Der Style der Partei

23 11 2017

„Was hat er da gesagt? neu denken?“ „Respekt, Lindner. Zwei Lügen in zwei Worten.“ „Na, dann ist er ja in der SPD goldrichtig.“

„Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst!?“ „Wieso denn nicht, der halt alles richtig gemacht. Die FDP ist wieder da, wo sie hingehört, und die notwendige Marginalisierung der Grünen findet nicht statt.“ „Aber ich verstehe nicht, wieso er jetzt in die SPD soll?“ „Mann, dieses Standing! Was, meinen Sie wohl, brauchen wir jetzt am meisten?“ „Dass die Perspektive, also auf das deutsche Volk, und dann die Partei, die Partei, die uns…“ „Eier! Eier, verdammt noch eins! Da geht doch noch was!“ „Sie können diese Splitterpartei ja wohl nicht mit einer politischen Kraft vergleichen, die Deutschland schon in historischen…“ „Kommen Sie mal runter, Mann. Geschichte ist out! Bedenken, hier, das muss alles neu, digital und so, und dann eine total andere Fokussierung auf den Style der Partei.“ „Wenn sich Schulz das Jackett ausgezogen hat, haben die immer alle gesagt: lass es doch lieber an.“ „Reden Sie doch keinen Mist, Mann – das muss jetzt anders, das muss jetzt alles ganz neu! Wir holen uns den Lindner, dann machen wir Große Koalition, und dann rocken wir den Laden!“

„Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass der Typ so gut wie keine Substanz hat?“ „Sicher, das ist doch der Clou.“ „Sie finden das gut, dass Lindner absolut nichts zu sagen hat außer seinen komplett ausgelutschen…“ „Naja, sind halt Botschaften wie alle anderen auch. Da drehen Sie nichts dran.“ „Man muss doch aber die Wähler überzeugen!“ „Haben wir doch! Der Wähler hat gewählt, der Bundestag hat sich eingerichtet in der trüben Brühe, was soll uns denn da noch passieren, außer dass wir nicht an der Regierung beteiligt sein sollten?“ „Und dann schicken Sie einfach so ein Rumpelstilzchen nach vorne und lassen den sagen: wenn Ihr nicht mit uns spielt, dann wollen wir auch nicht mehr?“ „Klingt stark verkürzt, es ist auch dem Ernst der Lage, in dem sich das Volk befindet, nicht wirklich angemessen, ja mehr noch: es verhöhnt nachgerade die Verfassung, um die sich große Männer wie der Präsident gerade sorgen. Also im Großen und Ganzen haben Sie schon recht.“

„Wir könnten die Fortsetzung einer Koalition mit der Kanzlerin doch ganz einfach auf dem…“ „Eben nicht!“ „Bitte!?“ „Eben nicht, Schulz hat doch sein dummes Maul aufgerissen und alles davon überzeugt, dass er nur unter einer anderen CDU-Führung weiter das Schoßhündchen geben würde. Wie scheiße ist das denn!?“ „Jetzt hören Sie aber mal auf, eine Koalition mit der CDU ohne Merkel ist doch so gut wie…“ „Eben! und Sie alter Theoretiker kommen mal von ihrer Zimmerpalme runter und in der Wirklichkeit an, ja?“ „Aber…“ „Wenn Schulz, oder wer auch immer der nächste sein wird, der da im Namen der starken Sozialdemokratie in Deutschland für eine neue Gerechtigkeit in der Sozialpolitik zu Kreuze kriecht und sich in den Enddarm einer parteiführenden Person rein arbeitet, wenn Schulz ganz am Anfang der Koalitionsverhandlungen gesagt hätte: jetzt passt mal auf, Ihr Volleulen, das ist mir doch wumpe, wer unter mir die Kanzlette gibt! Meinen Sie, die CDU hätte einmal aufgemuckt?“ „Das hätten die doch nie…“ „Wen hätten die denn schicken sollen? etwa Spahn, diese optisch in die Hose gegangene Hohlraumummantelung?“ „Ich weiß ja nicht, machen das die Grünen mit?“

„Wir bräuchten jetzt auch so einen atmenden Rahmen.“ „Damit sich die CSU am Ende bei uns bedankt?“ „Wieso denn nicht?“ „Hören Sie mal, diese Freizeitnazis, mit denen ist kein Staat zu machen!“ „Zwei von drei Merkel-Legislaturen haben wir immerhin durchgekriegt auf die Tour.“ „Man kann sich doch nicht immer beugen, wenn man alles unter dem Mantel des Sachzwangs…“ „Wieso denn nicht?“ „Weil das unserer politischen Glaubwürdigkeit schadet!“ „So einer wie Lindner geht breitbeinig auf diese bayerischen Dorfdeppen zu und erklärt ihnen, wo der Hammer hängt – und dann sind sie die besten Freunde, weil es ihm egal ist, ob sie ihn hassen, solange sie sich beim Gedanken an ihn in die Hosen machen.“ „Und dann?“ „Und dann hätte das Merkel erstmal ein größeres Problem, weil die Feinde meiner Feinde bekanntlich meine Freunde sind.“ „Also Merkel und die CDU wären dann unsere Feinde?“ „Nein, wir würden ihr nur klarmachen, dass wir die CSU noch von früher kennen, weil wir die bösen Jungs waren, die im Schulbus immer ganz hinten gesessen haben.“ „Oha!“ „Und genau deshalb brauchen wir jetzt den Lindner. Der hat Biss, der Mann – ich will nicht übertreiben, aber diese Ausstrahlung hatte wohl Schröder zuletzt.“ „Schmidt?“ „Was rauchen Sie denn für einen Dreck!?“ „Entschuldigung, ich wollte doch nur…“ „Sie wollen doch diesen Waschlappen für untenrum nicht mit einem Kanzler vergleichen, der den Namen auch verdient?“

„Und jetzt?“ „Gucken wir mal.“ „Wir können doch nicht warten, bis sich irgendeine Möglichkeit ergibt, diese Koalitionsverhandlungen mit der…“ „Zuhören war jetzt nicht Ihre Stärke? wer hat denn davon gesprochen, dass wir auf irgendwas warten? Wozu brauchen wir denn dann den Lindner, wenn wir zugucken, bis er zu uns kommt?“ „Wir hätten da ein Angebot.“ „Von wem?“ „Rot. Also Rot-Rot.“ „Hm.“ „Wagenknecht.“ „Geben Sie mir mal die Telefonnummer vom Konrad-Adenauer-Haus. Und gucken Sie mal, ob der Gabriel noch irgendwo unten in der Kantine herumschwirrt.“