere, dass die meisten Neumitglieder das Wort Intelligenz nicht fehlerfrei…“

„… immer wieder zu Verwechslungen komme. So sei Sophie Scholl versehentlich zur nationalen Identifikationsfigur der…“

„… die Nennung von Berlin als Hauptstadt des Reiches bei den meisten Kandidaten zu einem sofortigen Abbruch des…“

„… auf einer Skala von 0 (keine Einschränkungen) bis 10 (geistig nicht mehr verwendungsfähig) beurteilen solle. Die Probanden seien aufgefordert worden, sich auf eine…“

„… nicht genau wisse, welche Aufgaben ein Volksvertreter in einem demokratisch gewählten Parlament innehabe. Die meisten Kandidaten wüssten nur, dass sie dazu auf Sesseln in einem großen Raum mit elektrischer Beleuchtung…“

„… führe die Nennung des Namens von Bundeskanzlerin Merkel bei den meisten Kandidaten zu schweren Zuckungen. Dies könne man bereits als Störung des…“

„… das räumliche Sehen stark eingeschränkt sei. So fehle vielen Mitgliedern, die noch nie eine Flüchtlingsunterkunft oder deren Lage innerhalb einer geschlossenen Ortschaft gesehen hätten, jedes Orientierungsvermögen innerhalb der…“

„… Höcke den Test durchlaufen habe. Trotz eines Ergebnisses von 88 Punkten habe er sich nicht im…“

„… das höchste deutsche Staatsamt mit ‚Führer und Reichskanzler‘ benenne. Als Landesvorsitzender sei er damit nicht mehr tragbar und könne nur im Fall von Neuwahlen in den…“

„… auch die wirtschafts- und sozialpolitischen Hintergründe den meisten Parteigenossen nicht zu vermitteln seien. Dass in Deutschland aufgenommene Flüchtlinge nicht für den baulichen Zustand von Schulen und Kindergärten auf kommunaler Ebene…“

„… dass jedoch die Antwort, ein Parlamentarier habe die Aufgabe, sich an mehreren Mandaten gleichzeitig zu bereichern, als durchaus parteikonforme Äußerung im Sinnes des…“

„… vereinzelt das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 mit der Bundesrepublik verwechselt haben solle. Dies habe ihn von der Ausübung des Richteramtes in…“

„… dass der Landesverband aufgrund enger, teils kreisförmiger Verwandtschaftsverhältnisse ein deutliches Defizit bei der…“

„… sich nicht mehr mit den Gepflogenheiten des deutschen Straßenverkehrs auskenne. So habe Gauland mehrfach zugeben müssen, dass er nicht mehr in der Lage sei, ein Halteverbotsschild von einem…“

„… den Unterschied zwischen 1933 und 2017 nicht begriffen hätten. Dies habe man allerdings auch nicht erwarten können, da die Angehörigen des identitären…“

„… sich die Arbeitsgemeinschaft Geistig Minderbemittelte in der AfD für einen diskriminierungsfreien Zugang zu Parteiämtern ausgesprochen habe. Eine Fusion mit Petrys Abspaltung sei nur eine Frage der…“

„… mehrere prominente Mitglieder der Partei angeblich mit Absicht den Test nicht bestanden hätten. Es sei nur die Frage, ob sie dies aus Solidarität mit der Parteibasis oder aus dem Wunsch, hinterher besser in der gewohnten Opferrolle zu…“

„… und mehrfach unmittelbar zuvor wörtlich aufgezeichnete Äußerungen nicht getätigt haben wolle. Ob Gauland unter die positiven Testergebnisse falle oder aber einer allgemein in der Partei verbreiteten Demenz…“

„… gerade aus rechtsextremen Kreisen der IQ-Test gefordert worden sei. Der Verdacht liege nahe, dass andere nationalsozialistische Organisationen sich somit die AfD als Konkurrenz endgültig vom…“





Böses Blut

21 11 2017

„Das haben Sie jetzt richtig verstanden, der Verfassungsschutz hat sich aktiv um die Abwehr terroristischer Gefahren in Deutschland gekümmert. Wobei wir zur Bekämpfung derselben ja auch erstmal eine Gefahr haben müssen.

Der Kollege Amri war da sehr zugänglich, ja. Es ist im Grunde immer dasselbe, man macht diese jungen Leute, die nur einen Sinn in ihrem komplett entwurzelten Dasein sehen wollen, auch einen Sinn geben. Für die einen ist das Geld, bei den anderen arbeiten wir noch daran.

Islamismus, ja… die wenigsten sind wirklich religiös, und die, die wirkich religiös sind, haben mit Fanatismus nichts am Hut. Das ist unsere Herausforderung, da müssen wir einhaken. Wenn die Politik Islam und Islamismus auseinanderhalten will, wo soll das hinführen? Der Staat hat schon so seine Aufgaben, aber sehen Sie mal, wir als Staat im Staat, wir müssen auch sehen, wo wir bleiben.

Der Einstieg ist bei denen ja inzwischen recht einfach. Man spendiert denen den Lkw-Führerschein, und schon hat man den Fuß in der Tür. Alles nicht so kompliziert. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass wir die Gelder richtig verteilen, damit wir mittelfristig effizient arbeiten. Das hat nichts mit der Finanzierung zu tun, die ist ja im Wesentlichen schon gesichert. Aber sehen Sie mal, Terrorismus ist natürlich auch ein Markt, da gibt es Trends und Entwicklungen, da muss man auch im internationalen Vergleich mitziehen. Wenn die in London jetzt plötzlich komplett auf Lieferwagen umschwenken und wir immer noch Sattelschlepper finanzieren, dann müssen wir uns von der Buchhaltung auch anschnauzen lassen, ob wir unser Geld selber drucken würden. Das schafft böses Blut. Und das will ja am Ende keiner.

Wir suchen uns beispielweise nur die raus, die keinen Pass haben. Wenn wir nämlich die gut integrierten Deutschen nehmen würden, die eh unter dem Raster der anlasslosen Überwachung durchgerutscht wären, was meinen Sie, würde dann passieren? dass dann plötzlich und unerwartet die anlasslose Überwachung abgestellt wird, an Ende noch aus verfassungsrechtlichen Bedenken? Das machen die in Großbritannien falsch, die in Belgien und Frankreich auch. Gut, die haben auch eine andere Kolonialgeschichte, aber das kann man uns nicht auch noch zum Vorwurf machen. Wir gehen mit den Ausländern auch ordentlich um. Naja, manchmal.

Angestachelt… na, wissen Sie: wenn man dem Mann gesagt hätte, er kann innerhalb kurzer Zeit mit geringem Investment zwanzig Prozent Rendite machen, wäre das angestachelt? Terrorismus, das schon. Gemeinschaftsschädlich. Aber angestachelt? Wir haben ihm das übliche Zeugs erzählt von den Jungfrauen, dass der böse Westen den Islam vernichtet und dass der Islamismus daher unbedingt vorher den Westen vernichten muss. Sie sehen, wir können da sehr gut unterscheiden. Wenn die Jungs aus der arabischen Welt das nicht können, ist das ein Problem, aber nicht mehr unseres. Wir haben unseren Job ja getan.

Das mit der Verantwortung möchte ich nicht mehr hören, fragen Sie doch mal die Polizei, ob die sich bei Großdemonstrationen an rechtsstaatliche Spielregeln hält. S 21, G 20, wo auch immer. Oder wenn in Sachsen die Nazis marschieren. Ist doch auch egal. Wir machen hier nur unseren Job, so wie er vorher beschrieben war, und dann ist auch mal gut. Wer kann das denn heute schon noch von sich behaupten? Die Kohleindustrie? Die FDP? Ja, da haben Sie recht. Den Unterschied kapiert keiner mehr.

Die Unterschiede sind nicht mehr zu unterscheiden. Wer Freund und wer Feind ist, kann keiner mehr sagen. Genau da setzen wir an: den Freund so lange verwirren, bis er nicht mehr weiß, ob er nicht doch Feind sein könnte, und dann ihn daran erinnern, dass er doch immer ein so guter Freund war. Wir sind dann ganz auf Augenhöhe mit unseren Freunden, vor allem religiös, oder wie auch immer Sie das bezeichnen wollen. Manche werden dann schon ein bisschen unangenehm aufdringlich, aber die meisten haben schon kapiert, dass sie einen ganz normalen Job machen. Manchen muss man das aber auch immer wieder mal in Erinnerung rufen, sonst werden sie am Ende übermotiviert. Sie kennen das vom Fußballplatz, obwohl: Moral schießt auch keine Tore.

Sie sind da einem sehr gefährlichen Irrtum aufgesessen, aber Sie konnten auch nichts dafür, weil Sie die Verschwörung nicht kennen. Wir werden nicht finanziert, um die Rechten zu füttern, die gegen die bösen Islamisten kämpfen. Wir werden finanziert, aber von den Rechten. Die sind leider immer noch ein bisschen knapp bei Kasse, leider deswegen, weil die Zahlungsmoral ja meist gut ist, also die Zahlungen, aber die Moral ist hier nicht so wichtig, und mehr muss man auch nicht wissen. Solange die Börse noch fest schließt, können Sie in Deutschland bekanntlich machen, was Sie wollen.

Kommen Sie, machen Sie sich keinen Kopf. Das wird schon wieder, und es kann ja nicht immer dieselben treffen. Glühwein gefällig? Gegenüber öffnet gerade der Weihnachtsmarkt.“