Auf den Hund gekommen

15 11 2017

„Nehmen Sie Hunde“, hatte Herr Breschke gesagt. „Hunde gehen immer!“ So kam der Freitagstexter also auf den Hund. Und damit wäre auch dies abschließend geklärt.

Man ist ja mit dem besten Freund des Menschen hierzulande etwas pusselig. Noch Loriot bekam das zu spüren, als er seinen Cartoon-Klassiker nicht mehr weiterführen durfte. Der nationale Spießer, knapp der Entnazifizierung entwachsen, wollte den aufmüpfigen Zeichner lynchen. Beim Hund versteht der Deutsche bekanntlich keinen Spaß.

Hier also Tess, unterwegs in dienstlicher Mission und daher besonders schützenswert. Macht man sich über ein solches Tier etwa lustig? Darf das Satire? und wenn ja, bei wem kann man sich beschweren? Harmlos, nicht zu sagen hundgerecht ist doch die Herangehensweise, dem Tier aufs, sagen wir mal, Maul zu schauen. Macht Lakritze. Dafür eine Hundemarke in Bronze.

„Grrrrrrrrrrr. Wählscheibe.“

Aber dann. Das Wort. Das, welches man zum Beispiel im deutschen Fernsehen, und es gab ja damals kaum, wir hatten ja nichts, das kann man sich heute gar nicht mehr, meine Damen und Herren, angesichts der Lage, in der wir uns befinden. Ein Leben, als solches betrachtet, wäre auch in diesen Tagen möglich, aber sinnlos. Die silberne Hundepfeife für den Wortmischer.

„$(#€!$$-Warteschleifenmusik! … Ich werd noch zum Mops.“

Wann haben Sie das letzte Mal einen guten Beitrag über den Mops im Allgemeinen gesehen? Ich wüsste jetzt nicht, wer das in den vergangenen Jahren noch zu leisten bereit gewesen wäre. Aus meiner Feder jedenfalls kam da nichts. Nicht mal über den deutschen Schäferhund, und selbst über den Dackel an sich nur selten. Und ich schreibe eh nichts mehr fürs Fernsehen.

Und damit sind wir schon auf der Zielgeraden. Der Gebrauchshund, nicht nur dem Menschen ein Gefährte, sondern auch sein dienstbarer Geist (und für manche das einzige, das überhaupt Geist hat), die älteren unter den Lesern werden sich erinnern, ist ein kongenialer Partner des Inspektors, mitunter überholt er ihn gar in der Rangordnung. Nicht nur in der üblichen Taxonomie. Das wäre es dann auch, folglich geht das goldene Halsband an den kulturflaneur für die hier sicherlich artgerecht erlassene Vorschrift zur Benutzung von Fernsprechgeräten.

– Kommissar Rex?
– Ja, am Apparat.
– Bitte, holen Sie mich raus hier!

Herzlichen Glückwunsch! Am Freitag, den 17. November wird der Freitagstexter dann wieder einmal beim kulturflaneur gastieren. Bringen Sie Hundekuchen mit. Oder wenigstens ein Gummihuhn.





Kriechtiere

15 11 2017

„Also ich kann diese Angst schon verstehen.“ „Wer hat denn Angst?“ „Die Politiker natürlich.“ „Klar, die sollten auch Angst haben – jahrelang holen sie uns diese Leute in die…“ „Ich meine aber nicht die Regierung.“ „Wie, die!? Die haben doch aber alles getan, um das deutsche Volk vor dem…“ „Ich meine diese Sondierungstrupps. Die Liberalen und diese Dummköpfe aus Bayern.“

„Wieso sollten die denn Angst haben?“ „Weil sie in einem jähem Moment der Nüchternheit gemerkt haben, dass der Wahlkampf schon seit Stunden vorbei ist.“ „Stunden?“ „Sie müssen doch aber die Aufmerksamkeitsspanne eines Insekts berücksichtigen.“ „Kein Kriechtier?“ „Die, die seinen Abgang in Nordrhein-Westfalen schon hatten kommen sehen, weil sie seinen Abgang bei der Partei in Erinnerung hatten.“ „Eine handelsübliche Lobotomie würde da reichen.“ „Die geschieht meist aus Einsicht.“ „Tja, damit ist bei der FDP nicht zu rechnen.“ „Schon aus Kostengründen.“

„Aber das ist doch nicht Lindner alleine?“ „Sie vergessen Kubicki.“ „Dem sollte mal einer sein Maul stopfen!“ „Inhaltlich schaffen Sie das mit einer Stecknadel.“ „Aber warum machen die das?“ „Was erwartet man von einer neoliberalen Partei?“ „Dass sie auf Befehl in jede Pfütze fällt, wenn die Summe stimmt.“ „Was machen die Kriecher vom Rechtsrand gerade?“ „Die verteidigen Deutschland gegen die… nee, doch nicht.“ „Sehen Sie?“ „Mir war jetzt nicht klar, dass das so einfach ist. Also dass sie für Kohle arbeiten, das war mir schon klar, aber…“ „Aber?“ „… dass der Lindner das so wörtlich nimmt, das ist doch schon überraschend.“

„Haben Sie es jetzt begriffen?“ „Sie meinen, die FDP arbeitet bewusst auf Neuwahlen hin?“ „Was sagt Ihnen das?“ „Erstmal muss ich wissen, ob das wirklich so ist. Die wären doch gekniffen, wenn sie plötzlich wieder knapp oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde herumkrebsen müssten.“ „Schon richtig.“ „Oder vielleicht sogar unterhalb?“ „Auch nicht verkehrt.“ „Dann frage ich mich ernsthaft, was das soll – sind die komplett bescheuert?“ „Was wäre denn die Alternative?“ „Weidel und Gauland und…“ „Ich meinte: realistisch.“ „Ach so. Neuwahlen und wieder raus aus dem Bundestag.“ „Das heißt?“ „Keine Mandate mehr für den…“ „Realistisch im Sinne der FDP.“ „Ah, verstehe. Keine Verantwortung mehr.“ „Sehr gut, und noch?“ „Weiterhin von der Partei bezahlt und…“ „Aha, bezahlt?“ „Meinetwegen: ausgehalten, aber dann trotzdem als Fundamentalopposition unterwegs und stets bemüht, sich von der AfD abzugrenzen, wenn es möglicherweise passen können würden täte.“ „Wir kommen der Sache langsam näher.“

„Meinen Sie, es könnte so eine Art Wutbürger von oben geben?“ „Damit Nazis mit Schulabschluss nicht mehr die Rechten wählen müssen? Lässt sich schwer sagen, das Problem hat sich in den letzten neunzig Jahren immer nur in Österreich gestellt.“ „Bleiben Sie doch mal ernst!“ „Die AfD ist auch in erster Linie eine neoliberale Clique, die den Sozialstaat einstampfen will, damit die Wirtschaft sie dafür durchfüttert.“ „Das geht aber nicht mit den Grünen.“ „Das ist ein Problem, aber noch nicht das entscheidende.“ „Und das wäre?“ „Es gibt für sie nicht mehr genug Wutbürger.“

„Das klingt jetzt logisch: sie hauen lieber in den Sack, als sich vor den Grünen zu blamieren und von Merkel endgültig verheizen zu lassen.“ „So ist es.“ „Aber warum haben die sich dann überhaupt in den Bundestag wählen lassen?“ „Denken Sie noch mal scharf nach.“ „Ach so, ja.“

„Und deshalb halte ich es auch für durchaus denkbar, dass die FDP als turbokapitalistisches Auslaufmodell in der AfD auf- und untergeht, weil sie weniger Stimmen- als Stimmungsfang betrieben hat.“ „Sie meinen, die sind diesmal endgültig weg vom Fenster?“ „Haben Sie diesmal irgendeine neue Forderung gehört, die nicht schon in den letzten FDP-Wahlkämpfen herumgekräht wurde?“ „Dass Merkel Griechenland aus dem Euro rausschmeißen soll.“ „Weil sie das nicht kann. Rechtspopulisten stellen immer nur Forderungen wie ‚Alle Ausländer raus‘ oder ‚Wir wollen die D-Mark wieder‘, weil man damit garantiert an der undemokratischen Mehrheit scheitert und allen anderen die Schuld für sein Versagen geben kann.“ „Deshalb auch die Sache mit den Steuersenkungen.“ „Richtig. Und die Partei kann eine ganze Regierungszeit durch weiter im Oppositionsmodus verharren und kommt mit ihrem infantilen Geplärr in jede Talkshow.“ „Sie beschreiben gerade die AfD.“

„Jedenfalls dürfte damit klar sein, wer in der künftigen Koalition Juniorpartner ist.“ „Moment, erst müssen sie verhandeln, ob es überhaupt zur Koalition kommt.“ „Das ist ja das Paradoxe. Sie müssen einer Regierung angehören, um nicht die letzten Wählerstimmen zu verlieren, und verlieren sie auch, wenn sie es überhaupt so weit kommen lassen.“ „Schreckliche Vorstellung.“ „In jeder Hinsicht, ja.“ „Eine inhaltlich komplett entkernte Gurkentruppe, die einfach nur regieren will, obwohl sie oft genug gezeigt hat, dass sie dazu einfach nicht in der Lage ist, weder programmatisch noch personell. Wo wir gerade davon reden, warum meinten Sie, dass die CSU Angst hat?“ „Haben Sie in den letzten Wochen mal Seehofer gesehen?“