Schafkopf

6 12 2017

„Alles, nur nicht die!“ „Wen sonst?“ „Ihnen ist klar, dass wir mit unserer Haltung als sexistische Partei einen Großteil der Wählerinnen verlieren werden?“ „Ja, meinetwegen!“ „Hören Sie mal, wenn wir jetzt in eine Regierungskoalition wollen, muss unsere Führung eine…“ „Alles, auch Wurzelbehandlung oder Auspeitschen – aber nicht Nahles!“

„Die hat doch bis jetzt einen ganz guten Job gemacht.“ „Naja, wenigstens hat sie nicht so viel verraten, was uns noch tiefer reinreiten könnte.“ „Und sie hat diesmal noch nicht gemeckert, dass es bei den Koalitionsverhandlungen keinen Alkohol gibt.“ „Weil es noch keine Koalitionsverhandlungen gab.“ „Müssen Sie uns mit Nebensächlichkeiten aufhalten?“ „Jetzt machen Sie mal einen Punkt!“ „Wer hat denn angefangen!?“ „Ruhe jetzt! Der Auftrag von der Parteispitze ist klar, wir brauchen ein Tandem, eine Hälfte weiblich, und das muss bis zum…“ „Wer wird denn die andere Hälfte?“ „Ich ging bisher von Schulz aus.“ „Der kann ja auch die Frauenrolle ausfüllen.“ „Trotz Bart?“ „Diese ewige Unentschlossenheit, dieses divenhafte Getue, das ist doch anziehend, oder?“ „Haben Sie eine Ahnung!“ „Dann würde sich die FDP ja nicht vor Angeboten retten können.“ „Haben Sie eine Ahnung!“ „Bei denen liegt es am Geld.“ „Ach so.“

„Dabei haben wir doch eine ganze Reihe guter Politikerinnen.“ „Mir fallen jetzt gerade keine ein.“ „Die Dings.“ „Genau.“ „Äh…“ „Ja, an die hatte ich auch gleich gedacht. Die wäre fast mal Kandidatin geworden, ich weiß nur nicht, wofür.“ „Sie meinen sicher Schwesig?“ „Nee, die war älter.“ „Die ist doch aber noch recht jung.“ „Ich meine die andere.“ „Klar, die ist dann natürlich älter.“ „Aber auch nur im Vergleich.“ „Und mit dieser Diskriminierung wollen wir hier auch gar nicht erst anfangen.“ „Weil die andere zu jung ist?“ „Ach, egal.“

„Dabei hatte Schulz doch gesagt, er wolle ein Kabinett im Falle seines Wahlsieges paritätisch besetzen.“ „Da ist er ja fein raus.“ „Wieso?“ „Weil wir die Wahl nicht gewonnen haben.“ „Er wollte eh nur Kanzler werden, wenn die Merkel verzichtet.“ „Also gar nicht.“ „Das sagen Sie!“ „Vermutlich hat er das gesagt, weil er wusste, dass man mit Merkel einfach keine Frauenquote machen kann.“ „Haben wir denn wenigstens genügend Quotenfrauen?“ „Wie kommen Sie denn jetzt darauf?“ „Schauen Sie sich doch die anderen Parteien an: eine Frauenquote führt zwangsläufig zu Quotenfrauen.“ „Wenn wir die CDU wären, könnte man das annehmen.“ „Sind wir aber nicht!“ „Ja, schade.“ „Bitte!?“ „Naja, dann wären wir ja an der Regierung und könnten ein Kabinett ohne Quotenfrauen… nee, ich komm noch mal rein.“

„Es geht ja jetzt vornehmlich darum, dass wir auf dem Parteitag…“ „Dann ist das gar nicht für die politische Praxis bestimmt?“ „Seit wann hat das, was ein Parteitag beschließt, Relevanz für die politische Praxis?“ „Haben Sie Nachsicht mit dem Kollegen, er ist erst seit zehn Jahren Genosse.“ „Na, dann…“ „Höre ich da einen ironischen Unterton?“ „Müssen Sie das immer thematisieren?“ „Ich möchte Sie ungern zurechtweisen, aber wir haben hier eine Mission zu…“ „Dann lassen Sie sich doch was abschneiden und kandidieren Sie selbst!“

„Man kann doch jetzt nicht die erstbeste…“ „Mit der Skatrunde im Hinterzimmer war das auf Ladesebene früher immer einfacher.“ „Lange her.“ „Aber für die politische Praxis war’s dufte.“ „Wem sagen Sie das!“ „Vielleicht spielen die Herren jetzt mal eine Runde Doppelkopf?“ „Unsinn, was soll das denn bringen?“ „Vielleicht finden sie dann raus, wer in diesem Spiel der Schafskopf ist?“ „Das ist doch lächerlich!“ „Geht denn Ulla Schmidt als neue Ehrenvorsitzende durch?“ „Dreyer ist doch auch noch da.“ „Oder Kraft.“ „Die will ja nicht mehr.“ „Wieso nicht?“ „Weil sie es kann.“ „Dann könnten wir Nahles nehmen.“ „Weil sie es nicht kann?“ „Ja, aber sie will.“

„Mit dieser… hier, Dings…“ „Ich kann den Namen auch nicht aussprechen, aber mit der kann man auch die Ausländerquote abfrühstücken.“ „Eben, das zeigt doch, wie integrativ wir sind!“ „Immer dann, wenn es um nichts mehr geht.“ „Es geht immerhin um unsere Beteiligung an einer…“ „Sage ich ja, es geht um nichts mehr.“ „Das ist doch echt eine…“ „Was regt Sie an einer realpolitischen Einschätzung denn überhaupt so auf?“ „Nichts, aber ich kann doch mal sagen, dass ich das nicht gut finde!“ „Also sind Sie ausländerfeindlich?“ „Jetzt platzt mir aber gleich der Kragen!“ „Sehen Sie, eine typische Verschiebungsreaktion, er will nur von seiner rechten Gesinnung ablenken!“ „Ich verlasse die Partei!“ „Das finde ich jetzt aber übertrieben.“ „Naja, vielleicht ist er noch nicht emanzipiert genug für eine Parteichefin.“

„Also es geht um nichts mehr.“ „Ja, aber das…“ „Also: ja!?“ „Ich würde es nicht direkt so sagen, aber es ist eben eine…“ „Er meint, wir müssten uns damit abfinden, dass unsere Entscheidungen nicht mehr berücksichtigt werden. Keine von unseren Entscheidungen, damit wir uns richtig verstehen.“ „Alles weg?“ „Wenn wir sowieso am Ende sind, dann sollten wir…“ „Verschonen Sie uns mit Ihren Ratschlägen, das ist unsere Sache!“ „Nein, ich wollte es nur wissen: wir sind im Arsch?“ „Naja, es ist…“ „Ja oder nein!?“ „Wenn Sie so fragen: ja.“ „Und wer verwaltet den ganzen Mist?“ „Hm.“ „Die Frage ist interessant.“ „Stimmt!“ „Kann ich die Nahles noch mal sehen?“

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