Butterpreisbremse

8 11 2017

„Das können die uns doch nicht antun!“ „Sehen Sie doch.“ „Aber die Partei…“ „Die hat halt immer recht, das ist ja das Problem.“ „In der Opposition auch?“ „Gefühlte Opposition zählt dazu?“ „Keine Ahnung, ist das bei der SPD ein Unterschied?“

„Wenn Scholz den Mindestlohn heraufsetzen will, was bleibt dann noch für Schulz?“ „Der kann vielleicht erklären, dass das nur für hart arbeitende Menschen gilt.“ „Und die Wirtschaft macht da mit?“ „Sie wollen damit andeuten, dass sich die Sozialdemokraten in eine Wirtschaftspartei verwandeln?“ „In eine wirtschaftsfreundliche vielleicht.“ „Das wäre ja noch zu verschmerzen.“ „Warten Sie mal ab, bis Sie die Definition von Wirtschaftsfreudlichkeit merken!“

„Aber an den Kündigungsschutz ist noch keiner gegangen?“ „Reine Vorsichtsmaßnahme.“ „Wozu das denn?“ „Die Linken würden denen sofort wieder ein Koalitionsangebot machen.“ „Ah, verstehe. Deshalb haben sie auch bei der Einschränkung der Leiharbeit nur so lala reagiert.“ „Doch, das sehe ich hier.“ „Scholz?“ „Schulz.“ „Ach so.“ „Außerdem eine Wahlkampfrede.“ „Das ist freilich etwas ganz anderes.“ „Nicht wahr?“ „Aber Equal Pay hatte er doch irgendwo genannt?“ „Wahrscheinlich auch so ein Versehen.“ „Das würde uns das Genick brechen.“ „Ich stelle mir das schon vor, Schulz und Wagenknecht auf dem…“ „Aufhören! Die Bilder kriege ich doch nie wieder aus dem Kopf!“

„Mietpreisbremse?“ „Schlagen Sie mich, aber ich habe da einen Verdacht. Die wurde nur so schlampig gestrickt, damit man sie wieder in der Versenkung verschwinden lassen kann.“ „Also wie die Ausländermaut?“ „Inwieweit die SPD hier ein ausländerfeindliches Interesse hatte, entzieht sich meiner Kenntnis, aber: ja.“ „Das würde dann aber doch für eine gewisse Regierungsfähigkeit der Partei sprechen.“ „Staatsrechtlich oder nur in politischer Hinsicht?“

„Wir müssen das mal systematisch betrachten, vielleicht kommen wir dahinter, was die alles vorhaben.“ „Sie meinen, was die alles vorhaben könnten?“ „Oder so.“ „Butterpreisbremse?“ „Das wäre gar nicht mal so verkehrt, schließlich leiden unter den steigenden Lebensmittelpreisen vor allem die… ach so!?“ „Eben.“ „Wenn jetzt die Butter billiger werden soll, stattdessen aber durch zahlreiche Ausnahmen am Markt und nicht vorhersehbare Gesetzeslücken teurer wird, dann ist das doch für die Wirtschaft ein stabilisierender Faktor, oder?“ „Au weia, denken Sie mal an Brot!“ „Denken Sie mal an den Sprit.“ „Mensch, das merke ich jetzt erst!“ „Strompreise, verstehen Sie?“ „Das hieße , dass der Strom für die Industrie…“ „Also im Gegensatz zur Butter macht sich die Wirtschaft ihre Strompreise immer noch selbst.“

„Das müssen Sie sich aber ansehen.“ „Was denn?“ „Sie wollen gegen die Automatisierung angehen.“ „Eine Art moderner Maschinensturm?“ „Jedenfalls ist das eine Kampfansage gegen die globale… nein, doch nicht.“ „Kein Kampf?“ „Schon, aber sie wollen im Zuge der Exporte natürlich vorerst nur gegen die Automatisierung in Deutschland sein.“ „Das macht dann auch richtig viel Sinn.“ „Eben, und dann wäre auch die Frage nach einem bedingungslosen Grundeinkommen wieder offen.“ „Sie meinen, es wird gezahlt, weil wir gegen den Abbau von Arbeitsplätzen nichts tun können?“ „Ich meine, es wird nicht gezahlt, weil im Zuge der globalen Billigarbeit soziale Standards keine Gültigkeit mehr haben.“ „Doch, aber wenn man in Bangladesch für dreißig Cent am Tag überleben kann, müssen wir das dem DGB schonend beibringen.“ „Immerhin ist dieser Kelch an uns vorübergegangen.“ „Der DGB?“ „Das Grundeinkommen.“

„Gucken Sie noch mal genau in der Post nach.“ „Wir haben nur E-Mails ausgedruckt, die Zentrale wollte das so.“ „Sonst nichts?“ „Nee.“ „Keiner hat eine solidarische Altersrente…“ „Doch, Mütter sollen auch etwas bekommen, theoretisch ist der Seehofer auch dafür.“ „Aber das Solidarische!“ „Arisch, das ist momentan ganz schwer, solange Seehofer und die AfD ihre…“ „Ich will das gar nicht hören!“ „Mann, das ist doch eine verdammte und…“ „Ich bitte Sie!“ „Auf jeden Fall zugenäht, das muss man doch mal sagen: wenn jetzt sogar die Taxifahrer angefressen sind, weil sie wegen ihrer mangelnden Fachkenntnisse aussortiert werden, was bleibt denn dann noch übrig?“ „Meinen Sie das jetzt generell auf die Arbeiterschaft bezogen oder haben Sie doch eher die SPD im Blickwinkel?“

„Hier kommen gerade noch Faxe rein.“ „Neue Parteilinie?“ „Kann ich nicht beurteilen, ich suche noch nach den Einzelteilen.“ „Das liest sich gar nicht gut.“ „Was ist das mit der Mindestrente?“ „Sagen Sie, dass das nicht wahr ist!“ „Die wollen über eine Börsenumsatzsteuer diskutieren!“ „Und hier, höhere Spitzensteuersätze!“ „Vermögenssteuer!“ „Das muss eine Fälschung sein!“ „Nein, sehen Sie den Absender?“ „Was zum…“ „Ich verstehe das nicht, ich verstehe das einfach nicht!“ „Da!“ „Was?“ „Das ist die echte SPD! Halleluja!“ „Was, wo? Was?“ „Hartz IV bleibt! Alles beim Alten!“ „Dann sind die Spenden aus der Wirtschaft gesichert!“ „Was für eine Zitterpartei!“ „Partei, meinen Sie?“ „Ja, egal. Hauptsache, die tun nur so.“