Schule der Hausmeister

29 11 2017

„Aber nicht unter Merkel!“ „Was bleibt uns denn anderes übrig?“ „Wir sollten als die ältere Partei den Kanzler stellen, dann wird diese Koalition auch etwas!“ „Das meint der ernst!?“ „Das meint der ernst.“ „Ach du lieber Gott…“

„Meinen Sie nicht auch, dass Schulz direkt nach der Wahl ein bisschen zu impulsiv reagiert hat?“ „Großartig, nicht wahr?“ „Er hätte besser die Schnauze gehalten.“ „Das meint der doch nicht ernst!“ „Ich fürchte, doch.“ „Aber dann wären wir endgültig in der Versenkung verschwunden.“ „Wo, meinen Sie, sind wir jetzt?“ „Jedenfalls ist eine Regierungsbeteiligung in greifbarer Nähe.“ „Wenn Sie damit meinen, dass die Kanzlerin uns am Schlafittchen hat, könnten Sie durchaus recht haben.“ „Sie braucht uns eben, und als Partei der Staatsverantwortung…“ „Ihnen geht’s gut, ja?“ „Er spricht jetzt aber nicht von der SPD, oder?“ „Nicht von der, die ich kennen, und die kenne ich schon seit ein paar Jahren.“

„Wir dürfen uns den Gesprächen jetzt nicht verschließen.“ „Und dann?“ „Er meint, dann wird erstmal gesprochen.“ „Und dann?“ „Kann man ja mal sehen, ob man redet.“ „Die Parteiführung ist da eng beieinander.“ „Das kennt man, die liegen im Schwitzkasten.“ „Jedenfalls halten wir durchaus Kontakt zu Schulz, der könnte ja als Kanzler einer SPD-geführten Minderheitsregierung…“ „Also ich glaube nicht mehr, dass der das ernst meint.“ „Doch, warten Sie es nur ab.“ „Wir stellen den Bundeskanzler, obwohl die Union in der Mehrheit ist?“ „Deshalb ja Minderheitsregierung.“ „Das könnte sich stabilisierend auswirken.“ „Aber nur auf die Union.“

„Wir müssen erstmal sehen, ob wir uns auf die Dinge einigen können, die wir in einer Koalition durchsetzen wollen.“ „Hatten wir nicht etwas vor der Wahl gefordert?“ „Ja, aber das war nur fürs Wahlprogramm.“ „Ich nehme an, das meint der auch ernst?“ „Ja, aber nur programmatisch.“ „Das heißt, wir müssen darüber noch mal reden.“ „Also nach der Sondierung?“ „Brauchen wir die denn?“ „Parteiintern würde das schon Sinn machen.“ „Wer will denn intern? Wir müssen endlich wieder an die Regierung!“ „Und wo waren wir die letzten vier Jahre?“ „In der Minderheit.“

„Warum riskieren wir keine Neuwahlen?“ „Weil wir uns dann ein neues Programm ausdenken müssten.“ „Ist doch prima!“ „Das glauben aber auch nur Sie.“ „Stimmt, dann würden uns die Leute fragen, warum wir diese Forderungen nicht gleich hatten.“ „Weil eine Beteiligung an der Regierung damals nicht realistisch erschien.“ „Hätte man dann nicht noch mehr fordern können?“ „Sie meinen, rein programmatisch?“ „Dann könnten wir doch jetzt mit Maximalforderungen kommen.“ „Wieso das denn?“ „Weil jetzt die Beteiligung an der Regierung wieder realistisch ist.“

„Lassen Sie mal die Kirche im Dorf, wir werden sicher nicht alleine eine Regierung auf die Beine stellen können.“ „Gucken Sie sich doch die letzten Sondierungen an, in die Regierung kommt doch jeder.“ „Ja, aber nur als Hausmeister.“ „Für eine Arbeiterpartei ist das keine Schande.“ „Also jetzt nehme ich ihn nicht mehr ernst.“ „Gut, das mit der Arbeiterpartei war vielleicht nicht so gelungen.“ „Obwohl man programmatisch…“ „Gerade das ist doch der Pferdefuß: gegen die Merkel-Union hat man als Arbeiterpartei doch keine realistische Chance mehr.“ „Als Liberaler aber auch nicht.“ „Da haben wir ja noch mal Glück gehabt.“

„Und jetzt kommen Sie alle mal wieder runter, diese Führungsdebatte schadet uns doch langfristig nur.“ „Wieso langfristig?“ „Und wieso Führungsdebatte?“ „War denn Schulz nicht als Spitzenkandidat gesetzt?“ „Aber gegen Merkel.“ „Die hört ja dann auf, wenn Schulz kommt.“ „Müsste sich Schulz dann nicht selbst entsorgen?“ „Sie haben das mit dem Hausmeister irgendwie auch noch nicht ganz kapiert.“ „Einer muss es ja machen.“ „Die SPD ist sich vollständig ihrer Verantwortung in der momentan schwierigen Lage bewusst.“ „Sagt Schulz.“ „Wer nimmt das denn jetzt noch ernst!?“

„Dass wir mal als Anker der Stabilität und Verlässlichkeit für dieses Land durchgehen könnten, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.“ „Bei der Arbeiterpartei weiß man immerhin: die fallen um. Nur wohin, das ist die Frage.“ „Kommen Sie jetzt gleich mit einer Dolchstoßlegende um die Ecke?“ „Programmatisch?“ „Wie gesagt, wir sollten uns jetzt alle mal am Riemen reißen, sonst haben wir ein gewaltiges Problem, Neuwahlen hin oder her.“ „Ich weiß gar nicht, was Sie haben. Deutschland geht es doch gerade fantastisch! Die Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt läuft regelrecht heiß, die internationalen Entwicklungen, denken Sie nur an den Brexit, das bedeutet natürlich Wachstum, und dann der Euro, stabil wie nie, das sind gewaltige Synergieeffekte, die muss man erst mal nutzen, und dann unsere Vorreiterrolle in Europa, das bedeutet Stabilität, richtige Stabilität bedeutet das!“ „Genau. Und alles ohne Regierung.“

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